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Abseits vom üblichen Rollenverhalten

Fürstenfeldbruck, 02.02.2012.
Susanne Windpassinger, damals 17 Jahre alt, war nicht nur eine der jüngsten Bewerberinnen, die sich je für die Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr beworben hat, sie hat auch das Auswahlverfahren als Beste abgeschlossen. Im August letzen Jahres trat sie ihre Ausbildung im 106. Offizierlehrgang für Offizieranwärter des Truppendienstes in der Luftwaffe an der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck an.

Die Protagonistin aus der Offizierschule der Luftwaffe

Die Protagonistin aus der Offizierschule der Luftwaffe (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Man glaubt ja gar nicht, wer alles aus Verwandtschaft und Bekanntschaft bei der Bundeswehr war, was die alles gemacht haben und welche Ratschläge jeder zu bieten hat. Die Ankündigung „Ich gehe zum Bund“ lockte alle gnadenlos aus der Reserve.

Fertig für die Ausbildung im Gelände

Fertig für die Ausbildung im Gelände (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

So ausgestattet mit einem Querschnitt der Militärerfahrung aus einem halben Jahrhundert bin ich am 1. August an der OSLw angetreten – und konnte erkennen, dass alles doch ganz anders ist. Letztlich zählt immer die eigene Erfahrung. So zum Beispiel die, dass ein wesentlicher Unterschied zur Schule, ja zu meinem bisherigen Leben, sofort ins Auge sprang: Echte Kameradschaft. Eine Art Schicksalsgemeinschaft, die für den anderen eintritt. Die Schnellen kehren auf der Hindernisbahn um und greifen den langsamen Kameraden und Kameradinnen unter die Arme. Anstrengungen werden im Team gemeistert, Freude und Frust gleichermaßen mit allen anderen geteilt – das war und ist die zentrale Erfahrung mit dem „System Bundeswehr“.

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Gemeinsam stark: Stubenkameradin Gefreiter (OA) Elisa Spitzner (r.).

Gemeinsam stark: Stubenkameradin Gefreiter (OA) Elisa Spitzner (r.). (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Fragen über Fragen

Davon hatte ich am ersten Tag natürlich keine Ahnung. Da standen andere Fragen im Vordergrund. Wie bin ich untergebracht, wer ist meine Stubenkameradin, komme ich mit allen Abläufen klar? Ein Pluspunkt zeigte sich schon nach wenigen Stunden: Die Verpflegung hat einen Stern verdient. Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. Wenn einer der Bundeswehr nichts abgewinnen will, kann es am Essen nicht liegen. Und wer auf volle Kleiderschränke steht, wird auch nicht enttäuscht. Mit gefühlten 100 Kilogramm Outfit aus der Kleiderkammer ist der kleine Spind auf der Stube eine echte Herausforderung – da ist die Einräumvorschrift schon eine Hilfe.

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Im Team zur Spitzenleistung: Hörsaal 1./Foxtrott beim Gipfelfoto (Bergmarsch Winklmoosalm).

Im Team zur Spitzenleistung: Hörsaal 1./Foxtrott beim Gipfelfoto (Bergmarsch Winklmoosalm). (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Kameradschaft verbindet

Dass manche Jungs trotz bundeswehrtypisch präziser Anweisungen an einem sorgsam gefalteten Hemd kläglich scheiterten und wir Mädels hier doch die eine oder andere Hilfe leisten konnten, war ein kameradschaftlicher Einstieg ins gemischte Dasein männlicher und weiblicher Offizieranwärter an der OSLw in Fürstenfeldbruck. Heute, einige Monate später, ist das Miteinander so problemlos, dass so mancher und manche in Sachen Gleichstellung was von der Truppe lernen kann.

Gefreiter Susanne Windpassinger

Gefreiter Susanne Windpassinger (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Der Ton der Vorgesetzten ist nicht rau, eher präzise und unüberhörbar. Und manchmal in der Wortwahl durchaus kreativ, wie ich bald feststellen konnte. Dieser Ideenreichtum kennt besonders auf einem Gebiet keine Grenzen: Bei Abkürzungen, Decknamen und der Namensgebung fiktiver Orte, Länder und Befreiungsfronten beweist der Wortschatz der Bundeswehr eindeutig Humor. Ob nun GNUV „Gewissenhaft, nach besten Kräften, unverzüglich, vollständig“ bedeutet oder das GeZi keine „Getarnte Ziege“ ist, ob ein Deckname „Bulette“ lautet oder die Ligarische Volksfront Ärger macht - oder war es die Volksfront von Ligarien? Der Dienst wäre um einiges unspektakulärer ohne diese Highlights. Auch wenn es einen an die mentalen Grenzen bringt, dabei ernst zu bleiben.

Meine Erfahrungen mit der Bundeswehr sind bis jetzt durchweg positiv. Sport, Wachausbildung, Fernmeldeausbildung – fader Alltag sieht anders aus. Und die Dinge, die im Dienstalltag weniger Spaß machen, kennt und weiß eh jeder.

Bei der feierlichen Vereidigung, war ich zusammen mit meinen Kameraden einfach stolz, dabei zu sein. Als Frau tut es gut, aus dem herkömmlichen Rollenverhalten auszubrechen. „Ich bin Offizieranwärterin bei der Luftwaffe“, sorgt im zivilen Leben immer noch für manchen offenstehenden Mund. Und als mich kürzlich ein gelber Engel des ADAC bei der Pannenhilfe fast mitleidig fragte, ob ich denn technisches Verständnis hätte und ob denn das Starterkabel überhaupt richtig angeschlossen ist, musste ich fast mitleidig lächeln. Ich sagte es nicht, aber dachte es mir: „Guter Mann, ich kann ein G36 schneller zerlegen, als Du die Hände aus der Hosentasche bekommst.“

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Susanne Windpassinger


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