Im Zeichen des Taurus - Erfolgreicher Verschuß
Südafrika, 16.11.2011.
Nach den Trockenübungen der vergangenen Wochen erfolgte nun der erste erfolgreiche Verschuss eines Serienflugkörpers Taurus auf der Overberg Test Range (OTR) in Südafrika.

Im Kontrollzentrum der Denel Overberg Test Range verfolgen alle gebannt die letzten Sekunden vor dem Einschlag im Ziel, einem Bunker, der eigens zu diesem Zweck errichtet wurde. Die Sekunden ticken dahin…

Countdown läuft
Knapp 20 Minuten vorher war der Taurus-Lenkflugkörper erfolgreich bereits von einer Tornadobesatzung der Wehrtechnischen Dienststelle 61 aus Manching abgeworfen worden. Nach dem Ausklappen der Tragflügel und dem Start des Turbofantriebwerks begab sich der Taurus auf seine vorgeplante Tiefflugroute.

Ein begleitender Tornado mit einer fliegenden Besatzung des Jagdbombergeschwaders 33 aus Büchel hatte die Aufgabe, den Lenkflugkörper bis kurz vor das Ziel zu verfolgen und das Flugverhalten des Marschflugkörpers zu dokumentieren. Erst beim Hochziehen vor dem Ziel, nach rund 300 km Flugstrecke, verabschiedete sich das Begleitflugzeug, um den Einschlag im Ziel aus sicherer Höhe beobachten zu können.

Auf den Meter genau
Auf den Meter genau schlägt der Lenkflugkörper fast senkrecht von oben in der Bunkerdecke ein. Sekundenbruchteile zuvor hatte der optische Abstandssensor die Vorhohlladung im richtigen Abstand vor der Stahlbetondecke gezündet, um einen Einschußkanal für den Hauptteil des Gefechtskopfes zu schaffen. Der unter der Bezeichnung „MEPHISTO“ (Multi Effect Penetrator High Sophisticated and Target Optimized ) laufende Tandem-Gefechtskopf besitzt darüber hinaus einen intelligenten Zünder (Programmable Intelligent Multi Purpose Fuze), der den optimalen Zündzeitpunkt für das Auslösen der Hauptwirkladung vorgibt. Der Taurus-Gefechtskopf aus gehärtetem Stahl hat somit höchste Wirksamkeit gegen Betondecken mit mehreren Metern Dicke, ebenso wie gegen mehrgeschossige Bunkeranlagen.

Präzision ist gefragt
Garantiert werden Navigationssicherheit und hohe Treffgenauigkeit des Taurus durch ein sogenanntes „Tri-Tec“-Navigationssystem. Dabei wird eine Trägheitsnavigationsplattform (INS – Inertial Navigation System) wahlweise von bis zu drei Stütz-Sensoriken kontinuierlich unterstützt. Dazu zählen ein GPS-Empfänger, sowie eine gespeicherte Geländedatenbasis (TRN –Terrain Reference Navigation), die Höhendaten in einem Korridor entlang der geplanten Route nutzt. Hinzu kommt die bildverarbeitende Navigation (IBN - Image Based Navigation), welche mittels Infrarot-Sensor an bestimmten, vorgeplanten Navigationspunkten entlang der Route sowie im Zielendanflug erforderliche Korrekturen und Steuersignale generiert. Dieses bisher einmalige Navigationsverfahren macht den Taurus störfest gegen den Ausfall von GPS-Satelliten, GPS-Störsendern und anderen Einflüssen.

Starker Antrieb
Mit dem Turbofantriebwerk P8300-15 von Williams International kommt ein leistungsfähiger Antrieb für den rund fünf Meter langen Marschflugkörper zum Einsatz, der seine Vorteile besonders im Tiefflug ausspielen kann. Im Vergleich zum Williams Triebwerk des amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörpers (BGM-109) bedeuten die 6,6 kN Schub in Bodennähe mehr als eine Verdoppelung der Schubstärke. Dies ermöglicht einen härteren Konturenflug in Bodennähe bei Geschwindigkeiten im hohen Unterschallbereich und steigert somit auch die Durchsetzungs- und Überlebensfähigkeit des Lenkflugkörpers.

Präzision und Abstandsfähigkeit
Präzision und Abstandsfähigkeit waren eine der wesentlichen Forderungen an den Taurus- Lenkflugkörper. Mit ihm können demnach stark verbunkerte Hochwertziele, wie zum Beispiel Führungsgefechtstände und weitere Ziele hoher Priorität unabhängig von Tageszeit oder Witterungseinflüssen bekämpft werden. Dabei muss sich die Trägerplattform nicht einer direkten Bedrohung durch die Luftverteidigung im Zielgebiet aussetzen: Die hohe Zielgenauigkeit führt außerdem dazu, die Wahrscheinlichkeit von Kollateralschäden deutlich zu reduzieren. Ein weiterer Vorteil von Marschflugkörpern ist der, dass sie die Strecke zum Ziel nur einfach zurücklegen müssen und durch ihre geringen Abmessungen im Vergleich zu einem Flugzeug schwerer auszumachen und zu bekämpfen sind. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das angestrebte Ziel effektiv und rechtzeitig bekämpft wird. Geplant sind noch drei weitere scharfe Schüsse, bei denen verschiedene Aspekte überprüft werden. Lesen Sie nächste Woche mehr darüber auf luftwaffe.de.
Bilder
Besatzungen vor dem scharfen Schuss (Quelle: Metternich/Luftwaffe)
Größere Abbildung anzeigenKontrolle des Bordbuches vor dem Start (Quelle: Metternich/Luftwaffe)
Größere Abbildung anzeigenPilot bei der Vorflugkontrolle (Quelle: Metternich/Luftwaffe)
Größere Abbildung anzeigenDer Telemetrie-Lenkflugkörper (rot) dient zu Messzwecken (Quelle: Metternich/Luftwaffe)
Größere Abbildung anzeigenZwei Taurus am Tornado (Quelle: Metternich/Luftwaffe)
Größere Abbildung anzeigenTaurus-Lenkflugkörper im Tiefflug (Quelle: Metternich/Luftwaffe)
Größere Abbildung anzeigenScharfer Lenkflugkörper Taurus und Telemetrie-Flugkörper (Quelle: Metternich/Luftwaffe)
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