Die Geschichte am Leben erhalten
Berlin, 26.01.2012.
Stabsunteroffizier Mathias Steglitz arbeitet beim Militärhistorischen Museum der Bundeswehr - Flugplatz Berlin Gatow. Dort ist er als Waffenmechaniker zuständig für das Verwalten, Pflegen und die Demilitarisierung der Waffenexponate. Der 22-Jährige schätzt vor allem die Vielfältigkeit des Museums – denn arbeiten strikt nach Vorschrift ist hier nicht immer möglich.

Schon als Kind faszinierte Mathias Steglitz die Bundeswehr. „Vor allem die Technik hat mich immer begeistert“, führt der 22-Jährige Stabsunteroffizier an. Aus diesem Grund begann er als Soldat auf Zeit in der Unteroffizierslaufbahn bei der Luftwaffe im Sommer 2009. Nach der obligatorischen Grundausbildung trat Steglitz beim Lufttransportgeschwader 63 (LTG 63) in Hohn seinen Dienst an. Seine Technikbegeisterung konnte er während der Ausbildung zum Fluggerätemechaniker in der Hubschrauberstaffel des Verbandes stillen. Doch mit der Auflösung der Staffel musste sich der 22-Jährige neu orientieren. „Da ich noch nicht voll ausgebildet war, wurde es so geregelt, dass ich in eine neue Dienststelle gekommen bin“. Er wurde im September 2011 zum Militärhistorischem Museum der Bundeswehr - Flugplatz Berlin Gatow versetzt.
Das Museum befindet sich auf einem über 70 Jahre bestehenden, historischen Flugplatz. Dort werden weit über 100 Flugzeuge und Hubschrauber ausgestellt. Darüber hinaus befinden sich etwa 600.000 militärhistorische Exponate, wie zum Beispiel Uniformen, Gewehre und historische Dokumente, im Fundus des Museums. Steglitz konnte hier seine Ausbildung zum Fluggerätemechaniker vollenden. Gleichzeitig wurde er vom Mehrzweckhubschrauber Bell UH-1D auf das Waffensystem Tornado weitergebildet, „damit ich hier als Waffenmechaniker tätig werden kann“, erklärt der Stabsunteroffizier zufrieden.

Waffenexperte, Logistiker und Eventmanager
Im Luftwaffenmuseum ist der Techniker ein Allroundtalent. Für das Verwalten und die Exponatpflege des umfangreichen Waffenbestandes des Museums verantwortlich, ist auch gleichzeitig das Demilitarisieren von Waffensystemen eine seiner wichtigsten Aufgaben. Unter dem Begriff Demilitarisierung versteht man das Verändern der Waffensysteme, so dass diese nicht mehr militärisch nutzbar sind, und somit im Museum ausgestellt werden dürfen. Doch jedes militärische Gerät hat andere Voraussetzungen um als demilitarisiert zu gelten.
So müssen bei einem Flugzeug beispielsweise 70% der Steuer-, Leit- und Antriebsteile eingeschnitten sein. Bei den weit über einhundert, teils historischen, Flugzeugmustern des Museums, kann man „nicht mal eben eine Vorschrift aus dem Lager holen“ – hier ist Mitdenken und Erfahrung gefragt. „Ich arbeite hier an viel mehr verschiedenen Waffensystemen als in einem aktiven Geschwader“, erläutert der Unteroffizier ohne Portepee. Ist man im aktiven Geschwader in der Regel für ein Waffensystem zuständig, muss Steglitz im Museum etliche technische Details verschiedenster Waffen und Waffensysteme beherrschen. Routine ist auch bei dem aktuellen Projekt des Berliners gefragt, „wir haben das Ziel das unser Waffenbestand ein bisschen reduziert wird“, darum muss der gelernte Fluggerätemechaniker Transportmöglichkeiten organisieren, das Gerät sachgerecht verpacken, und die Waffen vorher natürlich demilitarisieren.
Aber auch sonst muss der Soldat auf Zeit weitgefächert aufgestellt sein. Bei den zahlreichen Veranstaltungen des Luftwaffenmuseums sind auch Eventmanagerqualitäten gefragt – zum Beispiel wenn Bühnen organisiert und zusammengebaut werden müssen. Steglitz schätzt diese Vielfältigkeit: „Das ist eine tolle Herausforderung. Man kann sich eben nicht auf eine Sache einschießen, sondern ist überall gefordert.“ Auch den Schritt vom aktiven Geschwader zu einem Museum bereut der Waffenmechaniker keinesfalls: „Dort hatte ich das Aufrechterhalten des Flugbetriebs im Auge oder als Ziel. Hier besteht der Auftrag darin, die Geschichte am Leben zu erhalten und das macht richtig Spaß.“

Vor der Bundeswehr
Bei der Berufswahl Soldat mag neben der Technikbegeisterung des jungen Unteroffiziers sicherlich auch der familiäre Einfluss eine Rolle gespielt haben - seine Schwester diente ebenfall bei der Bundeswehr und auch sein Vater war bei der Armee, allerdings zu Zeiten der Nationalen Volksarmee. Doch zunächst arbeitete er zivil. Nach seinem erweiterten Realschulabschluss machte der Berliner eine zweijährige Ausbildung zum KFZ-Servicemechaniker und nutzte die anschließende Möglichkeit der Weiterführung zum KFZ-Mechatroniker. Nach fast vier Jahren Arbeit in der „zivilen Welt“, entschloss sich der Technikbegeisterte im Sommer 2009 zum Eintritt in die Bundeswehr als Soldat auf Zeit in der Laufbahn der Unteroffiziere: „Mich haben Dinge bewogen zur Bundeswehr zu gehen, womit man sich identifizieren kann: Disziplin, Uniformträger zu sein, aber größtenteils bin ich wegen der Technik gekommen.“

