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Vernetzt erfolgreich

Husum, 30.05.2011.
Das Flugabwehrraketengeschwader 1“Schleswig-Holstein“ absolvierte erfolgreich die Hochwertübung „Blue Sky/Hohe Geest“. Da das Geschwader mit seiner Kernkompetenz zur „Air & Missille Defense“ - auch als Teil der Eingreiftruppe NATO-Response Force (NRF 17) - ständig gefordert ist, wurde die Meßlatte für dieses Übungsvorhaben ganz hoch angelegt.

JADOC und DCRC aus der Vogelperspektive vor dem Tower des Flugplatzes Schwesing

JADOC und DCRC aus der Vogelperspektive (Quelle: Luftwaffe/Alexander Golz)Größere Abbildung anzeigen

Nach einer anstrengenden Woche in Containern und Flugabwehrstellungen haben die Übungsteilnehmer und begleitende Projektoffiziere viele positive Worte für die Einbindung der Führungsgefechtsstände der verschiedenen Waffensysteme an die Experimentalplattform JADOC (Joint Air Defence Operation Centre) gefunden. Im vergangenen Jahr hatte sich das JADOC schon auf Kreta bewährt. Dort wurde der Führungsgefechtsstand der FlaRak - auch SAMOC genannt - erstmalig bei einem taktischen Schießen in diese Operationszentrale eingebunden.

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Teil der Übung: Die Fregatte “Sachsen“ kreuzte vor Helgoland

Die Fregatte “Sachsen“ kreuzte vor Helgoland (Quelle: Luftwaffe/Alexander Golz)Größere Abbildung anzeigen

Ressourcen sparen – Joint agieren

Der Ansatz zu dieser Übung war es - wie schon auf Kreta - mit wenig Personal und Material, ohne Einbußen von Fähigkeiten, zu operieren. Dieser Grundgedanke lässt zu, dass bestimmte Fähigkeiten zukünftig bei Einsätzen der Bundeswehr im Heimatland verbleiben können - und das ohne Effektivitätsverlust im Einsatz oder auf Übungen.

Teilnehmer der Übung waren neben vier Kampfstaffeln „Patriot“ des Flugabwehrraketengeschwader 1 "Schleswig-Holstein" (FlaRakG 1“S-H“) auch Kräfte des Einsatzführungsbereichs 3 aus Holzdorf, die Heeresflugabwehr mit dem Waffensystem Ozelot sowie die Marine mit der Fregatte “Sachsen“, die in der Deutschen Bucht vor Helgoland operierte. Mit der Einbindung des Sanitätsdienstes auf der Friedensausbildungsstellung in Schwesing wurde zudem eine neu konfigurierte Rettungsstation getestet.

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Oberst Maedler (rechts im Bild) überblickt im JADOC die Lage

Oberst Maedler überblickt die Lage (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Deutschland auf einen Blick

Mit dem JADOC hat der Kommodore des FlaRakG 1 “S-H“, Oberst Tilo Maedler, ein Mittel zur Verfügung, um im Bereich der Einsatzführung mit dem Geschwader neue Wege zu gehen: Der modulare Aufbau des JADOC ermöglicht es, verschiedene Führungssysteme auftragsorientiert und individuell zusammenzustellen, womit die Luftverteidigung - teilstreitkraftübergreifend -unter einem Dach vereint werden kann.
Hierzu wurde der aus neun Containern bestehende, mobile „Einsatzgefechtsstand Einsatzkräfte Luftwaffe“ aus Fürstenfeldbruck nach Husum verlegt. Gleichzeitig demonstrierte das Deployable Control and Reporting Center (DCRC) vom Einsatzführungsbereich 3 mit dem eigenen Containersystem seine Verlegefähigkeit. Angebunden wurde das mobile DCRC an das nationale militärische Radardatennetz, das dann zusammengeschaltet im Verbund den deutschen Luftraum überwacht.

Das DCRC lieferte das aktuelle Luftlagebild

Das DCRC lieferte das aktuelle Luftlagebild (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Während der Übung waren die Soldaten primär für der Erstellung des Luftlagebildes verantwortlich, das mittels Datenleitung direkt der Führungs- und Lagezelle zur Verfügung stand. Eine besondere Herausforderung war die Überprüfung des Kommunikationsnetzes. Hier mussten die geheimen- von den offenen Netzen getrennt werden, um zu gewährleisten, dass vertrauliche Informationen nicht abgefangen wurden, die für diese Luftverteidigungsübung von einsatzrelevanter Bedeutung waren. Zudem wurde die Anbindung verschiedener taktischer Datenlinks im Rahmen dieser Übung überprüft.

Diese Datenlinks stellen sicher, dass zum Beispiel eine Kommunikation mit der Fregatte “Sachsen“ oder weiterer beteiligter Waffensysteme - auch anderer Teilstreitkräfte - möglich ist. Hierzu wurde eigens ein Fernmeldetrupp bei Westerhever auf der Halbinsel Eiderstedt aufgestellt.

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Die Stellung wird gesichert – auch von den Ozelots des Heeres

Die Stellung wird gesichert (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Rules of Engagement - Ein Dorf braucht sein Holz

Während im JADOC viele Szenarien von Luftangriffen geübt wurden, mussten sich die Soldaten in den FlaRak - Stellungen mit verschieden Bodenlagen auseinandersetzen. Als Besonderheit für die Übungsteilnehmer in dieser Führungs- und Lagezelle galt es diesmal auch, die Anwendung der Rules of Engagement (Einsatzrichtlinien/ROE) bei den eingespielten Lagen zu Land oder Luft zu berücksichtigen:

Lagenachbesprechung am Kontrollpunkt: Hätte der Bürgermeister gemäß der ROEs das Holz holen dürfen?

Lagenachbesprechung am Kontrollpunkt (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Der Bürgermeister einer Gemeinde wollte mit zwei Arbeitern Holz aus dem Bereich der FlaRak-Stellung holen. In der beschriebenen Lage näherten sich drei Personen dem Kontrollposten. Hier galt es für Stabsunteroffizier Timo Petersen ruhig und besonnen die Lage zu beurteilen und nicht eskalieren zu lassen. Am Ende einigte man sich darauf, dass am nächsten Tag der Zugang zum benötigten Holz möglich gemacht wird.

Die Verwundeten werden versorgt

Die Verwundeten werden versorgt (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Der klassische Verkehrsunfall beschäftigte auch die Sanitätssoldaten des Sanitätszentrum Husum. Mit ihrer modernen Rettungsstation übten sie Verfahrensabläufe für die NRF 17. Nach dem Oberfeldwebel Torsten Folkers als erster am Unfallort eintraf und mit einem Kameraden die Verletzten versorgt hatte, brachten die Sanitäter die Verletzten in die Rettungsstation auf den ehemaligen Flugplatz Schwesing. Hier nahm Stabsarzt Dr. Christian Günther eine erste Sichtung vor und ließ die Verletzten - je nach Schwere ihrer Verletzungen - auf die verschieden Bereiche der Station verteilen.

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Feinddarstellung in Aktion

Feinddarstellung in Aktion (Quelle: Luftwaffe/Alexander Golz)Größere Abbildung anzeigen

Vom Einsatz her denken

Für den Projektoffizier, Major Nicolas Loerkens, lief die Übung von Beginn an wie geplant. Besonders die Herausforderung der technischen Umsetzung und taktischer Vernetzung aller Übungsteilnehmer zu einem JADOC war für ihn ein wichtiger Meilenstein: „ Die Übung hat alle Beteiligten wieder einen Schritt nach vorne gebracht, und demonstriert, dass die Luftwaffe zu vernetzter Operationsführung befähigt ist. Ob es die FlaRak war, die im Rahmen der NRF-Vorbereitung unter Anwendung der ROEs operierte, das Konzept JADOC, was weiter verfeinert werden konnte oder die Realisierung einer technischen Vernetzung von verschiedenen Waffensystemen der Teilstreitkräfte auf unterer taktischer Ebene zu einem gemeinsamen Wirkverbund: Die gesteckten Ziele konnten erreicht werden und sind auf die hohe Motivation und großes Engagement aller Übungsteilnehmer zurückzuführen. Nicht zuletzt die gesammelten, praktischen Erfahrungen - vor allem im Bereich der vernetzten Operationsführung und dem Schaffen eines gemeinsamen Lageverständnisses aller Übungsteilnehmer- belegen den Wert dieser anspruchsvollen Übung“, resümiert der erfahrene Projektleiter am Ende der Übung.

Hauptfeldwebel Finke schminkt einen Lagedarsteller

Hauptfeldwebel Finke schminkt einen Lagedarsteller (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Für die Projektoffiziere des Flugabwehrraketengeschwaders 1 “Schleswig-Holstein“, die am Ende viele positive Ergebnisse für den Übungsanteil „Hohe Geest“ fanden, war es immens wichtig, dass während der eigenen Übung bei den eingespielten Lagen die Rules of Engagement zur Anwendung kamen und die „Hohe Geest“ mit ihren Übungsanteilen für NRF 17 eine Art Generalprobe darstellte. Mit den gemachten Erfahrungen während der Übung kann ein Soldat im Einsatz - in Afghanistan oder im Kosovo - ständig konfrontiert werden. Die Luftwaffe und speziell das FlaRakG 1 „haben ihre Hausaufgaben gemacht“ – die NRF 17 kann kommen.

 

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Stand vom: 23.07.14 | Autor: Bernd Berns


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