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Abfangjagd über dem Meer

Decimomannu, Sardinien, 03.08.2011.
Zehn Jets und 200 Soldaten verlegte das Jagdgeschwader 74 aus Neuburg an der Donau für den Ausbildungsflugbetrieb 2011 auf die Mittelmeerinsel Sardinien. Unterstützt vom Jagdbombergeschwader 31 "Boelcke" aus Nörvenich schafften die Soldaten ein Programm, das sich sehen lassen kann – mit einem Abfangjäger, der alle Register seines Könnens zog.

Luftaufnahme Eurofighter aus dem Learjet
Luftaufnahme Eurofighter aus dem Learjet (Quelle: Luftwaffe/Guido Schlemper)Größere Abbildung anzeigen

Das Jagdgeschwader 74 aus Neuburg a.d. Donau verlegte Anfang Juli für ein vierwöchiges Kommando zum taktischen Ausbildungskommando Decimomannu auf Sardinien. Unter einsatzähnlichen Bedingungen und bei 40 Grad im Schatten starteten die Piloten täglich drei Mal zu taktischen Übungen in die ausgewiesenen Gebiete über dem Mittelmeer.

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Ein Skyhawk Agressor rollt an den Start
Ein Skyhawk Agressor rollt an den Start (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Attacke

Es ist 5.30 Uhr morgens. Der bergige Horizont im Osten der Basis färbt sich mit roten Farbtönen, langsam taucht die leuchtende Sonne auf. Je höher sie über die Berge klettert, desto intensiver verfärbt sich der Himmel. Auf dem Flugfeld werden die ersten Fahrzeuge sichtbar, Techniker sowie die Flugzeuge werfen lange Schatten. Ein neuer Flugtag auf Sardinien hat begonnen. Kurz nach 8 Uhr heben die ersten Eurofighter in den strahlend blauen Himmel ab. Ihnen folgt als Gegner eine F-4F Phantom der Wehrtechnischen Dienststelle 61 aus Manching. Auch Learjets und Skyhawks der GFD aus Wittmund nehmen am Flugbetrieb teil, um die Eurofighter im Übungseinsatz zu fordern. Beladen sind diese „Aggressoren“ unter anderem auch mit sogenannten „Störpods“ und Schleppzielen. Erstere sollen dazu dienen, die Kommunikation der angreifenden Eurofighter zu unterbinden, letztere dienen als bewegliche Ziele für die angreifenden Jagdflugzeuge.

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Auf der Flight herrschte vier Wochen lang Hochbetrieb
Auf der Flight herrschte vier Wochen lang Hochbetrieb (Quelle: Luftwaffe/Xaver Habermeier)Größere Abbildung anzeigen

Nach dem Flug ist vor dem Flug

Nach rund 80 Minuten melden sich die Maschinen beim Tower „Deci“ zurück. Sind die Eurofighter nach den Übungen wieder auf der Platte abgestellt, beginnt für die Crews der Wartungs- und Waffenstaffel sowie Fachgruppen der Instandsetzungs- und Elektronikstaffel die Arbeit. Nach Rücksprache mit den Piloten werden die Deltaflügler durch das Fachpersonal durchgecheckt: Kleinere Reparaturarbeiten führen die Soldaten der Technik auf der Platte im Freien bei 37°C durch – eine Herausforderung für Mensch und Maschine. Sollte eine größere Instandsetzung anfallen, würde der Jet in die Werft geschleppt werden, beispielsweise um ein Triebwerk auszutauschen. Teamarbeit ist also gefragt - auch im Stabsgebäude, wo die technische Einsatzsteuerung, das Debriefing und die Arbeitsplanung untergebracht sind.

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Eurofighter im Flug
Eurofighter im Flug (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Vom Einsatz her denken

Das Kommando um Kommodore Oberst Andreas Pfeiffer hat mehrere Ausbildungsziele gesetzt, die es erfolgreich abzuarbeiten galt: „Ein Ziel ist die Erfüllung der jährlichen Waffenqualifikation der Piloten mit der Bordkanone“.
Desweiteren sieht der Geschwaderchef die Vorbereitung auf die anstehenden Aufgaben als Kernziel: „Ende des Jahres steht die NATO – Überprüfung STARTASSESS an, worauf 2012 die Beteiligung an der Nato Response Force folgt“. Das bedeutet, dass mindestens zehn Piloten aus Neuburg den geforderten Einsatzstatus erreichen müssen.
Das Übungsgebiet in Decimomannu bietet hierfür das geeignete Umfeld. „Wir können hier in Höhenbändern und Tiefen fliegen, wie es zu Hause im eingeschränkten Luftraum nicht möglich ist“ erklärt der Kommodore. Der Betrieb wird dann auch nach den vorgegebenen Ausbildungszielen ausgerichtet: Jeder Pilot fliegt hier pro Aufenthalt rund zwölf Einsätze. Um die einsatzklaren Luftfahrzeuge dafür bereitzustellen, arbeitet die Technik täglich bis spät am Abend, falls notwendig auch am Wochenende.

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Kommodore Oberst Andreas Pfeiffer und Kommandoführer Oberstleutnant Marc Grüne
Kommodore Oberst Andreas Pfeiffer und Kommandoführer Oberstleutnant Marc Grüne (Quelle: Xaver Habermeier)Größere Abbildung anzeigen

Fazit

Major Florian Schwensfeier, Kommandoführer des ersten Teilkommandos, zog eine erste Zwischenbilanz: „Wir haben unsere fliegerisch gesteckten Ziele erreicht". Auch Oberstleutnant Marc Grüne, der Kontingentführer des zweiten Teilkommandos, kommentiert die Herausforderungen - über 1000 Kilometer vom Heimatflughafen entfernt - als „bestanden“ und lobt die Zusammenarbeit mit den Kameraden aus Nörvenich. Sein Fazit: „Die Vorbereitung auf NRF 2012 läuft optimal“. Nach vier Wochen Sardinien sind die Flugzeuge und das Personal Ende Juli auf die Heimatbasis zurückgekehrt. „Arrivederci, aber wir kommen wieder“, so Oberstleutnant Grüne. Denn seit nun 51 Jahren dient der Militärflugplatz auf Sardinien Luftstreitkräften der NATO und befreundeter Nationen als Stützpunkt zur Durchführung von Verlegungen.
Der Eurofighter hat sich indes zum wiederholten Male als das richtige Instrument erwiesen, um den gewachsenen NATO-Anforderungen an eine erfolgreiche Luftraumüberwachung gerecht werden zu können. Auch in Zukunft werden daher die modernen Abfangjäger der Luftwaffe ihre Kreise über Sardinien ziehen und in anspruchsvollen Übungsszenarien gefordert werden.

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Stand vom: 21.09.11 | Autor: Xaver Habermeier


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