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Check für den fliegenden Rechner

Holzdorf, 12.08.2011.
Am 21.10.2010 hielt er Einzug in die Luftwaffe. Der erste, nicht für die Ausbildung bestimmte NATO Hubschrauber 90 landete im Hubschraubergeschwader 64 in Holzdorf – dem bisher einzigen Geschwader dieser Art. Eine neue Herausforderung auch für die Techniker. Einer von ihnen - ein Luftfahrzeugavionikfeldwebel - schildert luftwaffe.de seinen Arbeitalltag.

Der fliegende Rechner: NH90

Der fliegende Rechner: NH90 (Quelle: Luftwaffe/Sabine Lehmann)Größere Abbildung anzeigen

Der NH 90 ist im brandenburgischen Holzdorf angekommen: Allwetterfähig, umfassend aus Faserverbund-Werkstoffen hergestellt und mit einem mehrfach redundanten, digitalen Fly-by-Wire-Flugsteuerungssystem (kabelgebundene Signalübertragungstechnik) ausgestattet, stellt er den Ersatz für das durch die Luftwaffe seit den 60er Jahren genutzte Hubschraubermuster Bell UH-1D dar.

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Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser (Quelle: Luftwaffe/Sabine Lehmann)Größere Abbildung anzeigen

Ein Hubschrauber, der völlig neue Ansprüche stellt

„Die Technik fordert den ganzen Mann, da muss man hellwach sein“ erklärt der Oberfeldwebel Thomas G., Luftfahrzeugavionikfeldwebel beim Hubschraubergeschwader 64 am Luftwaffenstandort in Schönewalde/Flugplatz Holzdorf. Um es konkret zu machen: Er ist für die Elektronik des NATO-Hubschraubers verantwortlich. Einher ging die Einführung des modernen Waffensystems mit der anschließenden Vernetzung auf die zukünftige betriebswirtschaftliche Standartsoftware der Bundeswehr: SASPF. Damit wartete auf Oberfeldwebel G. nicht nur technisches-, sondern sogar computer-technisches Neuland. Wer den Hubschrauber verstehen will, der muss auch Grundkenntnisse SASPF erlernen und „verstehen“.

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Der Griff in die Werkzeugkiste

Der Griff in die Werkzeugkiste (Quelle: Luftwaffe/Sabine Lehmann)Größere Abbildung anzeigen

Der NH90 kontrolliert sich selbst

„Meine Aufgabe besteht in im Kern darin, etwaige Fehler in der Elektronik aufzuspüren und zu beseitigen.“ Dies ist insbesondere im Bereich der Vorflugkontrolle wichtig, wenn „der Vogel“ kurz vor der Freigabe zum Start „abgecheckt“ wird. Denn um einen reibungslosen Flugbetrieb mit dem neuen Waffensystem zu gewährleisten, werden – wie beispielsweise bei einem zivilen Verkehrsflugzeug auch – diverse Checks durchgeführt, eine Art Countdown, bis am Schluss alle Systeme „grün“ sind. Nicht nur, dass bei diesem Hubschrauber eine komplizierte Technik am Werk ist, eigentlich ist der NH90 ein fliegender Rechner, der Zug um Zug - pardon: Check um Check - „hochgefahren wird“. Fehler offenbaren sich G. zwar selten, aber in Sachen Flugsicherheit kann und darf er nichts riskieren: Einerseits können schon mal im Bereich der Elektronik sowie des Fly-by-Wire Systems Störungen auftreten, doch würde bereits eine defekte Glühlampe einen Start ausschließen: Die auf den gesamten Hubschrauber ausgebrachte Software, respektive ihre Vernetzung, übt eine imminente „Selbstkontrolle“ auf den NH 90 aus. Eine „Startblockade“ wäre die Folge.

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Fremdkörperkontrolle im Bereich des Triebwerks am NH 90

Fremdkörperkontrolle im Bereich des Triebwerks am NH 90 (Quelle: Luftwaffe/Sabine Lehmann)Größere Abbildung anzeigen

Alltag gibt`s auch

„Wenn Inspektionen an dem Luftfahrzeug NH90 anstehen und ich einen Arbeitsauftrag via SASPF erhalten habe, mache ich mich mit meinem Team an dessen Umsetzung“, erläutert der Techniker seinen Arbeitsalltag. „Ein Auftrag beinhaltet unter anderem die Kontrolle der Verkabelungen am Hubschrauber, die Überprüfung von Systemen sowie den Wechsel von Pflichtaustauschteilen am Gerät“, führt der Oberfeldwebel weiter aus. Abhängig von der Art der durchzuführenden Überprüfung - beispielsweise einer kalendarischen Inspektion oder einer Flugstundeninspektion - ist der zeitliche Rahmen allerdings sehr unterschiedlich, was unseren Protagonisten allerdings nicht schreckt: „Die tägliche Arbeit am Luftfahrzeug ist mein persönlicher Lohn für die Entbehrungen, welche die hohe Anzahl an Lehrgängen und Fortbildungen, die für diese hochqualifizierte Tätigkeit vonnöten waren, mit sich brachten,“ ergänzt er seine Aufgabenbeschreibung.

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Auch PC-Arbeiten erledigt der Avioniker: Die Dokumentation der Arbeitsvorgänge am Luftfahrzeug ist wichtiger Bestandteil des Dienstbetriebes

Auch PC-Arbeiten erledigt der Avioniker (Quelle: Luftwaffe/Sabine Lehmann)Größere Abbildung anzeigen

Mit Leidenschaft bei der Sache

Nach seinem Fachabitur im Bereich Technik begann die Karriere des Protagonisten bei der Luftwaffe eigentlich mit einem Zufall. Er nutzte als Wehrdienstleistender eine frei gewordene Stelle als Luftfahrzeugavionikunteroffizier an der Bell UH-1D. Nach der Ernennung zum Soldaten auf Zeit sprang sogar noch eine 21-monatige zivilberufliche Ausbildung zum „IT- Systemelektroniker“ am Standort Beelitz für unseren Protagonisten heraus. Mit den erlernten Grundlagen der Elektro- und Netzwerktechnik im Gepäck, ging es anschließend zu diversen Fachlehrgängen an die Technischen Schulen der Luftwaffe, und damit sowohl in die Lüneburger Heide,- konkret nach Fassberg bei Celle - als auch in den tiefsten Süden der Republik - nach Kaufbeuren: Schicksal und Chance zugleich, denn die diese Lehrgänge bereiteten ihn nicht nur auf die täglichen fachlichen Herausforderungen vor, sondern ermöglichten ihm außerdem die zivil anerkannte Meisterprüfung. Nach der erfolgreichen militärischen Ausbildung an der Unteroffizierschule in Appen bei Hamburg folgte schließlich das I-Tüpfelchen mit der Ernennung zum Berufssoldaten im Januar 2011.

Das Hobby lässt grüßen

Das Hobby lässt grüßen (Quelle: Luftwaffe/Sabine Lehmann)Größere Abbildung anzeigen

„Mein größtes Hobby ist der Flugmodellbau“, gibt der in Forst - nahe der polnischen Grenze - geborene G. zu: „Die ideale Freizeitbeschäftigung bei schlechtem Wetter“, so der Berufsunteroffizier. Dann kann er quasi an der Theorie seiner Arbeitsumgebung weiter basteln und hat damit - mehr oder weniger - auch seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Klaus Hubmann


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