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First Assignment Instructor Pilot - ein neues Berufsbild

Wichita Falls, Texas, 08.11.2011.
Als Oliver Schmidt in Wichita Falls, Texas, seine fliegerische Ausbildung begann, da ahnte er noch nicht, dass er binnen weniger als zwei Jahren selbst Flugschüler ausbilden würde. Ein noch relativ neues Berufsbild – des sogenannten First Assignment Instructor Pilot, oder kurz: FAIP - macht dies möglich. Doch fangen wir der Reihe nach an…

In der Zentrifuge

In der Zentrifuge (Quelle: Luftwaffe/Oliver Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

Am 19. Januar 2010 ging für Oberleutnant Oliver Schmidt ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. Mit drei weiteren deutschen Luftwaffenflugschülern wurde er zur multinationalen Flugausbildung auf die Sheppard Air Force Base (Sheppard AFB) ins nordtexanische Wichita Falls versetzt. Heute, fast zwei Jahre später, ist Oliver Schmidt zum Fluglehrer ausgebildet und trainiert selbst junge Flugschüler, die den gleichen Traum wie er verfolgen: Fliegen.

Wichita Falls befindet sich im Norden von Texas, wenige Kilometer vom Bundesstaat Oklahoma. Es ist die größte Stadt in einer recht dünn besiedelten Region, zwei Auto-Stunden zwischen Dallas/Fort Worth einerseits und Oklahoma City andererseits entfernt. Die dort eingerichtete, internationale Pilotenschulung unter dem Ausbildungsprogramm ENJJPT (Euro NATO Joint Jet Pilot Training) ist die Pilotenschmiede der Luftwaffe - und auch der NATO.

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Trainer Texan II in Formation

Trainer Texan II in Formation (Quelle: Luftwaffe/Bart Kamman)Größere Abbildung anzeigen

Rush-Hour über den Wolken

Auf der Sheppard AFB bildet die Bundeswehr seit 1961 mit anderen NATO-Nationen wie USA, Niederlande, Italien, Spanien, Norwegen und Kanada ihre zukünftigen Jetpiloten aus. Texas ist recht dünn besiedelt, was bei einem Flugplatz mit vier Landebahnen - und mehr Flugbewegungen als der Flughafen in Frankfurt pro Tag hat(!) - ein echter Vorteil ist. Zudem herrscht fast immer eine stabile Wetterlage, was die Schulung der Flugschüler begünstigt, während schlechtes Wetter – und davon hat man in Europa nicht wenig – und der relativ dicht besiedelte Luftraum über Deutschland die Ausbildung deutlich erschweren würden.

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Noch Segelflieger – oder schon?

Noch Segelflieger – oder schon? (Quelle: Luftwaffe/Oliver Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

Der Traum vom Fliegen

Schon als Kind habe ich mich sehr zur Fliegerei hingezogen gefühlt.“, meint Schmidt heute, nachdem er 15 Monate anstrengenden Lernens und Fliegens hinter sich hat - waren doch schon Vater wie Großvater aktive Segelflieger, so dass unser Protagonist bereits im Alter von 13 Jahren seine Ausbildung im Segelflieger antrat. „Während dieser Zeit waren wir als Gastverein auf dem deutschen Luftwaffenstützpunkt Nörvenich und anschließend fest auf dem Fluggelände der Royal Air Force in Brüggen etabliert. Immer wieder bekam ich dort die Möglichkeit Militärjets vom Typ Tornado starten und landen zu sehen.“

Geschafft – Bei der graduation ceremony werden dem Flugschüler die ersehnte Schwingen zuteil

Geschafft – Bei der graduation ceremony werden dem Flugschüler die ersehnte Schwingen zuteil (Quelle: Luftwaffe/Thomas Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

Knapp eine Dekade später kann Luftfahrzeugführer (Pilot) Oliver Schmidt auf eine erfolgreiche Ausbildung zurückblicken: Nachdem er an der Hochschule der Bundeswehr das Diplom in Luft- und Raumfahrttechnik erfolgreich abgelegt hatte, konnte er endlich in „seinen Traum einsteigen“, auch wenn er zu dessen Erreichung noch ein paar Hürden nehmen musste, als da wären: Englischkurs, Flugtheorie, Zentrifuge, Unterdruckkammer, Lehrgang Überleben auf See und erste Flugversuchen in Arizona auf einem Sportflugzeug vom Typ Grob 120A. Und endlich, im Januar 2010 ging es endlich los mit der Jetfliegerei...

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T38 C Talon bei der Landung: Die letzte Maschine, die es bei ENJJPT zu bewältigen gilt

T38 C Talon bei der Landung: Die letzte Maschine, die es bei ENJJPT zu bewältigen gilt (Quelle: Luftwaffe/Oliver Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

Ausbildung zum Piloten

Wer nun denkt, das sei schon genug Arbeit gewesen. – jetzt geht der Stress erst richtig los: Viele Zwölf-Stunden-Arbeitstage sollten auf unseren Protagonisten warten: Mit anschließendem Lernen oder Mehrfachbelastungen wie Fliegen, Simulator, Theorie und Flugplanung an einem Tag. Dennoch oder gerade deswegen gingen die 15 Monate recht schnell vorüber „und es gab eigentlich keinen Tag, an dem ich meine Berufsentscheidung bereut hätte“. Den Abschluss der fliegerischen Ausbildung markierte die sogenannte IFF, die Introduction of Fighter Fundamentals, wo der bereits ausgebildete Pilot erste Erfahrungen im Luftkampf sammelt. Danach geht es normalerweise in einem Zug weiter zur Holloman Air Force Base in New Mexico, wo die Waffensystemausbildung auf dem Tornado folgt – oder aber zurück nach Deutschland, wo der Eurofighter in Laage auf seinen nächsten Flugschüler wartet – oder umgekehrt.

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Foto des Protagonisten

Foto des Protagonisten (Quelle: Luftwaffe/Oliver Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

Ausbildung zum FAIP

Doch für Oliver Schmidt sollte es anders kommen. Denn seit relativ kurzer Zeit bietet die Luftwaffe noch eine weitere Option für die frisch graduierten Jetpiloten, den so genannten FAIP. Diese Abkürzung steht für „First Assignment Instructor Pilot“, oder auf deutsch: Fluglehrer in Erstverwendung. „Bislang musste ein Pilot erst einige Jahre Flugerfahrung und mindestens 700 Flugstunden sammeln bevor er zum Fluglehrer fortgebildet wurde.“ Nach amerikanischem Vorbild setzt nun auch die Luftwaffe verstärkt auf die jungen Fluglehrer, die mit den lokalen Gegebenheiten am Platz, so wie den Herausforderungen und Schwierigkeiten eines angehenden Piloten noch sehr vertraut sind.

Der neue Arbeitsplatz von Oliver Schmidt

Der neue Arbeitsplatz von Oliver Schmidt (Quelle: Luftwaffe/Bart Kamman)Größere Abbildung anzeigen

Und es gibt noch einen ganzen Strauss weiterer Gründe, warum die Luftwaffe den anderen Nationen gefolgt ist, angefangen damit, dass dieses Crewkonzept sich bereits international bewährt hat: Unter anderem profitieren die Flugschüler nicht nur von der Flugerfahrung der älteren Fluglehrer, die ebenfalls durch die jüngeren FAIPs transportiert wird, sondern auch von den recht frischen Tipps und Tricks einer Person, die die Ausbildung erst vor kurzem selbst erfolgreich durchlaufen hat. Diese Kombination aus frischgebackenem Fluglehrer einerseits und gerade abgelegtem Schülerstatus andererseits kommt den neuen Schülern in jeder Hinsicht zugute und steigert nachweisbar die Qualität der Ausbildung. Oliver Schmidt ist jedenfalls frohen Mutes, denn er hat Ende Oktober die viermonatige Ausbildung zum Fluglehrer erfolgreich durchlaufen: „Ich kann es kaum erwarten, mit meinem ersten Schüler zu fliegen“.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Norbert Thomas, Oliver Schmidt


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