NATO Response Force kann kommen – FlaRak ist bereit
Jägerbrück/Bad Sülze, 19.04.2011.
Die Vergangenheit der Länder „Mordor“ und „Hansania“ ist die Geschichte eines langen Konfliktes, dessen Anfänge bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen.
Im Jahr 2011 erhebt Mordor schließlich Anspruch auf die „hansanische Insel Rügen“ und versucht mit militärischer Gewalt, die Region an sich zu reißen. Auf Basis einer UN-Resolution wird Hansania im Rahmen einer Stabilisierungsmission durch die NATO unterstützt. Zum Schutz des Luftraums sowie der Bevölkerung Hansanias übernimmt von nun der Gefechtsstand „Air and Missile Defense Contingent 2“ (AMD CON 2) die Sicherung des hansanischen Luftraums.

Die Lage ist natürlich fiktiv. Nicht aber die Ernsthaftigkeit der in die Lage hineinversetzten Soldaten: Das AMD CON 2 wird durch das Flugabwehrraketengeschwader 2 „Mecklenburg-Vorpommern“ gestellt.

Wichtige Hürde genommen
Im Rahmen einer Taktischen Überprüfung durch die NATO - häufig auch als ForceEval (Force Evaluation, englisch für Bewertung der Kräfte) bezeichnet - wurde der Verband unter den kritischen Augen eines NATO-Überprüfungsteams hinsichtlich seiner taktischen Einsatzbereitschaft bewertet. Erst mit einer erfolgreich abgeschlossen Zertifizierung gilt der Verband als ausreichend qualifiziert für die Bereitschaftsphase-Phase zur NRF im kommenden Jahr.

Show of Force
Das Flugabwehrraketengeschwader 2 (FlaRakG 2 „M-V“) nahm mit einer Führungskomponente, einer Versorgungseinheit sowie drei Einsatzstaffeln aus den Flugabwehrraketengruppen 21 und 24 an der Überprüfung teil. Das Kontingent verlegte dazu mit rund 550 Soldaten sowie über 300 Fahrzeugen auf den Truppenübungsplatz JÄGERBRÜCK im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns.
Das Prüfteam war multinational besetzt – neben Soldaten aus Deutschland waren auch Niederländer, Italiener, Franzosen und Ungarn dabei.
Ihr Hauptaugenmerk legten die Prüfer auf die Bereiche Einsatz, Einsatzunterstützung (Logistik) und Überlebensfähigkeit, die konsequent mit dem Objektschutz (Force Protection) vor Ort in Beziehung standen.

Keine Überprüfung „von der Stange“
Auf das bisher praktizierte Verfahren, den Leistungsstand einzelner Soldaten in diversen Teilbereichen bereits in der Vorwoche zu überprüfen, wurde diesmal verzichtet.
Stattdessen begann die Überprüfung bereits mit der Abnahme der Marschbereitschaft einzelner Einheiten. Gleichzeitig musste sich das Taktikpersonal einem 25 Fragen umfassenden Test über nationale und NATO-Verfahren und Vorschriften unterziehen. Am nächsten Morgen begann das Einsatzszenario mit der Verlegung der einzelnen Kampfstaffeln und der Führungskomponente des Geschwaders in den Einsatzraum. In den nun folgenden 36 Stunden mussten unterschiedlichste Lagen - erfolgreich - abgearbeitet werden: So hatten sich Sicherungssoldaten an den Einlasskontrollpunkten mit demonstrierenden und bewaffneten Trupps auseinanderzusetzen.
Nach Luftangriffen fielen einsatzwichtige Führungskabinen aus und die Crews mussten zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft auch unter ABC-Schutz ihren Auftrag weiterführen. Auch der Umgang mit feindlichen Sprengkörpern (IEDs), Verhalten bei Luftangriffen und das Verhalten beim Auffinden von „Blindgängern“ (UXOs) gehörten zum Szenario, die von den Soldaten fachgerecht erkannt, markiert und gemeldet werden mussten.
Währenddessen wurde in den Gefechtsstandskabinen und Kampfstaffeln das Meldeverfahren – und damit einhergehend die Führungsfähigkeit des Verbandes – unter die Lupe genommen, was schließlich und in letzter Konsequenz auf die Bedienung der Waffensysteme in den Feuerleitzentralen hinauslief.

Im Rahmen des Prüfbereichs „Überlebensfähigkeit“ mussten willkürlich ausgewählte Soldaten jeder Einheit ihre Fähigkeiten in der Brandbekämpfung, in Erster Hilfe sowie in der Handhabung ihrer Waffe unter Beweis stellen. Die Feuerleit- und Kampfführungscrews demonstrierten ihre Fertigkeiten in Taktischen Szenarien, die sowohl im Verbund miteinander, als auch im autonomen Einsatz der Feuerleiteinheit bewältigt werden mussten.
Am dritten Tag endete schließlich die Bewertungsphase des FORCEVAL 2011 für das Einsatzkontingent aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Prüfer der NATO begannen mit der Zusammenfassung der einzelnen Prüfungsergebnisse, derweil sich das Kontingent bereits auf den bevorstehenden Rückmarsch vorbereitete, der Tags darauf ohne Zwischenfälle bewältigt wurde.

Der Tag der Wahrheit
Der Teamleiter des NATO-TacEval-Teams, der niederländische Oberstleutnant Hans Huggers, überreichte dem Kommodore des FlaRakG 2, Oberst Stefan Drexler, den sogenannten „Field Report“, das vorläufige Ergebnis der Überprüfung. Die Bewertung der einzelnen Kriterien des über 100 Teilbereiche umfassenden Prüfkataloges untergliedert sich in vier Stufen: Von der schlechtesten Bewertung („Unsatisfactory“ - „Unbefriedigend“) über knapp unter dem geforderten Standard („Marginal“ – „Unterdurchschnittlich“) und der angestrebten Standardbewertung („Satisfactory“ – „Befriedigend“) bis hin zur Bestnote („Excellent“ – „Sehr gut“).
Und die Anstrengungen hatten sich gelohnt! Das Einsatzkontingent erhielt durchweg gute bis sehr gute Ergebnisse in den drei Hauptprüfbereichen. In den Einzelbewertungen, vor allem bei den Feuerleit-, Abschuss- und Wartungsbereichen, waren häufig „Excellents“ vermerkt.
Insgesamt eine runde Teamleistung, auf die der Verband stolz sein kann. Die NRF kann nun kommen.

