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Mit Mach Fünf ins Ziel: Kampfwertanpassung Patriot (Teil 2)

Husum, Bad Sülze, Manching, 16.06.2011.
Mit der zweiten Kampfwertanpassung des Waffensystems Patriot nimmt die Luftwaffe im internationalen Umfeld eine Spitzenposition ein. Und wie so häufig hängt der Erfolg des Gesamtsystems von den Fähigkeiten der einzelnen Bestandteile ab.

Abschuss eines Patriot-Lenkflugkörpers

Abschuss eines Patriot-Lenkflugkörpers (Quelle: US Army)Größere Abbildung anzeigen

Im Oktober 2008 wurde auf der White Sands Missile Range in den USA in einer aufwendigen Schießkampagne die erfolgreiche Integration eines neuen Startgeräts nachgewiesen und der erste deutsche PAC-3 LFK mit einem deutschen Patriot-System verschossen. Die letzte modifizierte Startstation PAC-3 wurde im Juli 2009 an die Luftwaffe übergeben.

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Die mobile Abschussvorrichtung

Die mobile Abschussvorrichtung (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Startstation PAC-3

Die Startstation für die Patriot LFK musste zuvor modifiziert werden, um den neuen PAC-3 LFK verschießen zu können. Eine geänderte Elektronik, ein modifiziertes Datenübertragungsgerät und zusätzliche Systemkabel wurden verarbeitet, sodaß die Startstationen PAC-3 sowohl die bisherigen Patriot-Lenkflugkörper (PAC 2), wie auch die neuen PAC-3 LFK laden und verschießen können - allerdings nicht in einer gemischten Beladung mit PAC 2 und PAC 3. Da das Gesamtgewicht mit vier PAC-3 in einem Behälter höher ist als das Gewicht eines vormals genutzten LFK Patriot (PAC 2), kann die Startstation PAC-3 nicht mit der theoretisch möglichen Maximalzahl von 16 PAC-3 LFK beladen werden, da das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs sonst überschritten werden würde: Ergo sind die deutschen Startstationen PAC-3 auf eine Beladung mit 8 PAC-3 LFK beschränkt worden. Die geänderte Elektronik und die neuen Systemkabel werden von der Firma Lockheed Martin geliefert und von der Firma Lenkflugkörpersysteme GmbH in Unterschleißheim in die deutschen Patriot Startstationen integriert.

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Bedienerpult im SAMOC

Bedienerpult im SAMOC (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Anpassung des Fernmeld- und Kommunikationssystems

Während die Planungen für die Modernisierung der Radargeräte und der Startstationen schon zu Beginn der zweiten Kampfwertanpassung Patriot weit fortgeschritten waren, erwiesen sich die Planungen für die notwendigen Anpassungen am Fernmeldesystem zu einem „Zeitpunkt X“ im Planungsprozess als nicht mehr zeitgemäß: Im Bereich der Informationstechnologie sind Innovationszyklen wesentlich kleiner, was jeder weiß, der sich heute einen neuen Computer kauft: Wenige Monate später kommt schon ein verbessertes Modell auf den Markt. Was dies für die Formulierung der technischen Forderungen 1996 bis heute heißt, wird damit erahnbar, nämlich die ständige Weiterentwicklung von Kommunikationskomponenten und deren Software. Die Firma Lenkflugkörpersysteme GmbH mit den zwei Unterauftragnehmern, den Firmen Datus und Secunet, haben in nur 18 Monaten Entwicklungszeit ein modernes, leistungsfähiges und zukunftsweisendes Datentransportnetz (DTN) FlaRak entwickelt, das alle Anforderungen an ein modernes Flugabwehrraketensystem erfüllt. Die mobilen Gefechtsstandkabinen des Waffensystems Patriot wurden so modifiziert, dass sie zwei getrennte Netzwerke für die Verarbeitung eingestufter und nicht eingestufter Informationen erhielten. Für die Feuerleitstände und die Kampfführungskabinen wurde ein neues Fernsprechbedienpult entwickelt, das es Schlüsselpersonal erlaubt, Teilnehmer in bis zu drei Sprechkreisen gleichzeitig zu sein. Das Fernsprechbedienpult wurde optimal an die Kopfhörer der Firma Sennheiser angepasst, die aus ergonomischen und arbeitsschutztechnischen Gründen ein aktives Umgebungsgeräuschunterdrückungssystem besitzen. Alle eingestuften Daten werden mit einem Schlüsselgerät kryptiert, bevor sie die Kabinen verlassen. Die jeweiligen Gefechtsstandkabinen sind über Lichtwellenleiter mit den Richtfunkanlagen im Waffensystem Patriot verbunden.

Moderne Bürokommunikation in der Simulation

Moderne Bürokommunikation in der Simulation (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Die notwendigen technischen Modifizierungen in dem dem Waffensystem Patriot übergeordneten Gefechtsstand FlaRak namens SAMOC („Surface-to-Missile-Operation-Center) wurden parallel dazu realisiert. Mit der vollzogenen Anpassung des Fernmeldesystems Patriot steht nunmehr ein gesichertes „Wide Area Network (WAN)“ von der Flugabwehrraketenstaffel über die Flugabwehrraketengruppe bis hin zum Flugabwehrraketengeschwader bereit. Es verfügt darüberhinaus über zusätzliches Aufwuchspotential für zukünftige Anwendungen, respektive Anbindungen wie etwa an weitere Informationssysteme der Streitkräfte.

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Ausgefächerte Arbeitsplätze im Gefechtsstand

Ausgefächerte Arbeitsplätze im Gefechtsstand (Quelle: TAWZ FlaRakLw USA)Größere Abbildung anzeigen

Das SAMOC

Mit der Einführung des SAMOC im Oktober 2005 erhielt die bodengebundene Luftverteidigung der Luftwaffe einen modernen, hochmobilen und modular ausgelegten Gefechtsstand. Die Einsatzplanung und Einsatzdurchführung eines FlaRak-Einsatzkontingentes kann rollenbasiert an bis zu 16 Arbeitsplätzen im Verbund durchgeführt werden. Mit der zweiten Kampfwertanpassung wurde dieses Konzept auf die Gefechtsstände des Waffensystems Patriot (Flugabwehrraketengruppe und -staffel) ausgefächert und wird in Funktion als „Einsatzführung FlaRak“ bezeichnet. Verschiedene Kabinen wurden mit Servern ausgerüstet, die eine gemeinsame Einsatzdatenbank des FlaRak-Kontingentes vorhalten. Die Server gleichen sich über das Fernmeldesystem Patriot ständig ab und ermöglichen so eine redundante und verteilte Datenhaltung. An diese Server werden mobile Arbeitsplatzrechner angebunden, die aus jeder Führungskabine heraus Zugriff auf die Einsatzdatenbank erlauben. Somit kann jeder Bearbeiter im FlaRak-Kontingent die Gesamtlage abrufen oder aber auch mit Lageinformationen zum Lagebild beitragen. Aktuelle Lageinformationen, zum Beispiel die Warnung vor einem Luftangriff, werden unverzüglich auf alle Arbeitsplätze verteilt und dargestellt. Wesentliches Element der Lagedarstellung ist die Nutzung eines geographischen Informationssystems, um Lageinformationen übersichtlich und geographisch zugeordnet darzustellen. Die Einsatzführung FlaRak kann deshalb als Einstieg in die Vernetzte Operationsführung bezeichnet werden. Die Software der Einsatzführung FlaRak ist - wie das SAMOC selbst - ein Produkt der Firma EADS System & Defence Electronics (heute CASSIDIAN) in Ulm.

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Abschußvorrichtung bei El Paso/Texas

Abschußvorrichtung bei El Paso/Texas (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Vernetzte Operationsführung und FlaRak-Ausbildung

Um einen weiteren Schritt in Richtung Vernetzte Operationsführung zu machen, werden derzeit entsprechende Netzübergänge getestet, während die Führungskabinen und die Software Einsatzführung FlaRak bereits für die Integration zusätzlicher Netzwerke eingerichtet wurden. Die Serienumrüstung der Fernmeldeanpassung bei der Industrie lief von 2008 bis April 2010. Insgesamt wurden dabei über 200 Kabinen modifiziert. Dabei war es möglich, die Umrüstung so zu steuern, dass die Einsatzbereitschaft der Verbände in einem hohen Maße aufrecht erhalten werden konnte. Im Anschluss daran wurde das Ausbildungsgerät am Taktischen Aus- und Weiterbildungszentrum FlaRak der Luftwaffe in El Paso, Texas, modifiziert und die bestehenden Ausbildungshörsäle auf den Stand der neuen Fernmeldeanpassung gebracht. Diese Maßnahmen wurden im September 2010 in El Paso abgeschlossen.

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Abschußbehälter: Wachsam gen Himmel gerichtet

Abschußbehälter: Wachsam gen Himmel gerichtet (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Fazit

Mit der zweiten Kampfwertanpassung Patriot und der damit verbundenen Einführung des PAC-3 LFK werden die Fähigkeiten der Bundeswehr zur wirksamen Abwehr ballistischer Flugkörper deutlich erweitert. Die Fernmeldeanpassung erweitert die Führungsfähigkeit der bodengebundenen Luftverteidigung um ein modernes Führungssystem, das alle aktuellen Anforderungen der IT-Sicherheit erfüllt. Gleichzeitig bietet die modulare Auslegung des Gefechtsstandes SAMOC wie auch des Gesamtsystems Patriot Potenzial für zukünftige Erweiterungen. An dieser Wegmarkierung hat sich die Luftwaffe derzeit hervorragend im internationalen Umfeld positioniert: Bestmöglich gerüstet für aktuelle Bedrohungsszenarien und ausbaufähig für die Zukunft.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Autorenteam Patriot, Norbert Thomas


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