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Aufklärungs-Fähigkeiten der Luftwaffe im Einsatz am Beispiel Aufklärungs-Tornado

Die Bundeswehr unterteilt die Fähigkeitskategorie Nachrichtengewinnung und Aufklärung in drei Bereiche: Weltweite Aufklärung, weiträumige Aufklärung und Aufklärung im Einsatzgebiet

Die Luftwaffe verfügt zur Aufklärung im Einsatzgebiet mit dem Aufklärungs-(RECCE-) Tornado, den optional einsetzbaren Aufklärungsbehältern "GAF-RECCE-Pod" und "GAF-TELELENS-Pod" sowie der Auswerteanlage "RECCE GROUND STATION" (RGS) über ein bewährtes Aufklärungssystem, das bereits auf dem Balkan zum Einsatz kam.

Operationelle Einschränkungen des zurzeit in der Luftwaffe genutzten Aufklärungssystems ergeben sich aus der fehlenden Datenübertragung (Link-Fähigkeit) für die Sensordaten und aus der Aufzeichnung dieser Daten auf Nassfilm, da der im Aufklärungsbehälter aufgenommene Film erst nach Rückkehr des Flugzeuges am Boden entwickelt werden kann, wodurch ein Zeitverlust entsteht. Deshalb wirkt sich die Nutzung von Nassfilmen als Aufzeichnungsmedium nachteilig auf das Informationsalter aus. Der große Vorteil des Nassfilm-Verfahrens besteht jedoch in einer sehr hohen Auflösung, die von modernen elektrooptischen Sensoren bis heute nicht erreicht wird.

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Das Aufklärungssystem Recce-Tornado

Beginnend mit dem Jahr 1998 wurden die ersten Aufklärungsbehälter, zunächst der sogenannte GAF (German Air Force) -RECCE-Pod und seit 2000 der "GAF-TELELENS-Pod" an die Luftwaffe ausgeliefert. Zur Abdeckung der vielfältigen Aufklärungsforderungen ist der "GAF-RECCE-Pod" für den Tiefflugeinsatz und der TELELENS-Pod für den Einsatz in mittleren Höhen bis hin zur Dienstgipfelhöhe des RECCE Tornado (max. 15.000 m) optimiert.

Beide Aufklärungsbehälter sind mit jeweils zwei optischen Kameras und einem Infrarot- Line-Scanner (IRLS) ausgestattet, die modular an das jeweilige Missionsprofil angepasst werden können. Neben der erfolgreichen Bewährung während der Konflikte auf dem Balkan wurden die RECCE-Tornado des Aufklärungsgeschwader 51 "Immelmann" (AufklG 51 "I") aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten im Bereich der Abbildenden Aufklärung und der problemlosen Einordnung in bestehende Luftraumstrukturen, auch im Rahmen der Amtshilfe wiederholt erfolgreich eingesetzt.

Dies erfolgte zum Beispiel bei den Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre an Rhein, Donau, Oder und Elbe sowie zur Unterstützung anderer Exekutivorgane des Bundes und der Länder. Seit 2005 führt das AufklG 51 "I" im Rahmen der Übernahme der Aufgabe "Seekriegführung aus der Luft" zusätzlich Aufklärungseinsätze über den Seegebieten zur Unterstützung der Marine durch.

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Der RECCE-Tornado

Der RECCE-Tornado (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Der RECCE-Tornado

Für die RECCE-Variante werden modifizierte Luftfahrzeuge des Waffensystems Tornado IDS eingesetzt, die zusätzlich mit einer Bedieneinheit, dem RECCE-Control-Panel (RCP) im hinteren Cockpit ausgerüstet sind. Dieses RCP erlaubt bereits im Flug eine Darstellung und Auswertung des Infrarotbildes des IRLS (Infrared Line Scanner System, Infrarot-Aufklärungsanlage) auf einem Monitor im hinteren Cockpit. Die Aufklärungsbehälter werden an der mittleren Aufhängevorrichtung unter dem Rumpf des Tornado angebaut. Das Potenzial des RECCE Tornado als Waffenplattform wird durch diese Zusatzausrüstung nicht beeinträchtigt und das Flugzeug kann jederzeit als Jagdbomber eingesetzt werden. Zum Selbstschutz verfügt der RECCE Tornado über zwei Bordkanonen und Luft-Luft-Lenkflugkörper vom Typ "SIDEWINDER". Zukünftig wird die "SIDEWINDER" durch den modernen Luft-Luft-Lenkflugkörper IRIS-T ersetzt.

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Der GAF-RECCE-Pod

Der GAF-RECCE-Pod (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Der GAF-RECCE-Pod

Der GAF-RECCE-Pod besitzt drei Stationen zum Einbau von Sensoren. Die Trilens-Kamera (Kamera mit drei-linsigem Objektiv) zur Aufnahme von Reihenbildern kann in der vorderen Station mit Blickwinkel schräg in Flugrichtung oder in der mittleren Station mit senkrechter Blickrichtung eingebaut werden. Ihr Gesamtbildwinkel beträgt 135° quer zur Flugrichtung. Die Reihenbild Pentalens-Kamera (Kamera mit fünf-linsigem Objektiv) ist für einen Einbau in der mittleren Station mit senkrechter Blickrichtung vorgesehen. Sie blickt quer zur Flugrichtung von Horizont zu Horizont.

Die auf dem Film zusätzlich gespeicherten Flugdaten werden in der Auswertestation über eine Kamera ausgelesen und erlauben eine automatische Positionierung der dargestellten Karte in Übereinstimmung mit dem gewählten Bildausschnitt des Films ebenso wie die Korrelierung mit weiteren Flugzeugparametern. In der hinteren Station befindet sich der Infrarot-Linescanner.

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Der GAF-TELELENS-Pod

Der GAF-TELELENS-Pod (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Der GAF-TELELENS-Pod

Der "GAF-TELELENS-Pod" ist ebenso wie der "GAF-RECCE-Pod" mit drei Kamerastationen ausgerüstet. Zur Aufnahme der Telelens-Kamera mit langer Brennweite wurde das Vorderteil des "GAF-RECCE-Pods" modifiziert und die äußere Struktur verlängert. Neben der Telelens-Kamera, die in der vorderen Station quer zur Flugrichtung schwenkbar ist, kann in der mittleren Station entweder die Trilens-Kamera oder die Pentalens-Kamera eingerüstet werden.

Die dritte Station ist in beiden Aufklärungsbehältern für den Einbau des Infrarot-Line-Scanners vorgesehen. Dieser besteht aus der Scanner Receiver Unit (SRU), die die Wärmestrahlung von Objekten am Boden auffasst, diese in Videosignale umwandelt und mittels eines Digital Tape Recorders (DTR) aufzeichnet. Dieses Video kann live oder vom Band auf einem Display im hinteren Cockpit durch den Waffensystemoffizier angezeigt und ausgewertet werden.

Die jeweilige Sensorbestückung wird vor dem Einsatz nach operationellen Gesichtspunkten für den Aufklärungsauftrag optimiert zusammengestellt.

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Die Auswerteanlage RGS

Die Auswerteanlage RGS (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

RGS

Die Auswerteanlage RGS bietet mehrere Auswerte-Arbeitsplätze, optimiert zur schnellen, auftragsorientierten Auswertung des anfallenden Bildmaterials. Vor der Auswertung muss der Film jedoch entwickelt werden. Danach nimmt ein Luftbildauswerter – entsprechend des Auftrages – eine Auswahl des Bildmaterials vor und teilt den Auswerteteams einzelne Ziele zu. Diese Teams werten das gesamte Bildmaterial zum jeweiligen Ziel aus und fertigen einen Einsatzergebnisbericht an. Da ein Einsatz von Aufklärungsmitteln meistens in einem NATO-Kontext erfolgt, wird dieser Einsatzergebnisbericht grundsätzlich in englischer Sprache erstellt und hat ein definiertes, vorgegebenes Format.

Ein optisches Bild vom Elbe-Hochwasser 2002

Ein optisches Bild vom Elbe-Hochwasser 2002 (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Kritisch ist dabei das Informationsalter, worunter die Zeit vom Moment des Überfluges – also der Aufnahme – bis zum Vorliegen der Einsatzergebnismeldung beim jeweiligen Auftraggeber verstanden wird. Dies bedeutet, dass die im Einsatzergebnisbericht enthaltene Information so schnell wie möglich dahin gelangen muss, wo sie benötigt wird. Die NATO-Forderung vom Abstellen der Triebwerke bis zum fertigen Einsatzergebnisbericht beträgt hierbei 45 Minuten. Dieser Zeitraum schließt den Ausbau des Films, den Transport und die Entwicklung ebenso ein, wie die eigentliche Auswertung des Filmmaterials und die Erstellung der Meldung. Alle diese Zeiten summieren sich, weshalb die Auswertung immer unter großem Zeitdruck erfolgt.

Falls gefordert, werden diesem Bericht auch Bilder beigefügt. Ob und in welcher Art und Form Bilder notwendig sind, ergibt sich aus dem jeweiligen Auftrag. Die beiden Beispiele zeigen ein optisches Bild vom Elbe-Hochwasser 2002 sowie die Darstellung von Fahrzeugen im Infrarot.

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Ausblick

Der RECCE Tornado hat sich bei Einsätzen im In- und Ausland eindrucksvoll bewährt und ist seit langem als ein sehr zuverlässiges Kampfflugzeug mit guten Einsatzbereitschaftsständen bekannt.

Bei zukünftigen Einsätzen könnte dieses Aufklärungssystem bestehende Fähigkeitslücken im Bereich "Surveillance und Reconnaissance" schließen und wäre somit auch in der Lage, zur Erhöhung des Schutzes eigener Truppen beizutragen.

Im Zuge der Weiterentwicklung des RECCE Tornado prüft die Luftwaffe derzeit den Einsatz elektrooptischer Sensoren in Verbindung mit einem zeitverzugslosen und übertragungssicheren Datenlink, um auch zukünftig die Aufklärungsanforderungen der NATO effektiv und effizient erfüllen zu können.

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Bilder


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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Peter Weber/Olaf Müller für Strategie und Technik


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