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Die Flugbereitschaft im Wandel

Bonn, Köln-Wahn, Berlin, 20.10.2011.
Die Modernisierung und Erneuerung der Mittel- und Langstreckenluftfahrzeuge der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung schreitet voran – eine Bestandsaufnahme.

Airbus im Hangar
Airbus im Hangar (Quelle: Luftwaffe/Markus Schulze)Größere Abbildung anzeigen

Die zunehmende internationale politische und wirtschaftliche Vernetzung begründen weltweit kontinuierlich zunehmenden Konsultations- und Abstimmungsbedarf. Diese vielfach durch Schlagworte wie „Interaktion durch interkulturelle Kompetenz“ und „Globalisierung“ beschriebenen Prozesse erfordern von modernen Staaten unter anderem ausreichende Transportkapazitäten – konkret: Das richtige Flugzeug für den jeweiligen Zweck.

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Letzter Zuwachs in der Familie: Übergabe der ersten Global 5000
Letzter Zuwachs in der Familie: Übergabe der ersten Global 5000 (Quelle: Luftwaffe/Sylvia Wiemers)Größere Abbildung anzeigen

Das richtige Flugzeug für den jeweiligen Auftrag

Für die Funktionsträger der politischen Ebene und damit besonders für die jeweiligen Regierungen sind flexible, jederzeit verfügbare und möglichst multifunktionale Lufttransportmöglichkeiten großer Reichweite mit umfassenden Kommunikationsmöglichkeiten notwendig. Die an ein modernes Lufttransportmittel für die Staats- und Regierungsführungen gestellten operationellen Kernforderungen beinhalten im wesentlichen die uneingeschränkte Teilnahme am weltweiten Luftverkehr bei Tag und Nacht, bei jedem Wetter sowie nach Sicht- und Instrumentenflugregeln.
Vor dem Hintergrund dieser schon jetzt bestehenden und in die Zukunft prognostiziert stetig steigenden Anforderungen an die Fähigkeiten der eingesetzten Lufttransportmittel wurde die Modernisierung der Luftfahrzeuge für den politischen Bereich durch die zuständigen Gremien des Deutschen Bundestages im Jahre 2006 beschlossen und anschließend flexibel und zügig umgesetzt. Für die Bundesrepublik Deutschland stellt die Bundeswehr diese Lufttransportkapazitäten in einem Verband der Luftwaffe als Teil eines insgesamt übergreifenden strategischen und taktischen Lufttransportauftrages bereit.

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Die Flugbereitschaft in Köln-Wahn aus der Luft
Die Flugbereitschaft in Köln-Wahn aus der Luft (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Auftrag und Stationierung der Flugbereitschaft BMVg

Die Flugbereitschaft BMVg ist ein militärischer Verband der Luftwaffe. Der Auftrag des Verbandes ist durch die vier Teilaufgaben „Lufttransporteinsatz“, „Passagier- und Frachtabfertigung“, „Herstellen und Erhalten der Einsatzbereitschaft“ und die „Abwicklung des Regierungs- und Staatsflugbetriebes“ gekennzeichnet. Sie ist am Flughafen Köln/Bonn stationiert und betreibt zusätzlich eine abgesetzte Staffel mit drei Hubschraubern des Typs AS 532 Cougar am Standort Berlin-Tegel. Langfristig soll sie die Lufttransportkapazitäten für den politischen Bereich am Standort Schönefeld - und zwar aus einem eigenständigen militärischen Bereich heraus - bereitstellen. Die rein militärischen Transportaufgaben - einschließlich der Luftbetankung und des Transports von medizinisch zu betreuenden Personen - werden nach aktueller Planung vorwiegend mit den heute schon am Standort Köln/Bonn befindlichen Luftfahrzeugen vom Typ Airbus A 310 MRTT durchgeführt. Mit anderen Worten: Lediglich die zu VIP-Zwecken genutzten Maschinen sind langfristig für den Standort bei Berlin nach heutigem Stand geplant. Bereits heute sind für den Einsatz im politisch / parlamentarischen Bereich regelmäßig bis zu zwei Challenger CL 601 samt Besatzungen in Berlin-Tegel vorstationiert, die Zug um Zug durch die neuen Global 5000 ersetzt werden.

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Challenger im Landeanflug
Challenger im Landeanflug (Quelle: Luftwaffe/Toni Dahmen)Größere Abbildung anzeigen

Stand der Dinge

Die Flugbereitschaft BMVg stellt mit einer Flotte von Lang- und Mittelstreckentransportluftfahrzeugen einen wesentlichen Teil der Lufttransportkräfte der Luftwaffe. Die eingesetzte Flotte besteht zur Zeit aus den Luftfahrzeugen (Lfz) des Typs Airbus A310, den in Berlin Tegel stationierten Hubschraubern AS 532 Cougar, den seit Mitte 2010 neu zugeführten zwei Airbus A319 CJ und seit April 2011 eingeführten zwei Airbus A340-300. Geplant könnten noch drei Maschinen des Typs Global 5000 bis Ende des Jahres 2011 dazukommen, nachdem der Luftwaffe die erste Maschine dieses Typs bereits am 22. September übergeben wurde. Alle neuen VIP-Maschinen können kurzfristig auch mit einem Rüstsatz zur Strategischen Luftrettung (StratMedEvac) genutzt werden.

Ein Airbus mit Tanker-Rüstsatz auf der Platte
Ein Airbus mit Tanker-Rüstsatz auf der Platte (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Die fünf Airbus A310 in den möglichen Rüstvarianten „Multi Role Transport“ (MRT) und „Multi Role Transport Tanker“ (MRTT) bewerkstelligen weiterhin im Schwerpunkt den Transport militärischen Personals und Materials in die Einsatzgebiete und zu den Ausbildungseinrichtungen oder Dienststellen der Bundeswehr im In- und Ausland. Vier dieser Maschinen sind in der Version MRTT jederzeit umrüstbar und wegen ihrer Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten die „Arbeitspferde“ der Flugbereitschaft BMVg. Sie werden für nationale wie multinationale Luftbetankungsoperationen, Verlegeoperationen für Material und Personal sowie Ausbildungsvorhaben - vorrangig im Auftrag des Europäischen Lufttransportkommandos EATC in Eindhoven/Niederlande - oder auch auf Anfrage verbündeter Streitkräfte sowie im Rahmen von NATO-Aufgaben eingesetzt.

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Verletzte werden aufgenommen
Verletzte werden aufgenommen (Quelle: Luftwaffe/Ingo Bicker)Größere Abbildung anzeigen

Einsatz zur Luftrettung

24 Stunden am Tag, an 365 Tagen im Jahr, im nationalen oder internationalen Auftrag, steht der Verband neben seinen klassischen Lufttransportaufgaben für sogenannte Medical Evacuation Einsätze (MedEvac) bereit. Sie dienen dem sicheren militärischen Lufttransport von Verwundeten, Unfallverletzten oder Kranken (VUK). Das betreffende Verfahren dazu kommt als Strategische Luftrettung - respektive unter der Abkürzung StratAirMedEvac - nicht nur den Soldaten, sondern auch auf Anfrage Zivilpersonen zugute. Zusätzlich zu dem oben dargestellten Leistungsspektrum der Flugbereitschaft BMVg werden die zur Verfügung stehenden Lufttransportmittel auch für Hilfeleistungen bei humanitären Einsätzen und Evakuierungsoperationen für deutsche Staatsbürger abgerufen und eingesetzt.

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Der Airbus A319 CJ für Mittel und Langstrecken
Der Airbus A319 CJ für Mittel und Langstrecken (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

VIP - Transport

Die Modernisierung der Luftfahrzeuge der Flugbereitschaft BMVg wurde notwendig, da das Leistungsspektrum der vorhandenen Luftfahrzeuge modernen Anforderungen nicht mehr voll entsprach und gleichzeitig die Betriebskosten nutzungsbedingt angestiegen waren. Beginnend im Jahre 2010 hat die Flugbereitschaft BMVg für den Auftragsanteil „Abwicklung des Regierungs- und Staatsflugbetriebes“ die ersten Luftfahrzeugen (von geplant acht) für die mittleren und langen Flugstrecken in den Flugbetrieb übernommen. Das notwendige Investitionsvolumen beinhaltet den Kauf einer „2+4“-Flotte neuer Luftfahrzeuge (zwei Airbus A319CJ und vier Global 5000) einschließlich der erforderlichen technisch-logistischen und systemgebundenen flugbetrieblichen Unterstützung. Dabei sollte noch Erwähnung finden, dass insbesondere die beiden Airbus mit ihrer außerordentlichen Reichweitenverlängerung durchaus auch Langstrecken nonstop erfliegen können.

Ausmusterung absehbar: A310 als VIP-Maschine
Ausmusterung absehbar: A310 als VIP-Maschine (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Zusätzlich wurden zwei von der Lufthansa übernommene und generalüberholte Airbus A340-300 „VIP-Version“ bereitgestellt. Mit der Übertragung des ersten A340-300 in den Flugbetrieb der Flugbereitschaft BMVg ab Mai 2011 begann der Ersatz der bei der Luftwaffe bisher genutzten zwei Airbus A310 VIP. Mit einer Reichweite von knapp 13.350 Kilometer kann der neue Langstreckenairbus so ziemlich jedes relevante Ziel auf dem Globus nonstop ansteuern. Die getätigten Investitionen sind mit Blick auf die Zukunft und unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Nutzungsdauer der neuen Luftfahrzeugmuster gut angelegt. Die im Design und der ingenieurtechnischen Auslegung begründete maximale Lebenserwartung dieser Luftfahrzeuge wird selbst mit einer Einsatzdauer von 25 Jahren bei der Flugbereitschaft BMVg nicht überschritten. Mit den nun zulaufenden moderneren Luftfahrzeugen neuerer Generation steht ein Mix aus unterschiedlichen Luftfahrzeugmustern für den politisch-parlamentarischen Flugbetrieb zur Verfügung. So kann den Aspekten Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Planungssicherheit bei gestiegener Flexibilität und größerem Einsatzspektrum deutlich besser Rechnung getragen werden.

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Der neue Airbus A 340
Der neue Airbus A 340 (Quelle: Luftwaffe/Volker Mais)Größere Abbildung anzeigen

Sicherheit vor terroristischer Bedrohung

Die Verbreitung von bodengebundenen Flugabwehrwaffen, hier vor allem sogenannte „Man Portable Air Defense Systems” (MANPADS), hat weltweit zugenommen. Ein prominenter Vertreter dieser Gruppe von Waffensystemen ist das System „Stinger“, ein schultergestütztes Abschussgerät für einen Lenkflugkörper mit Infrarot-Zielsuchkopf. Die Verbreitung dieser verhältnismäßig einfach zu bedienenden, effektiven Systeme führt gerade für Regierungsflugzeuge zu einer enormen - wenn auch potentiellen - Bedrohung. Die Qualität der Bedrohung ist vor allem in den kritischen Phasen eines Fluges, nämlich Start und Landung, ausgesprochen groß.
Reichweite und Präzision dieser hochmobilen Waffensysteme erzeugen besonders im Nahbereich von Flugplätzen eine im Grundsatz latent vorhandene Gefährdung. Für alle acht „neuen“ Luftfahrzeuge der Mittel- und Langstrecke sind daher Aufnahmemöglichkeiten für eine Selbstschutzausstattung gegen die potentiell bestehende Bedrohung vorgesehen. Mit Anbau der Sensoren und Effektoren eines entsprechenden Schutzsystems werden die Luftfahrzeuge lagebezogen bestmöglich und technisch bedrohungsgerecht geschützt sein.

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Alt und Neu auf der Platte
Alt und Neu auf der Platte (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Dienstleister allround

Die Flugbereitschaft BMVg hat sich gut für die laufenden wie kommenden Aufgaben aufgestellt. Seit 2001 stellt sie Lufttransportkapazitäten für ISAF zur Verfügung. Mit mehr als 300 Flugstunden pro Monat leistet sie einen umfangreichen Beitrag zur Gesamtoperation und hat im Jahr 2010 in Köln-Wahn allein 47.000 Passagiere abgefertigt – um nur zwei Beispiele aus dem Bereich Lufttransport zu benennen. Der A310 MRTT verschafft der Bundeswehr die Möglichkeit, auch Langstreckenoperationen ohne fremde Hilfe durchzuführen – beispielsweise für weitreichende Verlegeoperationen. Schließlich sind auch die mit zusätzlicher Reichweitenleistung ausgerüsteten VIP-Maschinen zeitgemäß und auftragsgemäß eine Bereicherung der Fahigkeitspalette, um so mehr diese Maschinen auch für MedEvac-Einsätze umrüstbar sind. Insgesamt kann sich damit die Bundeswehr im internationalen Vergleich sehen lassen: Es gibt kaum eine Forderung, für die sie nicht mittlerweile das geeignete Flugzeug hätte oder absehbar in Aussicht stellt: Als Dienstleister für die Bundeswehr, den parlamentarischen Sektor und für die Belange von EU und NATO wird sich die Flugbereitschaft BMVg auch langfristig am Standort des kommenden BBI - bedarfsgerecht - etablieren.

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Stand vom: 20.10.11 | Autor: PIZLw


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