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Im Einsatz angekommen

Husum, Kunduz, 25.01.2012.
Diesen Monat wird es ernst für die Luftwaffensoldaten aus dem Flugabwehrraketengeschwader 1 „Schleswig-Holstein“. Sie verlegten bereits zu ihrer OMLT-Mission nach Kunduz, um eine der wichtigsten Aufgaben zu erfüllen, die das deutsche Kontingent im Rahmen der ISAF-Mission zu vergeben hat: Die Ausbildung der afghanischen Soldaten durch das Operational Mentoring and Liaison Team, kurz OMLT.

Szenerie während der Ausbildung in Hammelburg
Szenerie während der Ausbildung in Hammelburg (Quelle: Luftwaffe/Michael Bertram)Größere Abbildung anzeigen

Nach rund einem halben Jahr Einsatzvorausbildung in Hammelburg, Wildflecken, Oberammergau und Bydgoszcz (Polen) haben die Soldaten aus dem hohen Norden die Einsatzreife für den sicherlich nicht einfachen Auftrag in Kunduz/Afghanistan erlangt. Angefangen hat die denkbar umfangreiche Ausbildung allerdings vor Ort: Das Lagezentrum bei der Flugabwehraketengruppe 25 organisierte und koordinierte unter anderem die infanteristische Ausbildung in Hammelburg und Wildflecken – außerdem eine umfangreiche Waffen- und Schießausbildung, um Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen. Dieses Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten spielt bei der Belastung der Soldaten speziell des OMLT eine besondere Rolle, da es in Afghanistan nicht in einem Kontingent eingebunden ist, welches es immerwährend schützen und versorgen kann: Die Luftwaffensoldaten agieren räumlich isoliert und müssen gleichzeitig auch ein Auge auf ihre afghanischen Schützlinge haben.

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Afghanische und deutsche Soldaten: Ein Vorposten wird eingerichtet
Afghanische und deutsche Soldaten: Ein Vorposten wird eingerichtet (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Wichtige Aufgabe im Gesamtspektrum

Immer wieder wird als ein Kernauftrag der ISAF-Kräfte die Ausbildung der afghanischen Streitkräfte (ANA/Afghan National Armee) herausgestellt. Die deutsche Luftwaffe beteiligt sich diesbezüglich an der OMLT-Mission (Operational Mentoring and Liaison Team), in deren Rahmen jeweils eine Partnereinheit der afghanischen Armee ausgebildet- und bei der Auftragsdurchführung unterstützt wird. Innerhalb der sogenannten „Garrison Support Unit“ - vergleichsweise einem deutschen Stabsversorgungselement - führen Luftwaffensoldaten seit Dezember 2009 einen Auftrag gemeinsam mit den afghanischen Soldaten durch, der im Kern darauf hinausläuft, deutsche Maßstäbe bei Bewachung und Betrieb einer Kasernenanlage auf eine afghanische Einheit samt Liegenschaft zu übertragen.

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Ausbildung an einem Mörser der ANA
Ausbildung an einem Mörser der ANA (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Selbst-Verantwortung übernehmen

Hierbei werden afghanische Soldaten durch die deutschen OMLT-Kräfte ausgebildet, angeleitet und bei der Durchführung des Einsatzes begleitet. Diese intensive Zusammenarbeit fördert eine kontinuierliche Verbesserung des Ausbildungsstandes der afghanischen Soldaten und verbessert sukzessive die Zusammenarbeit zwischen den ISAF-Kräften und der afghanischen Armee. „Übergabe in Verantwortung“ ist das Leitmotiv der deutschen Afghanistanpolitik – und derart soll auf lange Sicht eine gute Ausbildung der ANA-Soldaten der Schlüssel zum Erfolg werden. Das Land soll Schritt für Schritt in die Lage versetzt werden, selbst für seine Sicherheit zu sorgen. Ziel der internationalen Staatengemeinschaft ist es, die afghanische Regierung in die Lage zu versetzen, die Sicherheit in Afghanistan flächendeckend mit eigenen Kräften zu gewährleisten und damit die Präsenz ausländischer Streitkräfte entbehrlich zu machen. Mit dem Beginn der sogenannten „Transition Phase“ im Juli 2011 übernahm die afghanische Regierung damit schrittweise die Übernahme der Verantwortung für den Schutz der eigenen Bevölkerung.

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Munitionsteil, Blindgänger oder Sprengmittel?
Munitionsteil, Blindgänger oder Sprengmittel? (Quelle: Luftwaffe/Michael Bertram)Größere Abbildung anzeigen

Wissenstransfer (Mentoring)

Neben der Verantwortlichkeit des OMLT, das „Garrison Kandak“ beim Betrieb und Bewachung einer Kasernenanlage zu unterstützen, werden die Soldaten des OMLT jedoch auch in ihrer Mentorentätigkeit an Checkpoints und Außenposten außerhalb der Liegenschaft eingesetzt. Dies erfordert, dass die eingesetzten Luftwaffensoldaten in der Lage sein müssen, sich im Falle eines Angriffes durch gegnerische Kräfte selbständig zu verteidigen. Solche Angriffe erfolgen in Afghanistan bisweilen durch Sprengfallen, Selbstmordattentäter oder durch gut vorbereitete Hinterhalte. Um sich auf solche Situationen und Gefahren bestmöglich vorzubereiten, ist eine intensive Einsatzvorbereitende Ausbildung aller OMLT-Soldaten notwendig.

Der Konvoi wird angesprengt
Der Konvoi wird angesprengt (Quelle: Luftwaffe/Michael Bertram)Größere Abbildung anzeigen

Daher durchlaufen die OMLT-Kräfte der Luftwaffe zusätzlich zur „Einsatzvorbereitenden Ausbildung für Konfliktverhütung- und Krisenbewältigung“ (EAKK) innerhalb der Luftwaffe zusätzliche, fordernde Ausbildungsabschnitte bei Heer und NATO-Dienststellen. Im Rahmen der OMLT-Ausbildung werden die infanteristischen Fertigkeiten wie auch die Kenntnisse im Rahmen des „Explosive Ordnance Removal“ (EOR) und „Counter Improvised Explosive Devices“ (CIED) geschult und vertieft. „Nur durch eine gemeinsame Ausbildung kann der erforderliche Zusammenhalt erreicht werden, der für den späteren Einsatz von entscheidender Bedeutung ist“, äußert sich Oberstleutnant Stefan Littmann, stellvertretender Kommandeur der Flugabwehrraketengruppe 26 Husum (FlaRakGrp 26). Er führt als Senior Mentor seine Soldaten im OMLT und wird den Wissenstransfer (Mentoring) leiten und koordinieren.

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Den Soldaten des OMLT wird nichts geschenkt:
Die Feinddarstellung in Aktion. (Quelle: Luftwaffe/Michael Bertram)Größere Abbildung anzeigen

Positive Einstellung erleichtert Entbehrungen

Die Mentoren wiederum absolvieren speziell auf ihre Tätigkeit zugeschnittene Lehrgänge an der NATO-Schule in Oberammergau und am Joint Forces Training Center der NATO in Bydgoszcz, Polen. Diese speziellen Ausbildungsabschnitte beginnen etwa sechs Monate vor dem eigentlichen Einsatz und umfassen insgesamt 15 Wochen. Mit dieser anspruchsvollen Ausbildung wird gewährleistet, dass die eingesetzten Soldaten in militärischer, interkultureller sowie psychologischer Sicht bestmöglich für den Einsatz in Afghanistan vorbereitet werden.

Die Soldaten werden unter Beschuss genommen
Die Soldaten werden unter Beschuss genommen (Quelle: Luftwaffe/Michael Bertram)Größere Abbildung anzeigen

Dies bedeutet aber auch, dass die Soldaten bereits vor ihrem in der Regel sechsmonatigen Einsatz hohe Abwesenheiten von Familie und Freundeskreis in Kauf nehmen müssen. „Die Einsicht für die Notwendigkeit der belastungsreichen Ausbildung musste nicht in einem Erklärungsprozess geweckt werden, sie war intuitiv von Anfang an in den Köpfen der OMLT-Teamangehörigen verankert. Die doch recht hohe Belastung wird durch den Rückhalt in den Familien und im Freundeskreis der Soldaten kompensiert. Aus diesem Reservoir schöpfen die Soldaten ihre Kraft zur Bewältigung dieser schwierigen Aufgabe“, resümiert Oberstleutnant Littmann für und über seine Soldaten.

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Angetretene Truppe vor dem Geschwaderstab
Angetretene Truppe vor dem Geschwaderstab (Quelle: Luftwaffe/Dirk Hansemann)Größere Abbildung anzeigen

In der Gemeinschaft aufgehoben

Und weil Unterstützung wichtig ist, fiel die Verabschiedung der Kameraden aus den Flugabwehrraketengruppen 25 und 26 entsprechend groß aus: Im Geschwaderrahmen und im Reigen von Vertretern öffentlicher Würdenträger, von Kameraden, Verwandten und Bekannten. In Richtung der betroffenen Soldaten blickend, hob der Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 1, Oberstleutnant Marcus Ellermann, während seiner Ansprache die Bedeutung der Einsatz-vorbereitenden Ausbildung hervor, die sehr fordernd und zeitintensiv war, dafür aber das Team sehr gut auf die Lage im Einsatzland vorbereitet hat.

Zeichen der Verbundenheit: Die Ortskennzeichen
Zeichen der Verbundenheit: Die Ortskennzeichen (Quelle: Luftwaffe/Thorsten Willers)Größere Abbildung anzeigen

Husums Bürgermeister Schmitz stellt in seiner Rede besonders heraus: „Sie gehen eben nicht nur unter Manöverbedingungen in einen Einsatz, sondern können stattdessen in Situationen extremer körperlicher als auch psychischer Belastung geraten - mit der Gefahr für Gesundheit und Leben. Seien Sie aber versichert, dass wir hinter Ihnen stehen.“ Dem Bürgermeister war es anschließend und selbstverständlich eine Ehre, den Soldaten das Ortsschild der Gemeinde Leck als Zeichen der Verbundenheit zu überreichen.

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Vertrauen in sich gewinnen: Die Truppe sucht Schutz hinter einem Holzverschlag
Die Truppe sucht Schutz hinter einem Holzverschlag (Quelle: Luftwaffe/Michael Bertram)Größere Abbildung anzeigen

Vertrauen in sich und die Kameraden haben

Im Einsatz angekommen, werden die Soldaten in den ersten Tagen der Übergabe vom Vorgängerteam - den Soldaten des Flugabwehrraketengeschwaders 2 aus Mecklenburg-Vorpommern - eingewiesen und begleitet. Danach wird das Team völlig auf sich gestellt aus dem deutschen Feldlager Kunduz in die nahegelegene afghanische Kaserne fahren, um dort die afghanischen Soldaten zu beraten. Nur ein Sprachmittler stößt noch zum Team um Oberstleutnant Littmann hinzu, um für die Dauer des Einsatzes die Sprachbarrieren zu überbrücken.

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Stand vom: 30.01.12 | Autor: Michael Bertram, Bernd Berns


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