Mit Gefühl und Überblick - König der Straße in „Flecktarn“
Bad Sülze, 08.06.2011.
Die Fahrzeugschlange misst gut einen halben Kilometer. Achtzehn Kraftpakete bahnen sich gekonnt ihren staubigen Weg über die unbefestigte Piste des Truppenübungsplatzes. Breite bis 3,20 Meter, eine Höhe von bis zu vier Metern und 18,50 Meter als maximale Länge. Zwei, drei oder vier Achsen bei einer Motorleistung, die durchaus 253 Kilowatt, also 344 Pferdestärken, erreichen kann.

Beladen mit militärischem Gerät, das die Gesamtmasse bei Mitführen eines Anhängers auf bis zu 40 Tonnen schraubt. Diejenigen, die diese Schwergewichte auch unter schwierigsten Bedingungen beherrschen müssen, sind Meister ihres Faches. Auch Stabsgefreiter Christian Brümmer ist ein solcher Spezialist. Kraftfahrer der Bundeswehr - mit einer Fahrerlaubnis der Klassen B, C und E. Eingesetzt in der 4. Staffel der Flugabwehrraketengruppe 21 (4./FlaRakGrp 21) in Prangendorf/Mecklenburg-Vorpommern.
Die Bundeswehr bietet als einer der größten und beliebtesten Arbeitgeber eine Vielzahl attraktiver Berufschancen und abwechslungsreicher Tätigkeitsfelder im Dienste der Allgemeinheit. Zeitsoldaten in der Laufbahn der Mannschaften rücken immer mehr in den Fokus der Streitkräfte. Gilt es doch, die personelle Lücke der Bundeswehr, die durch das Fehlen der Grundwehrsdienstleistenden entsteht, zu kompensieren. Eine weitere berufliche Chance für engagierte junge Frauen und Männer.

Kontrolle ist Pflicht
Christian Brümmers heutige Fahrt führt ihn nicht auf den Truppenübungsplatz und der zu bewegende Lastkraftwagen fällt auch etwas kleiner aus als gewöhnlich. Er startet für seine heutige Tour den Motor eines Unimogs U 1300. Feiner Nieselregen prasselt auf die Windschutzscheibe. „Ein ganz normaler Frühlingstag in Prangendorf und typisches FlaRak-Wetter“, verrät der 25-Jährige mit einem breiten Grinsen. Dann legt er den ersten Gang ein und fährt zur Grube im Kfz-Bereich, um eine Sichtkontrolle der Fahrzeugunterseite durchzuführen. „Tja, auch das gehört zu den Aufgaben eines Kraftfahrers“, kommentiert der Stabsgefreite (StGefr) trocken. „Vor Fahrtantritt führt der eingeteilte Kraftfahrer eine Übernahme- und Abfahrtskontrolle am entsprechenden Fahrzeug durch.“ Dabei werden unter anderem die Räder, der Motor und die Funktionsfähigkeit der Bremsanlagen auf mögliche Mängel überprüft. Der Soldat auf Zeit (SaZ), der sich für vier Jahre verpflichtet hat, zeichnet wie jeder andere Führer eines Dienstkraftfahrzeuges auch, mitverantwortlich für den Zustand des Gerätes, dass er für seine Aufträge übernimmt.

Kraftfahrer, auf die Verlass ist!
„Hier in der FlaRak-Gruppe gibt es nicht nur Kleinfahrzeuge, wie die bekannten VW-Transporter oder die verschiedenen zivilen Fahrzeugtypen in Silber, die mittlerweile das Bild des Bundeswehrfuhrparks prägen. Unsere wichtigsten Transportmittel hier in der FlaRak-Gruppe sind LKW, meist mit mehr als 20 Tonnen Gesamtgewicht“, so Brümmer. Die Komponenten des Flugabwehrraketensystems Patriot sind größtenteils auf Fahrzeugen vom Typ MAN 6x6 aufgebaut – also LKW, die für das Militär umgebaut wurden und die man im zivilen Alltag in dieser Form nicht bewegt. Ein besonders imposanter Anblick bietet sich immer dann, wenn die gesamte Dienststelle mit ihren rund 25 Fahrzeugen zu einer Übung ausrückt. „Die Geländeausbildung auf den verschiedenen Truppenübungsplätzen oder das Fahrsicherheitstraining mit unseren Fahrzeugen stellt stets neue Herausforderungen an die Kraftfahrer“, erklärt der Stabsgefreite. Dabei spüren und erleben sie jedes Mal, was es heißt, mit einem LKW Situationen zu meistern, die so im alltäglichen Straßenverkehr nicht vorkommen. Ein ebenfalls nicht alltäglicher Aufgabenschwerpunkt ist das Bewegen der Allrad-Dreiachser in schwierigen Geländeabschnitten. Hierzu gehören natürlich auch das Bergen von feststeckenden oder ausgefallenen Militärfahrzeugen und die Beurteilung der Befahrbarkeit unbekannter Aufbaugebiete.

Bundeswehr – die Erste
Christian Brümmer liebt die Teamarbeit und vor körperlicher Arbeit drückt er sich nicht. Das war schon so, als der 25-jährige Stabsgefreite noch seine Ausbildung zum Fliesenleger durchlief und anschließend als Geselle in einem zivilen Betrieb arbeitete. „Immer nur Büroarbeit ist nicht so mein Fall, praktisches Arbeiten liegt mir viel mehr." Im Jahr 2005 kam Brümmer als Grundwehrdienstleistender für neun Monate zur 14./Panzergenadierdivision „Hanse“ nach Neubrandenburg. Dort wurde er als Kraftfahrer eingesetzt. „Vor meiner Bundeswehrzeit besaß ich ja nur den Führerschein der Klasse B. Da ich aber als „Kraftfahrer BCE“ eingeplant war, konnte ich in einer Bundeswehrfahrschule und ohne eigenen finanziellen Aufwand den Führerschein CE, also den großen Lkw-Führerschein, erwerben. Den hab ich mir dann auch gegen eine geringe Gebühr beim Straßenverkehrsamt in meinen zivilen Führerschein eintragen lassen“.
Bundeswehr - die Zweite
Stabsgefreiter Brümmer ist „Wiedereinsteller“. „Schon als Grundwehrdienstleistender hat mir das Arbeiten in einem gut funktionierenden Team super gefallen. Leider wurde mein Antrag, den Wehrdienst freiwillig auf 23 Monate zu verlängern, beim Heer nicht befürwortet und so musste ich die Bundeswehr wieder verlassen“, erzählt der heutige Zeitsoldat. Danach arbeitete Christian Brümmer bis 2008 drei Jahre lang erneut in seinem erlernten Beruf. Doch der Fliesenlegerbetrieb konnte der Facharbeiter trotz guter Leistungen nicht weiter beschäftigen. „Zu wenige Aufträge", erinnert sich der Militärkraftfahrer heute. Dennoch blickt er ohne eine Spur von Enttäuschung auf diesen kurzen Lebensabschnitt in der zivilen Wirtschaft zurück. „Im Nachhinein betrachtet bin ich ganz froh, dass es sich so entwickelt hat.“ Denn dadurch stellte er einen Antrag auf Wiedereinstellung in die Bundeswehr als Soldat auf Zeit. „Jetzt bin ich hier in der FlaRak-Gruppe und fühle mich wohl. Und nach meiner Dienstzeit kann ich im Rahmen der Berufsförderung meine Meisterausbildung als Fliesenleger angehen und eine Karriere in der freien Wirtschaft vorbereiten“ schaut er positiv in seine Zukunft.

Ausgleich zum Berufsalltag
Die anspruchsvolle Tätigkeit fordert Kraftfahrer der Bundeswehr nicht nur in der Flugabwehrraketengruppe. Deshalb ist Erholung wichtig. Christian Brümmer verbringt seine Freizeit oft mit Angeln. „Da hat man Zeit und Ruhe und kann seinen Gedanken freien Lauf lassen“. Um körperlich fit zu bleiben spielt der 25-Jährige mit seinen Kameraden auch gerne einmal Fußball, sofern es der Dienstbetrieb erlaubt. Daneben stehen Reisen in ferne und nahe Länder immer wieder auf seiner „to do Liste“. „Viele Kameraden sind hier mittlerweile zu guten Freunden geworden“, erklärt der Luftwaffensoldat zum Abschluss. Danach steigt er in den Unimog, fährt von der Rampe und begibt sich mit einem sicheren Gefühl auf seine heutige Tour.
Bilder
Kontrolle vor der Fahrt ist ein „Muss“ für den Kraftfahrer (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)
Größere Abbildung anzeigenAuch die Bremsflüssigkeit muss immer kontrolliert werden (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)
Größere Abbildung anzeigenPrüfung auf festen Sitz der Radmuttern. (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)
Größere Abbildung anzeigenAugenmaß und fahrerisches Können ist gefordert (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)
Größere Abbildung anzeigenEine falsche Lenkbewegung und das Dilemma ist groß (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)
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