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Hohner Fluglotsen stoppen Windräder per Knopfdruck

Hohn, 12.01.2016.
Auf dem Nato-Flugplatz Hohn können Fluglotsen des Lufttransportgeschwaders 63 jetzt Windenergieanlagen abschalten. Das geschieht per „Flight Manager“, wenn Rotoren die Radaranlage des Flugplatzes stören. So ist in Zukunft der Bau neuer Windkraftanlagen im Umkreis möglich. Hohn ist derzeit der einzige Militärflugplatz mit diesem System bundesweit.

Damit drehende Rotoren von großen Windenergieanlagen das Radar auf dem Nato-Flugplatz Hohn nicht stören, können sie von der dortigen Flugsicherung bei Bedarf abgeschaltet werden.

Damit drehende Rotoren von großen Windenergieanlagen das Radar auf dem Nato-Flugplatz Hohn nicht stören, können sie von der dortigen Flugsicherung bei Bedarf abgeschaltet werden. (Quelle: Luftwaffe/Stefan Petersen)Größere Abbildung anzeigen

In der Nähe von Militärflughäfen können in Zukunft mehr Windkraftanlagen gebaut werden. Bisher hatte die Bundeswehr das verhindert, weil die drehenden Rotoren das Radar der Flugsicherung stören können. Als erster fliegender Verband in Deutschland wendet das Lufttransportgeschwader 63 (LTG 63) den „Flight Manager“ an. Mit diesem System können die Fluglotsen Windräder stoppen, die den Radarstrahl stören.

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Sehen und gesehen werden

Feiern gemeinsam die Inbetriebnahme des „Flight Managers“: Heiko Grüneklee, Torsten Levsen und Oberst Hartmut Zitzewitz (von links) vor dem Überwachungsradar des Nato-Flugplatzes Hohn.

Feiern gemeinsam die Inbetriebnahme des „Flight Managers“: Heiko Grüneklee, Torsten Levsen und Oberst Hartmut Zitzewitz (von links) vor dem Überwachungsradar des Nato-Flugplatzes H … (Quelle: Luftwaffe/Patrick Scheer)Größere Abbildung anzeigen

Seitdem die Windenergieanlagen über 100 Meter groß sind, können sie auch vom Radar des Nato-Flugplatzes Hohn erfasst werden. Im ungünstigsten Fall reflektieren die Rotoren den Radarstrahl. Dann ist alles, was sich hinter oder über dem Windrad in der Luft befindet, auf dem Bildschirm der Fluglotsen nicht mehr sichtbar. Auch keine große Transall. Deshalb konnte die Bundeswehr in der Vergangenheit dem Bau vieler Windenergieanlagen rund um ihre Flugplätze nicht zustimmen.Beim Pilotprojekt „Flight Manager“ haben zivile Unternehmen mit dem LTG 63 zusammengearbeitet und das Problem gelöst. Das neue System ermöglicht es den Fluglotsen, Windkraftanlagen per Knopfdruck zu stoppen. Dadurch wird das militärische Radarsignal nicht mehr gestört. „Das ist ein großer Erfolg, auch für die Region, denn das System macht zusätzliche Windkraftanlagen möglich“, sagt Torsten Levsen, Vorstandsvorsitzender eines der Partnerunternehmen. „Jetzt müssen Investoren nicht mehr auf Anlagen verzichten“, so Levsen weiter.

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Die Testphase war erfolgreich

Obwohl der Einsatz des Systems eine zusätzliche Belastung für die Fluglotsen darstellt, hat sich das LTG 63 an dem Projekt beteiligt. „Der Verband steht der Region sehr positiv gegenüber und unterstützt regenerative Energien“, sagt Flugsicherungseinsatzstabsoffizier Oberstleutnant Rainer Kabon. Zudem wollte der Verband die Möglichkeit nutzen, die Entwicklung mitzugestalten. „Wir sind während der Testphase zu dem Ergebnis gekommen, dass die Anwendung ohne weiteres möglich ist“, so Kabon.

Blick vom Tower auf das Hohner Flugfeld: Die Fluglotsen bleiben mit dem Piloten der gelandeten Transall bis zum Abstellen der Maschine in Verbindung.

Blick vom Tower auf das Hohner Flugfeld: Die Fluglotsen bleiben mit dem Piloten der gelandeten Transall bis zum Abstellen der Maschine in Verbindung. (Quelle: Luftwaffe/Patrick Scheer)Größere Abbildung anzeigen

Das Gebiet um den Flugplatz ist dafür in drei Sektoren aufgeteilt worden. Der Korridor ist rund 40 Kilometer breit und etwa 50 Kilometer lang. Sobald ein Flugzeug von den Hohner Fluglotsen durch den Luftraum geführt werden sollte, konnten Kabons Mitarbeiter die betroffenen Windräder in dem jeweiligen Sektor abschalten. Die Testphase dauerte von Mai bis Dezember 2014. Nun ist das System freigegeben worden, auch aufgrund der Bewertung aus Hohn.

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System ging offiziell in Betrieb

Jetzt wurde der „Flight Manager“ in der Radaranflugkontrolle auf dem Nato-Flugplatz Hohn offiziell in Betrieb genommen. Bei dieser Premiere waren neben Vertretern der Partnerfirmen und Soldaten des Geschwaders auch eine Abordnung des Luftfahrtamtes der Bundeswehr und einige Betreibergesellschaften anwesend.

Flugverkehrskontrolloffizier Oberleutnant Sebastian Bendler und der Geschäftsführer des Partnerunternehmens,Heiko Grüneklee, nehmen den „Flight Manager“ offiziell in Betrieb.

Flugverkehrskontrolloffizier Oberleutnant Sebastian Bendler und der Geschäftsführer des Partnerunternehmens,Heiko Grüneklee, nehmen den „Flight Manager“ offiziell in Betrieb. (Quelle: Luftwaffe/Patrick Scheer)Größere Abbildung anzeigen

Eine Transall des LTG 63, die an diesem Nachmittag im Rahmen von Aus- und Weiterbildungen Platzrunden drehte, näherte sich dem Flugplatz Hohn. Mit Heiko Grüneklee an seiner Seite drückte Oberleutnant Bendler zur Feier des Tages auf das Feld „Bereich abschalten“ und stoppte damit sinnbildlich zum ersten Mal eines der am System angeschlossenen Windräder. Bisher hat das System Zugriff auf zwei Windräder, sagt Torsten Levsen. 18 weitere sollen zukünftig in Betrieb gehen. Ohne das „Flight Manager“-System wäre keine einzige dieser Windkraftanlagen möglich. Die Kosten tragen die Betreiber, Steuermittel wurden nicht eingesetzt. Allein die Programme für den Rechner kosten laut Levsen rund 250.000 Euro. Er erwartet, dass durch die Abschaltung jeder Rotor etwa drei bis fünf Prozent seiner Betriebszeit stillsteht.

Heiko Grüneklee, Torsten Levsen und Oberstleutnant Rainer Kabon unterstreichen die enge Zusammenarbeit durch gemeinsamen Händedruck.

Heiko Grüneklee, Torsten Levsen und Oberstleutnant Rainer Kabon unterstreichen die enge Zusammenarbeit durch gemeinsamen Händedruck. (Quelle: Luftwaffe/Patrick Scheer)Größere Abbildung anzeigen

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Abgeschaltet wird nur bei Bedarf

Weil die Fluglotsen mit dem neuen System ab sofort Windräder bremsen oder gar abschalten können, irritieren diese nicht mehr das Radar, wenn Flugzeuge landen oder starten. „Es ist eine Bedarfsabschaltung“, sagte Oberst Hartmut Zitzewitz, Kommodore des Lufttransportgeschwaders 63. „Wir wollen die Windparks so lange wie möglich laufen lassen.“ Bedarf heißt: der Fluglotse bremst oder stoppt nur dann eine Windkraftanlage, wenn kein Sichtflug möglich ist: etwa nachts, bei Nebel oder Starkregen. Und auch nur dann, wenn sich Rotoren in der Flugschneise einer Maschine drehen. „Jetzt sind mehr Windparks im Umkreis von Hohn möglich“, sagte der Kommodore weiter.

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Stand vom: 15.01.16 | Autor: Matthias Müller


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