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Mittel der Air Surface Integration

Köln-Wahn, Jagel, Mazar-e Sharif, 22.07.2011.
Air Surface Intergration nutzt hochkomplexe Sensoren im Einsatzgebiet sowie im Grundbetrieb. Da wo die physikalisch bedingten Erfassungslücken abstandsfähiger Systeme offenbar werden, greifen die Hilfsmittel der Air Surface Intergration (A-S-I) ein, um den ständig steigenden Informationsbedarf der Streitkräfte zu decken. Wir stellen Ihnen einige der dabei genutzten Systeme vor.

Am Tornado befestigter RecceLite-Behälter

Am Tornado befestigter RecceLite-Behälter (Quelle: Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Die sogenannte Abbildende Aufklärung nutzt optische, multispektrale, elektro-optische sowie Radarsensoren - luft- und raumgestützt - zur Gewinnung von Bildern.
Aus diesen Bildern werden durch Auswertung belangreiche Informationen für die Bedarfsträger aufbereitet. Die Forderung nach gelände-, tageszeit- und witterungsunabhängigem Entdecken, Erkennen, Identifizieren, Analysieren oder Verfolgen von Objekten wird durch den komplementären, häufig auch zeitgleichen Einsatz unterschiedlicher Sensoren erfüllt.

Tornado mit digitalem Aufklärungsbehälter startet

Tornado mit digitalem Aufklärungsbehälter startet (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Aus dieser Praemisse heraus wird offenkundig, dass die Luftwaffe verschiedene Hilfsmittel bereithalten muss, um den jeweiligen Informationsbedarf in der jeweiligen Situation zu decken. So müssen je nach Art der geplanten Operation und weiterer Rahmenbedingungen vorgezogene Aufklärungseinsätze unter nahezu allen Wetterbedingungen sowohl weiträumig im Grundbetrieb, als auch konkret im Einsatzgebiet durchführbar bleiben. Hierzu ist ein hoher Grad an Eindring- und Durchsetzungsfähigkeit notwendig, wozu es neben der unbemannten Aufklärung weiterhin eines ausreichenden Ansatzes an bemannten, fliegenden Aufklärungsmitteln geben muss und wird. So ist beispielweise nur mit dem durchsetzungsfähigen Aufklärungstornado eine schnelle Schwerpunktverlagerung möglich, während gleichzeitig mit der Zwischenlösung Heron 1 die permanente Aufklärungsfähigkeit dem Aspekt der kontinuierlichen Überwachung Rechnung trägt: Zum Schutz der Soldaten im Einsatz. Grundsätzlich kann aber postuliert werden, dass erst bemannte wie unbemannte Systeme ausreichend Informationen zur Aufbereitung eines ganzheitlichen Lagebildes liefern. Während der Heron 1 viel länger als der Tornado in der Luft bleiben- und daher einen Aufklärungskorridor besser überwachen kann, hatte der Tornado in Rekordzeit bereits ganz Afghanistan kartografiert.

Geländeausschnitt aus einem Video des Heron 1

Geländeausschnitt aus einem Video des Heron 1 (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Aufgeklärte Informationen müssen nahezu verzugslos und gesichert an den Bedarfsträger gelangen, ausgewertet und gegebenenfalls noch während des Einsatzes durch entsprechende Auftragsergänzungen verdichtet werden können.
Zur Erreichung bestmöglicher Aufklärungsergebnisse werden elektro-optische, multi- /hyperspektrale, Infrarot- und Radarsensoren eingesetzt, deren Bild- und Videoprodukte mögliche Ziele und deren Bewegungen eindeutig identifizierbar und auf Bedarf auch georeferenzierbar machen. Dabei stehen der Luftwaffe verschiedene Systeme zur Verfügung.

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Litening-Zielbeleuchter

Litening-Zielbeleuchter (Quelle: US Air Force)Größere Abbildung anzeigen

Der Aufklärungsbehälter FMV LITENING TOR III

Zur Unterstützung von Einsatzkräften kann ein echtzeitnahes Lagebild zur Erhöhung des situativen Bewusstseins beitragen. Ein luftgestütztes Mittel zur Echtzeitübertragung von „Full Motion Video“ (FMV) mittels Datenlink an die Einsatzkräfte am Boden ist der von der israelischen Firma Rafael entwickelte und gebaute Laser Designator Pod (LDP) LITENING TOR III, ein ursprünglich zur Zielbeleuchtung verwendeter Sensor mit der Möglichkeit, Bewegtbilddaten, also Videos, zu generieren.
Der Empfang und die Darstellung am Boden wird mittels eines Remote Optical Video Enhanced Receiver-Terminals sichergestellt, dem sogenannten ROVER. Der mit FMV-Sendemodulen ausgerüsteten Pod wurden im Rahmen von Übungen wie Common Shield oder Green Flag Alaska erfolgreich vorab getestet.

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Der vordere Teil des RecceLite mit aufgeklappten Optiken

Der vordere Teil des RecceLite mit aufgeklappten Optiken (Quelle: Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Der RecceLite-Pod

Das System RecceLite verbindet die Vorteile des oben angesprochenen LDP - der im übrigen dem RecceLite auch im Bau sehr ähnelt - mit den Vorzügen einer vollständig digitalen Datenaufzeichnung, einer kleinen und sehr leistungsfähigen Planungs- und Auswertestation sowie einer Echtzeit-Übertragungsmöglichkeit für Bild- und Missionsdaten. Der RecceLite-Pod ist in der Lage, Aufklärungsinformationen multispektral mittels elektrooptischer Kameras sowie Forward Looking Infrared (FLIR) - Systemen per Datenlink nahezu in Echtzeit an eine Bodenempfangsstation zu übertragen. Die Qualität der digitalen Sensorergebnisse sind derjenigen der Nassfilmtechnik gravierend überlegen. Dank der auf den Flugbetrieb eines Kampfjets abgestimmten Software der Missionsplanungsstation kann die Besatzung im Einsatzgebiet – auch unter hoher G-Belastung – von der Flugroute abweichen und das Ziel trotzdem erfolgreich aufklären. Die stabilisierte Sensornutzlast schwenkt dabei selbständig auf das Ziel und verfolgt es kontinuierlich weiter. Dabei können nicht nur Einzelbilder erzeugt, sondern mittels einer „Mosaik“-Funktion auch Serienbilder zu großen Gesamtflächen „zusammengerechnet“ und in der Auswerteanlage entsprechend dargestellt werden. Die Besatzung kann während des Fluges per Datenlink mit neuen Aufklärungszielen beauftragt werden - oder sieht bei Bedarf das Ergebnis ihrer Aufklärung bereits während des laufenden Fluges.

Am Tornado befestigter RecceLite-Behälter

Am Tornado befestigter RecceLite-Behälter (Quelle: Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Der Aufklärungsbehälter wurde im Vorfeld durch die Luftwaffe sowie im Rahmen der Übung Common Shield streitkräftegemeinsam erfolgreich erprobt. Neben der Fähigkeit zur echtzeitnahen Datenübertragung liegen die Stärken des Pods besonders markant in den Bereichen Bewegtzielerkennung und Abstandsfähigkeit - insbesondere bei Nacht. Darüber hinaus wird mit dem Einsatz des „RecceLite“ die Gefährdung der Lfz-Besatzungen deutlich verringert, da Aufklärungsflüge nun tageszeitunabhängig in einer sicheren Flughöhe über Grund durchgeführt werden können.
Durch die echtzeitnahe Übermittlung von Aufklärungsergebnissen und die damit verbundenen Zeitvorteile werden die Aktualität des Lagebildes und das situative Bewusstsein aller Nutzer erhöht, was insgesamt zu einer flexibleren und schnelleren Umsetzung der Aufklärungsaufträge im Vergleich zur Nassfilmtechnik führt.

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Drei RPA sind ein UAS Heron 1

Drei RPA sind ein UAS Heron 1 (Quelle: Pressestelle Mazar-e Sharif)Größere Abbildung anzeigen

Echtzeitnahe Aufklärung Heron 1

UAS werden schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich im Rahmen von militärischen Operationen eingesetzt. In den amerikanischen und israelischen Streitkräften sind UAS bereits seit Ende der 70er Jahre ein fester Bestandteil der Operationsführung. Die Zwischenlösung Heron 1 eignet sich besonders für die dauerhafte Bereitstellung eines Videobildes aus der Luft in Echtzeit. Dieses sogenannte „Full Motion Video“ (FMV) aus der Vogelperspektive verbessert das Lagebild sowohl des taktischen Führers vor Ort als auch der übergeordneten Gefechtsstände erheblich. Lageveränderungen können früher erkannt, eigene Kräfte und Mittel effektiver und zielgerichteter eingesetzt und die Wirkung eingesetzter Mittel zuverlässiger überprüft werden. Die Verfügbarkeit von FMV trägt somit in hohem Maße zum Schutz eigener Kräfte bei. Auch die im Deutschen Einsatzkontingent verfügbaren taktischen Drohnen ALADIN, LUNA und KZO ergänzt das UAS Heron 1 unmittelbar.

Reichweite und Stehtzeit der UAS im Vergleich

Reichweite und Stehtzeit der UAS im Vergleich (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Die Vorteile des UAS gegenüber den Drohnen bestehen in der Stehzeit, der Reichweite und vor allem auch in den vielfältigen Möglichkeiten, die Aufklärungsergebnisse in nahezu Echtzeit an unterschiedliche Bedarfsträger zu verteilen: In einer Höhe von bis zu 10 Kilometern können Flugzeiten von über 24 Stunden erreicht werden. Dabei kann der Heron eine Nutzlast von bis zu 250 kg für Aufklärungszwecke transportieren. Diese umfasst den durch die Luftwaffe betriebenen Gerätesatz aus digitalen Kameras, die - neben einem Radargerät - sowohl Standbilder als auch Videofilme im optischen- wie Infrarotbereich liefern.

Die MOSP-Optronik des Heron

Die MOSP-Optronik des Heron (Quelle: Israel Aerospace Industries)Größere Abbildung anzeigen

Die kreiselstabilisierte und schwenkbare „Multi-Mission Optronic Stabilized Payload“, kurz MOSP, besteht aus drei Kameras für Aufklärung bei Tag und Nacht: Einer optischen TV-Kamera mit fest eingestellter 500mm Brennweite für großflächige Aufnahmen, einer optischen TV-Kamera mit zehnfach optischem Zoom für Großaufnahmen einzelner Objekte oder Personen sowie einem „Forward Looking Infra Red (FLIR)“ – einem Sensor, mit dem auch kleine Temperaturunterschiede erkannt und so auch bei Nacht wichtige Aufklärungsergebnisse erzielt werden können. Die Kameras bleiben über die Kreiselstabilisierung automatisch auf das zu filmende Objekt am Boden gerichtet, sodass auch während Flugbewegungen des Luftfahrzeugs das empfangene Bild an den Empfangsstationen stabil auf den gewählten Punkt am Boden verbleibt. Zusätzlich beinhaltet der Lieferumfang einen Synthetic Aperture Radar (SAR) - Gerätesatz. Mit diesem Radarsensor können auch bei schlechten Witterungsbedingungen, beispielweise bei Wolken und Nebel, verwertbare Aufklärungsergebnisse geliefert werden.

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Das SAR Radar des Heron

Das SAR Radar des Heron (Quelle: Israel Aerospace Industries)Größere Abbildung anzeigen

Fazit

Mit den dargestellten Werkzeugen einer bedarfsgerechten Aufklärung hat sich die Luftwaffe im Grundbetrieb wie für Einsatzzwecke gut aufgestellt. Die Air Surface Integration zwischen Aufklärungssystemen einerseits und die Nutzung derer Daten am Boden andererseits erweitert das bisherige Fähigkeitsspektrums nicht nur für den Bereich Aufklärung an sich, sondern beschleunigt im Sinne der vernetzten Operationsführung den Führungsvorgang insgesamt. Die für die Air Surface Integration verwendeten Techniken und Verfahren nutzen aber unmittelbar auch den Soldaten im Einsatz: Eine permanente Information über mögliche Aktionen des Feindes - hier das Video aus dem Heron 1 - schafft operationelle wie psychologische Sicherheit in einem assymetrisch geprägten Kampfgebiet.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Hans-Jürgen Knittlmeier, Norbert Thomas, Frank Gräfe


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