Aufbau Flugsicherung kommt voran
Mazar-e Sharif, 05.08.2011.
Im Rahmen einer kleinen feierlichen Übergabe wurden die ersten Zertifikationen zum Abschluss der Luftfahrtgrundlagenausbildung durch den Base Commander des Airports Mazar-e Sharif, Brigadegeneral Peter-Georg Stütz, übergeben. 18 von 19 Teilnehmern haben das Etappenziel zum Fluglotsen erreicht.

Die Flugsicherung in Afghanistan wird seit Jahren ausschließlich militärisch durch die Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF) organisiert, so beispielsweise am Flugplatz Mazar-e Sharif von der Bundeswehr. Es gibt in Afghanistan weder eine zivile nationale Flugsicherung noch das entsprechende Flugsicherungspersonal. Doch mit der Ausbildungsunterstützung durch deutsches Flugsicherungspersonal schreitet der Aufbau der Zivilluftfahrt in Afghanistan voran.

Pioniere in der Flugsicherung
Die Bundesrepublik Deutschland bildet seit August 2009 Fluglotsen für den Flugplatz Mazar-e Sharif aus, der sich in den letzten Jahren zunehmend zu einem internationalen Verkehrsflughafen entwickelt hat. Dies ist nicht zuletzt auf die Ausbaumaßnahmen durch die deutsche Regierung zurückzuführen, wie den Bau und Inbetriebnahme einer zweiten Start- und Landebahn, eines neuen Terminals, sowie der Installation eines Instrumenten-Landesystems. Ende 2013 sollen die afghanischen Fluglotsen soweit ausgebildet sein, dass sie die Flugsicherung am internationalen Flughafen Mazar-e Sharif übernehmen können.
Die neuen afghanischen Fluglotsen im Alter von 19-22 Jahren zeigten sich während ihrer Ausbildung hochmotiviert, die Verantwortung über den Luftraum in ihrem Land übernehmen zu wollen. Allerdings bedarf es dabei auch weiterhin professioneller Hilfe durch erfahrene Fluglotsen sowie spezieller Unterstützung im Managementbereich des Flugplatzbetriebes.

Ganz von vorne anfangen
Mit dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) ist grundsätzlich vereinbart, dass die praktische Ausbildung als solche von den am Flughafen Mazar-e Sharif tätigen Fluglotsen der deutschen Luftwaffe unterstützt wird.
Annähernd 2.500 bis 3.000 Experten fehlen auf allen Ebenen der afghanischen Luftfahrt. Die einzige administrative Einheit Afghanistans im Bereich der Zivilluftfahrt ist das Ministry of Transport and Civil Aviation (MoTCA). Das Ministerium ist allerdings zur Zeit nicht in der Lage, Überwachungsaufgaben in einer Weise nachzukommen, die internationalen Standards entspricht. Ein Verwaltungsunterbau mit einer zivilen Luftfahrtbehörde existiert nicht.

Ausbildung hat hohe Priorität
Aus diesem Umstand ergeben sich negative Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit sowohl des internen als auch des externen Flugverkehrs des Landes. Afghanistan besitzt eine nur ungenügend ausgebaute Verkehrsinfrastruktur auf dem Landweg. Es ist für den inneren Zusammenhalt wie kaum ein anderes Land auf ein funktionierendes Luftfahrtsystem angewiesen. Dieser Aspekt gewinnt gerade vor dem Hintergrund der geplanten Reduzierung der internationalen Truppe ab dem Jahr 2014 eine zentrale Bedeutung. Ein verantwortungsvoller Truppenabzug setzt naturgemäß die gleichzeitige Übernahme der zentralen administrativen Funktionen durch afghanische Stellen voraus.
Die Schaffung funktionierender Verwaltungsstrukturen und – als eine notwendige Grundvoraussetzung hierfür – die Ausbildung entsprechend qualifizierten Personals ist deshalb das oberste Gebot für die afghanische Regierung.
Ziel ist es, gemäß des „Civil Aviation Master Plans“ der afghanischen Regierung vom November 2009, dass diese Aufgaben in den nächsten Jahren schrittweise auf eine zu schaffende zivile afghanische Flugsicherungsorganisation und zivile afghanische Fluglotsen übertragen werden.

Entwicklungshilfe durch die Luftwaffe
Die Flugsicherung im Norden Afghanistans wurde im Jahr 2006 mit einer Handvoll deutscher Fluglotsen etabliert. Bis dahin waren lediglich zwei afghanische Towermitarbeiter anwesend, die einen Informationsdienst für an- und abfliegende Flugzeuge sicherstellten. Dazu hatten sie zwei Funkgeräte russischer Bauart zur Verfügung - und der beaufsichtigende SATCO des Einsatzgeschwaders ISAF ein analoges Telefon, ein Handy und ein Tetrapol Handfunkgerät, mit dem er den Fahrzeugverkehr auf dem Flugplatz kontrollierte, während sich das Camp und die Flugplatzinfrastruktur noch im Aufbau befanden. Das offizielle Mandat zur Übergabe der Verantwortung der Flugverkehrskontrolle wurde im Jahr 2007 an den deutschen ISAF-Anteil vorbereitet und vollzogen, denn Eile war geboten: Die Verlegung der Recce-Tornados aus Deutschland sowie der C-160 Transall und CH-53 MEDEVAC-Komponenten aus Termez / Usbekistan stand bevor.
Dann ging es Schlag auf Schlag: Personal wurde aufgestockt, noch im gleichen Jahr kam zur Unterstützung des Luftverkehrs das Luftraumüberwachungsradar (LÜR) hinzu, kontrollierte Lufträume wurden etabliert, der vormalige Informationsdienst ging in einen professionellen Kontrolldienst über und schließlich wurde eine neue Startbahn inklusive neuer Navigationsanlagen erbaut. Mit Unterstützung amerikanischer Fluglotsen konnte ab dem Jahr 2010 der „24-Stunden-Betrieb“ sichergestellt werden. Zum Luftholen blieb da kaum Zeit …

