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Vom Radlader bis zum Hydraulikbagger

Diepholz, 04.07.2011.
In kleinerer Ausführung stehen sie in vielen Kinderzimmern. Und nicht selten sind sie eins der ersten Spielgeräte im Sandkasten und „zaubern“ ein Lächeln in das Kindergesicht, das sie besitzt. Gemeint sind Bagger – Baumaschinen aller Art, die zum Lösen und Bewegen von Sand- und Bodenmaterialien benutzt werden.

Teamarbeit wird groß geschrieben

Teamarbeit wird groß geschrieben (Quelle: Hendrik Niermann)Größere Abbildung anzeigen

In einer Kaserne und dann auch noch mit einem militärischen Hintergrund versehen, vermutet man solche Baumaschinen eher weniger und doch gibt es sie. Im niedersächsischen Diepholz steht ein ganzer Fuhrpark von Baggern, Walzen und Radladern im Technischen Bereich, allerdings werden sie dort Ladegeräte genannt. Sie gehören zum III. Bataillon des Objektschutzregiments der Luftwaffe und erfüllen im Grunde denselben Auftrag wie im zivilen Bereich. Sie werden im Hoch- und Tiefbau sowie im Straßen- und Brückenbau oder anderen Infrastrukturbereichen eingesetzt. Der wesentliche Unterschied ist der Ort, wo die Baumaschinen zum Tragen kommen: Das Objektschutzregiment hält solche Fähigkeiten vorrangig für Auslandseinsätze vor – im speziellen als Pionierkräfte für die Flugplatzschadenbeseitigung.

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Übung macht den Meister

Übung macht den Meister (Quelle: Sebastian Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Anspruchsvolle Ausbildung

In der 12. Staffel des III. Bataillons wird den Soldaten das nötige Fachwissen zum Bedienen von Ladegeräten vermittelt. „Die Soldaten werden im ersten Teil der fast zweimonatigen Ausbildung am so genannten Knicklader geschult. Das ist anspruchsvoll, denn diese Baumaschine verfügt über einen Vorder- und Hinterwagen und wird über Hydraulikzylinder regelrecht in der Mitte geknickt“, erklärt Oberstabsfeldwebel Manfred Bothe, die „graue Eminenz“ der Ausbildungsstaffel und nach mehr als 30 Jahren im „Geschäft“ mit großer Erfahrung ausgestattet. Besser bekannt sind diese Fahrzeuge als Radlader. Mit ihrer großen Schaufel können sie bis zu fünf Tonnen Bodenmaterialien aufnehmen. „Das braucht es auch, denn wenn ein zerstörter Flugplatz wiederaufgebaut oder gar ein völlig neues Flugfeld entstehen soll, dann muss das fix gehen, schließlich müssen Flugzeuge in Einsätzen schnell starten und landen können“, sagt Bothe.

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Freilegen in kurzer Zeit

Freilegen in kurzer Zeit (Quelle: Sebastian Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Großer Bedarf

Zwölf Baumaschinenführer-Lehrgänge finden derzeit pro Jahr statt. Die Lehrgangsvoraussetzungen sind hoch: Die Auszubildenden müssen bereits den Führerschein der Klassen C und E erworben haben. Hinter diesem Kürzel „versteckt“ sich der Führerschein für Lastkraftwagen über 7,5 Tonnen mit Anhänger. Und bedingt durch die Schwingungen der Radlader ist der Knochenbau der Bediener besonderen Belastungen ausgesetzt, so dass die Vorschrift einen ärztlichen Belastungstest vorsieht – auch wenn moderne Radlader der neuen Generation durchaus auch über luftgefederte Sitze verfügen. Auf der Ausbildungsfläche für Flugplatzschadenbeseitigung bekommt Hauptgefreiter Jakob Emgrund unterdessen vom „Kraterkommandanten“ – dieser koordiniert den Baumaschineneinsatz am Schadensort – seine erste Aufgabe gestellt: „Ich muss einen Krater, der durch eine Detonation entstanden ist, mit dem Radlader von Trümmern freiräumen“, sagt der 22-Jährige und schwingt sich gekonnt in die Fahrerkabine. Wendig wie die Baumaschine ist, schafft der Hauptgefreite vom Lufttransportgeschwader 62 aus Wunstorf das Freilegen in kurzer Zeit. Im nächsten Schritt ist ein so genanntes Planum unter Niveau herzustellen, das heißt 20 Zentimeter Grobschotter unterhalb der Oberfläche. Auch dies „erledigt“ Emgrund professionell nur mit seiner Baumaschine. Einzig sein Auge und sein Gehör „stehen“ ihm bei – gelegentlich auch ein Einweiser, aber dies ist kein Muss. Nachdem das Planum steht, werden zwei mal zwei Meter große Betonfertigteile verlegt. Emgrund demonstriert dazu die Verwandlungsfähigkeit des Radladers, denn er legt die Schaufel ab und nimmt eine Hubgabel auf. „Alles im Modulsystem konzipiert“, lächelt Bothe. Die Fertigteile sind von einem anderen Trupp per Tieflader aus dem flugplatznahen Plattenlager angeliefert worden. Wenig später sind auch die Betonplatten verlegt und kaum etwas erinnert daran, dass hier bis vor kurzem noch ein Krater die Übungslandebahn prägte.

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Löcher werden mit lautem Getöse gepresst

Löcher werden mit lautem Getöse gepresst (Quelle: Sebastian Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Duett der Bagger

Wenige hundert Meter weiter demonstriert Hauptfeldwebel Lars Paulik die Fähigkeiten eines Hydraulikbaggers, der mehr auf den stationären Betrieb ausgelegt ist. Die Vibrationen gehen bis ins Mark, je mehr man sich dem Übungsgelände nähert. Denn der Bagger hat anstelle seines Tieflöffels einen Hydraulikmeißel angebaut und presst mit lautem Getöse Löcher in den Beton. „Ich zerstöre sozusagen abgeschnittene Kraterrandbereiche, um eine einwandfreie Instandsetzungskante zu bekommen“, erklärt Paulik sein Vorgehen. Sie arbeiten an diesem Schadensort „im Duett“: Ein zweiter Hydraulikbagger mit Löffel hebt das freigehämmerte Geröll aus dem Krater. Paulik ist gelernter Kraftfahrzeugmeister und Baumaschinenmechanikerfeldwebel und bildet schon länger an diesen Geräten aus. Kurzzeitig wird Pauliks Gesicht ernster, denn der Ausbildungsauftrag besitzt einen echten Einsatzbezug. „Wenn wir hier Fehler machen, kann das im Auslandseinsatz schwerwiegende Konsequenzen haben“, betont der 34-Jährige. In 27 Ausbildungstagen muss Paulik seine Soldaten am Hydraulikbagger fit machen. Und dazu gehört neben einem etwa 80-prozentigen praktischen Anteil auch die Unterweisung in Maschinen- und Motorenkunde, Hydraulik, Mechanik, Elektrik sowie Pflege und Wartung. Da ist es schon sehr hilfreich, wenn die Soldaten neben dem Lkw-Führerschein auch etwas Fahrpraxis vorweisen können, denn die Baumaschinen fahren sich nun einmal nicht wie Personenkraftwagen. Doch auch wenn sie heute dank moderner Technik immer komfortabler werden, muss der Bediener in jedem Fall ein geschultes Auge, ein gutes Gehör und eine ruhige Hand mitbringen.

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Konzentriert bei der Arbeit

Konzentriert bei der Arbeit (Quelle: Hendrik Niermann)Größere Abbildung anzeigen

Niemals Routine

Nichtsdestotrotz ist der Umgang mit den Baumaschinen für alle Ausbilder immer noch ein kleiner Höhepunkt, der niemals zur Routine wird. Zu vielfältig sind die Aufgaben, und zu schön ist es immer wieder, die unterschiedlichen Ergebnisse zu sehen: Ein instandgesetzter Flugplatz, der dafür sorgt, dass Versorgungsgüter in das Einsatzland kommen, aber auch das fertig gestellte Haus auf einer planierten Ebene, das später zu einem Schulgebäude ausgebaut wird, in dem junge Afghanen Lesen und schreiben lernen – ein ganz und gar vernetzter Ansatz eben.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Torsten Sandfuchs-Hartwig


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