Der Preis ist heiß
Decimomannu, 13.09.2010.
Alle zwei Jahre findet die Deutsche Reservistenmeisterschaft statt. Die Gewinnermannschaft und die Erstplatzierten der Einzelwertungen werden mit dem Sonderpreis des Inspekteurs der Luftwaffe belohnt - einer Teilnahme an der Überleben-See-Ausbildung beim Taktischen Ausbildungskommando der Luftwaffe in Decimomannu auf Sardinien.

„Dafür haben wir lange und hart trainiert“, bemerkt Obergefreiter der Reserve (d.R.) Torsten Trabert beim Verlassen der Transall auf der Air Base Decimomannu. Zusammen mit sechs weiteren Reservisten und zwei Begleitunteroffizieren wurde er bei strahlendem Sonnenschein und heißen 30-Grad Außentemperatur auf der zweitgrößten Insel Italiens begrüßt. Der 26-jährige Student hatte im letzten Jahr mit seiner Mannschaft, der Reservistenkameradschaft Marbach (bei Fulda), die Deutsche Reservistenmeisterschaft gewonnen und damit den Sonderpreis des Inspekteurs der Luftwaffe.

Ohne Fleiß kein Preis
„Von nichts, kommt nichts“, so Hauptmann d.R. Volker Auel der Trainer der Siegermannschaft aus Marbach. Um überhaupt vorn bei den Reservistenmeisterschaften mitmischen zu können ist eine gezielte und umfangreiche Vorbereitung nötig. Hierzu zählen nicht nur Kondition und körperliche Fitness, sondern auch beste militärische Kenntnisse. „Mit unserem speziellen Vorbereitungstraining haben wir bereits im März 2009 begonnen und bis zum Wettkampf im September haben wir mindestens einmal pro Woche gemeinsam trainiert“, so der 48-jährige Reserveoffizier. Zu den Aufgaben, die das Team bei den Reservistenmeisterschaften im September 2009 in Torgelow, Mecklenburg-Vorpommern, bewältigen musste, zählten unter anderem eine 15-Kilometer-Militärpatrouille mit mehreren Stationen. Die Reservisten mussten ihre Fähigkeiten beim Schießen, bei Erster Hilfe, beim Orientieren mit Karte und Kompass und das richtige Verhalten am Check Point im Rahmen einer Personenkontrolle unter Beweis stellen. Außerdem mussten verschiedene Aufgaben bewältigt werden, bei denen die körperliche Fitness im Vordergrund stand. Für den Obergefreiten d.R. Torsten Tabert und seinen Mannschaftskameraden lief alles bestens: Angeführt wurde das Siegerteam hier von Leutnant d.R. Johannes Diegelmann, Obermaat d.R. Johannes Förster , Obergefreiten d.R. Florian Link sowie dem Hauptgefreiten d.R. Lukas Heil. Letzterer konnte aus beruflichen Gründen leider nicht an der Gewinnerreise teilnehmen.

Dauergast auf Sardinien
Bereits zum vierten Mal in Folge hat Oberstleutnant d.R. Michael Krug den Sonderpreis des Inspekteurs der Luftwaffe gewinnen können. Der 47-jährige Architekt aus Bayreuth hat bei den Deutschen Reservistenmeisterschaften immer den Sprung auf das oberste Podest geschafft, zuerst in der Mannschaft, dann im Einzelwettbewerb als Zugführer und die beiden letzten Male in der Wertung der Bataillonskommandeure. „Ein permanentes Training ist ein absolutes Muss, um hier vorne mit dabei zu sein“, erzählt Krug. Seine Fitness und sein Können wird man auch sofort an seiner Uniform erkennen. Als einer von wenigen Reservisten hat er erfolgreich den Einzelkämpfer-Lehrgang Teil 1 und 2 bestanden. Zum ersten Mal stand Oberleutnant d.R. Marc Kübbeler auf den Siegestreppchen. Und das gleich im zweiten Anlauf. Der 32-jährige Diplom-Biologe aus Köln ist der amtierende Deutsche Reservistenmeister bei den Teileinheitsführern.

Auf Tuchfühlung mit der Phantom
Begrüßt wurde die „Reservisten-Elite“ vom Stellvertretenden Kommodore, Oberstleutnant Stefan Wanke, der in seinem Eingangsvortrag die Aufgaben und die Trainingsmöglichkeiten des Taktischen Ausbildungskommandos auf Sardinien vorstellte. Zudem hatten die Reservisten die Gelegenheit, einen Kampfjet F4-F Phantom aus der Nähe zu besichtigen, da das Jagdgeschwader 71 “Richthofen“ zeitgleich mit mehreren Jets zum Training auf Sardinien seinen Übungsauftrag erfüllte. Der Einsatzoffizier des Geschwaders, Hauptmann Matthias Drees, und der technische Offizier, Oberleutnant Stefan Herbe, standen den Reservisten dabei Rede und Antwort.

Nichts für Wasserscheue
Die Überleben-See Ausbildung war sicherlich der Höhepunkt des mehrtägigen Aufenthaltes auf Sardinien. Nach einer theoretischen Einweisung durch Hauptfeldwebel Joachim Klepsch ging es im „Frankenstein“, so der Spitzname des Kälteschutzanzuges, und mit Schwimmweste, Fliegerhelm und Gurtzeug eines Phantom-Schleudersitzes ausgestattet zur praktischen Ausbildung. Ein größeres Boot brachte die Reservisten auf das offene Meer hinaus. Von dort aus mussten die Übungsteilnehmer nacheinander ins salzige Meer springen. Mit einer Verbindungsleine, die zwischen Gurtzeug und Boot gespannt war, wurden die Reservisten dann über eine gewisse Strecke durchs Wasser geschleppt. Hierbei wird simuliert, wie ein Pilot nach dem Ausstieg mit dem Schleudersitz im Wasser landet und der Rettungsschirm ihn durch das Meer schleift. Die Schwierigkeit bei dieser Übung liegt darin, sich in eine stabile Lage zu bringen und dann während des Schleppvorgangs das Gurtzeug - und damit die Verbindung zum Boot - zu lösen. Danach müssen – immer noch in voller „Montur“ - nacheinander verschieden große Rettungsinseln angeschwommen und bestiegen werden. Auch wenn die meisten der Teilnehmer unfreiwillig etwas Salzwasser schlucken mussten, wurde die Ausbildung von allen mit Bravour bewältigt. Die Übung „Überleben See“ ist übrigens Pflicht für alle Offiziersanwärter der Luftwaffe.

Reise durch die Geschichte
Eine informative Stadtführung durch Cagliari schickte die Gewinner auf eine Zeitreise durch die Geschichte Cagliaris und Sardiniens. So führte der Weg unter anderem an dem ältesten erhaltenem Gebäude "dem antiken römischen Amphitheater" vorbei, welches im zweiten Jahrhundert vor Christus erbaut wurde. Eine umfangreiche Renovierung im 19. Jahrhundert erlaubt es, das Theater auch heute noch für Veranstaltungen nutzen zu können. Genauso bestaunt wurden die alten Befestigungstürme, die unter den verschiedenen Herrschaften auch verschiedene Verwendungen fanden. Cagliari war ursprünglich eine Kolonie der Phönizier, bevor die Römer und später auch die Spanier die Stadt als ihr Eigen bezeichneten.

Ansporn für die nächste Meisterschaft
Bevor es mit der Transall wieder Richtung Penzing ging, bedankten sich die Teilnehmer bei den beiden Betreuern der Gewinnerreise, Oberstabsfeldwebel Mario Jankowski vom Luftwaffenamt und Oberstabsfeldwebel Uwe Lenke von der Offizierschule der Luftwaffe, für die unvergesslichen Tage auf Sardinien und versprachen bei der nächsten Reservistenmeisterschaft 2011 wieder richtig Vollgas zu geben.
Bilder
Blick auf die Alpen (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenAnkunft in Sardinien (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenDeutsche Phantom in Reih und Glied (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenBesprechung vor dem Gebäude (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenEiner Phantom ganz nah (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenGruppenfoto (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenBlick auf Cagliari (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenAufbau der Rettungsinseln (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenMit Vereinten Kräften (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenAnlegen des Kälteschutzanzuges (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenAuf dem Weg zu Überleben-See (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenMit dem Boot zur Rettungsübung (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenIm kalten Wasser (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenDie sichere Insel ist erreicht (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
Größere Abbildung anzeigenDer richtige Umgang mit Signalmitteln (Quelle: Luftwaffe/Oswald Fahrner)
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