Gebirgsluftrettung ist eine Spezialaufgabe
Penzing, 24.10.2011.
Die meisten Hubschrauber-Rettungsflüge werden in Deutschland von zivilen Unternehmen wie der ADAC-Lufrettungs GmbH, der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF) oder ähnlichen Einrichtungen durchgeführt. Zudem betreiben Bundespolizei wie Bundeswehr an diversen Standorten Rettungs- beziehungsweise SAR-Hubschrauber (SAR: Search and Rescue, deutsch: Suchen und Retten).

Aus dieser Kombination von zivilen Rettungskräften sowie von Einheiten der Bundeswehr und -polizei ergibt sich ein flächendeckendes Netz aus Rettungshubschraubern im gesamten Bundesgebiet. Dabei ist die Einsatzbereitschaft rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr gewährleistet.

Rettung aus Penzing
Obschon die Luftwaffe ihre Stützpunkte für Rettungs-, beziehungsweise SAR-Hubschrauber, in den beiden letzten Jahrzehnten im Zuge des kontinuierlichen Aufbaus der zivilen Luftrettung deutlich reduzierte, werden bei entsprechendem Bedarf nach wie vor die Besatzungen der SAR-Hubschrauber alarmiert. Denn was viele dabei nicht wissen: Die meisten Einsätze in riskanten Umgebungen hingegen fliegen die SAR-Besatzungen allein. Dieses Alleinstellungsmerkmal macht die Rettungsflieger aus Bayern zurecht zu einer besonderen Truppe.

Retten im Gebirge
Ein besonderes Spektrum der Luftrettung stellt dabei die Gebirgsluftrettung dar. Hierbei hat die Besatzung nicht selten mit schwierigem Gelände und wechselnden Wetterbedingen zu tun. Eine normale Landung ist oftmals geländebedingt nicht möglich. In diesem Fall wird dann die Winde eingesetzt. Dabei werden die Helfer mittels Seilwinde vom Hubschrauber heruntergelassen, um später mit der zu bergenden Person wieder an Bord des Hubschraubers geholt zu werden.
Dabei gab es in diesem Jahr gleich mehrere spektakuläre Einsätze, darunter auch die Rettung von Bergsteigern in unwegsamen Gelände mittels einer Einkufen-Landung am Abhang des Jubiläumsgrates (luftwaffe.de berichtete). Das sehen die verantwortlichen im Verband freilich relaxter. „Für die hoch ausgebildeten und trainierten Crews sind das eigentlich ganz gewöhnliche Einsätze“, sagt der Informationsmeister des LTG 61 dazu. Bis spät in die Nacht hinein war die SAR-Besatzung unlängst auch bei der Rettung von Wanderern am Tegelberg eingesetzt. Nachdem sich ein Gleitschirm-Flieger in der Seilbahn verfangen hatte, musste die Tegelbergbahn angehalten werden. Die Bilder vom Seilbahn-Unfall gingen bundesweit durch die Medien, weil die Rettung einiger Gondelinsassen witterungsbedingt erst am nächsten Morgen erfolgen konnte. Bereits in der Nacht wurden die Wanderer, die wegen des Ausfalls der Seilbahn auf der Gipfelstation warteten, zurück ins Tal geflogen. Ein außergewöhnlicher Einsatz, weil neben der Bell UH-1D „Airwolf“ auch sechs weitere Maschinen von Bundes- und Landespolizei sowie ADAC Luftrettungs GmbH gemeinsam die Rettung durchführten.

Zuverlässigkeit heißt Bell UH-1D
Jeder kennt diesen Militärhubschrauber vom Typ Bell UH-1D. Mit seiner orangeroten Tür und darauf den großen Lettern „SAR“ sind diese Rettungshubschrauber an nunmehr nur noch vier Standorten in Deutschland stationiert. In den 90er-Jahren waren die SAR-Hubschrauber an mehr als 20 Stützpunkten abgestellt. Das unverkennbare klopfende Geräusch der „Huey“ (Militärjargon) mit ihren zwei Hauptrotorblättern unterscheidet diesen SAR-Hubschrauber auch akustisch von zivilen Hubschraubern, die meist einen vier-blättrigen Hauptrotor besitzen.

An einem Strang ziehen
Ohne die enge und über inzwischen mehr als drei Jahrzehnte hinweg eingespielte Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und der Bergwacht Bayern, sowie Polizei, Bundespolizei und anderen Institutionen wären koordinierten Einsätze schwer möglich. Die Bundeswehr wird immer dann von der Rettungsleitstelle in Münster zum Einsatz gerufen, wenn zivile Rettungskräfte diese Aufgabe – aus welchen Gründen auch immer – nicht übernehmen können. Besonders häufig geschieht dies beim Lufttransportgeschwader 61 in Penzing, wenn es um Gebirgsluftrettung geht. Über 50 Einsätze über den Alpen flogen die SAR-Maschinen bisher in 2011. Dazu steht rund um die Uhr 365 Tage im Jahr eine Besatzung mit einem Piloten, einem Bordtechniker und einem Luftrettungsmeister auf dem Fliegerhorst in Bereitschaft – und das LTG 61 ist das einzige Geschwader in Deutschland, das Rettungsmissionen im Gebirge fliegt – bei Tag und Nacht.

Spezielle Ausbildung notwendig
Dabei werden in einer achtwöchigen Ausbildung die Besatzungen auf die spezifischen Herausforderungen im Gebirgsflug vorbereitet. In der Fliegertheoretischen Ausbildung werden unter anderem Themen wie Meteorologie im Gebirge, Suchverfahren und Gefahren behandelt. Im praktischen Flugbetrieb - rund 35 Stunden - werden nicht nur An- und Abflüge im Gebirge sowie Windeneinsätze und Flüge mit Außenlasten trainiert, sondern auch die Zusammenarbeit mit Bergwacht Bayern und Feuerwehr geübt.

Vom Einsatz her denken
Auch die Technik muss den extremen Bedingungen im Gebirge angepasst werden: Die für die Bergrettung extra gewichtsreduzierte Bell UH-1D mit dem Namen „Airwolf“ verfügt zugunsten der Flugeigenschaften in großen Höhen nur über die medizinische Minimalausstattung. Deshalb werden die aus Bergnot Geretteten oftmals noch in unmittelbarer Nähe zum Unglücksort an zivile Rettungskräfte zum Weitertransport und zur medizinischen Versorgung übergeben. Das funktioniert nur mit einer guten Einsatzkoordination und einer eingespielten Teamleistung aller Beteiligten, auf die das Team Luftwaffe zurecht stolz sein kann.


