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Karriere mit Zukunft

Lechfeld, 27.04.2011.
Langsam öffnen sich die schweren Stahltore des Shelters. Sie geben den Blick frei ins Innere dieses künstlichen Betongewölbes. Im Halbdunkel erkennt man die Umrisse eines Jagdbombers vom Typ Tornado, der auf seinen nächsten Einsatz wartet. Obergefreiter Sven Moldenhauer ist immer wieder aufs Neue von diesem Anblick beeindruckt. Jedes Mal überkommt ihn ein leichter Schauer von Ehrfurcht. „Es ist immer wieder faszinierend, an einem solchen Luftfahrzeug zu arbeiten“ so der 22-jährige Rheinland-Pfälzer. Sven Moldenhauer ist Soldat auf Zeit (SaZ) und als Fluggerätmechanikersoldat (FlGerMechSdt) im Jagbombergeschwader 32 (JaboG 32) in Lechfeld / Bayern eingesetzt.

Tornado im Shelter

Tornado im Shelter (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)Größere Abbildung anzeigen

Die Bundeswehr gehört seit Jahrzehnten zu den größten deutschen Arbeitgebern. Unzählige Berufsbilder und Tätigkeiten suchen hier quer durch alle Dienstgradgruppen ihre Spezialisten. Interessant und abwechslungsreich sind diese Arbeitsfelder allemal – so wie das des Fluggerätmechanikers in einem der Jagdbombergeschwader der Luftwaffe.

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Ein Blick in die Triebwerksklappe gehört zum Alltag

Ein Blick in die Triebwerksklappe (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)Größere Abbildung anzeigen

Teamgeist erleben

Sicherheit und Präzision sind oberstes Gebot im Arbeitsumfeld des jungen Obergefreiten. Das Team, dem Sven Moldenhauer angehört, trägt ein großes Stück Verantwortung, wenn es den ihm zugeteilten Tornado-Jagdbomber vor und nach dem Einsatz auf mögliche Fehlerquellen überprüft. Von der Sorgfalt der Soldaten hängt in letzter Konsequenz auch das Leben des Piloten und des Waffensystemoffiziers ab.
Vor dem Flugeinsatz der Maschine heißt es, alle Anbauteile auf Sicherheit und Vollzähligkeit zu checken. Die verantwortlichen Mechaniker kontrollieren außerdem die Füllstände der Betriebsmittel wie Öle und Hydraulikflüssigkeiten. Erste Verriegelungen werden betätigt und verschiedene Sicherheitssplinte, die mit einer roten Fahne und der Aufschrift „Remove before flight“ gekennzeichnet sind, entfernt. Dadurch aktivieren die Spezialisten bis dahin ausgeschaltete Funktionalitäten des mehrere Millionen Euro teuren Waffensystems. Wenn der Shuttlebus Pilot und Waffensystemoffizier zur Maschine bringt und diese das Flugzeug besteigen, schnallt Moldenhauer beide nacheinander auf ihren Schleudersitzen an. „Diese Handgriffe übernehmen wir für die Jet-Crew, da es für sie im engen Cockpit sehr schwierig ist, alle Gurte zu erreichen und die Anschlüsse für die Anti-G Hosen zu verbinden“, so der 22-jährige.
Erst nachdem die Besatzung auf ihren Plätzen angeschnallt sitzt und das Cockpit geschlossen ist, werden die Sicherheitssplinte des Fahrwerks entfernt und der Crew deutlich gezeigt. „Das Zeigen der Splinte ist für die Flugzeugbesatzung ein sicheres Zeichen dafür, dass beim Starten das Fahrwerk einwandfrei funktioniert“.

Die letzte Bordklappe wird verschlossen

Die letzte Bordklappe wird verschlossen (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)Größere Abbildung anzeigen

Die Piloten starten nun eines der beiden Triebwerke und rollen aus den Shelter. Während dieser Phase hat Obergefreiter Moldenhauer die Aufgabe, das Aggregat genau zu beobachten und mit einem Feuerlöscher eventuelle Flammbildung sofort zu bekämpfen. Ausgerüstet mit Lärmschutzhelm gibt der Obergefreite dem Piloten nun entsprechende Zeichen, damit dieser den Jet sicher aus dem Shelter manövrieren kann. Erst im Freien wird die zweite Turbine in Betrieb genommen. „Auch hier schauen wir genau hin, ob nicht doch in aller letzten Sekunde noch irgendwo etwas herausläuft oder -tropft. Wir hätten jetzt noch die Möglichkeit, den geplanten Start abzubrechen und den Tornado zu reparieren“, schreit Moldenhauer gegen den Lärm der Triebwerke an. Heute scheint aber alles in Ordnung zu sein. Der Kampfjet kann zur freigegebenen Startbahn rollen und gemäß Flugplan zu seiner morgendlichen Mission abheben.

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Pflichtprogramm: Blick in jede Klappe

Pflichtprogramm: Blick in jede Klappe (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)Größere Abbildung anzeigen

Herausforderungen meistern

„Meine Ausbildung für diesen Dienstposten als Fluggerätmechaniker in der Laufbahn der Mannschaften findet als Ausbildung am Arbeitsplatz (AaP) statt. Die Soldaten werden direkt am Flugzeug von erfahrenen Flugzeugwarten - vergleichbar mit Meistern in der zivilen Wirtschaft - geschult, und so von Anfang an in ihr zukünftiges Team integriert. Das ist genau das, was ich mir von der Luftwaffe vorgestellt habe“, so Sven Moldenhauer, nachdem sich der Tornado Richtung Startplatz entfernt hat. „Die nächste Herausforderung wartet allerdings schon auf unser Team und mich“.

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Leitungsverbindungen müssen geprüft werden

Leitungsverbindungen müssen geprüft werden (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)Größere Abbildung anzeigen

Vor dem Start ist nach dem Start

Knapp zwei Stunden später. Der Tornado ist vom Übungsflug heimgekehrt und rollt über den sogenannten Taxiway zu seinem Abstellplatz. Dort wird die Maschine wieder vom Wartungsteam in Empfang genommen und „hallensicher“ gemacht. Alle Splinte, die die Mechaniker vor dem Start herausgezogen haben, stecken sie nun in die dafür vorgesehenen Buchsen zurück. „Das muss vor dem Shelter geschehen, damit drinnen bei der Nachkontrolle nicht irgendetwas unkontrolliert passiert“, erklärt Sven Moldenhauer. Ein Fahrzeug der Schleppcrew schiebt das Flugzeug jetzt behutsam auf die vorgesehene Abstellposition in den Betonbau. Hiernach fixiert der Mannschaftsdienstgrad das Fahrwerk mit weiteren Sicherheitssplinten. Das Cockpit wird geöffnet und ebenfalls gesichert. Der FlGerMechSdt schnallt die Piloten ab, die daraufhin ihren „Arbeitsplatz“ verlassen. Bevor die Flugzeugcrew im Shuttelbus zurück zur Einsatzstaffel fährt, erfolgt ein kurzes Gespräch mit den Flugzeugwarten, in dem eventuell aufgetretene Probleme besprochen werden können.

Jetzt beginnt für das Team der Fluggerätmechaniker die eigentliche Arbeit. Sie unterziehen das gesamte Fluggerät an Hand von Checklisten einer ausführlichen Sichtkontrolle, schauen sich dabei einzelne Flugzeugteile genau an und prüfen sie auf eventuelle Schäden. Anschließend messen sie die Stände der Betriebsmittel, um sie bei Bedarf aufzufüllen. Alle Abdeckklappen am Flugzeug werden geöffnet und die dahinter angebrachten Kabel, Schläuche, Verbindungen und sonstige Teile inspiziert. Für Moldenhauer und seine Kameraden jedes Mal neu eine höchst verantwortungsvolle Aufgabe, die volle Konzentration abverlangt.

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Sven Moldenhauer ist Fluggerätmechaniker

Sven Moldenhauer ist Fluggerätmechaniker (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)Größere Abbildung anzeigen

Vita eines Fluggerätmechanikers

Nach dem Realschulabschluss absolvierte Sven Moldenhauer ein vierwöchiges Praktikum in den Pfalz-Werken Aero Space, um einen Einblick in die Berufsbereiche Fertigungstechnik und Instandsetzung zu erhalten. Nach seinem Schulabschluss wartete er eigentlich auf seine Einberufung. Als diese aber ausblieb, bewarb er sich, nachdem er sich vorher über die verschiedenen Berufsmöglichkeiten innerhalb der Luftwaffe informiert hatte, im Zentrum für Nachwuchsgewinnung als Soldat auf Zeit (SaZ).

Moldenhauer hatte schon immer „Spaß am Schrauben“ - und Flugzeuge und Flugtechnik faszinierten ihn von je her. Als ihm vom Zentrum für Nachwuchsgewinnung ein Dienstposten als Fluggerätmachaniker im JaboG 32 Lechfeld angeboten wurde, war seine Entscheidung für die Bundeswehr gefallen. „Vor kurzem bot man mir eine Versetzungsmöglichkeit nach Cochem, beim JaboG 33, an. Diese Chance werde ich wahrnehmen, denn damit bin ich wieder in meiner Heimat und wesentlich näher an meinem Wohnort stationiert. Für mich bietet sich in Cochem unter Umständen auch die Möglichkeit an, in den Bereich EOD oder Munitionstechnik zu wechseln, um mich längerfristig weiter zu verpflichten“.

 

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Michael Bertram, Helmut Leipertz


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