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Hubschraubertausch nimmt Konturen an

Bonn, 29.06.2011.
Nachdem bereits die Entscheidung zur Übernahme der Aufgabe Flugabwehr durch die Luftwaffe vom Heer getroffen worden ist und die Verantwortung für das Herstellen der Einsatzbereitschaft des Flugabwehrwaffensystem MANTIS zum 01. Januar 2011 von der Luftwaffe übernommen wurde, wird als eine der weiteren Maßnahmen ein umfassender „Fähigkeitstransfer Hubschrauber“ zwischen Luftwaffe und Heer vorbereitet.

Hubschrauber CH 53

Hubschrauber CH 53 (Quelle: Björn Trotzki)Größere Abbildung anzeigen

Eine grundlegende Reform der Bundeswehr wird ihren Ausdruck nicht allein in einer Reduzierung der Truppenstärke finden, sondern auch Maßnahmen der Umstrukturierung und der Neuzuordnung von Fähigkeiten innerhalb der Streitkräfte nach sich ziehen. Grundlage für vorbereitende Arbeiten und Abstimmungen zum Fähigkeitstransfer Hubschrauber war eine gemeinsame Empfehlung der Inspekteure der Luftwaffe und des Heeres. Im Folgenden soll ein erster Überblick über den aktuellen Stand der Planungen des Fähigkeitstransfers Hubschrauber gegeben werden.

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Der moderne NH90 geht ans Heer

Der moderne NH90 geht ans Heer (Quelle: Björn Trotzki)Größere Abbildung anzeigen

Fähigkeitstransfer Hubschrauber

Unter dem Arbeitsbegriff „Fähigkeitstransfer Hubschrauber“ wird die Zusammenführung aller Hubschrauber vom Typ NH-90 im Heer und die Übergabe der Hubschrauber des Typs CH-53 vom Heer an die Luftwaffe verstanden. Damit einher geht auch der Abschluss der bereits in einer früheren Luftwaffenstruktur entschiedenen Aufgabe des Systems UH-1D, der „guten, alten Huey“. Mit den Hubschraubern sollen dabei auch die zu erfüllenden Aufgaben an die jeweils andere Teilstreitkraft übertragen werden. So könnte die Luftwaffe zukünftig in Verbindung mit den angemieteten zivilen Großraumtransportflugzeugen (Strategic Airlift Interim Solution / SALIS) und dem Transportflugzeug A400M ein in Reichweiten, Geschwindigkeiten sowie Gewicht und Größe der Transportgüter fast durchgängiges Spektrum abdecken, währenddessen im Heer die Fähigkeit des leichten taktischen Lufttransports einschließlich der Aufgabe Forward Air MedEvac (Verwundetentransport einschl. Begleitschutz) und Search and Rescue (Suchen und Retten/SAR) konzentriert würde. Durch die Steigerung der Einsatzfähigkeit, die Optimierung von Prozessabläufen und nicht zuletzt durch die Einsparung von Ressourcen könnten für den Bereich der Hubschrauber mit dieser Maßnahme die grundlegenden Ziele der Bundeswehrreform Umgesetzt werden.

Bell UH 1D: Weltweit bewährt

Bell UH 1D: Weltweit bewährt (Quelle: Klaus Hubmann)Größere Abbildung anzeigen

Der Fähigkeitstransfer Hubschrauber hätte tiefgreifende Veränderungen in Struktur und Organisation in Heer und Luftwaffe zur Folge und würde sich auf Angehörige der beiden Teilstreitkräfte auswirken. Die Luftwaffe verfügt mit dem Hubschraubergeschwader 64 am Standort Schönewalde / Holzdorf über einen Verband, der zur Zeit den Auftrag mit den Leichten Transporthubschraubern vom Typ UH-1D erfüllt. Dieser Hubschraubertyp wird schrittweise mit dem Zulauf der NH-90 außer Dienst gestellt. Das Heer betreibt die CH-53 in den beiden Mittleren Transporthubschrauberregimentern 15 und 25 an den Standorten Rheine und Laupheim. Darüber hinaus würde sich der Fähigkeitstransfer auch auf Anteile in den Ausbildungseinrichtungen, auf die logistische Organisation, auf Dienststellen mit Weiterentwicklungsaufgaben und nicht zuletzt auf die Führungsorganisation der beiden Teilstreitkräfte auswirken. Nach jetzigem Sachstand wären in der Luftwaffe rund 1.050 Stellen und im Heer etwa 3.200 Stellen vom Fähigkeitstransfer Hubschrauber und damit dementsprechend viele Menschen, Soldaten wie auch zivile Mitarbeiter, betroffen. Ein wesentliches Ziel aller vorbereitenden Maßnahmen ist es daher, sowohl die Reduzierungen im Gesamtumfang als auch die Verlagerung der Aufgaben mit einem Höchstmaß an Sozialverträglichkeit gewährleisten zu können.

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Der NH-90 Simulator am Standort Holzdorf ist einsatzbereit.

Der NH-90 Simulator am Standort Holzdorf ist einsatzbereit. (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Stationierungskonzept steht noch aus

Für viele Bundeswehrangehörige, für deren Familien und auch die Standortgemeinden, ist die Frage nach den zukünftigen Dienst- beziehungsweise Stationierungsorten der jeweiligen Verbände von herausgehobener Bedeutung. Dies gilt nicht nur für die im Rahmen des möglichen Fähigkeitstransfer Hubschrauber Betroffenen. In diesem Zusammenhang und mit Blick auf die aktuelle Medienberichterstattung wird auch deutlich, dass Stationierungsentscheidungen nicht nur von Sachaspekten, wie zum Beispiel infrastrukturellen Aspekten, beeinflußt werden, sondern schlussendlich auch politische Einflußgrößen von großer Tragweite sind. Inwiefern sich ein Fähigkeitstransfer Hubschrauber vor dem Hintergrund der Truppenreduzierung und der Erfordernis zur Ressourceneinsparung im Rahmen der Bundeswehrreform auf die Stationierung der zukünftigen Hubschrauberverbände bei Luftwaffe und Heer auswirken kann, lässt sich daher derzeit noch nicht absehen . Die Antwort auf die Frage, an welchen Standorten die Hubschrauber nach einem Fähigkeitstransfer stationiert sein könnten, wird Bestandteil des Stationierungskonzeptes des Bundesministers für Verteidigung sein. Dieses Stationierungskonzept ist für den Herbst 2011 angekündigt worden. Ebenfalls im Anschluss werden konkrete Personalmaßnahmen und die weitere individuelle Entwicklung im Verwendungsaufbau festgelegt werden können. Hierbei wird eine umfangreiche Beteiligung aller Betroffenen und deren Angehörigen durch die Personalführung sowie die truppendienstlichen Vorgesetzten von besonderer Bedeutung sein.

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Bewährt im Einsatz: Der CH 53

Bewährt im Einsatz: Der CH 53 (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

CH-53 – Fähigkeiten und Einsatz

Was käme mit dem Waffensystem CH-53 auf die Luftwaffe zu? Der Mittlere Transporthubschrauber CH-53 wurde zwischen 1972 und 1975 mit 135 Luftfahrzeugen in der Heeresfliegertruppe eingeführt. Die Abkürzung CH steht für Cargo Helicopter. Zur Zeit verfügt das Heer über 86 Hubschrauber dieses Typs. Davon wurden zwischenzeitlich 20 Hubschrauber zur GS-Variante und weitere sechs Hubschrauber zur GE-Variante umgerüstet. Diese Umrüstungsmaßnahmen wurden vor dem Hintergrund der konkreten Einsatzerfordernisse der letzten Jahre notwendig. Die Umrüstung von weiteren 40 Hubschraubern zu einer GA-Variante wurde begonnen und wird in den nächsten Jahren abgeschlossen. Obwohl dieser Hubschrauber nicht der neuesten Generation von Hubschraubern angehört, wird die CH-53 mit den Umrüstmaßnahmen noch viele Jahre den Einsatzauftrag bewährt und einsatzorientiert wahrnehmen können. Die Luftwaffe würde die CH-53 für den operativ-taktischen Lufttransport von Personal und Material - auch unter Bedrohung - für die Unterstützung von Spezialkräften und für Air MedEvac Einsätze einsetzen. Darüber hinaus würde mit der Verlagerung der Teilbefähigung Recovery (TB-R) der CH-53 zum Kompetenzträger für Combat Search and Rescue (bewaffnete Suche und Rettung, CSAR, Luftwaffe) die Zuständigkeit für beide Aufgaben in einer Teilstreitkraft konzentriert.

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Erneute Umgliederung für die Transportverbände der Luftwaffe

Erneute Umgliederung für die Transportverbände der Luftwaffe (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Koordination der verschiedenen Handlungsfelder

Eine wesentliche Voraussetzung für eine Umsetzung des Fähigkeitstransfers Hubschrauber ist es, den Übergang der Verantwortung für das betroffene Personal und die Waffensysteme reibungslos zu gestalten sowie die Einsatzbereitschaft im Einsatz bruchfrei zu gewährleisten. Um alle Maßnahmen, die für den Fähigkeitstransfer Hubschrauber in Luftwaffe und Heer erforderlich wären, koordiniert und zeitgerecht vorbereiten zu können, wurde im Bundesministerium der Verteidigung die Arbeitsgruppe (AG) „Fähigkeitstransfer Hubschrauber“ eingesetzt. In ihr arbeiten die Vertreter von Heer und Luftwaffe gleichberechtigt zusammen. Neben den ständigen Mitgliedern nehmen auch Vertreter der anderen Organisationsbereiche an den Sitzungen der AG regelmäßig teil. Die von der AG Fähigkeitstransfer Hubschrauber erlassenen planerischen Vorgaben werden auf der Ämterebene durch das Abstimmungsgremium für den Fähigkeitstransfer Hubschrauber nach einer entsprechenden Entscheidung gesteuert. Dieses Abstimmungsgremium wird geleitet durch die beiden Beauftragten Fähigkeitstransfer Hubschrauber Heer und Luftwaffe.

Ein moderner Standort: Neue NH90 Hallen in Holzdorf

Ein moderner Standort: Neue NH90 Hallen in Holzdorf (Quelle: Klaus Hubmann)Größere Abbildung anzeigen

Die Maßnahmen, die dort abgestimmt und künftig gesteuert werden, sind den Handlungsfeldern Struktur und Organisation, Personal, Ausbildung, Infrastruktur, Einsatzkonzepte, operationelle Einsatzbereitschaft sowie Maßnahmen im Bereich Rüstung und Nutzungssteuerung zugeordnet. Die besondere Herausforderung stellen die vielfältigen Abhängigkeiten zwischen den Handlungsfeldern einerseits- und andererseits die bestehenden Einsatzverpflichtungen dar, die ohne Einschränkungen weiterhin zu erfüllen sind. Diese Projektorganisation und alle Beteiligten bei Heer und Luftwaffe können auf die guten Erfahrungen bei der Übernahme der Aufgabe Flugabwehr sowie des FlaWaSys MANTIS durch die Luftwaffe aufbauen. Die Erfahrungen der Luftwaffe aus dem Übernahmeprozess der Marineflieger zwischen 2003 und 2005 sind hierfür ebenfalls hilfreich, wenngleich in der Dimension nicht vergleichbar.

NH 90 im Anflug

NH 90 im Anflug (Quelle: Björn Trotzki)Größere Abbildung anzeigen

Die Übernahme eines bewährten - bei gleichzeitiger Gewährleistung der Einsätze jedoch auch in der Umrüstung befindlichen - Waffensystems durch die Luftwaffe stellt eine große Herausforderung für alle Beteiligten dar. Die Vorbereitungen und spätere Umsetzung eines Fähigkeitstransfers und damit einhergehende Aufnahme und Integration von Personal und Aufgaben erfordern den Willen zum Gestalten, ein Aufeinanderzugehen ohne Vorbehalte und einen langen Atem, wenn dieses Projekt erfolgreich abgeschlossen werden soll. Das Team Luftwaffe widmet sich engagiert den vielfältigen vorbereitenden Maßnahmen für diesen umfassenden Fähigkeitstransfer, um nach einer möglichen Entscheidung rasch, koordiniert und auch im Sinne der betroffenen Soldaten und zivilen Mitarbeiter agieren zu können.

 

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Sven Linke


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