Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Im Zeichen des TAURUS – Erfolgreicher Abschluss

Im Zeichen des Taurus – Erfolgreicher Abschluss

Overberg Test Range/Südafrika, 22.12.2011.
Das Qualitätssicherungs- und Systemschießen (QSS) Taurus 2011 ist in Südafrika erfolgreich zu Ende gegangen – eine Bestandsaufnahme.

Taurus nach dem Ausklinken

Taurus nach dem Ausklinken (Quelle: Luftwaffe/WTD 61)Größere Abbildung anzeigen

Inzwischen sind die Tornados des Jagdbombergeschwaders 33 (JaboG 33) nach Büchel in die Eifel zurückgekehrt. Sie hinterlassen nicht nur in Südafrika einen guten Eindruck, sondern haben auch die Bemühungen der Luftwaffe zur Durchführung einer effektiven Air Surface Integration mit der Abstandswaffe Taurus ein gutes Stück weit vorangebracht.

nach oben

Luftbetankung eines Tornados an einem Boeing KC-10 Tankflugzeug

Luftbetankung eines Tornados an einem Boeing KC-10 Tankflugzeug (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Marathon über den Wolken

Nach einer Flugstrecke von knapp 12.000 Kilometern und zwei Zwischenlandungen auf Ascension Island im Südatlantik sowie auf Gran Canaria erreichten die Tornados wohlbehalten deutschen Luftraum. In drei Tagen wurde die Strecke in Begleitung eines Boeing KC-10 Tankers der US Air Force bewältigt. Das Tankerflugzeug versorgte die Jets auf den einzelnen Etappen bei mehreren Luftbetankungen immer mit ausreichend Treibstoff.

Tornados folgen einem KC-10 Tanker

Tornados folgen einem KC-10 Tanker (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Gut 16 Stunden Flugzeit konnten die Besatzungen insgesamt für sich verbuchen, bevor sie wieder zu Hause waren. Keine leichte Sache, wenn man bedenkt, dass die gesamte Strecke in einem unförmigen und steifen Kälteschutzanzug geflogen werden musste, der Piloten und Waffensystemoffiziere (WSO) im schon engen Cockpit noch mehr einengte. Um so größer war die Freude, als der letzte der drei Tornados gegen 14 Uhr Ortszeit sicher auf der Landebahn in Büchel aufsetzte. Nach herzlicher Begrüßung durch Familienangehörige und Staffelkameraden konnten die Besatzungen endlich ihre unbequemen „Frankensteine“, wie die Kälteschutzanzüge im Fliegerjargon scherzhaft genannt werden, ausziehen. Nur zwölf Stunden später traf auch das Personal des Hauptkommandos mit einem Airbus A310 MRT der Flugbereitschaft BMVg auf dem Flughafen Köln-Wahn ein und begab sich in Form nächtlicher Busfahrten nach Büchel, wie auch zu anderen Standorten - im Norden bis Meppen und im Süden bis Manching bei Ingolstadt.

nach oben

Deutsche und Südafrikaner angetreten.

Deutsche und Südafrikaner angetreten. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Overberg Test Range

Knapp sechs Wochen lang war der zum südafrikanischen Denel Konzern gehörende Schießplatz sowie die benachbarte Overberg Air Force Base der South African Air Force (SAAF/Luftwaffe des Staates Südafrika) Heimat für 110 Deutsche, um das Qualitätssicherungs- und Systemschießen (QSS) Taurus 2011 durchzuführen. Erstmals seit Auslieferung der 600 Taurus-Lenkflugkörper an die Luftwaffe wurden Serienflugkörper verschossen. Bereits in den Jahren 2001 bis 2005 waren Prototypen und Vorserien-Lenkflugkörper in Südafrika getestet worden. Mit den drei Tornados des Jagdbombergeschwaders 33 wurden diesmal neben einer Reihe von vorbereitenden Tragflügen mit den Taurus- Lenkflugkörpern auch insgesamt vier scharfe Schüsse erfolgreich gegen verbunkerte Zielaufbauten durchgeführt.

nach oben

Die Abstandswaffe Taurus im Flug

Die Abstandswaffe Taurus im Flug (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

MAW – Die Modulare Abstands-Waffe

Mit der MAW Taurus KEPD-350 verfügt die Luftwaffe zur Zeit über eine der modernsten und leistungsfähigsten Abstandswaffen weltweit. Das eigens für den Taurus entwickelte „TriTech“-Navigationssystem garantiert eine sehr hohe Treffgenauigkeit bei Tag und Nacht - auch unter extremen Umwelteinflüssen. Dabei wird eine Laser-Trägheitsnavigationsplattform (LINS – Laser Inertial Navigation System) wahlweise von bis zu drei Stütz-Sensoriken kontinuierlich unterstützt. Dazu zählen ein GPS-Empfänger wie auch ein Radarhöhenmesser (TRN –Terrain Reference Navigation), welcher Höhendaten während des Fluges entlang der geplanten Route aufnimmt. Hinzu kommt der bildverarbeitende Suchkopf (IBN - Image Based Navigation), der mittels eines Infrarot-Sensors an bestimmten, vorgeplanten Navigationspunkten entlang der Flugroute sowie im Zielendanflug erforderliche Korrekturen und Steuersignale generiert. Dieses bisher einmalige Navigationsverfahren macht den Taurus störfest gegen den Ausfall von GPS-Satelliten, GPS-Störsendern und anderen Einflüssen. Diese hohe Zielgenauigkeit reduziert darüber hinaus die Wahrscheinlichkeit von Kollateralschäden und verstärkt die Wirkung des rund 500 Kilogramm wiegenden „Mephisto“-Gefechtskopfes, der höchste Schlagkraft gegen Betondecken mit mehreren Metern Dicke und mehrgeschossige Bunkeranlagen besitzt.

nach oben

Ein Kampfflugzeug des Typs Hawk Mk120 rollt zum Start

Ein Kampfflugzeug des Typs Hawk Mk120 rollt zum Start (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Einsätze mit der South African Air Force

Am Ende des Qualitätssicherungsschießens wurden in der letzten Woche vor der Rückverlegung der Tornados auch noch einige gemeinsame Einsätze mit der South African Air Force (SAAF) geflogen. Sechs JAS-39 Gripen der 2nd Fighter Squadron und sechs HAWK Mk 120 der 85th Combat Flying School hatten Ende November zum turnusmäßigen Waffentraining von der Makhado Air Base im äußersten Norden Südafrikas auf die Overberg Air Base an die Südspitze des Kontinents verlegt. Wie bereits bei den „Good Hope"-Übungen der Marine wurden in den vergangenen Jahren gemeinsame Trainingseinsätze durchgeführt. Beide Seiten konnten so im Rahmen grundlegender Luftkampfmanöver sowie bei taktischen Luftkampfmissionen über die jeweils anderen Luftfahrzeugtypen dazulernen. Erst im Jahr 2008 hatte die 2nd Fighter Squadron ihre Atlas Cheetahs gegen moderne JAS-39 Gripen ausgetauscht, so dass jeder Kontakt zu anderen Luftstreitkräften für die Ausbildung der Besatzungen besonders willkommen ist.

nach oben

Deutsche Soldaten besuchen südafrikanisches Altenheim

Deutsche Soldaten besuchen südafrikanisches Altenheim (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Auch privat engagiert

Aber nicht nur das Qualitätssicherungsschießen und die gemeinsamen Trainingseinsätze mit der SAAF allein beschäftigten das Kommandopersonal. Nachdem die Deutschen sehr herzlich von der lokalen Bevölkerung aufgenommen worden waren und eine Reihe persönlicher Kontakte entstanden, widmeten sich einige Kommandoteilnehmer neben dem normalen Dienstbetrieb einem sozialen Projekt im nahegelegenen Bredasdorp. Für ein dort beheimatetes Altenheim sammelten sie in den eigenen Reihen und bei den restlichen Kommandoteilnehmern die stolze Summe von über 5000 Rand (umgerechnet 500.- €). Mit diesem Geld beschafften sie für die teilweise mittellosen, alten Damen und Herren dringend notwendige Hygieneartikel, die sonst nur unzureichend vom limitierten Budget des Altenheimes abgedeckt werden würden. Für die Bewohner des Altenheimes sei der Weihnachtsmann im November schon vier Wochen vorher dagewesen meinte Frau Dickason, Heimleiterin des „Suiderood Old Age Home“, die sehr dankbar für die deutsche Hilfsaktion war.

nach oben

Das Wappen des Qualitätssicherungsschießens

Das Wappen des Qualitätssicherungsschießens (Quelle: Luftwaffe/Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Ein Blick zurück

Die gerade erfolgreich abgeschlossene QSS-Kampagne wurde während der letzten zwei Jahre intensiv von einem Team aus dem Bereich Rüstung und Streitkräfte vorbereitet und intensiv betreut. Unter gemeinsamer Federführung des Projektmanagers Taurus beim Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) im Projektteam K4.1 in Koblenz und dem Luftwaffenführungskommando (LwFüKdo) in Köln-Wahn wurden administrative und technische Angelegenheiten sowie Vertragsverhandlungen mit der Denel Test Range in Overberg / Südafrika koordiniert. Neben der technischen Unterstützung durch die Herstellerfirma Taurus Systems GmbH (TSG) waren außerdem Vertreter des Waffensystemkommandos der Luftwaffe (WaSysKdoLw), der Navigationsunterstützungszentrale für Fliegende Waffensysteme (NavUZFlgWS) aus Büchel, der Wehrtechnischen Dienststellen (WTD) 61 und 91 aus Manching und Meppen, sowie das Bundesamt für Wehrverwaltung (BAWV) in Bonn und schließlich das Logistikzentrum der Bundeswehr (LogZentrumBw) in Wilhelmshaven maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung der Übung QSS beteiligt. Darüber hinaus stellte das JaboG 33 den Hauptanteil des Personals bei der Durchführung des Qualitätssicherungs- und Systemschießens Taurus 2011.

nach oben

Tornado vor der südafrikanischen Küste

Tornado vor der südafrikanischen Küste (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Ausblick

Mit dem gelungenen Abschluss des QSS Taurus 2011 hat das JaboG 33 eine weitere, wichtige Voraussetzung auf dem Weg zur Assignierung als NATO Response Forces 2012 erfüllt: Für das nächste Übungsschießen im Jahr 2014 wird neben anstehenden, technischen Neuerungen bezüglich Hardware und Software im Tornado - Stichwort Air Surface Intergration – ein kontinuierliches Einsatztraining der Fliegenden Besatzungen und Techniker für die NATO Response Forces (NRF) und damit verbundener Übungsszenarien erwartet. Die Luftwaffe hat mit ihrer Verlegung um den halben Erdball und dem „durchschlagenden Erfolg“ des Lenkflugkörpers Taurus in Südafrika deutlich gezeigt, dass mit ihr auf künftigen, weltweit ausgerichteten Einsätzen im Rahmen der NRF gerechnet werden kann.

nach oben

Bilder


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 26.11.13 | Autor: Ulrich Metternich


http://www.luftwaffe.de/portal/poc/luftwaffe?uri=ci%3Abw.lw&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB060000000001%7C8PSB29508DIBR