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Fliegen am Limit - Green Flag East 2011

Shreveport, Louisiana, 01.06.2011.
Kräfte der Jagdbombergeschwader 32 und 33 beteiligten sich erfolgreich an der gerade abgeschlossene Hochwertübung Green Flag East 2011. Im internationalen Rahmen übten die acht Kampfflugzeuge vom Typ Tornado Luftnahunterstützung (Close Air Support) - speziell das internationale Zusammenwirken zwischen boden- und luftgebundenen Einheiten. Herausragend für den Übungserfolg sind dabei immer häufiger auch die Fähigkeiten der Air-Surface-Intergration.

Tornados am Start

Tornados am Start (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Bei dieser „fliegerischen Hochwertübung“ werden unterschiedliche Szenarien auf höchstem Niveau realitäts- und umgebungsnah durchgespielt. Multinationale Luftfahrzeugbesatzungen üben für gemeinsame Einsätze, um im Ernstfall optimal vorbereitet zu sein. Da die geographischen Verhältnisse für viele der zu trainierenden Flugmanöver in Deutschland nicht gegeben sind, finden Übungen dieser Ausprägung meist in den USA statt.

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Tornado im Kurvenflug

Tornado im Kurvenflug (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Air-Surface-Integration

Eine der größten Herausforderungen bei der Kommunikation zwischen Luftfahrzeugbesatzungen und Soldaten am Boden ist die möglichst schnelle Umsetzung identifizierter Punkte im Gelände von der Boden- auf die Vogelperspektive. Neben unterschiedlichen Blickrichtungen, großen Flughöhen und geländebedingten Sichtbehinderungen wird dieser Prozess auch durch teilweise schlechte Funkverbindungen erschwert: Grund genug, das komplexe Zusammenspiel verschiedener Teilnehmer, Waffensysteme und Verfahren im Verbund zu üben und dabei weitgehend zu harmonisieren.
Die beschriebenen Teilaspekte stehen auch im Vordergrund der sogenannten „Air-Surface-Integration“, welche die Anforderungen an entsprechende Verfahren und zu nutzende Techniken im Bereich der Luftnahunterstützung beschreibt.

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Tornados auf dem Stützpunkt

Tornados auf dem Stützpunkt (Quelle: Luftwaffe/Udo Milkowski)Größere Abbildung anzeigen

Green Flag East

„Green Flag East“ ist eine Übung, die spezielle Aufgaben im Bereich Luftnahunterstützung der eigenen Truppen am Boden beinhaltet. Gezielt wird hier das Zusammenspiel von Luftfahrzeugbesatzungen und Bodentruppen unter Nutzung neuester technischer Möglichkeiten - und auf den aktuellsten Einsatzerfahrungen basierend - trainiert. Schwerpunkt sind hierbei auch Abwehrmaßnahmen aus der Luft gegen improvisierte Sprengvorrichtungen am Boden.

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Begrüßung von amerikanischer Seite

Begrüßung von amerikanischer Seite (Quelle: Luftwaffe/Udo Milkowski)Größere Abbildung anzeigen

Übungsverlauf

Das deutsche Vorkommando reiste bereits am 2. Mai 2011 mit 15 Soldaten in die Vereinigten Staaten, um den Aufbau der benötigten Infrastruktur vorzubereiten und durchzuführen. Auf dem Militärflugplatz in Barksdale/Shreveport, nahe der texanischen Grenze zu Lousiana, wurden die Angehörigen der beteiligten deutschen Tornado-Verbände durch den amerikanischen Kommandeur, Lieutnant Colonel McKeefer, begrüßt.

Barksdale ist die Heimatbasis der B52 Bomber des 2. Bombardement Wing der US-Air Force. Auf das Vorkommando wartete eine Menge Arbeit. Nicht weniger als 37 Seecontainer, neun Trucks mit Material aus dem fliegerischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe sowie eine C160 Transporter Alliance (Transall) galt es auszuladen und den Inhalt entsprechend zu verteilen. Bei Temperaturen um 36 Grad Celsius eine „schweißtreibende“ Aufgabe.

Die Container sind da – die Übung kann beginnen

Die Container sind da (Quelle: Luftwaffe/Udo Milkowski)Größere Abbildung anzeigen

Am 4. Mai 2011 reiste zusätzlich eine deutsche Expertengruppe „Technik“ mit 35 Soldaten nach Bangor in den Bundesstaat Maine. Dort musste ein Zwischenlandeplatz für die an der Übung teilnehmenden Tornados errichtet werden. Eine zeitkritische Aufgabe, da sich die Kampfjets bereits auf dem Weg nach Amerika befanden.

Pünktlich erreichten acht Tornados, eine weitere C160 Transall sowie ein Airbus A 310-304 Multi Role Transport Tanker (MRTT) den Übungsstüzpunkt Barksdale. Deutscher Kommandoführer war Oberstleutnant Stephan Breidenbach vom JaboG 33 aus Büchel, der in seinem Heimatverband für Planung, Koordinierung und Steuerung der einzelnen Fähigkeitsübungen für Luftfahrzeugbesatzungen verantwortlich zeichnet.

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Arbeiten an der Technik

Arbeiten an der Technik (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Hohe technische Ansprüche

Um den hohen Anforderungen der Air-Surface-Integration zu begegnen, beschäftigt sich die Organisation zur Weiterentwicklung von Taktik, Technik und Verfahren (TTV-OrgLw) seit mehreren Jahren mit der Untersuchung moderner Technologien im Bereich Digitally aided Close Air Support (DaCAS). Die Green Flag-Übungen bieten dabei eine gute Plattform, entsprechende Verfahren unter operationellen Bedingungen anzuwenden. Im Jahr 2011 wurde neben dem Datenfunkdemonstrator „Interface Computer Unit“ (ICU) und dem Laser- Zielbeleuchter (Laser Designator Pod) mit Videodownlink auch die Anwendbarkeit bildstabilisierter Ferngläser im vorderen Cockpit bewertet.

Interface Computer Unit (ICU)

Interface Computer Unit (ICU) (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Bei der ICU handelt es sich um einen in Eigenentwicklung entstandenen Untersuchungsträger. Herzstück ist hierbei ein Computer, der mit dem sogenannten Improved Data Modem (IDM) digitale Nachrichten über das luftfahrzeugeigene Funkgerät mit den entsprechenden Gegenstellen am Boden austauschen kann. Auf diese Weise übertragene Koordinaten können zusammen mit der eigenen Position des Luftfahrzeuges und weiteren taktischen Informationen direkt auf einer digitalen Karte eingeblendet werden. Im Vergleich zu einer gesprochenen Übermittlung reduziert sich die Datenübertragung so auf den Bruchteil einer Sekunde und schließt zusätzlich die Gefahr von Missverständnissen nahezu aus.

Die auf Touch-Screen ausgelegte Bedienoberfläche der ICU wurde in den vergangenen zwei Jahren im Rahmen verschiedener - in Zusammenarbeit mit dem Systemunterstützungszentrum Kampfflugzeuge begleiteten - Untersuchungsvorhaben kontinuierlich an die operationellen Bedürfnisse der Besatzung angepasst. Nicht zuletzt dadurch bietet sie mit ihren vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten bereits im Demonstratorstadium eine wertvolle Unterstützung für den Waffensystemoffizier (WSO).

Der Laser Designator Pod

Der Laser Designator Pod (Quelle: Luftwaffe/Udo Milkowski)Größere Abbildung anzeigen

Zusätzlich zu den vier mit ICU ausgestatteten Tornados hatte das deutsche Kommando zehn Außenlasten vom Typ Laser Designator Pod (LDP) in die USA verlegt. Am Luftfahrzeug verbaut, liefert der bewegliche Sensorkopf des LDP dem WSO ein von den Flugbewegungen unabhängiges, vergrößerbares Videobild zu der gerade angepeilten Koordinate. Mit Hilfe neuer Videodownlink-Sendemodule wird den Forward Air Controllern (FAC) am Boden die Möglichkeit gegeben, die aktuell anvisierte Position über spezielle Empfangsgeräte „mit den Augen“ der Besatzung zu sehen. Auf diese Art lässt sich über wenige korrigierende Absprachen zwischen FAC und WSO in beeindruckend kurzer Zeit der Fokus auf das richtige Ziel steuern.

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Die Technik ist mit Voraussetzung für den Übungserfolg

Die Technik ist mit Voraussetzung für den Übungserfolg (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Die Elite übt

Um neben dem WSO auch die Übersicht des Piloten zu verbessern, wurden bei Green Flag East 2011 erstmals bildstabilisierende Ferngläser im vorderen Cockpit eingesetzt. Aufgrund der geflogenen Höhen sind vom FAC beschriebene Details aus dem Cockpit meist nur noch mit einem solchen Hilfsmittel zu erkennen. Die Stabilisierung bietet dabei eine geeignete Abhilfe gegen flugbedingte Erschütterungen.
Parallel zu den auf der Barksdale Air Force Base untergebrachten deutschen Tornados waren auch amerikanische Tactical Air Control Parties (TACP) und deutsche FAC mit neuer video- und datenfunkfähiger DaCAS-Ausrüstung am Übungsgeschehen in Fort Polk beteiligt und haben dabei gemeinsam mit der deutschen Luftwaffe technologisches Neuland betreten.

 

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Florian Gonsior


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