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Luftwaffenpioniere - Exoten ihrer Teilstreitkraft

Diepholz, 22.06.2011.
Die Hände fest am Lenkrad, die Stirn leicht in Falten gelegt, den Blick konzentriert nach vorne gerichtet - so sieht es aus, wenn sich Oliver Berg auf seinen nächsten Auftrag vorbereitet. Das Szenario erinnert auf den ersten Blick an eine kommerzielle Sandgrube. Auf dem Übungsprogramm des Mannschaftssoldaten stehen heute das „Verladen und Sichern eines Schwenkladers“ und anschließend das richtige Beladen eines Kippers vom Typ Actros 3341 mit Schüttgut. Für Oliver Berg schon fast Routine – er ist Stabsgefreiter (StGefr), Kraftfahrer und Luftwaffenpioniersoldat im Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ (ObjSRgtLw „F“) in Diepholz.

Rangieren des Kippers vor den Tieflader.

Rangieren des Kippers vor den Tieflader. (Quelle: Luftwaffe/Michael Bertram)Größere Abbildung anzeigen

„Das hier ist unser großer Sandkasten“ schmunzelt Oliver Berg. Dann rangiert er seinen Kipper gekonnt rückwärts vor die Deichsel des Tiefladers, um eine Straßenbaumaschine, einen so genannten Schwenklader, auf den Transportanhänger zu verladen.

Mit der Luftwaffe verbindet man sicherlich in erster Linie Jets vom Typ Tornado, Phantom und Eurofighter. Luftwaffenpioniere hingegen sind eher Exoten innerhalb dieser Teilstreitkraft. Ihre Aufgaben bestehen vorrangig in der Instandsetzung der Infrastruktur auf und um einen Flugplatz sowie der Schadensbeseitigung auf den Flugbetriebsflächen. Die Soldaten sind fachlich und technisch in der Lage, alle baulichen Maßnahmen durchzuführen, die zur Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit eines fliegenden Einsatzverbandes notwendig sind - und das weltweit. Aber auch humanitäre und Katastrophenhilfe, der Bau von Einsatzflugplätzen sowie Reparatur- und Wartungsarbeiten an Kraftfahrzeugen und Baumaschinen gehören zum Aufgabenspektrum dieser Luftwaffenspezialisten.

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Schuttreste werden aus dem Krater geräumt.

Schuttreste werden aus dem Krater geräumt. (Quelle: Luftwaffe/Ronald Stock)Größere Abbildung anzeigen

Flugbetrieb hat oberste Priorität

„Ständiges Üben ist das A und O, wenn wir die geforderte Qualität und Schnelligkeit erreichen und halten wollen“, erläutert der Luftwaffenpionier. „Um gleichzeitig ein besseres Verständnis für mögliche Einsatzaufträge zu bekommen, werden unsere Übungen in kleine Rahmenhandlungen – sogenannte Lagen – verpackt“ verrät er weiter. Und wie sehen solche Lagen aus? Ein mögliches Einsatzszenario könnte beispielsweise so lauten:

Zwei aneinander grenzende Länder, A-Land und B-Land, haben auf Grund wirtschaftlicher Interessen immer wieder Grenzstreitigkeiten. Nach länger anhaltender Wirtschaftskrise eskaliert dieser Streit und es kommt zu einem Überraschungsangriff der Streitkräfte aus B-Land. A-Land kann diesen Angriff zwar abwehren und stoppen, der Flugplatz von A-Land ist aber durch feindliche Waffenwirkung so stark beschädigt, dass ein Flugbetrieb nicht mehr möglich ist.

„Der Flugbetrieb hat oberste Priorität und daher müssen die Start- und Landebahnen schnellst möglich repariert werden“, erklärt Stabsgefreiter Berg. „Um die Einsatzbereitschaft des Flugplatzes und damit auch des fliegenden Verbandes zu sichern, würden in solchen Fällen dann auch die Luftwaffenpioniere eingesetzt“, führt der 26-Jährige weiter aus.

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Die Bruchkanten werden mit dem Radbagger geräumt.

Die Bruchkanten werden mit dem Radbagger geräumt. (Quelle: Luftwaffe/Ronald Stock)Größere Abbildung anzeigen

Schritte der Schadensbehebung

Und wie läuft ein solcher Einsatz in der Praxis ab? „Zuerst werden die Beschädigungen der Start- oder Landebahn durch einen Schadenskontrolloffizier begutachtet und Munition oder deren Reste durch ein Kampfmittelbeseitigungs-Team (EOD-Team) geräumt“, so der Stabsgefreite. „Die Maßnahmen, die wir Pioniersoldaten daraufhin durchführen, sind erst einmal die Löcher und Krater von Schuttresten zu räumen und rechteckig einzumessen. Dann werden die Bruchkanten mit einem Fugenschneider maßgenau geschnitten und mit einem Radbagger, an dem ein Hydraulikhammer angebaut ist, sauber abgebrochen. Danach wird der Krater mit grobem Schotter verfüllt und mit einer Walze oder Rüttelplatte verdichtet. Das geschieht in mehreren Arbeitsgängen, bei denen wir immer feineres Schüttmaterial verwenden. Die eigentliche Notreparatur erfolgt abschließend mit Fertigbetonteilen, Aluminiumplatten oder mit Fiberglasmatten“, erläutert der Spezialist. „Daneben können wir aber auch – so fern notwendig - Reparaturen an den Flugplatzgebäuden durchführen“ ergänzt er.

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Nur Teamarbeit führt zum Erfolg.

Nur Teamarbeit führt zum Erfolg. (Quelle: Luftwaffe/Ronald Stock)Größere Abbildung anzeigen

Körperliche Fitness gefordert

Um die schnelle Einsatzbereitschaft eines fliegenden Verbandes zu gewährleisten, hat die Luftwaffe für diese Aufgaben Zeitvorgaben festgelegt. „Wenn im Verlauf der Rollwege für die Flugzeuge vier Krater vorhanden sind, müssen diese innerhalb von drei Stunden geschlossen sein. Diese Zeitvorgabe erreichen wir nur, wenn das Team wie „eine Eins“ dasteht. Denn nur mit einer geschlossenen und körperlich fitten Mannschaft können die an uns gestellten Aufgaben erfüllt werden“, verrät der Mannschaftssoldat. „Bei uns gibt’s kein „schlecht Wetter", wo die Bauarbeiten ruhen! Wir arbeiten bei jedem Wetter, immer im Freien und notfalls Tag und Nacht. Gerade für die Auslandseinsätze, wie etwa in Afghanistan, ist die körperliche Fitness eines jeden Teammitgliedes besonders wichtig, denn dort herrschen klimatische Bedingungen, die hier bei uns so nicht vorkommen“, schildert Berg.

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Das richtige Beladen muss geübt werden.

Das richtige Beladen muss geübt werden. (Quelle: Luftwaffe/Michael Bertram)Größere Abbildung anzeigen

Berufswahl Bundeswehr

„Meine Entscheidung, die Bundeswehr als Arbeitgeber zu wählen, hatte mehrere Gründe. Nach der Ausbildung zum Tischler bewarb ich mich im Jahr 2005 als Soldat auf Zeit (SaZ). Ich wollte möglichst berufsnah eingesetzt werden, da ich das praktische Arbeiten bevorzuge. Ein reiner Schreibtischjob ist für mich im Moment schwer vorstellbar“, erzählt Berg und lacht. „Mich fasziniert das Aufgabenspektrum eines Luftwaffenpioniers. Es wird nie langweilig und genau das ist es, was ich immer wollte“, informiert der Tischlergeselle zusätzlich. Auf dem zivilen Arbeitsmarkt einen Arbeitgeber zu finden, der ihm ähnlich interessante und abwechslungsreiche Tätigkeiten bieten konnte, war für Berg schwerlich möglich. Der Ausbildungsstand der Luftwaffenpioniersoldaten braucht seiner Meinung nach keinen Vergleich mit dem zivilen Arbeitsmarkt zu scheuen. „Die meisten Pioniersoldaten haben eine abgeschlossene Berufsausbildung im Bauhandwerk und werden von der Luftwaffe so ausgebildet, dass sie mindestens eine Baumaschine bedienen können. Wird die Dienstzeit nach Antrag um vier oder acht Jahre verlängert, erfolgt eine Ausbildung an zwei oder auch drei Baumaschinen, um noch flexibler einsetzbar zu sein“, berichtet der Stabsgefreite mit erkennbarem Stolz. Unter diese Ausbildungen fallen der Erwerb der Fahrerlaubnisklasse CE für die vielfältigen Lastkraftfahrzeuge - nicht nur - im Objektschutz-Regiment. Hinzu kommen Bedienberechtigungen für die unterschiedlichsten Baumaschinen, wie etwa Radbagger Cat 318 M, Straßenwalze Vibromax 1108, Fugenschneider Cedima CF 4000, Radlader von Catapiller und Ahlmann sowie Gabelstapler. Auch der Erwerb eines Kranscheins ist möglich. „All diese Berechtigungsnachweise der Bundeswehr können für eine Nutzung im zivilen Baugewerbe umgeschrieben werden“, ergänzt der Baumaschinenführer.

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Übungsende: Der Schwenklader ist verladen. Jetzt geht’s zur technischen Durchsicht.

Übungsende: Der Schwenklader ist verladen. Jetzt geht’s zur technischen Durchsicht. (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)Größere Abbildung anzeigen

Auch die Zukunft will geplant sein

Oliver Berg ist verheiratet und zweifacher Vater. Für seine berufliche Zukunft plant der 26-Jährige vorrangig eine Weiterverpflichtung auf SaZ 15. „Ich habe einen Antrag auf Verlängerung meiner Dienstzeit gestellt und alle meine Vorgesetzten haben dies befürwortet. Die endgültige Entscheidung steht allerdings noch aus“, so der Zeitsoldat. Für den Fall, dass es mit seiner Weiterverpflichtung nicht klappt, strebt er eine Ausbildung zum Holztechniker an. „Da ich als SaZ 8 während der Dienstzeit 15 Monate und nach der aktiven Dienstzeit noch einmal 24 Monate eine Berufsförderung in Anspruch nehmen kann und durch die Bundeswehr in dieser Phase finanziell sehr gut unterstützt werde, ist mein Berufsziel Holztechniker durchaus realisierbar“, verabschiedet sich der Familienvater zuversichtlich. Sein heutiger Übungstag endet gut eine Stunde später. Feierabend ist nämlich erst nach Reinigung und technischer Durchsicht der benutzten Fahrzeuge und Baumaschinen.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Michael Bertram


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