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Fragen an den Euro Hawk - Piloten

Jagel, 05.01.2011.
Der Euro Hawk ist die Aufklärungsplattform der Zukunft. Noch ist es für den Laien nicht so richtig vorstellbar, wie der Euro Hawk ferngesteuert durch den deutschen und internationalen Luftraum fliegen wird. Luftwaffe.de beleuchtet Aspekte zum ersten UAS, das die Luftwaffe einführen wird.

Der Euro Hawk

Der Euro Hawk (Quelle: Luftwaffe/Northrop Grumman)Größere Abbildung anzeigen

Major Marcel Klarner, einer der ersten RPA-Piloten, schafft im Interview mit Luftwaffe.de Klarheit, was das Luftfahrzeug und sein Personal auszeichnet.

Luftwaffe.de: Herr Major Klarner, der Euro Hawk hat in etwa die Größe einer Boeing B 737.
Haben Sie eigentlich kein mulmiges Gefühl dabei, das Luftfahrzeug quasi wie mit einem Joystick zu steuern, wenn im Vergleich das Verkehrsflugzeug zwei Mann Personal im flugzeugeigenen Cockpit bindet?

Major Klarner: Der Euro Hawk hat wie ein modernes Verkehrsflugzeug einen hohen Automatisierungsgrad, wird mit Maus und Tastatur geflogen. Auch bei Verkehrsflugzeugen ist immer nur ein Pilot der verantwortliche Luftfahrzeugführer (Pilot in Command). Sein Co-Pilot unterstützt und überwacht. Diese Funktion übernimmt beim Euro Hawk eine zweite Bodenstation, die während kritischer Flugphasen online ist und somit zusätzliche Redundanz bietet. Des Weiteren sind wir als Militärpiloten von Beginn unserer Ausbildung an dazu erzogen worden, ein Flugzeug eigenverantwortlich zu steuern.

Enorme Spannweite des Euro Hawk

Enorme Spannweite des Euro Hawk (Quelle: Luftwaffe/Northrop Grumman)Größere Abbildung anzeigen

Luftwaffe.de: Was passiert eigentlich, wenn ein Problem mit dem RPA auftritt und Sie die Verbindung verlieren – angenommen mit der Steuerung?

Major Klarner: In diesem Fall fliegt das Flugzeug gemäß seiner Programmierung weiter. Hierbei wird für jeden einzelnen Punkt der Route programmiert, was das RPA machen soll. Dies macht die Flugplanung sehr langwierig, aber somit wird gewährleistet, dass man selbst bei Verbindungsverlust stets das Richtige tut und auch vorhersagbar bleibt.

Luftwaffe.de: Kann das RPA auf seiner Flugstrecke eigentlich von einem Feind gestört werden?

Major Klarner: Grundsätzlich kann alles gestört werden. Der Euro Hawk fliegt jedoch in einer solchen Höhe und hat mehrere Redundanzen, dass es sehr schwierig ist, es in seiner Arbeit zu behindern.

Luftwaffe.de: Das RPA agiert in einer Flughöhe, die selbst einige Kampfjets kaum erreichen. Kann man dann davon ausgehen, dass das RPA auch kaum angegriffen-, geschweige denn überhaupt entdeckt werden kann?

Major Klarner: Das ist richtig. Wir arbeiten in einer Höhe, die kein anderer Jet, außer der Amerikanischen U-2 erreicht. Und nur wenige Raketensysteme können so hoch schießen.

Ein letzer Check vor dem Flug

Ein letzer Check vor dem Flug (Quelle: Luftwaffe/Northrop Grumman)Größere Abbildung anzeigen

Luftwaffe.de: Wie gehen eigentlich die Kameraden des Einssatzführungsdienstes und der Flugsicherung mit dem neuen „Mitglied“ im Luftraum um. Gibt es Kommunikations – oder Koordinierungsbedarf?

Major Klarner: Da der Euro Hawk noch nicht im Deutschen Luftraum fliegt, kann ich hierzu wenig sagen. Selbstverständlich gibt es Kommunikationbedarf und beide Seiten sind sehr offen und interessiert daran, dass dieses Projekt ein Erfolg wird. Den RPAs gehört die Zukunft - und dies ist auch der Flugsicherung bewusst.

Luftwaffe.de: Was gefällt Ihnen persönlich an der neuen Aufklärungsplattform am besten?

Major Klarner: Für mich persönlich war es der Reiz, etwas Neues mit aufzubauen und einer der Ersten zu sein, dieses Luftfahrzeug fliegen zu dürfen.

Euro Hawk vor dem Abheben

Euro Hawk vor dem Abheben (Quelle: Luftwaffe/Northrop Grumman)Größere Abbildung anzeigen

Luftwaffe.de: Macht dieses neue Luftfahrzeug die Recce-Tornados bald überflüssig?

Major Klarner: Das denke ich nicht. Beide Systeme haben zu unterschiedliche Eigenschaften. Mit dem Tornado kann ich in kürzester Zeit eine große Strecke überwinden, um ein gefordertes Bild zu liefern, habe aber dann keine lange Stehzeit über dem Ziel. Mit dem Euro Hawk bin ich langsamer dort, kann aber extrem lange im Zielgebiet verweilen. Es hängt also davon ab, was vom Auftraggeber gefordert ist und wenn man beide Fähigkeiten haben will, macht dies die Tornados keineswegs überflüssig. Des Weiteren ist die erste Version des Euro Hawk zur Signalerfassenden Aufklärung ausgestattet, kann also keine Luftaufnahmen machen und damit nicht zur Taktischen Luftaufklärung eingesetzt werden.

Luftwaffe.de: Wie gehen Sie damit um, wenn man Sie fragt, ob sie nun kein Pilot im eigentlichen Sinne mehr wären?

Major Klarner: Ein Euro Hawk-Pilot ist Pilot im eigentlichen Sinne, denn er steuert ein Luftfahrzeug im öffentlichen Luftraum. Des Weiteren fliegen alle RPA-Führer auch weiterhin auf dem Luftfahrzeugmuster Tornado als Pilot, sind also auch Piloten im eigentlichen Sinn.

Das Interview führte Norbert Thomas

 

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Norbert Thomas


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