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Üben für den Ernstfall

Laage, 03.05.2011.
Wie sehr man auf Feuerwehren angewiesen ist, merkt man meistens erst dann, wenn man sie braucht. Zum Glück denken die Feuerwehren mit: Zivile wie militärische Feuerwehren üben zusammen, um schnell die Kontrolle im (Groß-) Einsatz zu erlangen. Wie wichtig das sein kann, zeigt sich am Beispiel der Flughafenfeuerwehr am Standort Rostock/Laage.

Die Wachgruppe A der Flughafenfeuerwehr

Die Wachgruppe A der Flughafenfeuerwehr (Quelle: Luftwaffe/Alfons Hütten)Größere Abbildung anzeigen

In Laage sind insgesamt 58 verbeamtete Feuerwehrleute, die den Brandschutz an 365 Tagen im Jahr sicherstellen. Der Flugplatz Rostock/Laage ist ein Musterbeispiel zivil-militärischer Zusammenarbeit: So stellt die Feuerwehr des „Hausherren“, des Jagdgeschwaders 73 „Steinhoff“ (JG 73 „S“), auch den Brandschutz für den zivilen Anteil des Flughafens Rostock sicher.

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Das Feuerlösch-Kraftfahrzeug „Schwer“ (LF8) der Flughafen Rostock-Laage-Güstrow-GmbH

Das Feuerlösch-Kraftfahrzeug „Schwer“ (Quelle: Luftwaffe/Alfons Hütten)Größere Abbildung anzeigen

Sicherheit rund um die Uhr

Zu normalen Tages- und Flugdienstzeiten sind bei der Feuerwehr mindestens 21 Mann im Dienst. An Wochenenden und Feiertagen wird dann die Unterstützung durch Personal der Berufsfeuerwehr Rostock notwendig, um alle zivilen Nutzungszeiten mit dem dafür notwendigen Brandschutzpersonal abzudecken.

Ohne zivile Unterstützung wäre eine Einhaltung der Maximaldienstzeiten mit dem vorhandenen Personal der Luftwaffe nicht möglich. Zusätzlich zum Personal stellt die zivile Seite - die Flughafen Rostock-Laage-Güstrow-GmbH - ein modernes Löschfahrzeug vom Typ Z8 ab, bei der Bundeswehr „Feuerlöschfahrzeug schwer“ genannt, auf das alle Angehörigen der Fliegerhorstfeuerwehr eingewiesen sind.

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Die Wachgruppe B der Flughafenfeuerwehr

Die Wachgruppe B der Flughafenfeuerwehr (Quelle: Luftwaffe/Alfons Hütten)Größere Abbildung anzeigen

Überall im Einsatz

Die Ausbildung zum Feuerwehrmann bei der Bundeswehr dauert etwa 18 Monate. Sie beinhaltet alle Bereiche des Brandschutzes, die bei den Teilstreitkräften abgedeckt werden müssen. Dazu gehören unter anderem Einsätze auf Truppenübungsplätzen, in Depots, die Schiffsbrandbekämpfung bei der Marine und die Luftfahrzeugbrandbekämpfung auf den Flughäfen der Bundeswehr.

Standort der Bundeswehrfeuerwehrschule ist Stetten am kalten Markt (Baden-Württemberg). Nach der Ausbildung werden die Feuerwehrleute nach Bedarf bei den unterschiedlichsten Feuerwehren der Teilstreitkräfte in ganz Deutschland eingesetzt. Auch in den Einsatzgebieten, wie beispielsweise Afghanistan, sind Feuerwehrleute der Bundeswehr aktiv.

Flugunfall mit einer Zivilmaschine: Auch ein Fall für die Flughafenfeuerwehr

Flugunfall mit einer Zivilmaschine (Quelle: Bildstelle JG 73 „S“)Größere Abbildung anzeigen

Neben der Sicherstellung der Bereitschaften beim militärischen und zivilen Flugbetrieb unterstützt die Feuerwehr in Laage ihr JG 73 „S“ auch bei der Ausbildung des gesamten Personals an Kleinlöschgeräten, respektive bei der „Einsatzvorbereitenden Ausbildung für Konfliktverhütung und Krisenbewältigung“ (EAKK). Zusätzlich werden für den Fliegerhorst Laage und weitere umliegende Liegenschaften der Bundeswehr jährlich etwa 2.500 Kleinlöschgeräte im Wartungs-, Prüf-, und Fülldienst betreut.

Diese Aufzählung vielfältiger Tätigkeiten markiert das weite Spannungsfeld, indem die Brandschutzkräfte tätig werden, obschon sie in erster Linie „nur“ im Einsatz mit Unfällen von Luftfahrzeugen in Verbindung gebracht werden. Weit gefehlt.

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Das neue Feuerwehrgebäude auf dem Fliegerhorst Laage

Das neue Feuerwehrgebäude (Quelle: Cornelia Koch)Größere Abbildung anzeigen

Zusammenziehung aller Kräfte

An der Start- und Landebahn stehen die Feuerwehren bei militärischem Verkehr immer in Bereitschaft. Da Sicherheit im Luftverkehr oberste Priorität hat, werden im zweijährigen Rhythmus Großübungen mit der zivilen Seite, der Flughafengesellschaft Rostock-Laage-Güstrow-GmbH, durchgeführt. Hier wird mit internen und externen Rettungskräften und weiteren Organisationen, wie zum Beispiel dem Sanitätszentrum Laage, den Feuerwehren des Landkreises Güstrow, der Polizei und dem Deutschen Roten Kreuz die Zusammenarbeit geübt. Von diesen Übungen profitieren natürlich auch die Feuerwehrleute der Luftwaffe, das Erfahrungsspektrum vergrößert sich dadurch nicht unerheblich.

Technik für diese Aufgaben steht im neuen Feuerwehrgebäude bereit, das erst am 20. März 2010 bezogen wurde. Auch die sich in der Modernisierung befindliche Fahrzeugflotte findet hier Platz.

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Löschwagen diverser Wehren vor Ort

Löschwagen diverser Wehren vor Ort (Quelle: H. Möller)Größere Abbildung anzeigen

Die Katastrophe auf der A 19

Wie wertvoll diese Zusammenarbeit für alle Beteiligten ist, zeigte sich am 08. April 2011, als es auf der Autobahn 19 südlich von Rostock, in der Nähe des Fliegerhorst Laage, zu einer Massenkarambolage kam. Das durch einen Sandsturm verursachte Unglück, an dem 82 Fahrzeuge auf einer 150 Meter langen Unfallstrecke beteiligt waren, forderte acht Menschenleben und weit über hundert Verletzte. Keine der beteiligten Einsatzkräfte, darunter auch die Fliegerhorstfeuerwehr Laage, hatte je einen Einsatz in dieser Größenordnung erlebt.

Löschwagen der Bundeswehr am linken Straßenrand

Löschwagen der Bundeswehr (Quelle: H. Möller)Größere Abbildung anzeigen

Ein glücklicher Umstand im traurigen Geschehen war die Anwesenheit von Hannes Möller, dem Wehrführer der Feuerwehr Güstrow. Er war zufällig privat auf der Autobahn unterwegs, als er am Unfallgeschehen vor Ort eintraf.

Möller übernahm spontan und im weiteren Verlauf der Katastrophe die Gesamteinsatzleitung. Er erkannte schon nach kurzer Zeit am sich schnell ausbreitenden Feuer, dass die relativ kleinen Tanklöschfahrzeuge der öffentlichen Feuerwehren Probleme mit der Brandbekämpfung bekommen würden. Die an dem sehr unübersichtlichen Unfall beteiligten Fahrzeuge brannten bereits in einer regelrechten Feuersbrunst.

Deshalb veranlasste er aufgrund seiner Erfahrungen schon wenige Minuten nach dem eigentlichen Unfall die Alarmierung der Fliegerhorstfeuerwehr Laage, denn durch gemeinsame Übungen kannte er die Möglichkeiten der Bundeswehr-Feuerwehr.

Bild der Verwüstung: Zerstörte Kraftfahrzeuge

Bild der Verwüstung: Zerstörte Kraftfahrzeuge (Quelle: Axel Krafzik )Größere Abbildung anzeigen

Am Unfallort zeichnete sich derweil bereits das Inferno ab. Und es wurde noch schwieriger: Wegen des sich bildenden Rückstaus konnten weitere Löschfahrzeuge nun nicht mehr auf dem direkten Weg an ihr Ziel gelangen.

Also geleitete ein Polizeihubschrauber der Polizeihubschrauberstaffel Mecklenburg-Vorpommern, der ebenfalls auf dem Fliegerhorst Laage stationiert ist, die schweren Tanklastzüge der Bundeswehr über die Gegenfahrbahn - quasi als „Geisterfahrer“- zur Unfallstelle, die mittlerweile völlig verwüstet schien.
Es dauerte dennoch mehrere Stunden bis der Brand so weit bekämpft war, dass die öffentlichen Feuerwehren mit Ihren Mitteln allein die Unfallstelle übernehmen konnten. Insgesamt waren an diesem Nachmittag etwa 250 Helfer der verschiedensten Organisationen vor Ort.

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Massenkarambolage auf der A 19 aus der Luft

Massenkarambolage auf der A 19 aus der Luft (Quelle: Axel Krafzik)Größere Abbildung anzeigen

Fazit

„Die Zusammenarbeit mit den zivilen Kräften klappte reibungslos, weil die Leute sich kennen“, so Toralf Nöske, Brandamtmann und Leiter der Fliegerhorstfeuerwehr. „Die Bundeswehr wusste aufgrund gemeinsamer Übungen die Einsatzleitung bei Hannes Möller in guten Händen. Wichtig war, dass jeder der Beteiligten die Fähigkeiten „der Anderen“ kannte und auf diese vertraute." So wusste Möller genau, dass vor allem die Bundeswehr mit ihren leistungsfähigsten Feuerlöschfahrzeugen in der Lage war, noch schlimmeres zu verhindern. „Die zivilen und militärischen Einsatzkräfte haben miteinander viel mehr geleistet, als in einer solchen Ausnahmesituation zu erwarten gewesen wäre“, resümiert Nöske abschließend. Die häufig praktizierte und gute Zusammenarbeit der beteiligten Hilfskräfte - zivil wie militärisch - hatte zur Folge, dass das an sich schon tragische Unglück nicht noch mehr Menschenleben kostete.

 

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Alfons Hütten, Norbert Thomas


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