Luft(waffen)transport der Zukunft
Bell UH-1D geht, CH-53 kommt. Die Neuausrichtung der Bundeswehr zielt auf Einsatzausrichtung und Effizienzsteigerung. Diese Zielsetzung steht auch im Vordergrund beim Fähigkeitstransfer Hubschrauber.

Die Neuausrichtung der Bundeswehr beruht auf einer umfassenden Analyse, die sowohl die sicherheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, als auch die finanzpolitischen Gegebenheiten und die demographische Entwicklung in Deutschland berücksichtigt. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, Kräfte und Mittel der Bundeswehr neu zu priorisieren und im Sinne der Forderung - „vom Einsatz her denken“ - Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung inhaltlich noch stärker als bisher zusammenzuführen, um nicht zuletzt die bestehende Organisation zu straffen und die notwendigen Entscheidungsprozesse zu optimieren. Auf Basis einer gemeinsamen Empfehlung der Inspekteure von Luftwaffe und Heer, die eine Bündelung der Fähigkeiten zum strategischen und operativen Lufttransport in der Luftwaffe, bei gleichzeitiger Zusammenführung der Kräfte für den leichten taktischen Lufttransport, einschließlich der Aufgabe „Such- und Rettungsdienstes für Notfälle in der Luftfahrt“ (engl. Search and Rescue; SAR) beim Heer vorsah, wurde der sogenannte Fähigkeitstransfer Hubschrauber durch den Bundesminister der Verteidigung entschieden. Mit dieser Entscheidung ist die Übergabe der Hubschraubertypen NH 90 und UH-1D von der Luftwaffe zum Heer und die Überführung des Hubschraubers CH-53 vom Heer zur Luftwaffe verbunden. Der Fähigkeitstransfer Hubschrauber beinhaltet eine umfassende Anpassung von Struktur und Organisation beider Teilstreitkräfte mit entsprechenden Auswirkungen auf das betroffene Personal von Luftwaffe und Heer. Es handelt sich somit um eines der herausforderndsten Einzelprojekte der Neuausrichtung der Bundeswehr, von dem sehr viele Menschen und eine enorme Menge an Material betroffen sind.
Die Ausgangssituation
Die Luftwaffe verfügt mit dem Lufttransportgeschwader 61 in Penzing und dem Hubschraubergeschwader 64 in Schönewalde (Militärflugplatz Holzdorf) über Verbände, die zurzeit noch mit dem leichten Transporthubschrauber UH-1D ausgestattet sind. Dieser Hubschraubertyp wird schrittweise mit dem Zulauf des NH 90 außer Dienst gestellt. Das Heer betreibt die CH-53 in den beiden Mittleren Transporthubschrauberregimentern 15 und 25 in Rheine und Laupheim sowie die fliegerische Ausbildung CH-53 an der Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg.
Die schrittweise Umsetzung
Der Fähigkeitstransfer Hubschrauber wurde am 1. Juli 2012 eingeleitet. In einem ersten Schritt wurde die Planungsverantwortung für Personal, Material und Infrastruktur, aber auch die Verantwortung für den Einsatz für die Waffensysteme NH 90 und UH-1D von der Luftwaffe an das Heer und für das Waffensystem CH-53 vom Heer an die Luftwaffe übertragen. Die Phase des koordinierten Übergangs ist durch eine sehr eng abgestimmte Zusammenarbeit der beiden Teilstreitkräften in allen Aspekten des Fähigkeitstransfers Hubschrauber geprägt.
Erst zum Jahreswechsel 2012/2013 findet der vollumfängliche Verantwortungswechsel statt. In der Luftwaffe wird das neue Hubschraubergeschwader 64 mit dem Waffensystem CH-53 aufgestellt. Viele Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die bisher im Heer ihren Dienst versehen haben finden eine neue Heimat in der Luftwaffe. Gleichzeitig wechselt aber auch Personal der Luftwaffe in das Heer. Der Fähigkeitstransfer ist umfassend und so wird er sich nicht nur auf die Verbände in Heer und Luftwaffe sondern auch auf Anteile in den Ausbildungseinrichtungen, auf die logistische Organisation, auf Dienststellen mit Weiterentwicklungsaufgaben und nicht zuletzt auch auf die Führungsorganisation der beiden Teilstreitkräfte auswirken. Zunächst wird das Hubschraubergeschwader 64 (Luftwaffe) in Schönewalde (Militärflugplatz Holzdorf) am 31. Dezember 2012 formal aufgelöst. Auch die 2. Staffel des Lufttransportgeschwaders 61 in Penzing mit dem Waffensystem UH-1D ist von der Auflösung betroffen. Die Aufgaben der Leitstelle für den Such- und Rettungsdienst in Münster werden vom Heer übernommen.
Am 1. Januar 2013 stellt die Luftwaffe das Hubschraubergeschwader 64 – nun mit der CH-53 – an den Standorten Laupheim und Schönewalde (Militärflugplatz Holzdorf) neu auf. Zeitgleich werden die beiden Mittleren Transporthubschrauberregimenter 15 und 25 (Heer) in Rheine und Laupheim zum 30.06.2013 aufgelöst. Das neue Hubschraubergeschwader 64 wird grundsätzlich bereits entsprechend der Zielstruktur gegliedert und organisiert sein. Um der Auftragserfüllung jederzeit gerecht werden zu können, sind zeitlich aber begrenzte Übergangsstrukturen notwendig. So wird zum Erhalt des Einsatzflugbetriebes und für die Ausbildung CH-53, vorübergehend Personal des „neuen“ Hubschraubergeschwaders 64 an den Standorten Rheine und Bückeburg benötigt. Der Auftrag zur Sicherstellung des Such- und Rettungsdienstes in der Bundesrepublik Deutschland über Land wird dem Heer übertragen. Zunächst werden die damit verbundenen Aufgaben mit dem Waffensystem UH-1D – voraussichtlich ab 2016 mit dem Waffensystem NH 90 – wahrgenommen werden. Die Außerdienststellung des älteren Hubschraubermusters UH-1D hat bereits begonnen und wird nach derzeitiger Planung voraussichtlich im Jahr 2017 abgeschlossen sein.
Auswirkungen auf Personal und Infrastruktur
Personal
Viele Angehörige der Hubschrauberverbände werden künftig ihren Dienst in einer neuen Teilstreitkraft und an einem anderen Ort versehen müssen. Diese einschneidende Maßnahme wird so sozialverträglich wie möglich vollzogen werden. Um die Einsatzbereitschaft und die Flugsicherheit während und nach der Einnahme der veränderten Strukturen sicherzustellen, wird vorrangig auf Personal zurückgegriffen, welches die entsprechenden Aufgaben bis dato wahrgenommen hat. Als Wissens- und Kompetenzträger haben die betroffenen Soldatinnen und Soldaten sowie zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Schlüsselfunktion für das Gelingen dieses Projektes. Deshalb gilt der Grundsatz: Ausgebildetes Fachpersonal folgt im Rahmen des Bedarfs seiner Aufgabe beziehungsweise seinem Waffensystem.
Infrastruktur
Die Luftwaffe betreibt künftig den mittleren Transporthubschrauber des Typs CH-53 in Laupheim und Schönewalde (Militärflugplatz Holzdorf). Die Infrastruktur für das Waffensystem CH-53 wird hinsichtlich des künftigen Auftrages, der künftigen Strukturen und entsprechend der Anzahl der stationierten Luftfahrzeuge überprüft und angepasst. Hierzu werden gegenwärtig liegenschaftsbezogene Nutzungskonzepte erstellt, aus denen die erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen abzuleiten sind. Die CH-53 war bereits vor dem Verantwortungswechsel in Laupheim stationiert. Die vorhandene Infrastruktur kann somit weiter genutzt werden. Auf dem Flugplatz Schönewalde (Militärflugplatz Holzdorf) wird weitgehend auf die, für das Waffensystem NH 90 neu errichtete, Infrastruktur zurückgegriffen.
Fazit
Durch den eingeleiteten Fähigkeitstransfer betreibt die Luftwaffe künftig den Hubschrauber CH-53 und das Heer den NH-90 und die UH-1D. Die zum Jahreswechsel 2012/2013 umzusetzenden Maßnahmen sind, in Bezug auf Personal und Infrastruktur, mit diesem Datum noch nicht abgeschlossen. Die weitere Umsetzung des Fähigkeitstransfers Hubschrauber wird daher noch einige Jahre beanspruchen. Die Einsatzbereitschaft der Hubschrauber wird nachhaltig durch die Fachexpertise der Soldatinnen und Soldaten sowie der zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewährleistet. Dies wurde bei allen strukturellen Überlegungen und organisatorischen Fragen von Beginn an berücksichtigt. Die Neuausrichtung der Bundeswehr zielt auf Einsatzausrichtung und Effizienzsteigerung. Diese Zielsetzung steht auch im Vordergrund beim Fähigkeitstransfer Hubschrauber. Alle Beteiligten sind sich der zum Teil einschneidenden Auswirkungen auf das betroffene Personal und deren Familien bewusst. Daher orientieren sich alle Personalplanungen neben der Sicherstellung der Einsatzbereitschaft der Verbände auch daran, die persönlichen Verhältnisse und beruflichen Perspektiven der Betroffenen angemessen zu berücksichtigen.


