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Die Zentrale Flugüberwachung

Seit dem Jahr 2006 wird von Köln-Wahn aus die Zentrale Flugüberwachung (ZFÜ) über das gesamte Bundesgebiet betrieben.

Arbeitsplatz der Zentralen Flugüberwachung

Arbeitsplatz der Zentralen Flugüberwachung (Quelle: Luftwaffe/Martin Grochla)Größere Abbildung anzeigen

Die Eurocontrol mit Hauptsitz in Maastricht, die Deutsche Flugsicherung und die Luftwaffe bilden ein Netzwerk von ca. 70 Radarstationen, welches rund um die Uhr Daten aller Flugbewegungen über der Bundesrepublik Deutschland liefert. Diese werden im Zentralrechner der ZFÜ in Köln-Wahn bis zu 10 Jahre, auf 22 Terabyte (22.000 Gigabyte), gespeichert. So wird zum einen aktiv der Flugbetrieb überwacht, zum anderen können Beschwerden, die über das zentrale Bürgertelefon entgegen genommen wurden, nachträglich bearbeitet werden.

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Telefonmarathon am Bürgertelefon

Es gibt es reichlich zu tun am Bürgertelefon in Wahn, dort, wo alle Beschwerden aus Deutschland auflaufen. Gerade wird ein Anruf aus der Pfalz entgegen genommen. Eine Wohnzimmerscheibe sei geborsten, weil "mal wieder eure Flugzeuge so laut waren und dann hat hier alles gebebt und jetzt ist die Scheibe hin" so der erboste Anrufer. Alles wird notiert, jede Beschwerde ernst genommen. Denn: Möglich ist das. Es gibt neuralgische Punkte in Deutschland, an denen Beschwerden häufig auftreten. Unter anderem die Pfalz und das nördliche Saarland. Dort gibt es Übungsgebiete wo viele An- und Abflugverfahren trainiert werden. "Besonders im Sommer, wenn die großen internationalen Übungen laufen, haben wir bis zu 120 Anrufe am Tag" erklärt der verantwortliche Offizier. Und jede Beschwerde wird bearbeitet. "Denn zum einen lautet unser Auftrag: Fliegen üben für mögliche Einsätze. Zum anderen müssen wir die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen. Und natürlich gibt es besondere Schutzzonen. Unterhalb von 300 Metern Mindesthöhe darf nur mit Sondergenehmigung geübt werden. Unterhalb von 150 Metern über Grund liegt auf jeden Fall ein Verstoß vor. Aber solche Verstöße sind sehr selten. Schließlich ist sonst die Fluglizenz weg", so die Erklärung.

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Momentaufnahme: Der Luftraum über Deutschland zur Mittagszeit

Momentaufnahme: Der Luftraum über Deutschland zur Mittagszeit (Quelle: Luftwaffe/Martin Grochla)Größere Abbildung anzeigen

In Zukunft der Blick in die Vergangenheit

Die ohnehin schon geringe Anzahl der Verstöße wird jetzt möglicherweise noch weiter sinken. Mit Einführung der Zentralen Flugüberwachung kann jetzt auch in die Vergangenheit geblickt werden. Alle Flugbewegungen über Deutschland werden auf dem in Köln eingerichteten Zentralrechnersystem erfasst, aufgezeichnet und bis zu drei Jahre gespeichert. Drei Millionen Flugbewegungen, nur etwa drei Prozent davon, sind militärisch. 1996 hatte Hauptmann Detlef Mücher aus der Gruppe Flugbetrieb die Idee, die Daten aus allen Radarstationen in Deutschland, zivilen wie militärischen, mit Flugbetriebsdaten in einer Datenbank zu einem Netzwerk zusammenführen. Deren Aufzeichnungen würden ein komplettes Bild der Flugbewegungen ergeben. Diese dynamische Datenbank ergäbe das perfekte Archiv. Acht Jahre Entwicklung innerhalb des Hauses - und dann noch die technische Umsetzung - heute steht die Idee "Zentrale Flugüberwachung" in Köln-Wahn und hat 32 Server mit 22 Terabyte (22.000 Gigabyte) Speicherkapazität. In ihnen werden die Daten der ca. 70 zivilen und militärischen Radarstationen Deutschlands zusammen geführt. Das zivile Luftfahrtbundesamt arbeitet eng mit der Bundeswehr zusammen - denn die weitaus meisten Unregelmäßigkeiten im Flugverkehr geschehen mit zivilen Maschinen. Ununterbrochen werden die Daten aufgezeichnet, so dass wirklich jede Flugbewegung später wieder abgerufen werden kann. Tagsüber verfolgen die zivilen und militärischen Beschäftigten der Gruppe Flugbetrieb die unterschiedlichen Flugbewegungen auf großen Flachbildschirmen. Fällt ihnen eine mögliche Abweichung oder ein grober Verstoß auf, melden sie diesen weiter. Zum einen werden auf einem Radarmonitor die Flüge dargestellt, ein weiterer Monitor zeigt die Flugbahn eines einzelnen Fliegers auf einer Landkarte. Der Luftraum über Deutschland ist sehr voll, besonders in den letzten Jahren hat sich die Zahl der Flugbewegungen auch durch so genannte Billigflieger vervielfacht - 97 Prozent der Flugbewegungen sind zivil. "Für Unbeteiligte ein Wunder, dass nicht ständig etwas passiert", meint einer der Mitarbeiter. Die Bediener haben zahlreiche Filter, die sie auf das ansonsten riesige optische Durcheinander anwenden können. Beispiel: Ein Filter bezieht sich auf die Höhe: Zeige mir alles, was sich unterhalb von 300 Metern abspielt. Oder: Zeige mir nur die Bewegungen über der Pfalz. Oder: Zeige mir nur die Flugbewegungen aller Hubschrauber. Oder: Zeige mir alle Flugbewegungen über 900 km/h.

Jedes Flugzeug wird durch einen bestimmten Zahlencode als zivil oder militärisch gekennzeichnet, außerdem wird die Flughöhe und Richtung (steigend/sinkend) angegeben. Zusammen mit den Flugplänen der zivilen Fluggesellschaften und den militärischen Flugplänen ergibt das für den Überwacher ein umfassendes Bild.

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Orwell oder Anwalt?

"Es gibt Piloten, die haben damit vielleicht ein Problem ", so, wird erläutert. "Wir werden um Akzeptanz werben müssen. Schließlich ist das auf eine gewisse Art die totale Orwell’sche Überwachung und Kontrolle. Andererseits dient das System auch dem Schutz der Besatzungen vor ungerechtfertigten Anschuldigungen. Dadurch, dass wir die Flüge in Route, Höhe und Geschwindigkeit genau nachvollziehen können, beweisen wir: Die Beschwerden der Bürger sind vielleicht menschlich nachvollziehbar, aber Regelverstöße liegen nicht vor. Oft fühlen sich die Menschen gestört, besonders in Gebieten, in denen Übungen geflogen werden, dennoch haben sich die Piloten korrekt verhalten. Wir nehmen so, auch eine Anwaltsfunktion für die Besatzungen wahr." So stellt sich nach Auswertung der relevanten Daten des ZFÜ heraus: Der Anrufer aus der Pfalz, dessen Wohnzimmerscheibe einen Sprung bekommen hat, muss nach einer anderen Ursache suchen. In dem von ihm angegeben Zeitraum sowie einige Stunden zuvor und danach gab es überhaupt keine militärischen Flugbewegungen über seinem Haus. Stellt man die Zahl der geleisteten Gesamtflugstunden, der Bundeswehr und der sich im deutschen Luftraum bewegenden Alliierten, der Anzahl der Regelverstöße unserer Piloten gegenüber, so ergibt sich ein Wert im Promillebereich.

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Die Zukunft: Erweiterung des Programms

Wie alle Rechnersysteme ist auch das der Zentralen Flugüberwachung ausbaufähig - Ideen gibt es genug. Im Moment müssen die Flüge noch aktiv von Mitarbeitern des Flugbetriebs kontrolliert werden, um mögliche Verstöße festzustellen, während sie geschehen. Das ist auch körperlich sehr anstrengend und eventuell kann sogar etwas übersehen werden. In Zukunft möchte man die Arbeit des Überwachens weiter unterstützen. Der Rechner soll aktiv melden: "Achtung: hier passiert gerade etwas Ungewöhnliches", eine Art Alarmanlage. Damit würde die Überwachung des Luftraumes perfektioniert. Zudem will man möglichst bald die Flüge in 3-D [dreidimensional] darstellen können. Sowohl aus dem Blickwinkel der Piloten als auch in einer frei wählbaren Außenansicht. Die Software dazu ist bereits entwickelt - nur die Rechnerkapazität muss noch angepasst werden. Eine Frage der Zeit – und des Geldes.

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Für Sie unterwegs: Der "Blaue Klaus"

Um der Bevölkerung direkt vor Ort zeigen, wie sich die Flugzeuge über ihren Köpfen verhalten, wurde eine mobile Datenstation, aufgrund von Form und Farbe, scherzhaft der "Blaue Klaus" genannt, entwickelt. Voll gepackt mit modernster Technik - ein kompakter blauer High-Tech-Rollcontainer. Quasi eine Außenstelle und Sichtstation der Zentralen Flugüberwachung und per UMTS [Universal Mobile Telecommunications System] mit dem Kölner Zentralrechner verbunden. Der "Blaue Klaus" wird problemlos in einen normalen Kombi-Pkw geladen und dorthin gefahren, wo Menschen sich beschwert haben, Landräte gerne eine Demonstration der Überwachung des Flugbetriebs hätten, Manöver und Übungen sowie Flugschauen (z.B. die Internationale Luftfahrtausstellung in Berlin) stattfinden usw. [und so weiter] - die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. An den Computer wird ein Beamer angeschlossen und schon können viele Menschen mitverfolgen und nachvollziehen, wie z.B. [zum Beispiel] die Luftübung letzte Woche durchgeführt wurde.

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Stand vom: 26.11.13


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