Mit den Fußspitzen an der Laderampe
Cold Lake, Alberta, Kanada, 22.05.2009.
Nigeria, Sudan, Somalia, Bosnien und Herzegowina, Afghanistan – nur einige Einsatzgebiete in denen die Transall C-160 bereits Hilfsgüter und Personal transportiert hat. Schon in den frühen 1970er Jahren flog sie die ersten Missionen. Wie kommen aber die Lasten an ihren Bestimmungsort? Wie groß ist die Besatzung einer Transall? Hauptfeldwebel Eddie A. (39) ist Ladungsmeister und erzählt über sein Berufsbild während der Übung Maple Flag.

Hauptfeldwebel Eddie A. ist leidenschaftlicher „Transporter“. Während er über seine Ausbildung und den Berufsalltag berichtet, sieht man ihm deutlich die Begeisterung an. 1991 trat Eddie in die Bundeswehr ein und gehörte erst einmal zum Luftumschlagpersonal. Auf die Frage hin, wie er denn zum Ladungsmeister kam, antwortete Eddie mit einem Schmunzeln „Ich sollte erst Kraftfahrer werden, aber das war nichts für mich. Ich bin auch nicht der Bürotyp, ich hatte halt das Glück zum Luftumschlagzug versetzt zu werden. Dort bin ich erstmals in Kontakt mit der Fliegerei gekommen. Es hat sich so ergeben und irgendwann wollte ich auch nichts anderes mehr machen“. So begann er die dreijährige Ausbildung an den verschiedensten Standorten.

Mehr als nur die Laderampe öffnen
Die Besatzung einer Transall besteht aus dem Kommandanten, Co-Piloten, Bordtechniker, Navigator und eben dem Ladungsmeister. Zum Aufgabengebiet gehört viel: Schwerpunkt der Maschine berechnen, Lasten kontrollieren, Luftraum beobachten - aber auch Lasten und Fallschirmspringer aus verschiedenen Höhen absetzen, im Fachjargon „dropen“ genannt. Dazu gehört weitaus mehr, als nur die Laderampe zu öffnen. Eddie verpackt die Lasten nicht selbst - seine Aufgabe ist es, die Lasten anhand seiner Checkliste zu kontrollieren. Entweder ist alles in Ordnung und er gibt sein OK, oder er lehnt die Last ab. „Die Lasten müssen korrekt verpackt sein, dafür gibt es genaue Vorschriften. Die Packerknoten 5 und 7 müssen exakt angewendet werden, sonst lösen sie sich vorzeitig“, so der erfahrene Ladungsmeister. Anschließend wird die Fracht genau berechnet und dem Kommandanten gemeldet. Auf Grund dessen weiß er, was mit der Maschine zu leisten ist und was nicht.

Verschiedene Verfahren beherrschen
Der Ladungsmeister muss verschieden Verfahren beherrschen. Hecklast-, Türlast- und das Afrikaverfahren – da muss jeder Handgriff sitzen. Bei Maple Flag wird das Absetzen in niedriger Höhe durchgeführt, dabei wird die Hecklast aus rund 377 Fuß (115 Meter) gedropt. Beim Fallschirmsprungdienst werden auch Türlasten aus einer Höhe von 500 Fuß (152 Meter) gedropt. Der Fallschirm öffnet sich – die Last pendelt ein und gleitet gerade auf den Boden zu. Das so genannte Afrikaverfahren ist sehr selten und wird nur im bayerischen Altenstadt trainiert. Bei diesem Verfahren werden die Inhalte, meist Lebensmittel, in Holzpaletten gepackt, mit Bändern zugebunden und auf dem Schienensystem mit Gurten gesichert. In einer Höhe von 20 Fuß (7 Meter) wird die Laderampe geöffnet und die Transportsicherung entfernt, mittels Anstellwinkel und Beschleunigung gleiten die Paletten nach hinten und fallen auf den Boden.

Die Lebensversicherung
Die Gefahr bei geöffneter Laderampe aus dem Transporter zu fallen ist groß – zwar sind die Ladungsmeister erfahren und wissen, worauf es ankommt, ein Rettungssystem ist dennoch unersetzlich. Für den Ernstfall steht dem Personal ein Fallschirm zur Verfügung, der als Rettungssystem konstruiert wurde. Er hebt sich vom gewöhnlichen Fallschirm in Form, Farbe und Funktion ab. Er ist in roter Signalfarbe eingefärbt und besitzt eine wichtige Zusatzfunktion. Anders als bei konventionellen Fallschirmen, öffnet sich dieser, sobald er in kürzester Zeit über eine gewisse Tiefe fällt. Darüber hinaus ist er für den einmaligen Gebrauch vorgesehen. Aus diesem Grund müssen künftige Ladungsmeister in ihrer Ausbildung einen Lehrgang bei den Fallschirmjägern in Altenstadt absolvieren. Der Umgang mit dem Rettungsgerät muss im Ernstfall reibungslos sitzen.

Immer im Einsatz
Seinen ersten Einsatz hatte Eddie gleich zu Beginn seiner Bundeswehrzeit. Als Angehöriger des Luftumschlagpersonals war er bereits in Bosnien, später auch in Somalia. Wie oft er insgesamt im Einsatz war, weiß Eddie selbst nicht mehr. Der Einsatz ist zum Alltag geworden. Als Transportpersonal kommt man auch in Gebiete, in denen keine deutschen Kontingente vertreten sind. Einsätze im Rahmen von humanitärer Hilfe und Unterstützung von Naturkatastrophen sind keine Ausnahme. Bei einer großen Einsatzbelastung ist für das Personal der Erfahrungsaustausch untereinander wichtig: “Bei uns in der Fliegerei ist es wie in einer großen Familie, wir sitzen zusammen und reden darüber was passiert. Das hilft das Erlebte zu verarbeiten“. Eddie hat am 6. Juni 2009 sein zehn jähriges Dienstjubiläum als Ladungsmeister. Trotz der Einsatzbelastung ist es sein Traumberuf - seine damalige Entscheidung als junger Soldat bereut er bis heute nicht.

Königin unter den Transportern
Die Transall C-160 wurde in einer deutsch-französischen Kooperation entwickelt und gebaut. Seit 1967 wird sie von der Deutschen Luftwaffe genutzt. Durch ihre Bauweise ist sie für den Einsatz auf Behelfsflugplätzen ausgezeichnet geeignet. 93 Passagiere, über 60 Fallschirmjäger, drei Schwerstverletzte oder bis zu 16 Tonnen Material können transportiert werden. Ein umfassendes Einsatzspektrum, das die Besatzungen zu schätzen wissen. Für sie - ist nur sie die „Königin unter den Transportern“.


