Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Team Luftwaffe > Fliegende Kampfverbände > Taktisches Luftwaffengeschwader 51 "Immelmann" > Meilenstein der unbemannten militärischen Luftfahrt

Meilenstein der unbemannten militärischen Luftfahrt

Beale, USA/Köln, 14.12.2011.
Ein Flugzeug ohne Pilot an Bord ist für viele Menschen undenkbar – bei der Luftwaffe in Deutschland ist es bald Realität. Das unbemannte Luftfahrzeug Euro Hawk wird komplett vom Boden aus gesteuert. Die ersten elf Luftwaffenoffiziere beendeten in diesen Tagen erfolgreich ihre intensive Ausbildung in den USA und leiten damit ein neues Zeitalter für die unbemannte militärische Luftfahrt ein.

Die frischgebackenen Lizenzinhaber vor dem unbemannten Luftfahrzeug Global Hawk. General Schelzig (mitte), Colonel Phillip Steward (li), Reconnaisance Squadron 9th RW

Die frischgebackenen Lizenzinhaber vor dem unbemannten Luftfahrzeug Global Hawk. General Schelzig (mitte), Colonel Phillip Steward (li), Reconnaisance Squadron 9th RW (Quelle: Luftwaffe/PrInfoZLw)Größere Abbildung anzeigen

Seit vergangenem Sommer befanden sich die elf Lehrgangsteilnehmer der Luftwaffe, von denen acht den Grundkurs zum Erwerb der Pilotenlizenz für das unbemannte Luftfahrzeug Global Hawk absolvierten und drei bereits die Fluglehrerausbildung in Angriff nehmen konnten, auf U.S.-amerikanischen Boden. Der Global Hawk ist technischer Zwilling des durch die Luftwaffe zukünftig betriebenen Euro Hawk. Die jetzt zertifizierten Luftfahrzeugführer werden anschließend noch mit den geringen technischen Änderungen des Euro Hawk vertraut gemacht. Es ist vorgesehen das als fliegende Plattform bei der Luftwaffe im Einsatz befindliche Waffensystem zukünftig gemeinsam mit der Streitkräftebasis zur Luftaufklärung einzusetzen. Dabei wird die Steuerung komplett vom Boden aus erfolgen. Auch wenn die Luftfahrzeugführer des Euro Hawks nicht wie ihre Kameraden im Cockpit eines Militärflugzeuges sitzen, oder wie ihre zivilen Kollegen im Cockpit eines Airliners, so haben sie doch eine durchaus vergleichbare Verantwortung für das ihnen anvertraute Flugzeug.

nach oben

Major Helge Behrens erhält aus den Händen Befehlshaber Luftwaffenführungskommando seine Lizenz zum Führen eines Global Hawk

Major Helge Behrens erhält aus den Händen Befehlshaber Luftwaffenführungskommando seine Lizenz zum Führen eines Global Hawk (Quelle: Luftwaffe/PrInfoZLw)Größere Abbildung anzeigen

Übergabe der Flugzeugführerlizenzen

Die Ausbildung der Deutschen in den USA dauerte 21 Wochen und fand in Kalifornien auf dem U.S.-amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Beale statt. Wie Ihre amerikanischen Kameraden wurden die „Luftwaffenbesatzungen“ von der United States Air Force (USAF) ausgebildet. Dabei ist bemerkenswert, dass die deutschen Flugschüler allesamt erfahrene "Jetties", also Strahlflugzegführer und Waffensystemoffiziere auf Tornado oder F-4 F Phantom, sind. Zunächst wurden theoretische Anteile des Flugzeugmusters gelernt. Dann fanden erste Übungsflüge in Simulatoren statt, bevor die Luftwaffenoffiziere Übungsflüge über amerikanischem Gebiet mit echten Global Hawk durchführten. Neben vielen neuen Eindrücken als Schüler und deutscher Offizier an einer amerikanischen Ausbildungseinrichtung, war die abschließende „Graduation Ceremony“ am 14. Dezember 2011, bei der die „German Pilots“ die Flugzeugführerlizenz für den Global Hawk überreicht bekamen, ein ganz besonderes Highlight. Um die besondere Bedeutung dieses Anlasses zu unterstreichen reiste Generalleutnant Peter Schelzig, Befehlshaber Luftwaffenführungskommando, mit einer kleinen Delegation, der unter anderem mit Oberst Hans-Jürgen Knittlmeier auch der Kommodore des Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ (AG 51 „I“) angehörte, nach Amerika um die Festansprache der „Graduation Ceremony“ zu halten und den Abschluß der Ausbildung mit der Übergabe der erworbenen Lizenzen zu dokumentieren.

nach oben

Mit einem bunten Willkommensgruß wurde der ranghohe Gast aus Deutschland herzlich begrüßt

Mit einem bunten Willkommensgruß wurde der ranghohe Gast aus Deutschland herzlich begrüßt (Quelle: Luftwaffe/PrInfoZLw)Größere Abbildung anzeigen

Festansprache Generalleutnant Schelzig bringt enge Zusammenarbeit zum Ausdruck

Sichtlich stolz auf die erfolgreichen Luftwaffenoffiziere bezeichnete Schelzig in seiner Rede den erreichten Ausbildungsabschluss als Meilenstein für die Luftwaffe und Ausdruck für die lange Tradition der hervorragenden Kooperation der US Air Force und der Luftwaffe. Er bedankte sich ganz besonders bei den Ausbildern und zeigte sich beeindruckt von deren bemerkenswertem Engagement. Das Fliegen eines Global Hawk sei etwas grundsätzlich Anderes als das, was man bisher im bemannten Flugdienst kannte. Dies beginne mit den Flugvorbereitungen, die aufgrund der bis zu 23 Stunden langen Flüge bereits wesentlich umfangreicher und intensiver seien, als bisherige Vorbereitungen im Bereich der bemannten Luftfahrt. Ausbilder und Auszubildende hätten in den vergangenen Monaten als Team Hervorragendes geleistet und mit dem heutigen Tag eine neue Ära für die Luftwaffe eingeleitet. Die nunmehr fertig ausgebildeten Piloten würden nicht nur die neuen Fähigkeiten der Luftwaffe symbolisieren, sondern sie sind auch moderne Luftfahrtpioniere, so der Befehlshaber des Luftwaffenführungskommandos in seiner Festansprache. Die erfolgreiche Ausbildung in Amerika habe den Grundstein gelegt für die erfolgreiche Arbeit des Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“, dem zukünftigen Standort der Euro Hawk Flotte. Insbesondere die Art und Weise, die Hingabe und der Enthusiasmus seiner Offiziere haben den General beeindruckt und seien für ihn bestes Signal, dass die Zukunft des Euro Hawk für die Luftwaffe eine Erfolgsstory werde. Dieser „Spirit“ sei vor allem aber auch den amerikanischen Ausbildern zu verdanken, die eine exzellente Arbeit geleistet hätten. Es bedürfe harter Arbeit, enger Abstimmung und einer Menge Geduld eine derart hochkarätige Ausbildung anzubieten und durchzuführen, all dies habe das Team der 1. Aufklärungsstaffel des 9. Aufklärungsgeschwader der USAF eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

nach oben

Beim anschließenden Empfang wurden viele Erfahrungen und Gedanken ausgetauscht

Beim anschließenden Empfang wurden viele Erfahrungen und Gedanken ausgetauscht (Quelle: Luftwaffe/PrInfoZLw)Größere Abbildung anzeigen

Starke transatlantische Partnerschaft

Das gemeinsame Arbeiten sei ebenso nachhaltiger Ausdruck einer starken transatlantischen Partnerschaft, die in der Vergangenheit Garant für Frieden und Stabilität auf dem europäischen Kontingent gewesen sei, und habe mit der nunmehr zum Ausdruck gebrachten erfolgreichen Zusammenarbeit der US Air Force und der Luftwaffe eine deutliche Bestätigung erfahren. Schelzig endete mit dem Motto des 9. Aufklärungsgeschwaders: „In God we trust, everyone else we monitor“ – “Wir vertrauen Gott, alle anderen überwachen wir”.

nach oben

Euro Hawk bei der Landung in Deutschland

Euro Hawk bei der Landung in Deutschland (Quelle: Luftwaffe/Ingo Bicker)Größere Abbildung anzeigen

Zurück nach Deutschland

Für die weitere Ausbildung auf Euro Hawk ist, da sich die beiden unbemannten Flugsysteme Gobal Hawk und Euro Hawk stark ähneln, keine lehrgangsgebundene Ausbildung notwendig. Die sogenannte Delta-Ausbildung findet 2012 beim Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ in Jagel statt. Dorthin wird das einzige derzeit bereits in Deutschland zur Erprobung befindliche Exemplar des Euro Hawk auch im Sommer 2012 überführt. In einem zweiwöchigen Kurs werden die Piloten durch Mitarbeiter der Firma Euro Hawk GmbH theoretisch und praktisch in das Flugsystem eingewiesen. Vorerst sind die elf Absolventen die dieses Jahr in Amerika ausgebildet wurden die Einzigen, die in den USA ihre Ausbildung genießen durften. Da drei der elf Kameraden bereits über eine Fluglehrerbefähigung verfügen, werden sie zukünftig in Jagel für die Ausbildung weiterer Euro Hawk Führer verantwortlich sein. Mit der Übergabe der Lizenzen durch den Befehlshaber Luftwaffenführungskommando ist der Grundstein für eine neue Luftwaffenära gelegt! Die Zukunft der militärischen Luftfahrt der Bundeswehr hat begonnen und wird in Deutschland beim Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ gestaltet.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 26.11.13 | Autor: Markus Werther, Timo Braam


http://www.luftwaffe.de/portal/poc/luftwaffe?uri=ci%3Abw.lw.org.luftm.ag51&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB060000000001%7C8PLBRE187DIBR