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Fliegen verbindet

Fürstenfeldbruck, 17.01.2012.
Bei der 9. Inspektion der Offizierschule der Luftwaffe durchlaufen die Anwärter für den fliegerischen Dienst bei Luftwaffe und Marine das Initial Flying Training, die fliegerische Erstausbildung der Phase 1 und werden auf ihre weiteren Ausbildungsabschnitte als angehende Piloten vorbereitet.

Wappen der 9.OSLw
Wappen der 9.OSLw (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Vor den Toren von München beginnt für den fliegerischen Nachwuchs der Luftwaffe und Marine die Ausbildung. Im Anschluss an Grundausbildung und Offizierslehrgang sowie des Studiums an den Universitäten der Bundeswehr in Hamburg oder München finden sich alle angehenden Luftfahrzeugführer bei der 9./OSLw in Fürstenfeldbruck ein, welche die eigentliche fliegerische Ausbildung organisiert.

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Anwärter Fliegerischer Dienst beim Antreten vor der 9. Inspektion
Anwärter Fliegerischer Dienst beim Antreten vor der 9. Inspektion (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Fürstenfeldbruck

Nach der Eignungsfeststellung der Phase 1 an der Offizierprüfzentrale (OPZ) in Köln und den Phasen 2 und 3 der fliegerischen Eignungsfeststellung am Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe (FMI) in Fürstenfeldbruck, die in der Regel vor dem Eintritt in die Bundeswehr stattfinden, haben die Anwärter für den Fliegerischen Dienst bereits mehrere Hürden auf dem Weg ins Cockpit überwunden, bevor der Traum vom Fliegen langsam Realität wird.

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Verfahrenstraining am Computer
Verfahrenstraining am Computer (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

„Somnium quod coniunget“

Für Fähnrich Ferdinand Schindler (22) aus Neuburg an der Donau ist der Leitsatz der 9. Inspektion schon Realität. Vor kurzem hat er die Phase 1 des IFT bestanden und den „Coin“, die nummerierte Wappenmünze der 9. Inspektion erhalten. Der lateinische Wahlspruch auf der Rückseite der Münze, der so viel bedeutet, wie „ein Traum, der verbindet“, beginnt wahr zu werden und wird ihn auf seinem weiteren Weg begleiten, denn die Fliegerei ist ein Traumberuf, der angehende - aktive wie ehemalige - Flieger für immer verbindet.

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Der Coin: Wappenmünze der 9. Inspektion der Offizierschule der Luftwaffe
Der Coin: Wappenmünze der 9. Inspektion der Offizierschule der Luftwaffe (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

„Luft ablassen“ gehört dazu

Neben der Aushändigung des Academics-Patches und der Verleihung des Coins dürfen die Fluganwärter als sichtbares Zeichen ihrer fliegerischen Verwendung fortan die Fliegerkombination tragen. Bevor die Lehrgangsteilnehmer jedoch vom Staffelchef den Coin und den Academics-Aufnäher überreicht bekommen, müssen sie zunächst einen simulierten „Flug“ durchführen. Dabei müssen sie am Boden eine bestimmte Route „abfliegen“, Funksprüche absetzen und gelernte Fliegerische Verfahren durchspielen. Der Flug endet im Kameradenkreis mit einer Landung im Regenschauer, bei der der Aspirant unter Zuhilfenahme technischer Hilfsmittel nass gespritzt wird. Verletzt wurde bei diesem Manöver bisher übrigens niemand.

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Unterdruckkammer beim Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe in Königsbrück
Unterdruckkammer beim Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe in Königsbrück (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Kameradschaft und Teamgeist

Beide Eigenschaften sind gefragt - hat Fähnrich Schindler auf seinem bisherigen Weg bereits gelernt. Seit Herbst 2009 ist er bei der Luftwaffe und hat die elfmonatige kombinierte Grund – und Offizierausbildung an der Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck sowie ein Truppenpraktikum beim heimatnahen Jagdgeschwader (JG) 74 in Neuburg hinter sich gebracht. „Obwohl ich mich bereits seit der Schulzeit für die Fliegerei bei der Luftwaffe interessiere, hat mir das Truppenpraktikum beim JG 74 erst den richtigen Einblick verschafft. Während der drei Monate als Flugbetriebsgehilfe im Geschwadergefechtsstand habe ich einiges über den Flugbetrieb gelernt und viel Kontakt zu Piloten gehabt.“

Hochleistungszentrifuge beim Flugmedizinischen Institut am Standort Königsbrück
Hochleistungszentrifuge beim Flugmedizinischen Institut am Standort Königsbrück (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Bevor es für ihn zur 3. Luftwaffenausbildungsstaffel nach Goodyear / Arizona zur Phase II des Initial Flying Trainings auf dem Flugzeugmuster Grob 120A geht, muss er noch für eine Woche nach Königsbrück zur Abteilung Flugphysiologie des Flugmedizinischen Instituts der Luftwaffe (FMI). Dort durchläuft er den flugphysiologischen Grundlehrgang, der unter anderem die Stationen „Druckkammerflug“, „Zentrifugenfahrt“ und „Disorientierungstraining“ umfasst. Den Rest der Zeit bis zum Lehrgangsanfang in Goodyear - im Januar 2012 - hat er nochmals praxisnah beim JG 74 in Neuburg verbracht.

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Die Lehrgangsteilnehmer sind stolz auf das bisher Erreichte
Die Lehrgangsteilnehmer sind stolz auf das bisher Erreichte (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Motivation und Wille

„Die Ausbildung ist anstrengend und fordernd", erklärt Fähnrich Schindler, „aber es macht auch Spaß, neue Dinge kennenzulernen. Was man schaffen will, das schafft man auch. Mein Ziel ist es später, Eurofighter in Neuburg zu fliegen und ich freue mich schon auf den Tag, wenn es mit dem Fliegen richtig losgeht. Auch wenn zur Zeit Umstrukturierungen und Reduzierungen die Stimmung in der Truppe dämpfen, würde ich wieder zum Fliegerischen Dienst bei der Luftwaffe gehen“ meint Fähnrich Schindler.

Routenberechnung auf der Flugkarte
Routenberechnung auf der Flugkarte (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Wartezeiten zwischen den Ausbildungsabschnitten sind zwar nicht unbedingt befriedigend, doch dennoch gelingt es bisher, die Anwärter des Fliegerischen Dienstes - so wie bei Fahnenjunker Schindler - einer sinnvollen Zwischenverwendung in den Verbänden zuzuführen, welche im unmittelbaren Zusammenhang mit der Fliegerei steht.

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Inspektionschef Oberstleutnant Michael Adams
Inspektionschef Oberstleutnant Michael Adams (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Aviatik-/ ILST-Studium

Sowohl zur Reduzierung des derzeitigen Überhangs an Personal im fliegerischen Dienst, aber auch für die zukünftige Neuausrichtung des Fliegerischen Dienstes, die einen Bachelor-Abschluss vorsieht, wird ab Herbst 2011 für Anwärter im Fliegerischen Dienst ein Aviatik-, respektive ILST-Studium angeboten. Mit eingeschlossen in das ingenieurwissenschaftliche-, respektive betriebswirtschaftliche Studium ist der Erwerb der CPL (Commercial Pilot License) oder der ATPL (Airline Transport Pilot License). Ab September 2011 belegten als Pilotprojekt jeweils 10 Anwärter den Studiengang Aviatik an der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur/Schweiz und den Internationalen Studiengang für Luftfahrtsystemtechnik und Management (ILST) an der Fachhochschule in Bremen. Damit kann die Wartezeit bis zur militärfliegerischen Ausbildung für die Anwärter im Fliegerischen Dienst sinnvoll genutzt werden. Nach erfolgreichem Abschluss dieser besonderen Studiengänge können die Absolventen dann wieder in die weitere, fliegerische Ausbildung der Luftwaffe überwechseln.

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Lehrgang Überleben See in Nordholz
Lehrgang Überleben See in Nordholz (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Kernauftrag

Oberstleutnant Michael Adams, Tornado-Pilot und Inspektionschef der 9./OSLw, beschreibt die Aufgaben seiner Inspektion so: „Kernauftrag ist für uns die vorfliegerische Ausbildung, die fliegerische Erstausbildung und die Vorbereitung der Anwärter Fliegerischer Dienst auf ihre weitere Ausbildung. Im Rahmen der vorfliegerischen Ausbildung nehmen die Lehrgangsteilnehmer an einem achtwöchigen, fliegerenglischen Fachlehrgang (US Qualification Course) teil, der weltweit einzigartig ist. Im Anschluss daran findet das fünfwöchige Initial Flight Training I (IFT) statt, besser bekannt unter dem Namen Academics (Theorie), bei dem sechs Leistungsnachweise mit einer 85 Prozent-Hürde auf dem Niveau des zivilen Pilotenscheines (PPL) bestanden werden müssen. Natürlich wird auch dieser- bei uns in der Regel fünf mal im Jahr stattfindende- Ausbildungsabschnitt in englischer Sprache abgehalten."

Im Hörsaal wird Kartenmaterial bearbeitet
Im Hörsaal wird Kartenmaterial bearbeitet (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Zu unseren Lehrgangsteilnehmern gehören nicht nur Piloten und Waffensystemoffiziere (WSO), sondern auch angehende Transportpiloten, Taktik- u. Systemoffiziere (TSO) für C-160 Transall und Luftfahrzeugoperationsoffiziere (LOPO) für die P-3 Orion der Marine.“ Nach Abschluss des IFT der Phase I schließen sich für die Anwärter Fliegerischer Dienst noch zwei einwöchige Lehrgänge in Königsbrück (Flugphysiologisches Training) und Nordholz (Überlebenslehrgang See) an, bevor es in den Jahresurlaub, eine Zwischenverwendung oder zum IFT II bei der 3. Luftwaffenausbildungsstaffel nach Goodyear/Arizona geht.

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Grob 120A über der Wüste in Arizona
Grob 120A über der Wüste in Arizona (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Vorbereitung Amerika

Hinzu kommen noch die Lehrgänge für die Rückkehrer aus Goodyear/Arizona, die das IFT II auf dem Flugzeugmuster Grob 120A bestanden haben. Zur gezielten Vorbereitung auf die nachfolgende fliegerische Ausbildung auf der Sheppard Air Force Base/Texas (Jet-Piloten), Pensacola/Florida (WSO, TSO u. LOPO) und Bremen (Transportpiloten) durchlaufen alle Anwärter Fliegerischer Dienst dann noch einen dreiwöchigen Lehrgang, der sie speziell auf die ersten zwei bis drei Monate der bevorstehenden Ausbildung vorbereitet. Dazu gehören Leistungsüberprüfungen, sportliche Vorbereitung und das tägliche Abfragen von Notfallverfahren. Für Oberleutnant Simon Wecklein (25) aus Würzburg steht dies noch auf dem Programm, bevor er geplanter Weise zum Undergradute Pilot Training (UPT) nach Sheppard AFB/Texas versetzt wird und zunächst auf dem Turboprop-Trainer T-6 Texan II und - wenn alles gut läuft - danach auch auf dem Überschalltrainer Northrop T-38C seine Jet-Pilotenausbildung absolvieren wird.

Pilotenanwärter macht sich mit T-6 Cockpit vertraut
Pilotenanwärter macht sich mit T-6 Cockpit vertraut (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Oberleutnant Wecklein, der vor dem erfolgreichen Durchlaufen der beiden Phasen des IFT bereits ein dreijähriges Studium der Luft- und Raumfahrttechnik (LRT) an der Bundeswehr Hochschule in München hinter sich gebracht hat, sieht die Schwerpunkte seiner bisherigen Ausbildung in strukturiertem Herangehen an neue Aufgaben sowie einfach nur Teamwork: „Das Studium hat mir geholfen, komplexe Aufgabenstellungen zu bewältigen und Wert auf richtiges Zeitmanagement zu legen. Für die Fliegerei ist dies im Hinblick auf vorgeschriebene Procedures (Verfahren) und möglichem Zeitdruck sehr wichtig. Aber auch Teamfähigkeit und Zusammenhalt untereinander sind wichtige Punkte in der Fliegerei.“

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T-6 Texan II: Trainer bei der Pilotenausbildung in Texas
T-6 Texan II: Trainer bei der Pilotenausbildung in Texas (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Weitere Aufgaben

Neben der Kernaufgabe der fliegerischen Vor- und Erstausbildung ist die 9./OSLw aber auch verantwortlich für die Ausbildung des gesamten Flugsicherheitspersonals der Bundeswehr und führt darüber hinaus Seminare, Tagungen und eine Reihe von Sonderlehrgängen durch. Dazu gehören unter anderem Luftfahrtenglisch, Langstreckennavigation und Seminare für Fluglehrpersonal in Rahmen des Crew Ressource Managements (CRM). Mit den Lehrgängen im Rahmen des IFT und rund 30 weiteren Lehrgängen, Seminaren und Tagungen hat die Inspektion ein reichhaltiges Programm. Die nächste Zukunft wird für die Lehrgangsplanung der 9./Inspektion einige Veränderungen mit sich bringen, die es im Rahmen der Neuausrichtung der Streitkräfte zu bewältigen gilt, doch der Leitgedanke „Somnium quod coniunget“ wird für das Fliegende Personal der Bundeswehr weiterhin seine Gültigkeit behalten und sie auch zukünftig untereinander verbinden.

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Stand vom: 30.03.12 | Autor: Ulrich Metternich


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