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Als Erster stehen, als Letzter gehen

Köln, 05.07.2006.
Feldwebel Patrick Both ist Fluggerätemechaniker und sorgt mit seinen Kameraden dafür, dass die Passagiere des VIP-Flugzeuges CL-601 Challenger störungsfrei ihr Ziel erreichen

Feldwebel Patrick Both in der Kabine der zurückgebauten CL-601 Challenger
Feldwebel Patrick Both in der Kabine der zurückgebauten CL-601 Challenger (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Neben den fliegenden Staffeln beheimaten die Hallen der Kölner Flugbereitschaft auch die Wartungs- und Instandsetzungsstaffel CL-601. Deren Aufgabenspektrum umfasst das Beheben von Störungen und die Durchführung von Materialerhaltungsmaßnahmen und Inspektionen. Ein weiterer Schwerpunkt bildet die Betreuung von Bodendienstgeräten für die gesamte Flugbereitschaft und das Umrüsten der Challenger in die MedEvac-Version (Verletztentransport).

Die Grundlage aller erwähnten Arbeiten ist das reibungslose Zusammenwirken der folgenden Staffel-Teileinheiten: Bodendienstgeräte, Wartung und Mechanik, Triebwerke, Metaller, Avionik, Ausrüstung, Flugausrüstung. In der Staffel arbeiten etwa 160 Soldaten und 17 zivile Mitarbeiter. Einer von ihnen ist der 27-jährige Feldwebel Patrick Both. Seit Januar 2001 sorgt der gebürtige Bergisch-Gladbacher als Mitglied der Wartungs- und Mechanikergruppe tagtäglich für den reibungslosen Flugbetrieb von Bundesministern und Staatsgästen.

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Patrick Both prüft die Arbeiten am Höhenruder
Patrick Both prüft die Arbeiten am Höhenruder (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Eine Chance bei der Luftwaffe

Dem sympathischen Feldwebel war ursprünglich gar nicht die Idee gekommen, sich über die Zeit der Wehrpflicht hinaus bei der Bundeswehr zu verpflichten. Erst nachdem der gelernte Industriemechaniker, mit Fachrichtung Betriebstechnik, von der Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke Köln AG wegen eines Einstellungsstopps nicht übernommen werden konnte, bewegte ihn seine Frau zu diesem Schritt. Ein guter Freund, der schon damals am Standort Köln war, stellte für den begeisterten Technikfan den Kontakt zur Technikstaffel der Flugbereitschaft her. Da der Verband eine freie Stelle zu vergeben hatte und Patrick Both das Tätigkeitsfeld vor Ort zusagte, trat der 27-Jährige am 1. November 2000 mit einer Truppenwerbung in die Grundausbildung ein. Anschließend wechselte er direkt in die Flugbereitschaft nach Köln. "Die ersten beiden Jahre durchlief ich die Ausbildung zum Fluggerätemechaniker auf der CL 601 Challenger, bei der ich noch eine Menge lernen konnte", erinnerte sich Both, der nun mit der Fachrichtung Flugwerk in der Teileinheit Wartung- und Mechanik CL-601 Challenger eingesetzt wird.

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Hin und wieder müssen auch Räder gewechselt werden
Hin und wieder müssen auch Räder gewechselt werden (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Jede Maschine ist (s)ein "Baby"

Nach nun über fünf Jahren ist es für Feldwebel Patrick Both immer noch interessant an der Challenger zu arbeiten: "Es wird einem definitiv nicht langweilig. Es gibt eigentlich keine Standardabläufe, die den Arbeitsalltag dominieren. Und da es nur insgesamt sechs Challenger sind, die die Staffel besitzt, ist jede Maschine sein "Baby". Besondere Freude empfindet Both darüber, dass die Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten, die zum Beispiel bei der C-160 Transall in getrennten Gruppen laufen, bei der Challenger von einer Person gemacht werden dürfen. So hat man einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag", erklärt er. Reifenwechsel und Fenster reinigen stehen genauso auf dem Wochenplan wie die derzeitige Generalüberholung einer der Challenger-Maschinen.

"Alle grundsätzlichen Aufgaben, aber auch die tiefer gehende Instandsetzung, die sonst in einer Werft stattfinden würde, wird direkt von der Flugbereitschaft geleistet", erklärt er. Das macht aus verschiedenen Gründen Sinn: Eine eigene Werft für das kleine Challengergeschwader wäre über das Jahr gesehen nicht ausgelastet und würde die Bundeswehr Geld kosten. Die Betreuungsfirma "RUAG" schafft es zudem, 95 Prozent aller benötigten Ersatzteile innerhalb von 24 Stunden bereitzustellen. Sie betreibt ein eigenständiges Ersatzteilelager auf dem Gelände der Flugbereitschaft und so müssen nur schwerwiegende Probleme mit der Maschine zur Instandsetzung an den Firmensitz nach Oberpfaffenhofen. Der Betrieb kann so weiter laufen und lange Übergabe- und Ausfallzeiten bleiben dem Verband erspart.

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Patrick Both bei der Sichtprüfung der Steuerseile
Patrick Both bei der Sichtprüfung der Steuerseile (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Für das mobile Instandsetzungsteam alles stehen und liegen lassen

Die angesprochene Challenger-Maschine 12+02, welche derzeit ihre reguläre 60-Monatsinspektion hat, steht in der riesigen Halle V der Flugbereitschaft. Sie wird nun Stück für Stück zurückgebaut. Die Außenzelle ist jetzt genau 20 Jahre alt, und bedarf einer sorgfältigen Prüfung auf Risse und Korrosion. "Hierfür benutzen wir eine Sonde zur Wirbelstrommessung. Wird ein nicht sichtbarer Riss in einem Teil der Zelle entdeckt gibt sie ein Signal". Insgesamt arbeiten bei der Kontrollinspektion pro Schicht sechs bis zehn Soldaten der Fachrichtung Flugwerk an der Maschine.

Wenn ein eingesetztes Flugzeug dennoch einmal mit einem technischen Problem nicht mehr zurückfliegen kann, wird in kürzester Zeit ein mobiles Instandsetzungsteam gebildet. Bei der Zusammenstellung dieser Techniker-Crew, wird natürlich auf Spezialisten zurückgegriffen, die das vorhandene Problem am besten angehen können. "Da kann es dann schon einmal heißen: Herr Both, für Sie ist hier heute Schluss! Sie fliegen nachher mit nach London".

Im Normalfall wird in der Staffel von Patrick Both in drei Schichten gearbeitet. Die Ersten fangen um 5 Uhr in der Frühe an, während die Letzten um 1 Uhr nachts die Halle V schließen. Aber auch hier ist Flexibilität gefragt: "Wenn eine VIP oder MedEvac-Maschine erst später in Köln ankommt, dann bleibt die Spätschicht so lange bis alle Arbeiten erledigt sind.

So spannend und interessant seine Arbeit sein mag, weiß Patrick Both jedoch: Ein Feldwebel in der Technikstaffel der Challenger zu sein, ist kein Job wie jeder andere. "Man geht genauso wie alle anderen Soldaten zum Schießen oder mit auf die Leistungsmärsche. Im Rahmen meines Tätigkeitsfeldes kann es auch immer wieder ins Ausland gehen", gibt er allen Interessierten abschließend mit auf den Weg.

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Stand vom: 07.08.12 | Autor: Martin Bold/Herbert Albring


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