FlaRak auf Tour
Chania-Kreta/Griechenland, 19.09.2011.
Auf der NATO Missile Firing Installation (NAMFI) in Chania / Kreta wird scharf geschossen. Das taktische Schießen auf Kreta ist der jährliche Höhepunkt der Ausbildung für die Flugabwehrraketengeschwader. Allein der Materialtransport von Deutschland nach Griechenland ist jedes Mal eine logistische Herausforderung: Über 250 Kraftfahrzeuge samt Großgerät bewegen sich dabei mitten durch Europa.

Das Deutsche Übungskontingent (DtÜbKtgt) plant seit Monaten den Personal- und Materialtransport nach Kreta. Neu für das Team um Major Manfred Stangl von der Flugabwehrraketengruppe 22 ist in diesem Jahr die Reiseroute. Zum ersten Mal erfolgt die Verschiffung nicht aus einem deutschen Hafen.

„Neue Route, neues Glück“
Die Seecontainer, Fahrzeuge und natürlich auch die Lenkflugkörper Patriot werden vom Hafen aus Koper in Slowenien auf die Reise nach Kreta geschickt. „Die Organisation des neuen Überführungswegs war sehr spannend“, meinte Major Stangl. „Für die Transportspezialisten war besonders die reibungslose und kameradschaftliche Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen aus Slowenien und Österreich eine gelungene Premiere.“ Aus dem oberbayerischen Manching wurden die Container und Fahrzeuge am Hauptbahnhof Ingolstadt auf den Weg nach Slowenien geschickt. Für elf Spezialfahrzeuge erfolgte der Anmarsch nach Koper im Straßentransport.

On Road and Track
„Alle Fahrer, Fahrzeuge und auch die Güterzüge wohlbehalten und vollständig im Hafen angekommen.“, meldete Oberleutnant Michael Pauli, der verantwortliche Transportoffizier vom Flugabwehrraketengeschwader 5. Premiere auch für den Schweizer Lehrverband Fliegerabwehr (LVb Flab) 33 aus Emmen, dessen Waffensystemgerät ebenfalls nach Slowenien transportiert wurde. Der LVb Flab 33 schießt mit den Waffensystemen Stinger und Rapier - zum zweiten Mal gemeinsam mit dem Flugabwehrraketengeschwader 5, dem ersten der drei schießenden deutschen Flugabwehrraketengeschwader.

Auf den Weg gebracht
Im Hafen von Koper warteten schon das“ Empfangskomitee“: Die Spezialisten der 6. Kompanie des Logistikbataillons 171 aus Burg beluden mit Unterstützung der Soldaten des Flugabwehrraketengeschwaders 5 und des LVb Flab 33 innerhalb weniger Stunden die „Ark Forwarder“. Das Schiff legte am 10. September in Koper ab. Auf Kreta warten bereits das Deutsche Übungeskontingent (DtÜbKtgt), Verlade-Spezialisten aus der Schweiz, Soldaten des Logistikzentrums der Bundeswehr und der 6. Kompanie des Logistikbataillons 162 aus Boostedt. Nur drei Tage soll die Reise der „Ark Forwarder“ durchs Mittelmeer von Koper in Slowenien nach Souda auf Kreta dauern.

Alles läuft wie am Schnürchen
Morgens um Halb acht machte die „Ark Forwarder“ am Kai fest – pünktlich bis auf die Minute. Ungeduldig warteten die Logistiker aus Boostedt auf die Öffnung der seitlichen Laderampe, um mit dem „Löschen“ zu beginnen. Gegen acht Uhr war es dann endlich so weit. Das Tor ging auf und die Soldaten verschwanden im Bauch des Schiffs. Immerhin mussten 252 deutsche und Schweizer Fahrzeuge von Bord geholt werden. Mittlerweile hat auch der Schiffskran damit begonnen, die ersten Container von Bord zu hieven. Erst musste die Munition aus dem Hafen – mehr als 20 Container inklusive Lenkflugkörpern Patriot, Rapier und Stinger.

Danach konnten die „ungefährlichen“ Container von Bord und zum Raketenschießplatz transportiert werden. In Reih und Glied, perfekt am Pier 9 aufgefahren, machte sich im Stundentakt eine Kolonne nach der anderen auf den Weg zum Schießplatz der NATO Missile Firing Installation (NAMFI). Noch eine kurze Kontrolle durch das Hafenumschlagspersonal - und es kann losgehen: Bereits 90 Minuten später rollte die erste Fahrzeugkolonne mit griechischer Militäreskorte aus dem Hafen.

Eine Armee auf der Landstraße
Der Weg aus dem Hafen von Souda führt auf engen Küstenstraßen hinauf. Die steilen Serpentinen verlangen die volle Aufmerksamkeit der Fahrer und bringen den einen oder anderen LKW – Motor an die Leistungsgrenze. Stellenweise sind die Fahrzeuge so breit wie die Straße. Auch durch Orte wird es manchmal sehr knapp. Auf dem letzten Abschnitt zur Firing Range herrscht dann auch noch reger Gegenverkehr durch die großen LKWs aus dem nahegelegenen Steinbruch, und auch die wilden Ziegen in der Region blockieren ab und zu die Zufahrt.

„Die Forderung, zuerst die Container mit Gefahrgut aus dem Hafen abzutransportieren, hat doch einige Zeit gekostet.“ resümiert Hauptmann Wolfgang Kreutzwiesner vom Flugabwehrraketengeschwader 5; im DtÜbKtgt ist er der Verantwortliche für alle administrativen Angelegenheiten. „Unsere Rekordzeit vom letzten Jahr war so oder so nie in Gefahr.“ ergänzt er schmunzelnd und relatievierend, „denn das liegt ausschließlich am Umfang der diesjährigen Ladung.“ Mit über 250 Fahrzeugen und 100 Containern ist die Fracht mehr als 20 % größer als 2010. Wer will da Vergleiche ziehen? Hauptsache, es läuft – und es läuft gut.

Steile, enge und kurvige Anfahrt
Die Soldaten des DtÜbKtgt sind bereits vor einigen Tagen auf Kreta eingetroffen. Sie nutzten die Gelegenheit für letzte Vorbereitungen und Absprachen, bevor der Tross mit dem Großgerät eintraf. „Mit dem Eintreffen des Schiffs geht die eigentliche Arbeit des DtÜbKtgt erst im vollen Umfang los.“ erklärt Major Manfred Stangl. Er trägt als Führer des Deutschen Übungskommandos Taktisches Schießen 2011 die Gesamtverantwortung und weiß, wovon er redet: „Die Arbeitsbereiche auf der Firing Range können jetzt aufgebaut werden und die Überprüfung von Geräten und Systemen kann beginnen.“

Ein Beispiel: Alle transportierten Fahrzeuge werden durch das Fachpersonal im Deutschen Übungskontingent erneut überprüft, damit den schießenden Abteilungen funktionsfähiges Gerät für den „Scharfen Schuss“ übergeben werden kann. In der NAMFI-Kaserne, der sogenannten „Cantonment Area“, startet unter anderem nun auch der Aufbau der mitgelieferten Betreuungseinrichtungen für die dort untergebrachten schießenden Abteilungen. „Bis zum Eintreffen des Vorkommandos des ersten Schießenden Flugabwehrraketengeschwaders wird alles funktionieren.“ versichert Major Stangl. Und das ist nicht mehr und nicht weniger als das Einrichten einer gesamten Kaserne in Bataillonsstärke: Doch zieht man in Betracht, dass schon der reibungslose Hintransport von über 250 Kraftfahrrzeugen eine logistische Meisterleistung war, dann ist das Einrichten in der Liegenschaft mehr das berühmte Sahnehäubchen auf der Torte: Das Team Luftwaffe wird`s schon richten!

