Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Karriere > Jobportraits - Unteroffiziere/Feldwebel/Offiziere > Kaffee mit der Kanzlerin

Kaffee mit der Kanzlerin

Berlin, 31.05.2011, Y..
Hubschrauberfliegen mit der Truppe? Im engen Segeltuchsitz, den Rücken an der Bordwand, so geht es laut und luftig zum Einsatzort. Bequemer fliegt es sich mit der Cougar, dem Transporthubschrauber für VIPs. Exklusiv hob Y mit Flugbegleiterin Anett Möckel ab.

08:50 LOC – Start am Flughafen Tegel

08:50 LOC – Start am Flughafen Tegel (Quelle: IMZ Bw/Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Behaglich lehnen wir uns in den dumpf knarzenden Ledersesseln zurück. Durch das riesige Seitenfenster erkennen wir am Ende einer endlosen Betonbodenplatte das Flughafengebäude von Berlin Tegel. Entspannt durchatmen. Ein leichter Abgasgeruch der startenden Triebwerke mischt sich in die klimatisierte Luft. Nur wenige Augenblicke später hebt der Transporthubschrauber Cougar mit der Kennung 82-02 sanft vom Boden ab.

Erst eine leichte Rückenlage, dann schweben wir mit rund 2.100 PS voran. In der etwa 1,5 Meter hohen Innenkabine des VIP-Hubschraubers dominieren helle Lederapplikationen an den Wänden und Decken sowie dunkler Textilteppichflor. Ungewohnt, aber doch Bundeswehr. Wurzelholzfurnier auf dem Tisch und an Schränken anstatt gepanzerter Bordwände mit Segeltuchsitzen und Transportschienen mit Halteösen auf dem Boden. Ein unmilitärischer Hauch von Luxus. Und was in einem Transporthubschrauber Typ CH-53 nicht vorstellbar ist, gehört bei unserem Flug mit der Flugbereitschaft des BMVg aus Berlin dazu: ein freundlicher Bordservice samt hübscher Flugbegleitung. Klasse. Anett Möckel hat ihr rotbraunes Haar zu einem kleinen Zopf zusammengebunden.

Ihre blauen Augen beobachten unauffällig jeden Winkel des Passagierraums beim Start. Nur die Schulterklappen auf dem weißen Hemd der 29-jährigen Flugbegleiterin holen uns zurück in den Dienstalltag. „Ich bin hier die Saftschubse“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Sie erträgt die Vorurteile mit Humor. Oberfeldfeldwebel Möckel ist eine von sechs Lufttransportbegleiterinnen aus dem Team der 3. Lufttransportstaffel der Flugbereitschaft Berlin. „Meine Fluggäste sind überwiegend prominent. Von der Bundeskanzlerin bis zum Generalinspekteur.“ Aha – gestern also saß hier auf unserem Platz der Bundesverteidigungsminister.

nach oben

Sitzt die Krawatte? Letzter Check im Spiegel, bevor es losgeht

Sitzt die Krawatte? Letzter Check im Spiegel, bevor es losgeht (Quelle: IMZ Bw/Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Verschwiegenheit gehört zum Berufskodex

Auf dem faltenfreien Hemd blitzt ein silbernes Abzeichen mit Flügelschwingen hervor. „Das gibt es nach 1.300 Flugstunden“, erklärt die Berufssoldatin. Seit ihrem Diensteintritt im Januar 2001 und neun Jahren als Lufttransportbegleiterin liegt sie da deutlich drüber. Es war ihr ausdrücklicher Wunsch, Flugbegleiterin zu werden.

„Die Basisausbildung ist zunächst bei der Lufthansa, wie für zivile Flugbegleiter“, erklärt uns Anett. Im militärischen Teil stehen anschließend Überlebenstraining auf Land und auf See und eine spezielle Sanitätsausbildung auf dem Programm, bevor alle Bundeswehrflugbegleiter auf dem Airbus geschult werden. „Erst danach erfolgt eine Spezialisierung auf ein sogenanntes Flugmuster.“ Anett Möckel hat sich für die Flugmuster Hubschrauber Cougar und den Passagierjet Challenger entschieden. Und hier begleitet sie seit Anfang 2002 die Politik- und Militärprominenz, meistens bei Flügen im Inland, aber auch ins Ausland.

Und, wie sind sie denn jetzt, die Frau Bundeskanzlerin und der Herr Außenminister? Ein höfliches Lächeln. Verschwiegenheit gehört zum Berufskodex. „Viele Sachen, die sieht man und tauscht sich vielleicht nochmal mit den Kollegen aus. Oder man behält es in einem kleinen Schatzkästchen einfach für sich“, sagt Anett. „Ein netter Staatssekretär bringt immer frischen Pflaumenkuchen für die Crew von seiner Frau mit“, verrät sie uns dann doch noch.

nach oben

Letzte Abstimmungen mit der Pilotencrew

Letzte Abstimmungen mit der Pilotencrew (Quelle: IMZ Bw/Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Aufmerksam, ruhig und mit Vertrauen in die Piloten

Die langen Bereitschaftszeiten und die spontane Abwesenheit von Zuhause sowie der enge Arbeitsplatz ärgern sie nicht. Einmal gab es einen technischen Defekt, in dessen Folge der Hubschrauber mit samt Gästen eine spontane Zwischenlandung vornehmen musste. So stand der Inspekteur der Luftwaffe mit zwölf Koreanern und mit einer Tasse Kaffee auf einem Acker. „Ich vertraue in unsere Piloten und wurde bisher noch nie enttäuscht“, erklärt sie.

Ihr schönster Flug bislang war eine viertägige Skandinavienreise mit dem damaligen Minister Struck. „Jede Nacht in einer anderen Stadt. Helsinki, Stockholm, Oslo und wieder zurück.“ Anett Möckel kommt ins Schwärmen. „Das war quasi mein Jungfernflug auf der Challenger in alleiniger Verantwortung.“ Dazu das Erlebnis toller Landschaften, bei bestem Wetter mit netten Passagieren – alles hat gepasst. Eine wesentliche Eigenschaft einer Flugbegleiterin ist die Aufmerksamkeit. „Ich arbeite viel mit den Augen, sehe frühzeitig, wenn der Passagier etwas möchte und sollte nicht wie eine Fliege hin und her huschen.“

Bei Schlechtwetterfronten oder Turbulenzen ist es besonders wichtig, einfach die Ruhe zu bewahren. Anett hat keine Flugangst. Und wenn sich die Flugdaten ändern, ist sie immer vorbereitet. Wir sind pünktlich. „So, nun bitte wieder anschnallen“, fordert sie uns höflich auf, bevor die Cougar 82-02 Punkt 10:25 „local time“ (LOC) zur Landung ansetzt.

nach oben

10:01 – Souverän in der engen Kabine in 150 Fuß Flughöhe

10:01 – Souverän in der engen Kabine in 150 Fuß Flughöhe (Quelle: IMZ Bw/Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Zur Person

Herkunft
Geboren wurde Anett Möckel in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge. Sie lebt mit ihrem Freund in Berlin und teilt seine Leidenschaft für härtere Rockklänge. In ihrer Playlist stehen die Foo Fighters derzeit ganz oben.

Hobbys
Die unregelmäßige und kurzfristige Dienstzeit lässt wenig echte Hobbys zu. Sie nutzt ihre kostbare Freizeit zur Entspannung zuhause mit Lesen und Filme schauen.

Leidenschaft
Kollegen im Urlaubsflieger beobachten und dabei manchmal zur Beherrschung die Finger tief in den Sitz krallen. Ihre Lieblingsfarbe ist Rot. Nudeln sind die Lieblingsspeise und der Anflug auf Berlin bei Nacht der schönste Anblick, den Anett kennt.

 

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 26.11.13 | Autor: Burkhard Cilian


http://www.luftwaffe.de/portal/poc/luftwaffe?uri=ci%3Abw.lw.karr.jpuffz&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB060000000001%7C8HCA5M621INFO