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„Scharfer Schuß und endlose Straßen“

El Paso/USA, 22.11.2010.
Vom ergonomisch geformten Bürostuhl, mit dem Gebläse der Klimaanlage im Nacken, bis zur Wüste von Texas und New Mexiko, mit der Sonne im Gesicht: Alles inklusive. Wie abwechslungs- und facettenreich die Verwendung als Lehroffizier und Hörsaalleiter am „Taktischen Aus- und Weiterbildungszentrum mit Weiterentwicklungsaufgaben für Flugabwehrraketen der Luftwaffe“ – abgesehen von den extremen Temperaturunterschieden – sein kann, zeigt sich am Beispiel von Hauptmann Heiko Bauer.

Weites Land um El Paso herum

Weites Land um El Paso herum (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

El Paso liegt am südlichsten Rand von Texas, mit einem Bein steht man hier praktisch schon in Mexiko, denn die geografische Verlängerung vom texanischen El Paso führt direkt in die mexikanische Grenz.- und Großstadt Ciudad Juarez. Was führt also „einen Gringo“ aus Deutschland hierher? Eine lange Geschichte, die einst in Heidelberg ihren Anfang nahm…

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Ausbilder Bauer in seinem Element

Ausbilder Bauer in seinem Element (Quelle: Luftwaffe/Heiko Bauer)Größere Abbildung anzeigen

Und immer wieder ruft die Wüste

Hauptmann Bauer begann seine Offizierlaufbahn im Jahr 2001 mit der Grundausbildung in Bayreuth. Auf den Offizierlehrgang an der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck folgte das Studium der Staats- und Sozialwissenschaften mit Schwerpunktfach Öffentliches Recht an der Universität der Bundeswehr München. In das Studium eingegliedert sammelte er während verschiedener Praktika vielschichtige Eindrücke, sowohl zivil am Verwaltungsgericht Hamburg, als auch militärisch bei der Truppe für Operative Information in Koblenz. Nach dem Studium verschlug es den gebürtigen Heidelberger an das andere Ende der Republik, zur Flugabwehrraketengruppe 21 am Standort Sanitz in Mecklenburg-Vorpommern.
Dort stand im Frühjahr 2006 erneut Lehrgang und Lernen auf dem Programm: Die sechs Monate dauernde Ausbildung zum Feuerleitoffizier am Standort Fort Bliss in El Paso, Texas.
Nach dieser Fachausbildung ging es wieder zurück ins vergleichsweise kühle und kalte Mecklenburg-Vorpommern, doch hat Bauer den Kontakt nach El Paso nie wieder verloren. Seine Verwendungszeit als Feuerleitoffizier in Sanitz war neben FlaRak-typischen Events - wie dem scharfen Schuss auf Kreta oder Zertifizierungsübungen der schnellen Eingreifkräfte der NATO - immer wieder durchsetzt mit Weiterbildungslehrgängen in El Paso, wo er - man staune - seit Sommer 2008 als Lehroffizier und Hörsaaleiter für verschiedene Fortbildungs- und Qualifizierungslehrgänge eingesetzt ist.

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Praktische Ausbildung am Gerät, hier noch als Oberleutnant

Praktische Ausbildung am Gerät (Quelle: Luftwaffe/Heiko Bauer)Größere Abbildung anzeigen

Ausbildung in El Paso

Ausbildung am und mit dem Waffensystem Patriot erlebte Bauer im Jahr 2006 noch als Lehrgangsteilnehmer und führt sie heute verantwortlich für immer neue Lehrgänge selbst durch. Neben theoretischen Unterrichten über Technik, Initialisierung und den taktischen Einsatz des Waffensystems nimmt die praktische Ausbildung für Feuerleitbesatzungen den überwiegenden Teil der jeweiligen Lehrgänge ein. Da nicht für jeden Lehrgangsteilnehmer eine eigene Feuerleit- oder Kampfführungsanlage zur Verfügung steht, wird diese hauptsächlich im Waffensystemtrainer PCoFT (PATRIOT Conduct of Fire Trainer) durchgeführt. Dieses Ausbildungsmittel bildet vom "Kennenlernen der zahlreichen Knöpfe" und Tabellen bis hin zur Ausbildung im Feuerkampf anhand von taktischen Szenarien nahezu alle Funktionen des originären Waffensystems ab. All dies geschieht jedoch nicht in einer engen, verlasteten Kabine, sondern in einem abgeschirmten und voll klimatisierten Raum an bis zu acht Feuerleitkonsolen gleichzeitig.

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Bauer am Schlagzeug

Bauer am Schlagzeug (Quelle: Luftwaffe/Heiko Bauer)Größere Abbildung anzeigen

Fürsorge wird groß geschrieben

Zusätzlich zum Einsatz als Lehroffizier in der Fachausbildung zum Feuerleitoffizier und Feuerleitfeldwebel betreut und führt Hauptmann Bauer die entsprechenden, bis zu 16 Soldaten starken Offizierlehrgänge - als Hörsaalleiter auch regelmäßig „außer Dienst“. Da das „Taktische Aus- und Weiterbildungszentrum mit Weiterentwicklungsaufgaben für Flugabwehrraketen der Luftwaffe“ (TAWZ) in El Paso keine Unterkünfte für Lehrgangsteilnehmer innerhalb des Standortes Fort Bliss bereitstellen kann, sind alle Lehrgangsteilnehmer über das Stadtgebiet El Paso in angemieteten Unterkünften verteilt. Die Betreuung der Lehrgänge bedeutet daher nicht ein morgendliches Antreten oder gemeinsames Frühstück in der amerikanischen Truppenküche, sondern vielmehr dafür zu sorgen, dass alle Soldaten mit dem Notwendigen versorgt sind, beziehungsweise ihnen die notwendige Hilfestellung zu geben, sich in einem unbekannten Land selbst zu versorgen. Dies beginnt bei der Einweisung in die amerikanischen Verkehrsregeln, geht über die Unterstützung bei der Eröffnung eines Bankkontos und endet gegebenenfalls mit der Beratung beim Autokauf.
Für Bauer selbst verlief der Umzug nach El Paso übrigens relativ zügig und unproblematisch. Als Junggeselle kann man eben dort schlafen, wo der Hut landet. Und neben angenehmem Klima und guten Einkaufsmöglichkeiten hat die Großstadt El Paso auch in punkto Unterhaltung und Freizeitgestaltung einiges zu bieten. Bei Bauer hat sich konkret die Gitarrensammlung um das ein oder andere Instrument erweitert. Dass diese allerdings nicht nur zum Anschauen taugen, sondern auch Töne erzeugen, hört man entweder entspannt im heimischen Garten oder bei der Ausbilderband des TAWZ in der Garage.

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Abschuß eines Patriot-Flugkörpers

Abschuß eines Patriot-Flugkörpers (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Der „scharfe Schuß“ in der Wüste

Doch was hätte man von den geschätzten 300 Sonnentagen in El Paso, wenn man die Ausbildung nur in abgedunkelten und klimatisierten Räumen stattfinden würde? - Zumindest keinen gesunden Teint und auch nur wenig Kenntnis vom Waffensystemgerät selbst, das nun mal nur schwer in einen Lehrsaal passt. Also werden Theorie und Ausbildung am Trainingsset PCoFT mit zahlreichen Stunden Praxis unter freiem Himmel am Gerät selbst abgerundet. Höhepunkt dieser Wüstenerfahrung ist der drei mal jährlich stattfindende Ausbildungsabschnitt „Rolling Shield“. Dazu verlegen verschiedene Lehrgänge gemeinsam mit Ausbildern und Unterstützungspersonal in die riesige Fort Bliss Training Area, weit vom heimatlichen Bett und Pool entfernt. Dort wird für eine Woche rund um die Uhr der Betrieb und der bewegliche Einsatz des Waffensystems in unbekanntem und nicht gerade menschenfreundlichem Gelände erlernt und geübt. Meist endet diese Ausbildungswoche mit dem scharfen Verschuss von ein oder zwei Lenkflugkörpern Patriot, ein durchaus seltenes Ereignis und damit ein Höhepunkt für die beteiligten Lehrgangsteilnehmer. Hautpmann Bauer ist auch hier mit eingebunden. Diesmal jedoch nicht als Ausbilder, sondern als verantwortlicher Projektoffizier, Planer und Organisator.

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Die Gipswüste White Sands

Die Gipswüste White Sands (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Über den Tellerrand hinaus

Neben dem Schwerpunkt Ausbildung reiht sich in die lange Bezeichnung der Dienststelle in El Paso auch die Weiterentwicklung ein. Hier bietet sich auch für Lehrpersonal wie Hauptmann Bauer stets die Möglichkeit an Erprobungen und Tests für neue Waffensystemkomponenten, wie beispielsweise dem PAC-3 Lenkflugkörper oder neuen Versionen der Waffensystemsoftware, mitzuwirken. Fort Bliss bietet aufgrund seiner außergewöhnlichen Wüsten-Lage der Amerikanischen Air Defence - Industrie und anderen Nationen einzigartige Möglichkeiten zur Erprobung ihrer neuen Systeme. So wird beispielsweise das militärische Übungsgelände „White Sands Missile Range“ und „McGregor Range“ das ganze Jahr über sowohl von der US Army, von den japanischen Streikräften wie auch anderen Nationen für Tests, Übungen und taktische Schießen genutzt. Einzig Fort Bliss bietet innerhalb der NATO – Teilnehmerstaaten die Möglichkeit, derart anspruchsvolle Vorhaben im Bereich der „Air Missile Defence“ (Luftverteidigung mit Flugkörpern) unter Beteiligung der USA bei klimatisch wie topographisch einsatznahen Bedingungen zu realisieren.

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Salzsee und Berge im Osten El Pasos

Salzsee und Berge im Osten El Pasos (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Leben in West-Texas

Übrigens kann man dann neben Sonne und Hitze satt auch seltenere Naturschauspiele wie kleinere Wirbelstürme, sogenannte Dirt Devils, Überschwemmungen in der Wüste, dem Europäer unbekannte Tiere oder einfach nur den sandigen Geschmack live miterleben. Aber es gibt auch das andere Extrem: Wie in seiner süddeutschen Heimat sind auch in El Paso die nächsten Wintersportmöglichkeiten nur wenige Autostunden entfernt, weshalb Bauer natürlich auch das Snowboard nicht in Deutschland gelassen hat. Einziges Wehrmutströpfchen für den leidenschaftlichen Motorradfahrer sind die relativ unspektakulären, breiten und schnurgeraden Highways um El Paso. Dafür kann man umso weiter geradeaus fahren und hat fast immer Sonnenschein, bis dann irgendwann auch Berge und Kurven kommen…

 

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: PIZLw


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