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Die strategische Rettungskette im Wandel

Köln-Wahn, 28.02.2011.
Seit 1993 beteiligt sich die Bundeswehr im Rahmen der EU-, NATO- und UN-Verpflichtungen an Auslandseinsätzen. Der unmittelbaren und qualifizierten Behandlung der verletzten oder verwundeten Soldaten kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.
Beim schnellstmöglichen und qualifizierten Transport zur nächsten Sanitätseinrichtung, die zur Durchführung einer chirurgischen Erstversorgung vorgesehen ist, wie auch in der Kontinuität intensivmedizinischer Betreuung innerhalb der Rettungskette vom Einsatzland bis nach Europa nimmt die Luftwaffe im internationalen Vergleich eine Spitzenposition ein.

Modell des Airbus A340
Modell des Airbus A340 (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Mit dem deutschen System der Strategic Aeromedical Evacuation (StratAirMedEvac/Strategische Luftrettung) praktiziert, hält die Luftwaffe eine Rettungskette über groß Entfernungen bereit, die sich der Herausforderung des weltweiten Patientenlufttransports lange vor Beginn der Auslandseinsätze zu stellen hatte. Das bewährte System, das aus verschiedenen Luftfahrzeugen (Lfz) mit speziellen medizinischen Rüstsätzen, einer fliegerischen und flugzeugmedizinischen Transportorganisation und festgeschriebenen Verfahren besteht, wurde wiederholt auch für den Transport von zivilen Personen im In- und Ausland eingesetzt - steht also nach politischer Maßgabe auch allen Bürgern Deutschlands zur Verfügung, die in eine entsprechende Notlage geraten sind.

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Der MedEvac in Köln-Wahn, hier mit organisiertem Abtransport der Verletzten durch ein Kraftfahrzeug der Feuerwehr
Der MedEvac in Köln-Wahn (Quelle: Luftwaffe/Toni Dahmen)Größere Abbildung anzeigen

Bewährte Größen

Standardmäßig wird der Airbus A310 MRT (Multi-Role-Transporter) eingesetzt, der in der MedEvac- Konfiguration sechs Intensivplätze als Patiententransporteinheit (PTE) bereithält – neben umfangreichem, anderen medizinischem Gerät zur Versorgung der Patienten. Der vordere Bereich des A310 ist zusätzlich mit doppelstöckigen - optional auch dreistöckigen - Patientenliegeplätzen (PLP) eingerüstet. Die Gesamtversorgungskapazität lässt sich damit auf insgesamt 38 – 44 Personen ausbauen.
Die Reichweite des A310 MRT beträgt 10.500 km bei einer Reisegeschwindigkeit von rund 860 km/h. Das Flugzeug und seine Crew wird in einer 24-Stunden Bereitschaft gehalten.

Die CL-601 Challenger entspricht am ehesten den zivil eingerichteten Ambulanzflugzeugen. In der Regel wird dieses Flugzeug in der MedEvac-Konfiguration mit einem PTE geflogen. Mit einer Reichweite von 6.500 km und einer Reisegeschwindigkeit von rund 820 km/h wird die Challenger vorwiegend auf kurze und mittlere Entfernungen eingesetzt. Die Besatzung wird in einer 12-Stunden Bereitschaft gehalten.

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Transall in Afghanistan
Transall in Afghanistan (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Die Rettungskette im Einsatzland

Die zweimotorige Transall kommt vorwiegend in Afghanistan - zusammen mit den schweren Hubschraubern des Typs CH 53 GS im unzugänglichen Gelände - zum Einsatz. Die in erster Linie als Transporter ausgelegte Maschine wird in einer 12-Stunden-Bereitschaft bedient, während eine zweite Maschine in Drei-Stunden-Bereitschaft zur Verfügung steht. Ausgerüstet mit dem MedEvac-Rüstsatz können drei Personen intensivmedizinisch behandelt werden, weitere acht Personen können liegend transportiert und versorgt werden. Die Reichweite ist auf 4.500 km begrenzt, was den eher national respektive taktisch ausgerichteten Einsatz der Transall definiert.

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Patiententransporteinheit im Airbus
Patiententransporteinheit im Airbus (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Patiententransporteinheit (PTE)

Die PTE entspricht in ihrer Ausstattung einem Intensivbehandlungsplatz einer modernen Klinik. Der Patient wird auf einer Vakuummatratze mittels einer Trage auf der PTE positioniert. Neben modernstem Beatmungs- und Überwachungsgerät umfasst der Sauerstoff- und Druckluftvorrat pro PTE 6.000 Liter und ist auf eine Einsatzdauer von elf Stunden ausgelegt. Bei längeren Einsatzszenarien können bei einer dann notwendigen Zwischenlandung zusätzlich mitgeführte Sauerstoffflaschen aus dem Laderaum eingesetzt werden. Abgerundet wird das medizinische Equipment, das zusätzlich ein mobiles Ultraschallgerät und Bronchoskop beinhaltet, durch die Möglichkeit der Lagerung von Blutkonserven an Bord. Außerdem führt das Trägerflugzeug einem umfassenden Medikamentenvorrat mit.

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Neues und Bewährtes: Der A319 CJ und die A310
Neues und Bewährtes: Der A319 CJ und die A310 (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Der Wandel in der strategischen Luftrettung

Mit der Zuführung der neuen Flächenflugzeuge Airbus A 340 – 300, in der MedEvac Version mit vier PTE ausgerüstet, und dem Airbus A319 CJ seit 2010, ausgerüstet mit zwei PTE, wird das Spektrum der für die MedEvac-Einsätze nutzbaren Luftfahrzeuge deutlich erweitert.
Der A319CJ hatte bereits im letzten Sommer seine Feuertaufe, als er ungarische Soldaten aus dem Einsatz zurückholte und zur intensivmedizinischen Betreuung an ein Budapester Militärkrankenhaus flog. Die Maschine lässt sich insbesondere durch das Umklappen einer gesamten Sitzreihe in wenigen Stunden zum MedEvac umrüsten.
Der neue A 340 - die kommende „Kanzlermaschine“ der Bundesregierung - wird geplant Ende März 2011 an die Luftwaffe ausgeliefert, das Schwesterflugzeug geplant drei Monate später. Auch die im Einsatz befindlichen Challenger und Transall werden durch ihre Nachfolgemodelle ergänzt, respektive ersetzt. Dies sind die Global 5000 für die im Dienst befindliche Challenger - mit einer PTE und - noch langfristiger - der Airbus A400 M Militärtransporter für die jetzt im Dienst befindlichen Transall im jeweiligen Einsatzland.

Rüstsatz im Bauch einer MedEvac-Maschine
Rüstsatz im Bauch einer MedEvac-Maschine (Quelle: Luftwaffe/Matthias Seeliger)Größere Abbildung anzeigen

Und nicht nur das: Auch die Rüstträger werden weiterentwickelt.
Besonderer Wert wird hierbei auf eine schnelle Einrüstbarkeit, geringes Gewicht und die durchgängige Verwendung von Komponenten verschiedener Luftfahrzeuge gelegt. Mit Hinblick auf die Transportkapazitäten des EATC (Europäisches Lufttransportkommando) in Eindhoven/Niederlande und dessen vielfältig nutzbarer Luftfahrzeuge aus momentan vier Nationen kann erwartet werden, das die Angleichung der Sanitätsmaterialien und -verfahren mittel- bis langfristig eine neue, internationale Dynamik erfährt.
Die Luftwaffe als Servicedienstleister wird weiterhin ihrem Anspruch gerecht, für die Bundeswehr und allierte Nationen MedEvac-Strukturen vorzuhalten, die – insbesondere im Einsatz – einem bestmöglichen technischen und medizinischen Anspruch genügen.

 

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Stand vom: 21.09.11 | Autor: Norbert Thomas


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