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Unbemannte Systeme im Einsatzspektrum der Luftwaffe (Teil 1)

Mit dem Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen oder Unmanned Aircraft Systems (UAS) hat sich das Erscheinungsbild militärischer Operationen nachhaltig verändert. Wie kann also eine UAS-Strategie der Luftwaffe für das Jahr 2020+ aussehen?

Heron im Flug

Heron im Flug (Quelle: Luftwaffe/Michael Bertram)Größere Abbildung anzeigen

Das Prinzip von unbemannten Luftfahrzeugen ist fast so alt wie die Luftfahrt selbst. Bereits während des ersten Weltkrieges wurden ferngesteuerte Flugzeuge für Ziel- und Schießübungen eingesetzt. Schnell wurden sie auch für andere Aufgaben adaptiert, zur Aufklärung und - mit weniger Erfolg - als „Lufttorpedos“ zur Bekämpfung von Hochwertzielen. In den sechziger und siebziger Jahren fällt der Vietnamkrieg in die Ära der aufkommenden Mikroelektronik, und die unbemannte Luftfahrt erfährt weiteren Aufwind. Und obwohl die israelischen Streitkräfte in den achtziger Jahren beachtliche operationelle Erfolge mit unbemannten Aufklärungsplattformen erzielt haben, rückten UAS insgesamt erst Mitte der neunziger Jahre in den Fokus der Militärs und in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung sind unbemannte Systeme, seien es Land-, See- oder eben Luftfahrzeuge, zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Auch auf die Art der Operationsführung haben die Fähigkeiten der unbemannten Plattformen einen nachhaltigen Einfluss.

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Neue Szenare nach dem Kalten Krieg: Bundeswehr-Patrouille in Afghanistan

Neue Szenare nach dem Kalten Krieg: Bundeswehr-Patrouille in Afghanistan (Quelle: Luftwaffe/Michael Bertram)Größere Abbildung anzeigen

Neue Aufklärung erforderlich

Das Wesen militärischer Operationen hat sich in den letzten zwei Dekaden gewandelt. Während zu Beginn der neunziger Jahre am persischen Golf noch ein Konflikt nach klassischem Verständnis zwischen zwei stehenden Armeen ausgetragen wurde, gewannen militärische Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Zerfall von Machtblöcken und Staaten sowie militärischen Stabilisierungsoperationen zunehmend einen asymmetrischen Charakter.

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Jede Sekunde ist kostbar: Einsatz zur Luftrettung

Jede Sekunde ist kostbar: Einsatz zur Luftrettung (Quelle: Pressestelle PRT Kunduz)Größere Abbildung anzeigen

Einsatzszenarien heute

Der Raum, in dem sich die Streitkräfte in heutigen und zukünftigen Einsätzen bewegen, umfasst das gesamte Spektrum von ländlichen Gebieten mit gering entwickelter Infrastruktur bis hin zu dicht besiedelten, urbanen Zentren und ist zunehmend unübersichtlicher und schwerer zu kontrollieren. Oft mehrere, unterschiedlich motivierte Konfliktparteien, von staatlichen Machtorganen über militante Splittergruppen, terroristische Vereinigungen bis hin zur organisierten Kriminalität, stellen ein breites, inhomogenes Bedrohungsspektrum dar. Die Grenze zur unbeteiligten Zivilbevölkerung lässt sich nicht immer klar ziehen. Angreifer tauchen oft in einer Menge von Zivilisten unter, nicht selten werden Zivilisten in die Auseinandersetzungen mit einbezogen. Erhöht wird die Komplexität weiter durch verschiedene nationale und internationale Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, die im Umfeld von militärischen Einsätzen agieren.

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Hat sich im Einsatz bewährt: UAS Global Hawk der US-Streitkräfte, Basis für den Euro Hawk der Luftwaffe

UAS Global Hawk der US-Streitkräfte (Quelle: Stacey Knott)Größere Abbildung anzeigen

Die Vorteile unbemannter Plattformen

Wesentliche Voraussetzung für den Erfolg militärischer Operationen in diesem Umfeld ist ein umfassendes Lagebild, das alle am Konflikt beteiligten und unbeteiligten Gruppierungen erfasst und das insbesondere als Grundlage für deren Unterscheidung dienen kann. Schnell baut sich hier ein Spannungsfeld auf zwischen der Notwendigkeit, Informationen durch Präsenz in der Fläche zu gewinnen, und der damit einhergehenden Gefährdung der eigenen Kräfte. Um ausgehend von der festgestellten Lage flexibel und schnell auf Lageveränderungen reagieren zu können, ist ebenfalls ein hohes Maß an Präsenz erforderlich: Entweder durch permanentes Verweilen vor Ort oder die Möglichkeit zur schnellen Schwerpunktbildung an sogenannten „hot spots“, Geländepunkten mit erkannt hohem Gefährdungspotenzial. Mit ihren einzigartigen Fähigkeiten bieten luftgestützte Plattformen die Möglichkeit, mit hoher Flexibilität die geforderte Präsenz sowohl im Bereich der Aufklärung als auch der Wirkung im gesamten Einsatzraum außerhalb gegnerischer Bedrohung zu gewährleisten. Die gesteigerten Möglichkeiten im Bereich der Informationstechnik, namentlich der Datenverarbeitung und Datenübertragung, sind wesentliche Voraussetzungen dafür, diese Fähigkeiten auch mit unbemannten Plattformen bereitzustellen. Deren Fähigkeiten einer langen Verweildauer ist ihr größter Vorteil gegenüber bemannten Luftfahrzeugen in solchen Einsätzen.

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Auf dem Weg zur nächsten Mission: Heron 1 im Einsatz

Heron 1 im Einsatz (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Weites Fähigkeitsspektrum

Unbemannte Systeme erweitern die Eigenschaften von bemannten fliegenden Plattformen, wie Flexibilität, Geschwindigkeit, Reichweite und Möglichkeit zur schnellen Schwerpunktbildung, mit einer hohen Verweildauer der Systeme im Einsatzgebiet. Zusätzlich ist die Besatzung keiner Gefährdung ausgesetzt. Allerdings gibt es auch im Bereich der unbemannten Systeme kein Konzept, das den Anforderungen aller Aufgaben und Einsatzszenare in dem gleichen, hohen Maße entspricht. Eine modulare Konstruktion eines UAS eröffnet prinzipiell die Möglichkeit der Mehrrollenfähigkeit und bietet damit mehr Flexibilität in der operationellen Nutzung. Dies setzt Plattformen mit einem entsprechenden Nutzlastvolumen und ausreichenden Leistungsreserven voraus. Es werden aber weiterhin Systeme notwendig sein, die spezialisierte Fähigkeiten in hoher Güte bereitstellen müssen.
Die Luftwaffe verfolgt - abhängig von der Verfügbarkeit von Technologien und ausgehend von operationellen Dringlichkeiten - einen schrittweisen Ansatz, mit dem die erkannten Fähigkeitslücken, wo möglich und sinnvoll, durch die Einführung von unbemannten Systemen geschlossen und damit kontinuierlich die Kompetenz im Einsatz von diesen Plattformen ausgebaut werden soll.

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Luftbildauswerter bei der Arbeit

Luftbildauswerter bei der Arbeit (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Aufklärung und Wirkung

Im Bereich Aufklärung leisten unbemannte Systeme einen wesentlichen Beitrag zur national eigenständigen Urteils-, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit bis auf die Ebene der politischen Leitung und der militärischen Führung. Sie tragen zur Erstellung eines umfassenden, aktuellen Lagebildes bei und liefern die Grundlagen für die Ziel- und Wirkungsanalyse. Durch die kontinuierliche Abdeckung des Einsatzgebietes mit Aufklärungsmitteln werden Streitkräfte so in die Lage versetzt, schnell und situationsangepasst auf Lageveränderungen zu reagieren. Die Aufklärungsleistung kann dabei nahezu im gesamten Spektrum der mitgeführten Sensorik erbracht werden. Ein zweiter Fähigkeitsbereich „Wirkung aus der Luft“ kann durch die Fähigkeit zur Zielbeleuchtung, verbunden mit der Integration einer gelenkten Luft-Boden Bewaffnung in die unbemannte Plattform selbst, erzielt werden. Gerade die Kombination von Sensor und Effektor sowie die hohe Verweildauer im Einsatzraum gewährleistet eine sogenannte „permanent engagement capability“: Die Befähigung zur permanenten Entdeckung, Identifizierung und zum verzugslosen Wirken auf Ziele.

Das UAS Pathfinder-Plus der NASA hat eine außerordentlich lange Verweildauer in großer Flughöhe

Das UAS Pathfinder-Plus in großer Flughöhe (Quelle: NASA)Größere Abbildung anzeigen

Ergänzend können UAS auch als Relaisstationen für die Informationsübertragung eingesetzt werden. Dadurch können die Reichweite terrestrischer Übertragungssysteme erhöht beziehungsweise in Gebieten ohne entsprechende bodengebundene Infrastruktur luftgestützte Kommunikationsnetze komplementär zu Satellitenkommunikationsnetzen aufgebaut werden. Dies ermöglicht einen Beitrag zur Verbesserung der Führungsfähigkeit, zum Beispiel während schneller Anfangsoperationen. Die Palette hier nutzbarer UAS ist abhängig von der jeweiligen, strategischen Ausrichtung und kann daher zunächst nur spekulativ in den Raum gestellt werden. Denkbar sind hier alle genannten UAS, die die entsprechenden technischen Voraussetzungen erfüllen bis hin zu Relaisstationen, die in großer Flughöhe oder sogar in der Stratosphäre arbeiten.

 

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Jürgen Geiß, Martin Schulz, Werner Theisen, Norbert Thomas


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