Wehrübung in Übersee
Savannah, Georgia, USA, 05.08.2011, PIZLw.
Oberstleutnant der Reserve Oswald Fahrner ist einer von vier Glücklichen aus der Teilstreitkraft Luftwaffe, dessen Bewerbung zum 27. Deutsch-Amerikanischen Reserveoffiziersaustausch ausgewählt wurde, um einen Einblick in das Reservistensystem der amerikanischen Streitkräfte zu nehmen.

Bei einer 3-tägigen dienstlichen Veranstaltung im März 2011, die unter der Federführung der Programmverantwortlichen beim Streitkräfteamt stattfand, lernten sich die auserwählten Reserveoffiziere der verschiedenen Teilstreitkräfte erstmals kennen. Teilnehmer des Vorjahres berichteten über Ihre Erfahrungen, was für die meisten „Neulinge“ im Reservedienstgrad sehr hilfreich war, um aus erster Hand zu erfahren, wie man bestmöglich mit dem jeweiligen Auftrag für den Auslandsaufenthalt umgeht und mit der bestmöglichen Ausbeute an Erkenntnissen zurückkommt.
Keine vier Monate später saß Oberstleutnant Oswald Fahrner im Flieger nach Washington und sollte - dies sei vorab gesagt - nicht nur eine gelungene Wehrübung erleben, sondern auch mit einer Vielzahl von nutzbaren Informationen und Eindrücken „im Gepäck“ zu seinem „Auftraggeber Bundeswehr“ zurückkehren.

Programm im Distrikt Columbia
Besser hätte der Start eines Austauschprogramms in den Vereinigten Staaten nicht sein können. Die ersten zwei Tage des USA-Aufenthaltes waren geprägt von einem umfangreichen Besichtigungsprogramm in der amerikanischen Hauptstadt, die Geschichte, die Entstehung und den heutigen Standort der US-Streitkräfte betreffend. Nach dem in die Theorie der Veranstaltung einführenden, obligatorischen Besuch des Pentagons folgte die Besichtigung des berühmten Friedhofes in Arlington, eine Stadtführung durch die Hauptstadt sowie eine Reise zum Freilichtmuseum des nachgebildeten Schlachtfeldes von Gettysburg. Danach ging für jeden einzeln Teilnehmer individuell weiter im Programm: Zur jeweiligen Gasteinheit in den USA.

Zu Gast beim Combat Readiness Training Center
Die Gasteinheit von Oberstleutnant Fahrner war das Combat Readiness Training Center (CRTC) in Savannah / Georgia, ein Ausbildungszentrum der Nationalgarde (Air National Guard/ANG). Hier werden unter anderem Lehrgänge für Luftverladung und die Errichtung von Kommunikationseinrichtungen für Ausweichflugplätze trainiert, ein Aufgabenpaket in etwa vergleichbar mit der Einsatzunterstützungsgruppe der Luftwaffe am Standort Trollenhagen. Auch das Absetzen von Lasten gehört zum Lehrauftrag des CRTC, wozu es am gleichen Standort mit dem ansässigen Lufttransportgeschwader, dem 165th Airlift Wing, zusammenarbeitet, das ebenfalls zur Air National Guard gehört.
Für Fahrner - und seinem Arbeitgeber Bundeswehr - war es im Schwerpunkt wichtig zu erfahren, auf welche Art und Weise das einsatznahe CRTC seine Einsätze organisiert und koordiniert.

Das Beorderungssystem der Air National Guard
Die Soldaten der ANG dienen in der Regel ein Wochenende im Monat und zwei Wochen im Jahr am Stück. Die Nationalgarde untersteht dabei zunächst dem jeweiligen Bundesstaat und ist eine Reserve, auf die einzelne Länder immer wieder gerne bei eintretenden Naturkatastrophen zurückgreifen. Allerdings haben die Angehörigen der US-Reserve eine deutlich kürzere Alarmierungszeit und unterliegen gleichzeitig einem gänzlich anderen Besoldungssystem wie vergleichbar deutsche Reservisten. Sie stehen aber nicht nur dem jeweiligen Bundesstaat zur Verfügung, sondern verpflichten sich auch häufig für Auslandseinsätze in den Irak oder nach Afghanistan.
Diese Einsätze dauern meistens ein Jahr.

Kameradschaft par excellence
Die Gasteinheit unternahm ihr Möglichstes, um Fahrner einen bestmöglichen Einblick in deren Arbeit zu geben – in seinem Fall als Presseoffizier: Sogar ein Live-Auftritt im lokalen Fernsehsender und ein Termin beim Hörfunk wurden arrangiert.
Die Besichtigung der einzelnen Lehrmodule, des Transportflugzeugs C-130 Hercules sowie des Towers des internationalen Flughafens von Savannah gehörten ebenfalls zum Austauschprogramm. Die Kameradschaft mit den amerikanischen Verbündeten bewertet der „Friend from Germany“ als sehr freundschaftlich, zumal viele der dort stationierten Soldaten deutsche Wurzeln hatten.

“Thank you for your service!“.
„Den in der Überschrift zitierten Satz bekam nicht nur ich, sondern alle Reserveoffiziere, die mit mir unterwegs waren, nur allzu oft zu hören.“ Die Art und Weise, wie Uniformierte, egal ob Soldat, Polizist oder Feuerwehrmann in der Öffentlichkeit behandelt werden, ist schon sehr zuvorkommend. Fahrner berichtet, es sei ihm desöfteren passiert, dass wildfremde Menschen, ob jung oder alt, auf ihn zugekommen sind und sich für seinen Einsatz als alliierter Soldat bedankt haben – insbesondere, wo er doch selbst in einem Einsatz war (KFOR).
In öffentlichen Museen und anderen öffentlichen Einrichtungen - Fahrner nennt hier exemplarisch das Empire State Building in New York - haben Soldaten in Uniform freien Eintritt.
Zahlreiche Geschäfte, Autohäuser und Restaurants bieten in der Regel 15% Rabatt für Soldaten. Alle bekannten amerikanischen Fluglinien befördern bis zu vier Koffer kostenlos, wenn ein Soldat in Uniform auf Dienstreise ist.

Streitkräfte und Medien
Auch die Medien stehen deutlicher hinter den Soldaten. Die lokale TV-Übertragung einer Zeremonie, bei welcher Soldaten aus dem Einsatz zurückkommen, ist in den USA Standart – in Deutschland eher eine Ausnahmeerscheinung. Selbst in den Wetterberichten im Fernsehen werden die Soldaten nicht vergessen: Neben den landesweiten Temperaturvorhersagen in Grad Fahrenheit werden auch diejenigen Werte für Afghanistan und Irak vorgetragen - nur zwei Beispiele dafür, wie deutlich in den USA das Leben der Soldaten in der Öffentlichkeit verankert ist.

Positives Fazit
Insgesamt bewertet Fahrner die Erkenntnisse aus seinem Austauschprogramm als durchweg positiv: „Ich kann nur jedem Kameraden empfehlen, sich für dieses Programm zu bewerben.“ Vergleiche kann man sicher auch unter Zuhilfenahme des Internets erarbeiten, aber bestimmte Sachverhalte in ihrer Tiefe begreifen, das kann man nur, wenn man vor Ort ist. Diese Erkenntnisse, beispielsweise mit Hinblick auf das Beorderungssystem, könnten durchaus noch mal gebraucht werden, meint der Protagonist. So ist es denn auch für die Luftwaffe wichtig, bestimmte Kenntnisse aus erster Hand zu erhalten, statt aus „zweiter Hand“ und unzureichend validiert mit unzureichender Information die falschen Entscheidungen zu treffen. Unter dieser Praemisse sind die durchgeführten Reisen ein notwendiger Erfahrungsgewinn, den Hobbypilot Fahrner wie folgt kommentiert: „Den Flug mit der Cessna über die tolle Landschaft Savannahs habe ich noch selbst bezahlt.“


