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Der Dom(e) steht in Nörvenich

Nörvenich, 29.08.2011.
Im Jagdbombergeschwader 31 “Boelcke“ in Nörvenich - vor den Toren der Domstadt Köln - absolvieren Piloten Ausbildungseinsätze im „Dome“ des Eurofighter Flugsimulators. 360 Grad Rundumsicht und hohe Auflösung der Projektion bieten große Realitätsnähe für die Luftfahrzeugbesatzungen.

Eurofighter - Pilot folgt dem Formationsführer

Eurofighter - Pilot folgt dem Formationsführer (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Seit Ende 2009 ist das Jagdbombergeschwader 31“Boelcke“ (JaboG 31 „B“) mit dem Eurofighter ausgerüstet. Damit ein so komplexes Waffensystem reibungslos betrieben werden kann, waren eine Reihe von Voraussetzungen auf Seiten der Infrastruktur zu schaffen.
Neben Wartungshallen und Abstellplätzen für die Jets, schnellen Datenleitungen und modernen Planungsmöglichkeiten in neuen Staffelgebäuden, darf auch ein entsprechend moderner Flugsimulator nicht fehlen.

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Simulatorgebäude Eurofighter auf dem Fliegerhorst Nörvenich

Simulatorgebäude Eurofighter auf dem Fliegerhorst Nörvenich (Quelle: Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Vom Dome in Nörvenich

Mit fortschreitender Entwicklung der Technik sind Simulationsinstrumentarien für eine effektive Ausbildung von fliegenden Besatzungen immer wichtiger geworden. Aber nicht nur Ausbildung und Flugsicherheit, sondern auch die knapper werdenden Ressourcen machen Flugsimulatoren unentbehrlich. Daher heißt es regelmäßig: "Ab zum Luftkampf in den Dome“: Fliegen im „Full Mission Simulator“ oder „Cockpit Trainer“ des Eurofighters ist damit angesagt.

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Pilot und Fluglehrer beim Briefing

Pilot und Fluglehrer beim Briefing (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Quantensprung der Simulationstechnik

„Turn left 340 Degree at 2000 Feet“, ertönt es über Funk.
Hauptmann Michael Dunker (30) bringt seinen Eurofighter auf Kurs 340 Grad in 2000 Fuß Höhe und nähert sich dem Endanflug auf den Fliegerhorst Nörvenich. Er überprüft die Instrumente, bevor er das Fahrwerk ausfährt und der Radaranflugkontrolle in Nörvenich meldet: „Nörvenich Radar, November Oskar 31 steady 340 Degree 2000, Checks complete“. Hauptmann Dunker befindet sich nicht wirklich in der Luft, er sitzt im Eurofighter Cockpit des Simulators (FMS / Full Mission Simulators) auf dem Fliegerhorst Nörvenich. Seit knapp vier Jahren ist er beim JaboG 31 als Pilot eingesetzt. Noch ist er aktiver Tornado-Pilot und wartet auf die Eurofighter Umschulung beim Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“ in Laage. Im Dezember wird es dann soweit sein, bis dahin fliegt er, neben seinen Aufgaben als Ordonanzoffizier des Kommodore JaboG 31, noch Tornado beim JaboG 33 in Büchel. Auf das neue Flugzeugmuster bereitet er sich schon jetzt im Eurofighter Simulator vor. „Beeindruckend ist das Sichtsystem mit der hohen Auflösung. Details werden so realistisch dargestellt, dass man wirklich das Gefühl hat zu fliegen - mal von hohen G-Kräften abgesehen“ meint Hauptmann Dunker, der auch schon viele Stunden im Tornado Simulator verbracht hat. „Im Vergleich zu bisherigen Simulatoren stellt der Eurofighter Simulator schon einen Quantensprung dar.“

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Flugsimulation

„Der Dome“ – Kuppel des Full Mission Simulators (FMS)

„Der Dome“ – Kuppel des Full Mission Simulators (FMS) (Quelle: Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Mit dem Beginn der Fliegerei Anfang des 20. Jahrhunderts entstand gleichzeitig auch der Bedarf das Steuern von Flugapparaten erst einmal am Boden üben zu können, bevor man „in die Luft ging“. Zunächst wurden Flugzeuge mit Seilen am Boden verankert und für Startversuche dem Wind ausgesetzt, später nutzte man bewegliche Konstruktionen auf denen Cockpits mit Steuerknüppeln verankert waren, um Flugbewegungen simulieren zu können. In den dreißiger Jahren wurden dann sogenannte „Link-Trainer“ eingeführt, bei denen der Pilot über seine Kontrolleingaben elektrische Pneumatikpumpen ansteuerte und so Gier- Roll- und Nickbewegungen einleiten konnte. Auch erste Instrumenten- und Blindflugtrainer stammen aus dieser Zeit. Fortschritte in der Elektrotechnik machten es nach dem Zweiten Weltkrieg möglich, sowohl Instrumentenanzeigen als auch die Flugsteuerung zu simulieren. Ein weiterer Schritt war ab Mitte der fünfziger Jahre die Einführung von Sichtsystemen, die mittels Kamerafahrten über maßstabsgetreue Geländemodelle eine primitive Art von Außenreferenz ermöglichten. Mit schneller werdenden Computern und höheren Rechenkapazitäten gelang es Ende der Siebziger Jahre, digitale dreidimensionale Landschaften ausschnittsweise zu erzeugen und auf Großbildschirmen darzustellen. Mit fortschreitender Computertechnik hielten in den Neunziger Jahren dann hochauflösende Projektoren Einzug in die Flugsimulation. Auf speziellen Leinwänden werden dabei in einer Kuppel, dem sogenannten „Dome“, virtuelle Landschaften und visuelle Effekte mit 360 Grad Rundumsicht erzeugt. Mittlerweile ist man technisch bei den sogenannten „Full Mission Simulatoren“ angekommen, bei denen ganze taktische Szenarien durchgespielt, geübt und weiterentwickelt werden können.

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Grundsteinlegung des Simulatorgebäudes im Jahr 2006

Grundsteinlegung des Simulatorgebäudes im Jahr 2006 (Quelle: Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

ASTA

Unter dieser Abkürzung verbirgt sich beim Waffensystem Eurofighter das Aircrew Synthetic Training Aid oder anders gesagt der Flug- und Taktiksimulator. Nach Grundsteinlegung für das Simulatorgebäude Eurofighter auf dem Fliegerhorst Nörvenich im Frühjahr 2006 konnte ab Anfang 2009 mit dem Einbau der einzelnen Simulatorkomponenten begonnen werden. Seit Februar 2010 steht der Eurofighter Simulator in vollem Umfang für Ausbildungszwecke zur Verfügung. Neben Rechnern, Steuerkonsolen für Fluglehrer (IOS – Instructor Operating Station), sowie dem Mission Support System (MSS) mit Planungs- und Briefingräumen sind zwei Eurofighter Cockpits zentraler Punkt des ASTA.

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Pilot beim Anschnallen im Full Mission Simulator.

Pilot beim Anschnallen im Full Mission Simulator. (Quelle: Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Der Full Mission Simulators (FMS)

Eines der beiden Simulator Cockpits ist Teil des FMS und befindet sich in einer geschlossenen Kuppel mit über sieben Metern Durchmesser und 360Grad Rundumsichtsystem. 13 Projektoren übernehmen die Darstellung der Außenwelt um das Cockpit, während sechs hochauflösende Zielprojektoren den Bereich im direkten Sichtfeld des Piloten, je nach seiner Blickrichtung, besonders detailreich darstellen. Zur Steigerung der Realitätsnähe werden Fluggeräusche eingespielt und Flugbewegungen durch gezielte Straffung der Anschnallgurte am Pilotensitz (G-Seat) vorgetäuscht. Lastvielfache werden durch Aufblasen des Anti-G Systems des AEA Pilotenanzuges (Aircrew Equipment Assembly) und Druckbeatmung des Piloten realitätsnah simuliert.

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Cockpit Trainer (CT)

Cockpit Trainer (CT) (Quelle: Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Der Cockpit Trainer (CT)

Ein zweiter eigenständiger Simulator ist der Cockpit Trainer, der über ein Acht-Kanal Sichtsystem mit 240 Grad horizontaler Sicht verfügt und vertikal -30 Grad bis +100Grad Sichtfeld abdeckt. Genutzt wird dieser „kleine Bruder“ des FMS für Verfahrens- und Notfalltraining, Instrumentenflugtraining und zur Unterstützung von Netzwerk-Missionen. Er unterscheidet sich vom FMS unter anderem dadurch, dass das Sichtfeld des Piloten auf 240 Grad begrenzt ist. Beide Cockpits sind jedoch eins zu eins Kopien des echten Flugzeugs und haben exakt die gleiche Funktionalität. Über Schnittstellen erhält das Eurofighter Cockpit im ASTA die synthetischen Informationen über die Außenwelt und erzeugt so zusammen mit dem hochauflösenden Sichtsystem ein extrem realistisches Abbild der Außenwelt.

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Instructor Operating Station (IOS) - Steuerkonsole für das Lehrpersonal

Instructor Operating Station (IOS) - Steuerkonsole für das Lehrpersonal (Quelle: Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Die Vernetzung

Im Vergleich zu älteren Simulatoren bringt die ASTA Eurofighter-Simulation eine entscheidende Neuerung mit sich. Der Full Mission Simulator und der Cockpit Trainer können bei Bedarf zu Ausbildungszwecken miteinander verlinkt werden. Damit können die Piloten beispielsweise engen Formationsflug miteinander oder Luftkampf gegeneinander fliegen. Auch komplexe taktische Szenarien mit Bedrohungen am Boden und in der Luft sind so in vorgeplanten oder neu zu planenden Einsätzen darstellbar. Einsätze können über das MSS (Mission Support System) mit gleichen Daten und Parametern geplant werden – so wie es auch real in den fliegenden Staffeln geschieht. In die Zukunft wird sogar eine Vernetzung der Cockpits zwischen verschiedenen Geschwadern möglich sein. Neben Nörvenich stehen Eurofighter Simulatoren derzeit auch in Laage und Neuburg mit jeweils einem FMS und einem CT. Darüberhinaus befinden sich noch ein FMS und zwei CTs bei Cassidian in Manching, die zukünftig in ein WAN (Wide Area Network) über ganz Deutschland einbezogen werden können.

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Eurofighter aus Nörvenich

Eurofighter aus Nörvenich (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Die Ausbildung im JaboG 31

Das erfahrene Lehrpersonal besteht aus ehemaligen fliegenden Besatzungen, von denen die meisten bereits Erfahrung auf dem Eurofighter haben. Sie leiten die Simulator-Missionen und fliegen entweder selbst im zweiten Cockpit mit oder begleiten die Mission von der Steuerkonsole aus. Nach dem jeweils etwa einstündigen Vorbereitungsbriefing und dem „Flug“ im Simulator folgt dann das Debriefing, das auch noch gut eine Stunde dauern kann. Von Anfang bis Ende einer Simulator-Mission vergehen so leicht mehr als vier Stunden. Im laufenden Ausbildungsbetrieb können so täglich zwei Einsätze vormittags und nachmittags mit jeweils zwei Piloten durchgeführt werden. Während anfangs, kurz nach Einführung des Waffensystems Eurofighter, vorwiegend die Tornadopiloten Nörvenichs im ASTA auf ihre Umschulung zum Eurofighterpiloten vorbereitet wurden, wird jetzt die Zahl der frischgebackenen Eurofighter-Piloten Zug um Zug größer. Zu ihnen gehört auch der Kommodore des JaboG 31, Oberst Andreas Hoppe, der seit Juli 2010 das Geschwader führt.

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Oberst Andreas Hoppe - Kommodore JaboG 31“B“

Oberst Andreas Hoppe - Kommodore JaboG 31“B“ (Quelle: Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

„Neue Dimensionen sind erreicht“

So beschreibt es Kommodor des JaboG 31, der vorher lange Tornado geflogen ist und hinzu fügt: „Bisher habe ich nicht so viel davon gehalten, Flugstunden durch Simulatorstunden ersetzen zu wollen. Seitdem ich Eurofighter fliege, habe ich meine Einstellung dazu korrigieren müssen. Noch vor gut zehn Jahren war es nicht vorstellbar, was heute Realität und Alltag ist. Auch wenn ich fest davon überzeugt bin, das jede reale Flugstunde für einen Piloten weiterhin einen höheren Stellenwert haben muss, so habe ich mich überzeugen lassen, dass gewisse Anteile der Ausbildung und des jährlichen Flugstundenprogramms der Besatzungen sehr gut im Flugsimulator absolviert werden können. Routineabläufe, Notverfahren oder das Handling des Luftfahrzeugs können im Rahmen des jährlich vorgeschriebenen Trainingsprogramm (Tactical Combat Training Program /TCTP) der Fliegenden Besatzungen in Teilen der Ausbildung sinnvoll und kostensparend auch im Simulator absolviert werden. Darüber hinaus ergibt sich mit der Vernetzung der Cockpits eine bisher nicht dagewesene Möglichkeit zu taktischem Training.“

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Pilot in enger Formation mit zweitem Eurofighter

Pilot in enger Formation mit zweitem Eurofighter (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Gut investiertes Geld

Im Hinblick auf immer knapper werdende Ressourcen ist es notwendig geworden, das besondere Augenmerk auf immer effizientere Ausbildung zu legen. Dazu gehört ohne Zweifel das ASTA Simulator Konzept für den Eurofighter. Mit einem ausgereiften Ausbildungsplan sollen bis zu 30% der geforderten Flugstundenvorgabe von 180 Stunden im Jahr im Simulator geflogen werden. Damit können die hohen Kosten für Flugstunden gesenkt werden bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der operationellen Fähigkeiten und der Flugsicherheit. Ein Simulator ist langfristig sinnvoll investiertes Geld, um über effizientes Training der Kampfflugzeugbesatzungen Vorsorge für die Sicherheit und Souveränität Deutschlands im Herzen Europas zu leisten.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Ulrich Metternich


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