Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Über uns > Zukunftsfelder der Luftwaffe > Militärische Weltraumnutzung > Wächter über den Orbit – das Weltraumlagezentrum (Teil 1)

Wächter über den Orbit – das Weltraumlagezentrum (Teil 1)

Uedem, 01.08.2011.
Eine gesicherte Weltraumlage ist Grundvoraussetzung einer gesicherten Weltraumnutzung. Mit dem Aufwuchs des Weltraumlagezentrums in Uedem bei Kalkar nimmt eine vorrangige Aufgabe der Luftwaffe Konturen an.

Blick auf Erde und Mond

Blick auf Erde und Mond (Quelle: DLR)Größere Abbildung anzeigen

Für moderne Streitkräfte ist die gesicherte Verfügbarkeit von satellitengestützten Diensten in immer stärkerem Maße Grundvoraussetzung für deren Funktionsfähigkeit und für die effiziente Auftragserfüllung geworden. Mit den Bundeswehr eigenen Satelliten SAR-Lupe sowie SATCom Bw Stufe 2 stehen der Bundeswehr eigene wichtige Systeme zur Verfügung, deren Einsatzbereitschaft einen essentiellen Beitrag für die Lagebeurteilung und Führungsfähigkeit der Bundeswehr liefern.

Nützlich, aber auch gefährlich: Satellit im All

Nützlich, aber auch gefährlich: Satellit im All (Quelle: DLR)Größere Abbildung anzeigen

Der Schutz, respektive die Sicherstellung der Funktion dieser weltraumgestützten Systeme erfordert jedoch die Fähigkeit zur Erstellung eines Weltraumlagebildes als Voraussetzung für das Erkennen und Bewerten aller Elemente und Vorgänge im erdnahen Weltraum, die in der Bundeswehr derzeit nicht vorhanden ist. Ereignisse, wie der Zusammenstoß des Kommunikationssatelliten Iridium 33 und des russischen Satelliten Cosmos 2251 am 10. Februar 2009, belegen die Forderung nach solch einer Fähigkeit.

In den nunmehr über 50 Jahren internationaler Raumfahrt wurden mehr als 6.100 Satelliten in eine Erdumlaufbahn ausgesetzt, wovon sich derzeit noch rund 3.300 Satelliten im Orbit befinden. Hiervon sind lediglich etwa 900 Satelliten noch aktiv. Insgesamt umkreisen jedoch mehr als 13.000 Objekte, wie Raketenstufen und Bruchstücke aus Explosionen und Kollisionen, in einer Größenordnung oberhalb eines Durchmessers von 10 cm unseren Globus, die ein erhebliches Risiko darstellen.
Um diesem Umstand gerecht zu werden, ist, wie zuvor dargestellt, die Verfügbarkeit eines Weltraumlagebildes unumgänglich, welches durch Weltraumüberwachung, die kontinuierliche Erfassung und Bahnverfolgung von Weltraumobjekten, und komplementär durch Weltraumaufklärung, sprich die Identifizierung und technische Analyse von Weltraumobjekten, generiert wird.

nach oben

Satellit mit abgerissenem Sonnensegel

Satellit mit abgerissenem Sonnensegel (Quelle: Dr. Leushacke)Größere Abbildung anzeigen

Rolle und Beitrag der Luftwaffe

Für die Luftwaffe als den Kompetenzträger von Luftmacht gewinnt die Nutzung des Weltraums zunehmend an Bedeutung. Insbesondere die Möglichkeiten breitbandiger Datenübertragung und Kommunikation, präziser Navigation, Positions- und Zeitbestimmung sowie digitaler Geländedaten sind dabei für die modernen fliegenden und bodengebundenen Waffensysteme von ausschlaggebender Bedeutung. Da die Luftwaffe bereits heute die Überwachung und die Kontrolle des deutschen Luftraums sicherstellt, ist die Erweiterung um den Weltraum die logische Konsequenz.
Angestoßen und maßgeblich beeinflusst durch die Luftwaffe wurden 2008 die Konzeptionellen Grundvorstellungen der Bundeswehr zur militärischen Nutzung des Weltraums durch den Generalinspekteur erlassen. Hier werden der Luftwaffe die neuen Handlungsfelder „Weltraumlage“ (Space Situational Awareness) und „Frühwarnung, Flugkörperabwehr“ in Federführung für die Bundeswehr übertragen. Diese und weitere Handlungsfelder, wie beispielsweise der Schutz von Raumfahrtsystemen und der gesicherte Zugang zum Weltraum, sind und werden künftig für die Streitkräfte von erheblicher Bedeutung sein. Dabei wird die enge Verzahnung der Aktivitäten der Luftwaffe und der Bundeswehr mit denen im nationalen und internationalen, zivilen als auch militärischem Umfeld eine bedeutende Rolle spielen.

Um insbesondere die zunehmend internationalen und europäischen Aktivitäten im Bereich der Weltraumlageerstellung zielführend begleiten zu können, war der zügige Aufbau einer eigenen Beurteilungskompetenz der Luftwaffe geboten. Ende 2008 wurde dazu das Konzept für den Aufbau eines Weltraumlagesystems durch den Inspekteur der Luftwaffe erlassen. Dieses Konzept bildete den Ausgangspunkt zur Aufstellung des Weltraumlagezentrums und ist Grundlage für dessen weiteren Aufwuchs zu einer tragfähigen Anfangsbefähigung im Jahr 2011 und der Zielbefähigung bis Ende dieser Dekade.

Der Wirtschaftsminister verkündet die Raumfahrtstrategie der Bundesregierung

Der Wirtschaftsminister verkündet die Raumfahrtstrategie (Quelle: BMWi)Größere Abbildung anzeigen

Ziel der Luftwaffe ist es, auf Basis eines validierten Lagebildes, mit hinreichender Genauigkeit Überflugwarnungen für Einsatzkontingente, Kollisionswarnungen für Satelliten und den Status sowie die Verfügbarkeit von raumgestützten Diensten an Einsatzkontingente weiterzugeben. Ein weiterer Aspekt einer gesamtstaatlichen Aufgabe hinsichtlich des Bevölkerungsschutzes in Deutschland ist, Wiedereintrittsvorhersagen von in die Erdatmosphäre eintretenden Objekten zu treffen, um den zuständigen Katastrophen- und Zivilschutzbehörden entsprechende vorbereitende Maßnahmen ermöglichen zu können. Zusätzlich liegt es sowohl in militärischem als auch zivilem Interesse, den Grund eines Ausfalls von Satelliten - beispielweise den Ausfall durch technische Fehlfunktion, Kollision mit einem Objekt oder beabsichtigte Manipulation - belastbar zu ermitteln. Dies kann heutzutage durch optische oder Radarabbildung genauer analysiert werden.

nach oben

Das Wappen des Weltraumlagezentrums

Das Wappen des Weltraumlagezentrums (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Resümee und Ausblick

In den Anwendungsbereichen Erdbeobachtung, Kommunikation und Navigation wird die Raumfahrt mit ihrer notwendigen Infrastruktur zu einem zentralen Faktor, der für die deutsche Volkswirtschaft unverzichtbar ist und gleichzeitig in vielen Bereichen staatlicher Sicherheit einen essentiellen Beitrag liefert. Damit einhergehend gewinnt der Schutz der Raumfahrtsysteme immer mehr an Bedeutung. Die Gewährleistung der Funktionsfähigkeit von Weltraumanwendungen, die Überwachung und Kontrolle der Weltraumnutzung sowie die Aufklärung im All sind für eine situationsgerechte, unabhängige strategische Entscheidungsfindung unabdingbar.
Der Weltraum ist von strategischer Dimension, dessen umfassende Nutzung nur unter gesamtstaatlichen Gesichtpunkten erfolgen kann. Raumfahrtgestützte Systeme stellen ein Schlüsselinstrument für gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge, souveränes staatliches Handeln und wirtschaftlichen Erfolg dar und bedürfen daher entsprechendem Schutz.
Mit der Aufnahme des Anfangsbetriebes des Weltraumlagezentrums ist ein bedeutender Schritt der Luftwaffe zum Aufbau eines nationalen Weltraumlagesystems erfolgt. Mit diesem Beitrag wird die Luftwaffe die ihr zugeteilte, wichtige Aufgabe zur Schaffung eines Lagebewusstseins über die Vorgänge im Weltraum zielgerichtet aufnehmen. Unterstützt wird die Luftwaffe dabei von der DLR Raumfahrt-Agentur in Bonn-Oberkassel, die sich im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums am Aufbau des Weltraumlagezentrums beteiligen wird. Damit wird eine erste nationale Fähigkeit zur Bereitstellung und Bewertung eines Weltraumlagebildes geschaffen, die einen bedeutsamen Beitrag zur gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge darstellt.
Parallel hierzu wird die Luftwaffe, basierend auf einer engen und bereits etablierten Deutsch-französischen-Kooperation, auch die europäischen Prozesse aktiv unterstützen, um so den Ausbau der Fähigkeiten im Bereich der Weltraumlagebilderstellung kontinuierlich voranzutreiben. Dabei spielt auch die enge Zusammenarbeit mit der US Air Force eine tragende Rolle.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 26.11.13 | Autor: Andreas Noeske, Mike Hellmann


http://www.luftwaffe.de/portal/poc/luftwaffe?uri=ci%3Abw.lw.team.2020plus.mwn&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB060000000001%7C8K6H3Z287DIBR