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Immer und überall gegenwärtig – der Heron 1 im Einsatz

Mazar-e Sharif/Jagel, 14.02.2011.
Der Einsatz des UAS Heron 1 im Rahmen des ISAF-Einsatzes erlaubt es der Luftwaffe, entscheidende Erfahrungen bei dem Einsatz von UAS unter Einsatzbedingungen zu sammeln.
Im Einsatzland Afghanistan hat sich das System längst etabliert.

Drei Heron Luftfahrzeuge

Drei Heron Luftfahrzeuge (Quelle: Luftwaffe/Pressestelle Mazar-e Sharif)Größere Abbildung anzeigen

Irgendwann im Herbst 2010 an einer Straße südlich von Kunduz:

Im Schutze der Dunkelheit bewegen sich vier, mit Gewehren bewaffnete Männer geduckt zwischen niedrigen, zum Teil verfallenen Lehmmauern. Immer wieder verharren sie, um die vor ihnen liegende Strasse zu beobachten, die im Rahmen der Wiederaufbaumaßnahmen der internationalen Gemeinschaft instandgesetzt wurde. Die Männer wissen, dass dieser Hauptverbindungsweg zwischen Kunduz und Baghlan häufig durch ISAF – Truppen genutzt wird. In einem der vielen durch Gestrüpp verdeckten Gräben, die das gesamte Gebiet äußerst unüberschaubar machen, verharren die Männer erneut. Kein Mensch und auch kein herannahendes Fahrzeug sind zu sehen oder zu hören – es ist eine sternenklare, absolut ruhige Nacht. Dann geht es ganz schnell: Die Männer eilen auf die Strasse, schnell wird am Straßenrand ein Loch ausgehoben und ein behelfsmäßiger Sprengsatz verlegt. Nur wenige Minuten später ist das Loch wieder zugeschüttet und die Männer kauern in sicherer Entfernung hinter einer Lehmmauer, in der subjektiv empfundenen Gewissheit, von niemandem bemerkt worden zu sein. Jetzt wollen sie warten, bis sich ein Fahrzeug der ISAF nähert, um die Sprengfalle per Handy zu zünden. Von dem vergrabenen Sprengsatz – im NATO-Jargon IED (Improvised Explosive Device) bezeichnet – ist kaum etwas zu erkennen.

Heron - Totale

Heron - Totale (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Was die Männer nicht ahnen – sie wurden die ganze Zeit über beobachtet. In etwa drei Kilometer Höhe kreist das unbemannte Aufklärungsluftfahrzeug Heron 1 – vom Boden aus nicht zu hören oder zu sehen. Die Aktivitäten der Männer wurden die ganz Zeit über mit hochauflösenden Kameras gefilmt und die Filmdaten in nahezu Echtzeit über Satellit an die Kommandozentrale des Deutschen Feldlagers in Kunduz übermittelt. Gleichzeitig wurden die beobachteten Aktivitäten von speziell ausgebildeten Analysten in der Auswertestation des Einsatzgeschwaders Mazar-e Sharif ausgewertet. Noch während die Aufständischen am Straßenrand auf ihre potentiellen Opfer warten, werden erste Maßnahmen in die Wege geleitet, um den Sprengsatz zu entschärfen sowie die verantwortlichen Männer gemeinsam mit den afghanischen Streitkräften zu verfolgen und festzunehmen.

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Bedienerpersonal des UAS über die Schulter geschaut

Bedienerpersonal des UAS (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Wozu UAS?

UAS werden schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich im Rahmen von militärischen Operationen eingesetzt. In den amerikanischen und israelischen Streitkräften sind UAS bereits seit Ende der 70er Jahre ein fester Bestandteil der Operationsführung.

Aufgrund ihrer Auslegung und Komplexität sowie der damit einhergehenden Integration auch in den übrigen militärischen und zivilen Luftverkehr werden die UAS-Luftfahrzeuge selbst auch als Remotely Piloted Aircraft (RPA) bezeichnet. Dies verdeutlicht, dass diese im Gegensatz zu taktischen Drohnen vielfach von lizenzierten Piloten mit gültigem Flugschein gesteuert werden müssen.

Die Zwischenlösung Heron 1 eignet sich besonders für die dauerhafte Bereitstellung eines Videobildes aus der Luft in Echtzeit. Dieses sogenannte „Full Motion Video“ (FMV) aus der Vogelperspektive verbessert das Lagebild sowohl des taktischen Führers vor Ort als auch der übergeordneten Gefechtsstände erheblich. Lageveränderungen können früher erkannt, eigene Kräfte und Mittel effektiver und zielgerichteter eingesetzt und die Wirkung eingesetzter Mittel zuverlässiger überprüft werden. Die Verfügbarkeit von FMV trägt somit in hohem Maße zum Schutz eigener Kräfte bei.

UAS mittlerer Größe werden auch bei ISAF besonders durch die USA-, aber auch von anderen Alliierten wie Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada eingesetzt. Diese UAS stehen jedoch meist unter nationalem Kommando. Dem unter deutscher Führung stehenden Regionalkommando Nord stehen diese UAS seit Mitte letzen Jahres in Form der Zwischenlösung Heron 1 zur Verfügung.

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Der Heron „auf der Platte“ des EG MeS

Der Heron „auf der Platte“ des EG MeS (Quelle: Luftwaffe/Pressestelle Mazar-e Sharif)Größere Abbildung anzeigen

Aufnahme Flugbetrieb Heron 1 im Einsatz

Vor diesem Hintergrund wurde im Juni 2009 durch den Bundesminister der Verteidigung entschieden, dem Deutschen Einsatzkontingent ISAF so schnell wie möglich ein marktverfügbares und leistungsfähiges UAS zur Verfügung zu stellen.

Im Rahmen eines beschleunigten Beschaffungsvorganges wurde das UAS Heron 1 der israelischen Firma Israel Aerospace Industries (IAI) im Rahmen eines Leasingvertrages realisiert. Dieses UAS wird bereits seit mehreren Jahren erfolgreich durch die israelische Luftwaffe eingesetzt. Darüber hinaus betreiben Länder wie Frankreich, Türkei, Australien und Kanada Varianten dieses Systems im Einsatz.

Bereits im Frühjahr 2010, also bereits neun Monate nach Entscheidung durch den Bundesminister der Verteidigung, wurde der Einsatzflugbetrieb des Heron 1 durch die Luftwaffe beim Einsatzgeschwader Mazar-e Sharif aufgenommen. Die gewählte „Betreiberlösung“ sieht vor, dass die Luftwaffe das fliegerische Bedienpersonal stellt und die Firma Rheinmetall Defence Electronics (RDE) im Einsatzland für die Wartung, Instandsetzung und Versorgung der geleasten Systeme verantwortlich ist. Der Luftwaffe gehört das UAS Heron 1 somit nicht, sondern ist lediglich der Nutzer. Der entsprechende Vertrag mit der Firma läuft bis Oktober 2012 und stellt eine „Zwischenlösung“ dar, die solange genutzt werden soll, bis ab 2012 im Rahmen des normalen Beschaffungsgangs ein marktverfügbares UAS in die Luftwaffe eingeführt wird.

Reichweite und Stehzeit der UAS im Vergleich

Reichweite und Stehzeit der UAS im Vergleich (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Gemäß der vertraglich vereinbarten Leistungen umfasst das UAS drei unbemannte Luftfahrzeuge (RPA - Remotely Piloted Aircraft), zwei Bodenkontrollstationen sowie je einen terrestrischen und einen satellitengestützten Datenlink.

Heron 1 stellt aufgrund seiner Fähigkeiten ein komplementäres Aufklärungsmittel zu den bereits vorhandenen Aufklärungssystemen im deutschen Einsatzkontingent ISAF dar.

Auch die im Deutschen Einsatzkontingent verfügbaren taktischen Drohnen ALADIN, LUNA und KZO ergänzt das UAS Heron 1 unmittelbar. Die Vorteile des UAS gegenüber den Drohnen bestehen in der Stehzeit, der Reichweite und vor allem auch in den vielfältigen Möglichkeiten, die Aufklärungsergebnisse in nahezu Echtzeit an unterschiedliche Bedarfsträger zu verteilen.

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Dass SAR Radar des Heron

Dass SAR Radar des Heron (Quelle: Luftwaffe/Andreas Scharff)Größere Abbildung anzeigen

Leistungsbeschreibung des Heron 1

Das Luftfahrzeug Heron 1 ähnelt äußerlich mit einer Länge von 8,5 Metern, einer Spannweite von 16,6 Metern und einer Höhe von 2,3 Metern einem Motorsegelflugzeug. Angetrieben von einem Rotax-Motor mit 115 PS erreicht es eine Geschwindigkeit von bis zu 200 Stundenkilometern. In einer Höhe von bis zu 10 Kilometern können Flugzeiten von über 24 Stunden erreicht werden. Durch einen überlappenden Einsatz von mindestens zwei RPA und zwei Bodenstationen wird eine dauerhafte Überwachung eines Einsatzraumes von bis zu 72 Stunden sichergestellt.

Sein maximales Startgewicht liegt bei 1150 kg inklusive der Nutzlast von bis zu 250 kg. Diese umfasst den durch die Luftwaffe betriebenen Gerätesatz aus digitalen Kameras, die – neben einem Radargerät - sowohl Standbilder als auch Videofilme im optischen- wie Infrarotbereich liefern.

Die MOSP-Optronik des Heron

Die MOSP-Optronik des Heron (Quelle: Luftwaffe/Andreas Scharff)Größere Abbildung anzeigen

Die kreiselstabilisierte und schwenkbare „Multi-Mission Optronic Stabilized Payload“, kurz MOSP, besteht aus drei Kameras für Aufklärung bei Tag und Nacht: Einer optischen TV-Kamera mit fest eingestellter 500mm Brennweite für großflächige Aufnahmen, einer optischen TV-Kamera mit zehnfach optischem Zoom für Großaufnahmen einzelner Objekte oder Personen sowie einem „Forward Looking Infra Red (FLIR)“ - Sensor, mit dem auch kleine Temperaturunterschiede erkannt und so auch bei Nacht wichtige Aufklärungsergebnisse erzielt werden können.

Die Kameras bleiben über die Kreiselstabilisierung automatisch auf das zu filmende Objekt am Boden fixiert, sodass auch während Flugbewegungen des Luftfahrzeugs das empfangene Bild an den Empfangsstationen stabil auf den gewählten Punkt am Boden verbleibt.

Zusätzlich beinhaltet der Lieferumfang einen Synthetic Aperture Radar (SAR) - Gerätesatz. Mit diesem Radarsensor können auch bei schlechten Witterungsbedingungen, beispielweise bei Wolken und Nebel, verwertbare Aufklärungsergebnisse geliefert werden.

 

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Michael Krah


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