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Mit Mach Fünf ins Ziel: Kampfwertanpassung Patriot

Husum, Bad Sülze, Manching, 14.06.2011.
Mit der zweiten Kampfwertanpassung des Waffensystems Patriot werden die Fähigkeiten der Bundeswehr zur wirksamen Abwehr ballistischer Flugkörper deutlich erweitert. Eine Übersicht über den Leistungsstand der Flugabwehr von heute.

Lenkflugkörper Erint : Abschuß des Erprobungsträgers Erint, Vorläufer des heute genutzten Patriot-Lenkflugkörper

Lenkflugkörper Erint (Quelle: US Army/Wikipedia/Lockheed Martin)Größere Abbildung anzeigen

Das Flugabwehrraketensystem Patriot dient der Abwehr von aerodynamischen Flugzielen in allen Höhenbereichen sowie der Abwehr von ballistischen Flugkörpern. Es wurde Mitte der 80er Jahre zunächst in die amerikanischen und niederländischen Streitkräfte eingeführt, 1989 folgte dann auch die Bundeswehr. Die Feuertaufe hatte das System im Golfkrieg, als es Patriot-Raketen mehrfach gelang, anfliegende irakische Lenkflugkörper abzuschießen, die auf Israel und Saudi-Arabien anflogen.

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Getarnte Radarstellung

Getarnte Radarstellung (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Bewährt und ausbaufähig zugleich

Die Entwicklung des Waffensystems begann in den USA unter der Bezeichnung „Surface-to-Air-Missile Development (SAM-D)“ Mitte der 60iger Jahre. Das Waffensystem Patriot weist Konstruktionsmerkmale auf, die zur Zeit seiner Einführung als revolutionär galten. Ein wesentliches Charakteristikum des Systems ist sein Phased-Array-Radargerät, das später namensgebend für das gesamte System wurde: Patriot steht für „Phased Array Tracking to Intercept of Targets“ - frei übersetzt: Abfangen von Zielen durch Abtastung des Zielgebiets. Anhand dieser Abkürzung erklärt sich auch die Arbeitsweise der Radarantenne: Sie rotiert nicht mehr immer in eine Richtung, sondern richtet ihren Radarstrahl durch elektronische Ablenkung in verschiedene Richtungen aus und kann daher permanent Veränderungen im Überwachungsraum wahrnehmen.
Darüber hinaus kann das Radargerät alle notwendigen Funktionen zur Abwehr von Flugzielen und ballistischen Flugkörpern eigenständig ausführen: Suchen und Erfassen, Zielverfolgung und -beleuchtung, Identifizierung sowie Austausch von Steuer- und Statusdaten mit dem Lenkflugkörper.

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Amerikanische Abschußeinrichtung im Golfkrieg

Amerikanische Abschußeinrichtung im Golfkrieg (Quelle: US Army)Größere Abbildung anzeigen

Technisch auf den neuesten Stand gebracht

Während des ersten Golfkrieges 1990/91 wurde das Waffensystem Patriot durch die USA in Saudi-Arabien und Israel zur Abwehr irakischer Angriffe mit SCUD-Raketen eingesetzt. Trotz der angesprochenen Erfolge wurden aber auch Fähigkeitslücken erkannt, denen mit einer Kampfwertanpassung entgegnet werden sollte. Nach einer bereits vollzogen, ersten Kampfwertanpassung setzte die Luftwaffe nun auch die zweite Kampfwertanpassung um und hat damit ihre Patriot-Einheiten auf den technisch neuesten Stand gebracht.

Blick auf die Technik des Lenkflugkörpers

Blick auf die Technik des Lenkflugkörpers (Quelle: US Army/Wikipedia/Lockheed Martin)Größere Abbildung anzeigen

Kernstück der 2. Kampwertanpassung sind, respektive waren: Die Verbesserung der Radarsystemdaten und damit die Bestimmbarkeit von Flugzielen, die Positionsbestimmung von Abschussgeräten ballistischer Flugkörper sowie ein neuer Lenkflugkörper (LFK) mit aktivem Suchkopf, der sogenannte PAC-3 LFK. Auch die Erweiterung des Bekämpfungsvolumens und die Anpassung von Fernmeldesystem und Datenverarbeitung gehörten zum Gesamtpaket der Kampfwertanpassung.

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In der Erprobung: Der Abschuss einer anfliegenden Rakete gelingt

Abschuss einer anfliegenden Rakete (Quelle: US Army/Wikipedia/Lockheed Martin)Größere Abbildung anzeigen

Radarumrüstung

Die Verbesserung der Radarsystemdaten begann dadurch, dass die mittlere Sendeleistung des Radars deutlich erhöht wurde. Gleichzeitig wurde durch verschiedene andere Maßnahmen der Sender stabiler, rauschärmer und zuverlässiger gemacht. Parallel wurden auf amerikanischer Seite die Maßnahmen zur Verbesserung der Bestimmbarkeit von Flugzielen erfolgreich umgesetzt: Es folgte die Einrüstung eines zusätzlichen digitalen Signalprozessors, der die Unterscheidung zwischen ballistischen Flugkörper und lediglich Täuschkörpern oder Trümmern erleichterte, genauso wie die zweifellose Identifizierung von Marschflugkörpern und Flugzeugen mit geringen Radarrückstrahlflächen, wie sie auch bei Spionageflugzeugen Verwendung finden, die nicht vom feindlichen Radar erfasst werden sollen. In Verbindung mit einer neuen Software für die Feuerleitanlagen des Waffensystems konnte auch die Positionsbestimmung von Abschussgeräten ballistischer Flugkörper erreicht werden. Die Firma Lenkflugkörpersysteme GmbH in Unterschleißheim hat im Zeitraum 2001 bis 2006 nach einer Musterumrüstung weitere dreizehn Radargeräte der Luftwaffe auf den letzten Konfigurationsstand umgerüstet.

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Abschuß eines PAC-3 Lenkflugkörpers

Abschuß eines PAC-3 Lenkflugkörpers (Quelle: US Army)Größere Abbildung anzeigen

Der PAC-3 Lenkflugkörper

Die Auswertungen des ersten Golfkrieges zeigten, dass es ein technisch äußerst schwieriges Unterfangen ist, einen ballistischen Flugkörper aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit im Endanflug mit einem LFK abzuwehren. Mit immer gefährlicheren Waffensystemen in Konkurrenz, wurde daher durch die USA ein Lenkflugkörper mit neuester Technik für das Waffensystem Patriot auf den Weg gebracht. Dieser LFK zeichnet sich unter anderem durch eine hohe Agilität aus, die durch eine Querschubsteuerung im vorderen Lenkflugkörperbereich erreicht wird und verfügt zusätzlich über einen aktiven Suchkopf mit Puls-Doppler-Radar, der eine autonome Steuerung in der Endanflugphase ermöglicht.

Simulation der Wirkungsweise

Simulation der Wirkungsweise (Quelle: US Army/Lockheed Martin)Größere Abbildung anzeigen

Beide Technologien zusammen ermöglichen es dem LFK, den anfliegenden ballistischen Flugkörper durch einen direkten Treffer zu zerstören. Das Ziel wird nicht - wie bisher - durch die Bewegungsenergie weniger Splitter eines Splittergefechtskopfes zerstört, sondern durch die gesamte Bewegungsenergie des PAC-3 LFK selbst. Diese Energie ist so hoch, dass die Gefechtsköpfe von ballistischen Flugkörpern überaus wirkungsvoll zerstört werden können. Darüberhinaus sind mit diesem LFK Bekämpfungsvorgänge jenseits des sichtbaren Bereichs möglich, um auch gegen anspruchsvolle aerodynamische Ziele im Radarschatten wirken zu können.
Aufgrund der geringeren Abmessungen des PAC-3 LFK können jeweils vier PAC-3 LFK in einem Transport-, Lager- und Startbehälter zusammengefasst werden, der die gleichen Abmessungen wie die bisherigen Behälter der Patriot-Lenkflugkörper hat.
Mit der Auslieferung des ersten Teilloses von 24 Lenkflugkörpern PAC-3 im September 2010 hat die Luftwaffe eine Anfangsbefähigung für die geplante Flugkörperabwehr erreicht und nimmt damit im Rahmen der Flugabwehr international bereits eine Spitzenstellung ein.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Autorenteam Patriot, Norbert Thomas


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