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Ein Mann für alle Fälle

Wichita Falls, 11.01.2012.
Oberleutnant Jens Leßner ist Personaloffizier an einem Luftwaffenstandort in den USA. Auf der Sheppard Air Force Base im texanischen Wichita Falls lenkt er die personellen Geschicke einer kleinen, aber dafür umso wichtigeren Einheit, die die deutschen Jetpiloten ausbildet: Ein versierter militärischer Manager für einen versierten Job.

Hier gibt es eine Menge zu tun. Das Schild an der Tür zum Personalbüro

Hier gibt es eine Menge zu tun. Das Schild an der Tür zum Personalbüro (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Bei DDO/DtA ENJJPT, wie die korrekte Kurzbezeichnung des deutschen Anteils im NATO-Ausbildungsprogramm für Jetflieger lautet, ist Leßner der einzige Offizier mit einer betriebswirtschaftlichen Ausbildung - und gleichzeitig der einzige Offizier, der nicht fliegt. Wirft man allerdings einen Blick auf die Bandbreite all seiner zu erledigenden Tätigkeiten, könnte man ihn fast als „Überflieger“ bezeichnen…

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Immer nett und zuvorkommend: Der Personaloffizier ihres Vertrauens

Immer nett und zuvorkommend: Der Personaloffizier ihres Vertrauens (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Ein Überflieger, der nicht fliegt

Ursprünglich kommt der unkomplizierte Leßner aus dem Transportgeschwader 62 in Wunstorf bei Hannover. Damit erfüllt er auch schon eine wichtige Voraussetzung für den anspruchsvollen Dienstposten in der entlegenden Gegend des nördlichen Texas. Nicht etwa die Gelassenheit eines typischen „Nordlichts“ ist hiermit gemeint, sondern die dienstliche Herkunft aus einem fliegenden Verband ist nicht unwichtig, wenn man in der „Pilot Factory“ der Sheppard Air Force Base bestehen will. Das Wissen um das gesamte „Drumherum“ eines fliegenden Verbandes sind zwar keine Voraussetzung für den aufwendigen Job in den USA, aber sicherlich eine Hilfe, um die deutschen Fluglehrer und -schüler bei der Erledigung ihrer tagtäglichen Arbeit zu unterstützen und den anfallenden Arbeitsaufwand korrekt einzuschätzen. Und der ist enorm. Als Personaloffizier, Ausbildungsoffizier, Datenschutzbeauftragter und Bediener der Datenstation SAP bringt diese Aufzählung an Fachtätigkeiten bereits den einen oder anderen ins Schwindeln.

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Es gibt immer genug Arbeit

Es gibt immer genug Arbeit (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

(Echte) Personaloffiziere kennen keine Langeweile

Personalplanung, Ausbildung steuern, die Personaldaten der Soldaten auf Stand halten, Ab- und Zuschleusungen von Personal durchführen, Beurteilungen bearbeiten. Anträge der Soldaten bearbeiten, Führung der Disziplinarunterlagen für den Einheitsführer, Organisation der Urlaubsunterlagen, Organisation von Datenschutz, Berater des Einheitsführers in generellen Fragen zu Personal- und Ausbildungslage. Ach ja: Und nicht selten ist er natürlich auch Ansprechpartner des umgebenden 80./FTW (80./US Flying Training Wing/ amerikanischer, fliegender Ausbildungsverband) - beispielsweise im Rahmen von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Noch Fragen, Kienzle?

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Viele Ordner und viel Arbeit: Die Arbeit des Personaloffiziers erfordert bisweilen eine enorme Bandbreite

Viele Ordner und viel Arbeit: Die Arbeit des Personaloffiziers erfordert bisweilen eine enorme Bandbreite (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Kein Job wie jeder andere

Insbesondere im Tätigkeitsfeld des Ausbildungsoffiziers haben alle Luftwaffenstandorte mit Fliegerhorst im Inland ihre eigene Zelle mit Fachpersonal, während unser Protagonist dies im Grunde allein in Nebenfunktion ausfüllen muss.
Denn Leßner hat neben knapp hundert Personalakten auch fast genauso viele fliegerische Akten in Obhut und Verantwortung – und damit die dazu gehörigen Arbeitsfälle, Anträge, Beschwerden oder Verbesserungsvorschläge.
Er trägt demnach auch dafür Sorge, dass die Fluglehrer alle Kriterien zur Erhaltung ihrer Fluglizenz erfüllen, wozu die Piloten jährlich eine Handvoll Überprüfungen und Mindeststandards im Flugbetrieb erbringen müssen. Hier errechnet der Ausbildungsoffizier über diverse Statistiken, die er sich bei der ENJJPT umgebenden 80.Flying Training Wing besorgt) die Mindestnorm fliegerischer Ausbildungsstunden, die alle Piloten im Ablauf eines Jahres erbringen müssen.

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Eine Pause sei unserem Protagonisten gegönnt

Eine Pause sei unserem Protagonisten gegönnt (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Immer in Aktion

Natürlich müssen auch andere Kleinstdienststellen in den USA mit deutschem Anteil diverse Nebentätigkeiten ausführen, aber keine dieser Dienststellen muss dies bei knapp einhundert Fluglehrern und – schülern umsetzen. Diese Masse an Arbeitsaufwand – bis zu 200 Personal- und Fliegerische Akten - ist es denn auch, die diesen Job so außerordentlich aufwendig macht, derweil Leßner keine Soldaten zur unmittelbaren Unterstützung im Fachgebiet hat. Effiziente Betriebswirtschaft hat damit für den Staatlich geprüften Betriebswirt Leßner eine besondere Bedeutung.
Dazu kommt alle sechs bis acht Wochen „Nachschub“ aus der Heimat. Damit sind nicht etwa die begehrten Nahrungsmittel aus Deutschland, sondern neue Flugschüler gemeint, die natürlich beim „Einchecken“ auch „viel Papier bewegen“, wie es „die Perser“ formulieren.

Willkommen beim ENJJPT – dem Ausbildungsprogramm für angehende Jetpiloten der NATO

Willkommen beim ENJJPT – dem Ausbildungsprogramm für angehende Jetpiloten der NATO (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Ein umfangreiches Einchecken der Flugschüler in Dienstbetrieb und amerikanischer Gesellschaft steht nun für „die Neuen“ an, während eine andere Gruppe Flugschüler bereits „ihren Schein“ gemacht hat und die internationale Flugschule rund um das Programm ENJJPT verlässt: Zusätzliche Arbeit für unseren Protagonisten. Wohl dem, der also weiß, worauf er sich einlässt, wenn er das Tätigkeitsfeld eines Personaloffiziers am Standort Wichita Falls anstrebt, denn Überstunden auszahlen lassen oder abzufeiern ist an einem Auslandsstandort im Grundbetrieb nicht möglich: Die Überstunden sind bereits mit der Auslandsbesoldung abgegolten.

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Texas begrüßt seine Gäste

Texas begrüßt seine Gäste (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Viel zu tun – und viele Möglichkeiten

Dafür hat Leßner aber immerhin die Möglichkeit, sich bei dem einen oder anderen Kurztrip die außerordentliche Landschaft Nordamerikas angedeihen zu lassen, während Otto-Normalbürger dazu erst aus Amerika anreisen müsste. Und da gibt es eine Menge zu bereisen, angefangen damit, dass Wichita Falls fast so weit von Dallas entfernt ist, wie Hamburg von Berlin – um eine Einschätzung davon zu bekommen, wie weit Entfernungen allein in Texas reichen, das immerhin knapp doppelt so groß wie Deutschland ist.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Norbert Thomas


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