Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Archiv > Die Aufklärung der Luftwaffe

Die Aufklärung der Luftwaffe

Mazar-e Sharif/Jagel, 11.07.2011.
Aufklärungsergebnisse waren und sind wichtige Informationen, die als Ausgangspunkt für geplante Operationen von grundlegender Bedeutung sein können. Die Luftwaffe verstand sich dabei seit jeher als „Dienstleister“ für die Streitkräfte insgesamt. Speziell im Einsatz trägt sie zum Schutz der am Boden eingesetzten Soldaten bei, und ist mit den Aufklärungssystemen Heron 1 und Euro Hawk Garant für eine zukunftsweisende Informationsgewinnung. Ein Streifzug durch die Aufklärung der Luftwaffe.

Aufklärungstornado wird für den Start vorbereitet
Aufklärungstornado wird für den Start vorbereitet (Quelle: Luftwaffe/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts, mit der Verbesserung der Schussweiten der Artilleriegeschosse, wuchs das Bedürfnis im kaiserlichen Militär, das jeweilige Kampffeld besser beobachten zu können: Aus den ersten Ansätzen der luftgestützten Gefechtsfeldaufklärung - und zwar mit Hilfe von Ballonen - entstand die taktische Artillerie-, Gefechts- und Nahfeldaufklärung.

nach oben

Rumpler – Taube während des Starts im Jahr 1913
Rumpler – Taube während des Starts im Jahr 1913 (Quelle: Deutsches Bundesarchiv)Größere Abbildung anzeigen

Erste Strukturen der luftgestützten Aufklärung

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges besaß die kaiserliche deutsche Armee 20 Fessel-Beobachtungsdrachenballone. Außerdem benutzte das deutsche Militär schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges die Möglichkeiten der Fliegerbeobachtung und zog mit 34 Feldfliegerabteilungen in die militärische Auseinandersetzung, in denen die veraltete Rumpler-Taube zur Aufklärung diente. Auch während des Zweiten Weltkrieges war die Luftbildaufklärung ein wesentlicher Bestandteil von Planungen der Operationsführung aller Beteiligten. Stützten sich schon im Ersten Weltkrieg die Planungen der Stäbe auf die Luftaufklärung - 30 Jahre später waren die Generäle weitgehend von ihr abhängig. Im Gegensatz zu anderen Aufklärungsmethoden wie etwa Spionage hatte die Luftaufklärung viele Vorteile: Sie war schnell und exakt. Militärhistoriker halten sie sogar für wesentlicher als den Fund der Verschlüsselungsmaschine "Enigma" im Jahr 1941.

nach oben

Aufklärungsflugzeug aus dem Jahr 1965
Aufklärungsflugzeug aus dem Jahr 1965 (Quelle: Luftwaffe Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Anfänge der Aufklärung in der Luftwaffe

Der Aufstellungsbefehl der neuen deutschen Luftwaffe trug dieser Erkenntnis scheinbar Rechnung. Mit dem Befehl zur „Planung der Luftwaffe“ vom 5. August 1957 sollten der Taktischen Luftwaffe sechs Aufklärungsgeschwader beigeordnet werden. Der Zeitplan sah die Aufstellung von zwei Geschwaderstäben in 1959 und zwei Geschwaderstäben in 1960 vor. Die weitere Planung für 1961 umfasste nochmals zwei Aufklärungsgeschwader. Mit der Aufstellung der Waffenschule 50 in Erding, die 1959 mit der Aufgabe der Taktischen Luftaufklärung beauftragt wurde, beginnt das Zeitalter der luftgestützten taktischen Aufklärung in der neu aufgestellten deutschen Luftwaffe. Dabei kam es nie zur Aufstellung von sechs Aufklärungsgeschwadern - die Notwendigkeit luftgestützter Aufklärung war jedoch weiterhin Grundkonsens bundeswehrgemeinsamen Handelns.

nach oben

Standart-Aufklärungsträger der Luftwaffe: Der Tornado in Sonderlackierung anlässlich der 50 Jahr Feier im Jahr 2009
Standart-Aufklärungsträger der Luftwaffe: Der Tornado (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Über 50 Jahre Aufklärung

Im Juli 2009 feierte nun die Luftwaffe den fünfzigsten Jahrestag der Aufstellung des ersten Aufklärungsgeschwaders. Seitdem wurde die Aufgabe der taktischen luftgestützten Aufklärung von einer Vielzahl bemannter Strahlflugzeuge wahrgenommen. In Erding war man zunächst mit dem Waffensystem Republic RF-84 F Thunderflash ausgerüstet. Die RF-84F war die erste speziell für die Aufklärung gebaute Version eines Kampfflugzeuges und gleichzeitig der erste Aufklärer der Luftwaffe. Es folgten diesem Muster bis heute die Fiat G-91R, die RF-104G Starfighter, die RF-4E Phantom und schließlich das Waffensystem Tornado. Über fünfzig Jahre nach der Wiedergeburt der luftgestützten taktischen Aufklärung in der Bundeswehr leistet die Luftwaffe weiterhin ihren Beitrag zum Fähigkeitsprofil der Streitkräfte, indem sie die Fähigkeit zur luftgestützten Aufklärung in der Tiefe des Einsatzgebietes, beispielsweise für ISAF in Afghanistan, bereitstellt.

nach oben

Ein Aufklärungstornado hebt ab
Ein Aufklärungstornado hebt ab (Quelle: Luftwaffe/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Luftaufklärung im Einsatz

Grundvoraussetzung für eine unabhängige Entscheidungsfindung auf allen Führungsebenen ist eine permanente Aufklärung und Überwachung des Einsatzgebietes mit luftgestützten Systemen – um so mehr im Einsatz, wo sich die Aufklärungstornados der Luftwaffe auch für die ISAF und unter den außergewöhnlichen klimatischen Bedingungen in Afghanistan bewährten. Die Maschinen des Einsatzgeschwaders Mazar-e Sharif lieferten über die Hälfte aller abbildenden Aufklärungsergebnisse für ISAF. Die Bandbreite reicht dabei von der Strecken- und Geländeaufklärung im Vorfeld eigener Operationen bis hin zur Aufklärung einzelner Gebäude oder verkehrswichtiger Infrastruktur. Die gelieferten Ergebnisse, insbesondere die qualitativ hochwertige Auswertung durch das Luftwaffenpersonal vor Ort, findet bei allen Nutzern hohe Akzeptanz und Anerkennung. Gleiches gilt für die Fähigkeit, Aufklärungsergebnisse in nahezu Echtzeit bereitzustellen.

Kopf des RecceLite mit aufgeklappten Optiken
Kopf des RecceLite mit aufgeklappten Optiken (Quelle: Luftwaffe/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Diese Fähigkeit war seit November 2009 mit der Einführung des digitalen Aufklärungsbehälters RecceLite gegeben. Die Aufklärungsergebnisse haben die Sicherheit der Einsatzkräfte wesentlich erhöht. Mit diesem Beitrag zur Lagebeurteilung der militärischen Führung wurde der Schutz der eigenen Soldaten sowie des zivilen Umfelds - und damit auch die Durchhaltefähigkeit und Effektivität der gesamten ISAF-Mission - erhöht. Allerdings zeigen die gesammelten Einsatzerfahrungen der Luftwaffenbesatzungen auch, dass speziell im Hinblick auf die bestehende asymmetrische Bedrohung ein dringender Bedarf an kontinuierlicher und permanenter Aufklärung und Überwachung im Einsatzgebiet besteht. Obwohl Aufklärungstornados ein probates Mittel zur punktuellen und schnellen, Schwerpunkt bildenden Zielaufklärung darstellen, sind sie doch bezüglich ihrer Ausdauer und Stehzeit im Zielgebiet eingeschränkt.

Aufklärungsplattform Heron 1 im Einsatz
Aufklärungsplattform Heron 1 im Einsatz (Quelle: Pressestelle Mazar-e Sharif)Größere Abbildung anzeigen

Mit dem Einsatz des UAS Heron 1, welches als Betreibermodell der Firma Rheinmetall Defense Electronics (RDE) seit März 2010 der Luftwaffe für den Einsatz in Afghanistan zur Verfügung gestellt wurde, gewinnt die Möglichkeit der Übertragung von Videoübertragungen immer mehr an Bedeutung. Parallel zu diesem Betreibermodell wird weiterhin an der Realisierung einer eigenen permanenten Überwachungs- und Aufklärungsfähigkeit gearbeitet, welche die Kontinuität in diesem dringend benötigten Bereich zum Schutz der eingesetzten Soldaten gewährleisten soll. Hierbei setzt die Luftwaffe weiter auf eine schnell verfügbare und bei Partnern erfolgreich im Einsatz fliegende Plattform mittlerer Reichweite, um Synergien beim Betrieb gleicher Systeme ausnutzen zu können und um das Risiko bei der Einführung neuer Waffensysteme möglichst gering zu halten.

Blick in eine Auswertestation
Blick in eine Auswertestation (Quelle: Luftwaffe/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Die gewonnenen Daten und Informationen werden im Rahmen der Lagebearbeitung zu Nachrichten – und die umfassenden Erkenntnisse über Fähigkeiten, Kräfte, Absichten, Handlungen und Mittel aller relevanten Akteure werden als solche den Bedarfsträgern zu deren Entscheidungsfindung zur Verfügung gestellt. Die Luftwaffe, als Kompetenzträger der abbildenden Aufklärung aus und in der dritten Dimension, klärt mit bemannten und unbemannten Systemen und unter Nutzung des dabei eingesetzten Sensor-Mixes das gesamte Aufklärungsspektrum unterhalb des Weltraums auf.

Video-Ausschnitt
Video-Ausschnitt (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Darüberhinaus ist die international anerkannte Güte der durch die Luftwaffe zur Verfügung gestellten Aufklärungsergebnisse von hoher Auswertungsqualität geprägt. Dieser hohe Qualitätsstandard wird durch eine entsprechende zentrale Ausbildung an der „Alma Mater“ der abbildenden Aufklärung, am Ausbildungszentrum für abbildende Aufklärung der Luftwaffe (AZAALw) in Fürstenfeldbruck, sichergestellt. Mit dieser einmaligen Fähigkeit wird die Aktualisierung und Präzisierung des Informationsbedarfs für alle Bedarfsträger jederzeit sichergestellt und evaluiert.

nach oben

Drei Systeme – eine gesamteinheitliche Aufklärung. Die Zukunft hat in Jagel schon begonnen
Drei Systeme – eine gesamteinheitliche Aufklärung. (Quelle: Luftwaffe/Katja Nickel)Größere Abbildung anzeigen

Dienstleister für die Streitkräfte

Der Fähigkeitsmix, den die Luftwaffe mit dem Tornado, einem UAS mittlerer Reichweite und in Zukunft auch einem UAS hoher Reichweite - dem Euro Hawk - den Streitkräften zur Verfügung stellt, erweitert das Fähigkeitsprofil der Luftwaffe. Die Auswahl der Waffensysteme trägt zu einem ganzheitlichen Ansatz in der Aufklärung bei, in Anlehnung an die Aufklärungsarchitektur der Bundeswehr. Auch in Zukunft versteht sich die Luftwaffe dabei als „Dienstleister“ für die am Boden eingesetzten Soldaten, zu deren Schutz sie mit den dargestellten Mustern wesentlich beitragen kann.

nach oben


Stand vom: 21.09.11 | Autor: Hans-Jürgen Knittlmeier, Norbert Thomas

http://www.luftwaffe.de/portal/poc/luftwaffe?uri=ci%3Abw.lw.aktu&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB060000000001%7C8JJ9RU370DIBR