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Nichts hält ewig

Erndtebrück, 25.05.2011.
Während in der neuen Luftraumüberwachungszentrale in Erndtebrück der morgendliche Schichtwechsel beginnt, bereiten sich gut 180 Kilometer Luftlinie entfernt weitere Soldaten nach einer arbeitsreichen Nachtschicht auf ihren Heimweg vor. Einer von ihnen ist der Obergefreite Sven Wirtz, Radarelektroniksoldat am Hughes Air Defence Radar (HADR).

Sieht aus wie ein großer Golfball

Sieht aus wie ein großer Golfball (Quelle: Werner Rademske)Größere Abbildung anzeigen

Das große runde Gebilde, das weit sichtbar aus den frisch begrünten Baumwipfeln herausragt, erinnert auf den ersten Blick an einen überdimensionalen Golfball. Fährt man diesem Ziel im Westen der Republik weiter entgegen, landet man aber nicht auf einem Freiluftsportgelände sondern steht recht unvermittelt vor der Zaunanlage eines größeren Areals, das mit eindeutiger Beschilderung auf die militärische Nutzung der Anlage aufmerksam macht. Auf diesem Gelände befindet sich der Arbeitsplatz des 22-jährigen Obergefreiten Sven Wirtz. Er ist Angehöriger des Abgesetzten Technischen Zuges 241 Marienbaum in der Nähe von Goch, der dem Einsatzführungsbereich 2 in Erndtebrück untersteht.

„Die Einsatzführer in den Control and Reporting Centre (CRC) sind das Gehirn, wir leihen ihnen sozusagen 'Augen und Ohren' ", scherzt der junge Mannschaftsdienstgrad. Strategisch günstig über Deutschland verteilt finden sich unterschiedliche ortsfeste Radarstationen der militärischen Luftraumüberwachung. „Drei verschiedene Radarsysteme werden eingesetzt“, so Wirtz. „Das Leistungsstärkste ist mit gut 20 Megawatt das MPR (Medium Power Radar), dann das RRP 117 (Remote Radar Post) und hier bei uns das Hughes Air Defence Radar (HADR).“

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Konzentration notwendig

Konzentration notwendig (Quelle: Luftwaffe/Hendrik Niermann)Größere Abbildung anzeigen

Beständig ist nur der Verschleiß

Kontinuierliche Systemkontrollen und Wartungsarbeiten sind nötig, um die Radaranlage rund um die Uhr und ausfallsicher zu betreiben. Liefert sie doch die Informationen des deutschen Luftraumes, die in den CRC`s für das Luftlagebild benötigt werden. „Unser Team besteht aus dem Schichtführer, der Feldwebel ist, einem Unteroffizier, zwei weiteren Mannschaftsdienstgraden und mir“, erklärt der Obergefreite.

„Nichts hält ja bekanntlich ewig“, fährt er fort. „Zu Schichtbeginn überprüfen wir routinemäßig alle Instrumente und Geräte, die zum System gehören. Im Rechnersystem angezeigte Fehlermeldungen werden genau unter die Lupe genommen. Dann muss auch schon einmal ein Kabel ausgetauscht oder Kühlflüssigkeit nachgefüllt werden“, ergänzt der junge Soldat. Neben dem sogenannten Daily Check führt er auch den Radar Quality Check (RQC) durch. Hierbei überprüft der Radarelektroniksoldat, ob das Radar die Flugziele richtig verfolgt oder seine dreidimensionalen Reichweiten – immerhin in der Fläche gut 450 Kilometer – stimmen. Sollte dies nicht der Fall sein, unterstützt Wirtz seine Schichtführung bei der Behebung der aufgetretenen Fehler und assistiert gekonnt bei Reparaturen.

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Ein gewisses Vorwissen sollte man am besten mitbringen

Ein gewisses Vorwissen sollte man am besten mitbringen (Quelle: Luftwaffe/Hendrik Niermann)Größere Abbildung anzeigen

Gelernt ist gelernt

„Vertrauen innerhalb der Schichten ist sehr wichtig. Jedes Teammitglied muss sich auf den anderen verlassen können.“, erläutert der Elektroniksoldat. „Kameradschaft wird hier groß geschrieben, es ist ein ganz anderes Arbeiten als in der zivilen Wirtschaft. Wir sind hier fast wie eine große Familie.“, lobt Wirtz sein berufliches Umfeld. Nach einer zivilen Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik trat Wirtz am 4. Oktober 2010 seinen Grundwehrdienst in Roth an. Da ihm Soldatenberuf und Technik nach der Versetzung zu dem Abgesetzten Technischen Zug auf die Radarstellung gut gefielen, verlängerte er seinen Wehrdienst freiwillig auf 23 Monate (FwDL). Fachlich durchlief er in dieser Zeit eine sechswöchige Ausbildung am Arbeitsplatz (AAP) zum Radarelektroniksoldaten. „Mein Ausbildungsberuf war schon hilfreich“ so Wirtz. „Ohne Vorkenntnisse hätte die AAP sicher länger gedauert. Aber auch junge Männer und Frauen, die einen anderen Beruf erlernt haben oder direkt von der Schule kommen, können hier bestimmt gut eingesetzt werden. Ein wenig technisches Verständnis vorausgesetzt, bringen unsere Ausbilder und die Vorgesetzten auch denen das Nötige bei.“

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Immer den Überblick behalten

Immer den Überblick behalten (Quelle: Luftwaffe/Hendrik Niermann)Größere Abbildung anzeigen

Zukunft am HADR

Durch seine offene und motivierte Art hat Obergefreiter Wirtz bei seinen Vorgesetzten den sprichwörtlichen „Stein im Brett“. Daher unterstützen sie seine weiteren Berufspläne, sich als Zeitsoldat längerfristig an die Bundeswehr zu binden und eine Laufbahn als Feldwebel einzuschlagen. Sollte er dazu das Radarsystem wechseln müssen, stellt dies auch kein größeres Problem für ihn dar. „Meine Ausbildung hier und mein erlernter Zivilberuf sind eine gute Basis für alle anderen Systeme. Und auf den Fachlehrgängen der Gesellen- und Meisterebene lerne ich ja auch noch eine Menge dazu“, blickt der junge Soldat zuversichtlich in die Zukunft.

Auch die militärischen Ausbildungsabschnitte zum Unteroffizier und Feldwebel nimmt er bewusst in Kauf. „Das gehört dazu.“, sagt er überzeugt. Und weiter: „Ich bin ja schließlich Soldat und nicht in der zivilen Wirtschaft.“

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Ab und zu muss selber Hand angelegt werden statt nur zu überprüfen

Ab und zu muss selber Hand angelegt werden (Quelle: Luftwaffe/Hendrik Niermann)Größere Abbildung anzeigen

Der Lohn für seinen Einsatz

Getreu seinem Lebensmotto: „Lebe jeden Tag als wäre er dein Letzter“, genießt der 22-Jährige vor allem seine Freizeit als Fußballtrainer einer D-Jugend-Mannschaft auf dem Sportplatz. Teamfähigkeit, Zielstrebigkeit aber auch Führungsqualitäten stellen dabei Persönlichkeitsmerkmale dar, die für eine Karriere in der Bundeswehr durchaus hilfreich sind. Neben dem Fußball zählt „Jones“, sein 2-jähriger Jack Russel Terrier zu seinen großen Leidenschaften. Ihm versucht er, so viel Zeit wie möglich zu widmen. Mit seinem Vierbeiner genießt der 22-Jährige die täglichen Spaziergänge, die einen entspannenden Ausgleich zum wechselnden Schichtdienst in der Stellung darstellen.

Und wenn er dann zur nächsten Schicht wieder Richtung „großer Golfball“ fährt, weiß er genau, wofür. Für eine attraktive berufliche Zukunft und ein aussagekräftiges Luftlagebild der militärischen Luftraumüberwachung in Deutschland.

 

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Helmut Leipertz, Hendrik Niermann


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