Die Sprache der Kampfpiloten
Neuburg an der Donau, 26.01.2012.
Fingertip, Echelon, Diamond – Flugformationen sind nicht nur schön anzuschauen, sie haben auch ihre eigene Sprache und Berechtigung. Ein kleiner Einblick in das Vokabular der Kampfpiloten…

In der Kampffliegerei dienen Formationen verschiedenen Zwecken. Taktisch hält man sich gegenseitig den Rücken frei, maximiert die Feuerkraft, minimiert die Optionen des Gegners, behält die Initiative oder vergrößert den Suchbereich der Sensoren.
Während des An- und Abflugs und innerhalb der Flugplatzkontrollzone werden die Flugzeuge meist in eine enge Formation zusammengeführt. Nur der Formationsführer erhält Anweisungen und spricht mit der Bodenkontrollstation. Seine Flügelmänner fliegen in einem Abstand von wenigen Metern. Der große Vorteil von engen Formationen liegt bei der Reduzierung des Funkverkehrs und der Möglichkeit, mehrere Flugzeuge schnell und gleichzeitig zurückzuführen.

Flight und Star
Mehrere Flugzeuge werden als „Flight“ bezeichnet. Das Rufzeichen besteht in der Regel aus einem - von mehreren dem Geschwader zugewiesenen - taktischen Rufnahmen, auch „Callsign“ genannt.
Die Flügelmänner werden durchnummeriert. Das Rufzeichen der Viererformation bei der 50 Jahr - Feier des Jagdgeschwaders 74 war zum Beispiel „Star“ (für alle vier Flugzeuge) und „Star 1“ bis „Star 4“, wenn ein Einzelflugzeug angesprochen wurde. Die Formation bestand an diesem Tag aus zwei Piloten des JG 74 und jeweils einem Piloten der beiden anderen Eurofightergeschwader.

Rotte, Schwarm und Diamond
Als Rotte wird in der Militärischen Luftfahrt eine Formation aus zwei oder drei Flugzeugen bezeichnet. Von einem Schwarm spricht man ab vier Flugzeugen. Um eine Flight anführen zu können, bedarf es zuerst der Ausbildung zum Rottenführer und später zum Schwarmführer. Der Diamond ist bis auf Nummer 4 eine Fingertip-Formation. Das vierte Flugzeug fliegt nicht auf der äußersten rechten Seite sondern „im Slot“ hinter Nummer 1 und zwischen den Flügelmännern.

Fingertip
Der Name sagt es: Wie die Fingerspitzen unserer Hand fliegen die Flügelmänner (sogenannte „Wingmen“) am Flügel ihres Formationsführers („Flight-Lead“). Standardmäßig fliegt Nummer 2 auf der linken Seite, während Nummer 3 und Nummer 4 auf der rechten Seite fliegen.
Liegt die Entfernungen bei taktischen Formationen zwischen den Flugzeugen in der Regel zwischen zwei bis zehn km, beträgt der Abstand im Fingertip lediglich ein bis zwei Meter. Die Flügelmänner behalten beim Kurvenflug ihre relative Position bei, was für die für die Nummer 4 beipielsweise heißt, dass er einen weiteren Weg nach oben zurücklegen muss, um bei einem Richtungswechsel nach links weiterhin in Position zu bleiben. Wird der Abstand auf rund zwei bis vier Flugzeugbreiten (15-30 Meter) vergrößert, spricht man von der „Route Formation“.

Echelon
Für die Landung müssen die Flugzeuge einer Flight aufgelockert werden. Hierbei fliegt die Formation in rund 500 Meter einen vorab festgelegten Punkt über der Landebahn an - den sogenannten „Initial Point“ - und teilt unmittelbar danach die Formation mit dem „break turn“ auf. Die Flight muss vorher auf der abgewandten Seite des aufgereiht werden, damit der Formationsführer zuerst „brechen“ kann. Hierzu wird die Echelon-Formation eingenommen. Der Formationsführer fliegt an der Spitze, während die anderen Kampfjets auf seiner linken oder rechten Seite folgen. Beim Kurvenflug in Echelon bleiben die Formationsmitglieder auf der gleichen Höhe wie ihr Anführer.
So weit alles klar… ?


