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Euro Hawk: Hochkomplexe Anforderungen an die Techniker

Kropp / Jagel, 16.07.2010.
Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel: Take-off für acht Angehörige der Technischen Gruppe des Aufklärungsgeschwaders 51 „Immelmann“ in ein neues Zeitalter der Luftwaffe. Der Flug in die USA ist der erste Schritt zur Ausbildung des zukünftigen technischen Personals für den Euro Hawk.

Lehrgangsteilnehmer mit den Ausbildern der USAF

Lehrgangsteilnehmer mit den Ausbildern der USAF (Quelle: Luftwaffe/)Größere Abbildung anzeigen

Die Beale Air Force Base (AFB) hat eine lange Tradition. Sie war unter anderem Heimat des Aufklärungsflugzeug Lockheed SR-71 Blackbird, seit 1976 Stationierungsort des bekanntesten Spionageflugzeugs, der Lockheed U-2 Dragon Lady - und mittlerweile auch Heimat des Global Hawk, dessen Version RQ 4b die Basis für den Euro Hawk liefert. Mit einer Fläche von rund 95 Quadratkilometern liegt die Beale AFB knapp 70 Kilometer nördlich von Sacramento in Kalifornien. Hier befindet sich das Zentrum der Luftaufklärung für die amerikanischen Luftstreitkräfte. In der Beale AFB - in den Staaten auch als “Recce Town USA“ bekannt - absolvierten acht Luftwaffensoldaten die erste technische Ausbildung an den UAS, die die Luftwaffe absehbar beschaffen wird.

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Theoretische Ausbildung durch die amerikanischen Soldaten.

Theoretische Ausbildung durch die amerikanischen Soldaten. (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Ausbildung mehr als speziell

Die deutschen Ausbildungsteilnehmer wurden unter zahlreichen Bewerbern in Deutschland ausgewählt und besuchten bereits im Vorfeld die erforderlichen Englischlehrgänge mit Technikbezug, um auch sprachlich auf die Anforderungen rund um das neue Waffensystem vorbereitet zu sein. Das deutsche Personal stammt durchgehend aus diversen technischen Fachbereichen des Waffensystems Tornado und nahm vor Ort an verschiedenen Lehrgängen wie „Avionics - Theory of Operation“, „Electrical- and Environmental Systems“ oder „Aircraft Maintenance“ teil. Die Unterrichtung erfolgte durch das Field Training Detachment (FTD) der 82nd Training Wing, in etwa vergleichbar mit einer Technischen Schule der Luftwaffe. Die deutschen Techniker wurden eingehend über Luftfahrzeugzelle und Avionik des Global Hawk RQ 4b unterrichtet, der in diesen Bereichen annähernd baugleich mit dem Euro Hawk ist.

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Praktische Ausbildung am Computer.

Praktische Ausbildung am Computer. (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Neue Wege in der Vermittlung von Wissen

Schwierige und komplexe Lehrinhalte konnten die amerikanischen Ausbilder den Lehrgangsteilnehmern dank ihrer langjährigen und praktischen Erfahrung mit dem Waffensystem und ihres beispielhaft kooperativen Verhaltens in sehr kurzer Zeit verständlich vermitteln. Der theoretische Unterricht erfolgte dabei papierlos: keine Bücher, keine Hefte, keine gebundenen Vorschriften. Der Einsatz elektronischer Hilfsmittel - Computer und Intranetanbindung - gestattete den Lehrgangsteilnehmern den vollständigen Zugriff auf die umfassende Beschreibung des Global Hawk in elektronischer Form. Um technische Details und Zusammenhänge besser verstehen zu können, war man dennoch dankbar für jede zusätzliche, praktische Minute am Global Hawk, zumal eine Ausbildung an einem praktischen Ausbildungsmodell auch für amerikanische Schüler nicht vorgesehen ist. Andererseits sind die Amerikaner für ihren Pragmatismus bekannt - und kamen dann auch konsequent den deutschen Wünschen nach, indem sie kurzfristig einen Global Hawk aus dem Truppeneinsatz als praktisches Ausbildungsmittel zur Verfügung stellten. „Da die USAF keinen einzigen Global Hawk für Ausbildungszwecke besitzt, war es für uns etwas außergewöhnlich, vereinzelt an Luftfahrzeugen zu arbeiten, die vor wenigen Stunden noch im Einsatz waren“, erläuterte Stabsfeldwebel Stefan B.

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Praktische Ausbildung am Global Hawk.

Praktische Ausbildung am Global Hawk. (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Nicht nur ein Flugzeug, sondern ein ganzes System

„Der Global Hawk ist in seiner Größe sehr beeindruckend, knapp 40 Meter Spannweite, kein Cockpit, nur ein externer Computer als Schnittstelle zur Außenwelt, der später auch dem norddeutschen Wetter standhalten muss“, stellte Hauptfeldwebel Lars H. als Besonderheit heraus. Eine wesentliche neue Herausforderung gegenüber den bis dato bekannten bemannten Waffensystemen wurde den Technikern hier erstmals deutlich: Die technische Ausbildung am Euro Hawk betrifft nicht nur ein unbemanntes fliegendes Gerät, sondern ein ganzes System zum Betrieb dieses RPA - also auch die Container am Boden, die man benötigt, um den großen Vogel überhaupt in die Luft zu bekommen und in denen auch die Operateure zur Bedienung und Auswertung sitzen. „Durch die zusätzliche technische Einbindung der Bodensegmente als wesentliche Teile des UAS-Gesamtsystems, welche zur Steuerung und Überwachung des Luftfahrzeugs sowie zum Einsatz der Sensoren erforderlich sind, unterscheiden wir uns in der fachlichen Bandbreite von jedem anderen Luftfahrzeugtechniker in der Luftwaffe“, so Hauptfeldwebel H.

Blick in die Ausbildungs- und Wartungshalle.

Blick in die Ausbildungs- und Wartungshalle. (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Eine Differenzierung in einzelne Fachbereiche - wie sonst in den technischen Bereichen der fliegenden Verbände der Luftwaffe üblich - entfällt bei diesem System. Dies bedeutet konkret, dass vorerst wenige Luftfahrzeugtechniker für die Bereiche Luftfahrzeug-Wartung, Flugwerk, Hydraulik, Elektrik, Triebwerk und Klima des Euro Hawk zuständig sind. „Mit Hilfe der Industrie, dem richtigen technischen Gerät und internen Weiterbildungsmaßnahmen werden wir das Kind schon schaukeln“, blickt Stabsfeldwebel Stefan B. optimistisch in die Zukunft. Vor einer ähnlichen Situation steht auch das Personal im Bereich Avionik und Prüfwesen, letzten Endes deswegen, weil die Einführung des Euro Hawk weitaus schneller als bei manch anderem technischen System voranschreitet.

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Dankeschön an die Ausbilder der USAF.

Dankeschön an die Ausbilder der USAF. (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Eintritt in ein neues Technik-Zeitalter

Das komplexe System und das intensivere Ineinandergreifen der einzelnen Anlagen macht ein Umdenken gegenüber der bisherigen bemannten Luftfahrt unausweichlich: Keine Besatzung, mit der man technische Störungen oder Auffälligkeiten besprechen kann, keine umfassenden und intensiven Vorbereitungen bis zum Start des RPA, weitaus längere Flugzeiten und vor allem der Umstand, dass sämtliche Information über die Schnittstelle „Computer“ erfolgt, zwingen zum Umdenken und Umstrukturieren von Mitteln und Verfahren. Dank der amerikanischen Ausbilder hat die Luftwaffe hier einen ersten, wichtigen Schritt unternommen.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Oliver Scholz


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