Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Über uns > Standorte in Deutschland > Schleswig-Holstein > Intensivstation über den Wolken

Intensivstation über den Wolken

Hohn, 16.09.2011.
Das Telefon klingelt. „Ein Einsatz für uns”, sagt Oberfeldarzt Sven Koopmann. Der 43-Jährige ist Fliegerarzt im Lufttransportgeschwader 63 (LTG 63) und zugleich „Medical Director” – medizinischer Leiter – an Bord der Transall, die auf dem Flugplatz Hohn für die Evakuierung von Kranken und Verwundeten startbereit steht.

Oberfeldarzt Koopmann vor der Transall C-160

Oberfeldarzt Koopmann vor der Transall C-160 (Quelle: Stefan Petersen)Größere Abbildung anzeigen

Turnusmäßig übernimmt jedes der drei Transportgeschwader der Luftwaffe diese „MedEvac”-Bereitschaft für 17 Wochen im Jahr – und derzeit ist das LTG 63 dran. „Das Ziel ist Spanien”, sagt Koopmann. „Ein erkrankter Soldat muss ausgeflogen werden.” Routine für die „MedEvac”-Crews – und doch wieder nicht, denn es geht jedes Mal um Menschenleben.

nach oben

Transall im Flug

Transall im Flug (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Luftrettung mit der „Trall“

Seit Ende der 90er Jahre sind die Transportflugzeuge ein Glied in der militärischen Rettungskette, die mit der Erstversorgung beginnt: “Wenn wir den Patienten übernehmen, ist er zumindest schon stabil und transportfähig.” Im Laderaum der gut 32 Meter langen und mehr als 500 Kilometer pro Stunde schnellen Propeller-Maschine sind zwei Intensiv-Betten und acht Tragen für leichtere Fälle montiert. Dieser sogenannte Rüstsatz passt in jede Transall und wird nur für die Dauer der “MedEvac”-Bereitschaft eingebaut. Neben der Flugbesatzung – Pilot, Co-Pilot, Bordtechniker und Ladungsmeister – ist ein Team von zwölf Leuten an Bord, das allein für die medizinische Versorgung der Patienten zuständig ist. „Neben mir als Fliegerarzt noch ein Medizingeräte-Techniker, ein Anästhesist mit Helfer vom Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg plus acht variabel einsetzbare Rettungsassistenten, manchmal auch ein zusätzlicher Arzt”, erläutert Koopmann.

nach oben

Der Fliegerarzt und sein Arbeitsplatz

Der Fliegerarzt und sein Arbeitsplatz (Quelle: Stefan Petersen)Größere Abbildung anzeigen

One Mission, one Team

Was zähle, sei der Team-Geist: „Hier muss nicht jeder alles können, erst das Zusammenwirken aller macht die Qualität aus.” Speziell ausgebildet sei aber jeder, der in einer “MedEvac”-Besatzung Dienst tut: „Auf solchen Flügen haben wir schließlich nicht dieselben Bedingungen wie in einem Krankenhaus am Boden. In der Flugzeugkabine herrscht ein Luftdruck, der einer Höhe von 2400 Metern entspricht – dadurch dehnen sich die Gase im Körper aus und können zusätzliche Probleme verursachen.” Seit 2005 fliegt der gebürtige Hamburger “MedEvac”-Einsätze im LTG 63. Und darüber hinaus auch in Afghanistan, denn auch in Masar-e Scharif steht eine Transall bereit, um im Notfall verwundete Soldaten der Internationalen Schutztruppe aus dem Norden des Einsatzgebietes nach Termez in Usbekistan zu bringen, wo Langstrecken-Jets den Weitertransport übernehmen. „Da wird man mit ganz anderen Fällen konfrontiert als im Friedensflugbetrieb, wenn es Selbstmordanschläge mit Schwerstverwundeten gegeben hat”, weiß Koopmann zu berichten.

nach oben

Transall in Termez/Usbekisten

Transall in Termez/Usbekisten (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Heute Hohn, morgen die Welt

Am Hindukusch müssen die Transporter auch bereits drei Stunden nach Alarmierung in der Luft sein und haben keine zwölf Stunden Vorbereitungszeit wie die deutsche ”MedEvac”-Bereitschaft. „Für die Bundeswehr-Soldaten im Einsatz ist unser Dienst eine große Beruhigung: Jeder weiß, dass er im Notfall so schnell wie möglich und bestens versorgt ausgeflogen wird”, so Koopmann. „Das ist ein enormer Rückhalt für die Truppe – und für uns zugleich die beste Motivation.” Auch die Bilanz kann sich sehen lassen: Noch nie ist einer Hohner “MedEvac”-Crew ein Patient auf dem Transport gestorben. So kann auch der kranke Soldat aus Spanien seinem Heimtransport beruhigt entgegensehen. Und wenn die Transall ihren Patienten zur Weiterbehandlung auf dem Flughafen Köln-Wahn abgeliefert hat und in den hohen Norden heimgekehrt ist, geht auch die zweiwöchige Bereitschaft bald wieder zu Ende – bis zum nächsten Mal.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 26.11.13 | Autor: Stefan Petersen


http://www.luftwaffe.de/portal/poc/luftwaffe?uri=ci%3Abw.lw.team.stan.schl&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB060000000001%7C8LQCMS731DIBR