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Blick zu den Sternen – Offizier im Weltraumlagezentrum

Kalkar / Uedem, 01.08.2011.
Er bezeichnet sich selbst als ein Kind des Niederrheins: Hauptmann Dirk Korthals, Einsatzoffizier und IT-Offizier beim Weltraumlagezentrum in Uedem. Geboren und aufgewachsen in Kalkar, einer Kleinstadt am linken Niederrhein, die aber in Luftwaffenkreisen mittlerweile weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist – nicht zuletzt wegen dem Weltraumlagezentrum, in dem Korthals arbeitet.

Die Großradaranlage TIRA (Tracking and Imaging Radar) auf dem Wachtberg bei Bonn

Die Großradaranlage TIRA (Tracking and Imaging Radar) auf dem Wachtberg bei Bonn (Quelle: Till Potinius)Größere Abbildung anzeigen

In der von-Seydlitz-Kaserne Kalkar – benannt nach dem in Kalkar geborenen preußischen Kavallerie-General Friedrich-Wilhelm von Seydlitz – sind neben dem Kommando Operative Führung Luftstreitkräfte noch weitere einsatzwichtige nationale und multinationale Stäbe und Gefechtsstände angesiedelt. Auf dem Uedemer Paulsberg, der mit der von-Seydlitz-Kaserne den Luftwaffenstandort Kalkar / Uedem bildet, ist neben dem Weltraumlagezentrum noch das Nationale Lage- und Führungszentrum Sicherheit im Luftraum und das Combined Air Operations Centre Uedem beheimatet.

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Lange her: Fähnrich Korthals bei einer Einweisung im Geländewagen Iltis

Lange her: Fähnrich Korthals bei einer Einweisung im Geländewagen Iltis (Quelle: Privat)Größere Abbildung anzeigen

Unverhofft kommt oft

Hier also wuchs Dirk Korthals auf, da wundert es also nicht, dass sich der 33jährige vor 14 Jahren für eine Laufbahn bei der Luftwaffe entschied. Die aber fand zunächst ganz woanders statt. „Ich wollte unbedingt Kommunikationselektroniker werden“, erzählt Dirk Korthals, „hatte dabei aber ursprünglich an die Deutsche Telekom gedacht.“ Ein Freund gab ihm dann den Tipp, dass diese Ausbildung auch bei der Luftwaffe absolviert werden kann. So kam der damals 19jährige als Flieger UA 1997 zur Luftwaffe und wurde zunächst bei der FlaRak-Truppe am Waffensystem ROLAND ausgebildet. Zu dieser Ausbildung bei der 6. FlaRakGrp 42 in Schöneck gehörte auch eine ZAW-Maßnahme (Zivil berufliche Aus- und Weiterbildung) zum Kommunikationselektroniker. Vier Jahre nach seinem Diensteintritt erreichte Hauptmann Korthals dann schließlich den Status „Combat Ready“ bei den „Roländern“.

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Die Satelliten immer im Blick: Hauptmann Korthals an seinem Arbeitsplatz im Weltraumlagezentrum

Die Satelliten immer im Blick: Hauptmann Korthals an seinem Arbeitsplatz im Weltraumlagezentrum (Quelle: Klaus Sattler)Größere Abbildung anzeigen

Vom Kommunikationselektroniker zum Manager für Datenverarbeitung

Ein Jahr später schaffte Korthals den Wechsel in die Laufbahn der Offiziere des Truppendienstes - verbunden mit der Ausbildung zum IT-Offizier. Nach der klassischen Offizierausbildung an der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck und der Fachausbildung zum IT-Offizier war der Sektor für Informationstechnik 5 in Köln-Wahn seine erste Station in der neuen Laufbahn. „Drei Jahre war ich dort als Teileinheitsführer“, erinnert sich Dirk Korthals, „und habe in dieser Zeit immer wieder den Einsatzoffizier vertreten.“ Ehe Hauptmann Korthals jedoch wieder in seine Heimat zurückkehren konnte, stand erst noch eine Station beim Generalarzt Luftwaffe in Siegburg an. „Da war ich als IT-Sicherheitsbeauftragter und Stabszugführer eingesetzt“, erzählt der junge Offizier. Zum ersten mal trug er die Verantwortung als Disziplinarvorgesetzter für die Unteroffiziere und Mannschaften, eine Zeit, an die er sich gerne erinnert: „Es gab einen Haufen Arbeit“, so Korthals, „oft war ich Mädchen für alles, aber ich habe viel gelernt in dieser Zeit.“ Am 1. April 2010 – und das war kein Aprilscherz – kam der damalige Oberleutnant Korthals dann zurück an den Niederrhein, wurde zum seinerzeit noch ganz jungen Weltraumlagezentrum versetzt. „Ich hatte als kleiner Junge schon eine Affinität für alles, was mit dem Weltall zu tun hatte“, so Dirk Korthals, „habe im Fernsehen immer zugeschaut, wenn die Space Shuttle der NASA gestartet sind.“ Mehr Voraussetzungen für die jüngste Aufgabe der Luftwaffe brachte der Offizier allerdings nicht mit, und so hatte er zunächst auch jede Menge Ehrfurcht und Respekt vor der neuen Aufgabe. „Ich habe mich aber auch darauf gefreut, und es als Herausforderung angesehen“, so Hauptmann Korthals heute.

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In der vorläufigen Operationszentrale des Weltraumlagezentrums

In der vorläufigen Operationszentrale des Weltraumlagezentrums (Quelle: Alexander Feja)Größere Abbildung anzeigen

Neuland betreten - mehrdimensional

Bundeswehrseitig gab es für dieses neue Fähigkeitsprofil der deutschen Streitkräfte noch keinerlei Ausbildungsgänge und so musste neben intensivem Selbststudium vor allem auf die Kapazitäten der NATO-Partner USA und Frankreich zurückgegriffen werden. Dort wurden dem Offizier die notwendigen Arbeitsgrundlagen vermittelt. „Man muss erst einmal begreifen wie der erdnahe Weltraum aussieht“, so Dirk Korthals. Was hält einen Satelliten im Orbit, welchen Gefahren und Einflüssen sind sie ausgesetzt oder wie werden Satelliten konstruiert? Welcher Satellitentyp ist für welches Einsatzspektrum geeignet und welches Recht gilt im Weltraum? „Aber auch Grundlagenwissen im Bereich Missile-Defense sind erforderlich“, so Hauptmann Korthals, „um zum Beispiel bewerten zu können, wie der Weltraum missbraucht werden kann.“ In den Vereinigten Staaten, die in Sachen Weltraumlageanalyse sehr viel weiter sind als Deutschland, hat Dirk Korthals unter anderem auch einen Einblick in die Funktionsweise des GPS-Systems (Global Positioning System) bekommen. „Das war schon spannend“, so der Offizier, der Deutschland und die Bundeswehr in Sachen Weltraumlagebild mittlerweile auf einem guten Weg sieht. „Und mit unseren französischen Partnern arbeiten wir mittlerweile auf Augenhöhe“, ist Korthals überzeugt.

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Arbeiten im WRLZ ermöglicht bisweilen, die Erde in einem anderen Blickwinkel zu betrachten: Die Insel Sylt

Arbeiten im WRLZ ermöglicht bisweilen, die Erde in einem anderen Blickwinkel zu betrachten: Die Insel Sylt (Quelle: DLR)Größere Abbildung anzeigen

Pionier in einem spannenden Metier

Im Herbst dieses Jahres wird gemeinsam mit der Technischen Universität Braunschweig erstmals auch ein nationaler Weltraum-Lehrgang durchgeführt. Die Niedersachsen gelten als weltweit führend auf dem Gebiet der Analyse von Gefährdungen durch Weltraumschrott. Überhaupt ist die Tätigkeit im Weltraumlagezentrum geprägt von der Zusammenarbeit mit zivilen Partner wie zum Beispiel dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) oder dem Fraunhofer Institut mit seiner Großradaranlage TIRA (Tracking and Imaging Radar) auf dem Wachtberg bei Bonn. „Diese Zusammenarbeit ist sehr interessant“, so Hauptmann Korthals, „da muss man sich besonders drauf einstellen, weil die typischen hierarchischen Strukturen des Militärs dort nicht greifen“. Mittlerweile nehmen die zivilen Partner ihre militärischen Mitstreiter ernst. „Die sehen die Notwendigkeit, und begrüßen es, dass hier eine Operationszentrale zur Darstellung der Weltraumlage aufgebaut werden soll“, so Dirk Korthals. Im September tritt erstmals ein ziviler Mitarbeiter seinen Dienst beim Weltraumlagezentrum an. Der künftige stellvertretende Leiter wird ein Mitarbeiter des DLR sein.

Ebenfalls im Blickfeld von Korthaus: Satelliten SAR-Lupe der Bundeswehr

Ebenfalls im Blickfeld von Korthaus: Satelliten SAR-Lupe der Bundeswehr (Quelle: PIZ SKB)Größere Abbildung anzeigen

Dass ihn seine Tätigkeit als Einsatzoffizier im Weltraumlagezentrum eines Tages auch in den Einsatz führen kann, ist dem Offizier klar. „Die Amerikaner haben heute schon dauerhaft einen Weltraum-Experten in Afghanistan“, weiß Hauptmann Korthals, „weil sie erkannt haben, wie wichtig zum Beispiel Warnungen vor Spionage durch verdächtige Satelliten im All für die eigene Truppe sind“. Ein ähnliches Szenario hält Dirk Korthals auch für die Bundeswehr für denkbar, genauso wie die Möglichkeit, dass eines Tages die eigenen Satelliten vom Uedemer Paulsberg aus gesteuert werden. Heute geschieht dies noch durch zivile Vertragspartner. Hauptmann Korthals hofft, dass er das im Weltraumlagezentrum noch erleben darf, denn mittlerweile ist er mit seiner Frau, die als Grundschullehrerin in Kalkar arbeitet, am Niederrhein wieder sesshaft geworden: Einen Steinwurf weit entfernt von der von-Seydlitz-Kaserne auf dem Kalkarer Beginenberg, von wo aus Dirk Korthals vor 14 Jahren auszog, um Karriere bei der Luftwaffe zu machen.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Klaus Sattler


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