Dr. Thilo Sarrazin beim Kaufbeurer Dialog
Fliegerhorst Kaufbeuren, 09.12.2011.
Fast genau zwei Jahre gibt es die Gesprächsreihe Kaufbeurer Dialog. In dieser Zeit ist es dem Kommandeur der TSLw 1, Oberst Richard Drexl gelungen, viele hochkarätige ehemalige Politiker als Redner zu den verschiedensten Themen zu gewinnen. Mit Thilo Sarrazin kam nun eine Persönlichkeit, die vor fast genau einem Jahr durch die Veröffentlichung des Buches „Deutschland schafft sich ab“ stark in die Kritik geraten war und letztendlich als Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank zurücktreten musste.

Fand der Kaufbeurer Dialog bisher in den Räumlichkeiten der Offizierheimgesellschaft Kaufbeuren statt, so musste man am Donnerstag, den 01. Dezember 2011 erstmals in den Kinosaal des Fliegerhorstes Kaufbeuren ausweichen. Wohl die Debatte um Sarrazins Buch im Hinterkopf, folgten dieses Mal 220 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Militär, der Einladung des Veranstalters.

Zukunft Europas
Mit 15 minütiger Verspätung konnte Oberst Drexl, sowohl die vielen Zuhörer als auch den Gastredner Thilo Sarrazin zum siebten Kaufbeurer Dialog begrüßen. Nach der Vorstellung des Referenten und einer Einführung zum Thema bat der Kommandeur den Gastredner die Zukunft Europas aus seiner Sicht zu beleuchten. Die Grundlagen der Demografie als Basis betrachtete er die Entwicklung der Bevölkerungen und ihren Strukturen in Europa mit vielen Zahlen und Statistiken. Den steten Rückgang der deutschen Bevölkerung und dem damit verbundenen Abfall des Bildungsstandes. Über die Migration und ihren Problemen landete der Redner schnell bei der aktuellen Euro-Krise. Sarrazin fand Argumente für die Europäische Union und sprach sich für den Euro aus. Er lobte die Bundeskanzlerin für die zum jetzigen Zeitpunkt richtige Politik in der Euro-Krise und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass sie nicht umfalle und damit das deutsche Wohlstandsmodell gefährde. In einer ganz eigenen Art erläutete er nochmals seine persönliche Meinung zur Krise. „Am Stammtisch zahlt auch jeder seinen eigenen Bierdeckel, das sorgt für Ordnung und schafft Frieden“, so der Ex-Bundesbank-Vorstand. Nach seinem Vortrag und der Beantwortung vieler Fragen aus dem Publikum stand Sarrazin sowohl den örtlichen Medien Rede und Antwort, als auch für zahlreiche Einzelgespräche zur Verfügung.
